Die Intersnack Group GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf ist ein internationaler Hersteller von salzigen Snacks für Marken und Handelsmarken. In Deutschland ist die Intersnack Deutschland SE mit Sitz in Köln für das operative Geschäft zuständig. Das im Privatbesitz befindliche Unternehmen gehört zur Pfeifer-&-Langen-Gruppe und erzielte 2023 einen Umsatz von rund 4,29 Milliarden Euro bei weltweit 13.801 Mitarbeitern.
Zu den im deutschen Markt bekannten Marken gehören funny-frisch, Chio, Pom-Bär, Estrella, Vico, Hula Hoops, McCoy’s.
1962 begann die Unternehmerfamilie von Opel mit der Produktion von Kartoffelchips in Petersau. Aus den Anfangsbuchstaben der Gründer setzt sich der Name der Marke Chio zusammen (Carlo, Heinz und Irmgard von Opel).[2][3] 1968 gründete das Kölner Zuckerunternehmen Pfeifer & Langen die Firma Chipsfrisch.[3][4] Dieses Tochterunternehmen fusionierte 1972 mit dem Teilbereich für salzige Snacks des Münchener Lebensmittelproduzenten Pfanni.[5] Für das gemeinsame Sortiment wurde die Marke funny-frisch kreiert.[3][6] Durch Fusion entstand 1977 das Unternehmen Convent Knabbergebäck GmbH & Co., das die Marken Chio und funny-frisch führte.[2]
Das Unternehmen Josef Wolf GmbH & Co. KG,[7] (Wolf Bergstraße) wurde 1905 in Darmstadt-Eberstadt als Bäckerei gegründet.[8] 1967 etablierte dieses südhessische Unternehmen die Marke goldfischli durch Kauf einer Lizenz und anschließend der Markenrechte von Kambly, einem Schweizer Anbieter; 20 Jahre später kreierte es die Marke Pom-Bär.[9]
1995 übernahm die Convent-Gruppe die Josef Wolf GmbH & Co. KG und gründete die Intersnack Knabber-Gebäck GmbH & Co. KG.[10]
Nach dem Zusammenschluss zur Intersnack Knabbergebäck GmbH baute das Unternehmen die Auslandsaktivitäten aus.[11] Zu diesem Zeitpunkt verfügte Intersnack bereits über Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften im Ausland. Dazu zählten Werke in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Polen und Großbritannien. Zudem existierten Absatzniederlassungen in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Slowenien. In weiteren europäischen Ländern wurden die Intersnack-Produkte über rechtlich unabhängige Händler vertrieben.[12] 1998 vereinbarte Intersnack eine Kooperation mit Vico, dem Marktführer für Kartoffelchips in Frankreich.[13]
Im August 1997 schätzte die Fachzeitschrift Lebensmittel Zeitung den Umsatz der Intersnack-Gruppe auf eine Milliarde DM; den Umsatz im Inland taxierte sie auf 70 Prozent. Damals organisierten Convent und Wolf unter dem Dach der Holding Intersnack Knabber-Gebäck GmbH & Co. KG ihre Inlandsgeschäfte separat.[14] Zum 1. Januar 2000 wurden Convent und Wolf operativ zusammengelegt.[15][16]
Ende 2002 und Anfang 2003 litten die Anbieter von Kartoffelchips in Deutschland unter der Debatte über Acrylamid in Lebensmitteln.[17][18] Auch Intersnack büßte Umsätze ein,[19] erholte sich davon jedoch rasch.[20] Die Einführung von Ofenchips (2003) verstand Intersnack unter anderem als eine Antwort auf die Acrylamid-Debatte.[21]
Im Jahr 2008 fusionierte die Intersnack-Gruppe mit der Nut-Company, zu der auch die Marke ültje gehörte. Mit dem Zusammenschluss gingen die von der Nut-Company betriebenen Nussmarken und -sortimente in die Unternehmensstruktur von Intersnack über, wodurch das bestehende Produktangebot um ein Nusssegment erweitert wurde.[22]
Ab 2005 verfügte Intersnack über Werke in Rumänien und Bulgarien.[23] Ein Jahr später vereinbarten Intersnack und Lorenz Snack-World einen Austausch ihrer Aktivitäten in Frankreich und Polen. Dabei übernahm Lorenz das zuvor zu Intersnack gehörende polnische Unternehmen Polsnack, während Lorenz Snack-World France in die Intersnack-Gruppe integriert wurde. Die bestehenden Marken beider Unternehmen wurden in beiden Ländern weiterhin auf Grundlage von Markenlizenzverträgen produziert und vermarktet.[24][25] Den österreichischen Marktführer Kelly erwarb die Gruppe 2007.[26][27] Im März des Folgejahres genehmigte die Bundeswettbewerbsbehörde den Kauf.[28] 2007 erwarb Intersnack ebenfalls einen Minderheitsanteil von Largo (heute Tayto), einem Anbieter auf dem irischen Markt.[29] Der Anteil wurde später auf 51 Prozent erhöht[30] und 2015 wurden schließlich 100 Prozent der Anteile übernommen.[31][32]
2008 wurde aus der Interimsgesellschaft Atrium Knabber-Gebäck GmbH & Co. KG[33] durch Umfirmierung die Intersnack Group GmbH & Co. KG. Zugleich wurde der Sitz dieser Gesellschaft von Köln nach Düsseldorf verlegt.[34]
Im Dezember 2012 übernahm die Intersnack Group das britische Unternehmen KP Snacks von United Biscuits für geschätzte 500 Millionen Pfund.[35][36] Dieser Kauf war nach Eigenangaben die bis dahin bedeutendste Akquisition in der bisherigen Unternehmensgeschichte.[37] Der Erwerb von Estrella Maarud folgte 2014. Damit verstärkte die Gruppe ihre Tätigkeit in Skandinavien und im Baltikum.[38] Den britischen Chips-Hersteller Tyrrells übernahm die Gruppe 2018.[39]
2012 erwarb die Intersnack-Gruppe die Spreeback GmbH.[40] 2015 nahm Aldi Intersnack-Markenprodukte in sein Sortiment auf. Andere Lebensmitteleinzelhändler forderten daraufhin reduzierte Einstandspreise.[41][42] Nach intensiven Verhandlungen einigte man sich mit allen Kunden, unter anderem mit Edeka und dessen Discounter, Netto, Mitte 2016.[43] 2019 gab Intersnack seinen Standort in Cloppenburg auf.[2]
Im Mai 2020 kündigten die Intersnack Knabber-Gebäck GmbH & Co. KG und die ültje GmbH an, ihre Aktivitäten im Marketing und Vertrieb zu bündeln.[44]
Über die britische Tochtergesellschaft KP Snacks übernahm die Intersnack-Gruppe 2024 das Unternehmen Whole Earth Foods. Whole Earth galt zum Zeitpunkt der Übernahme als marktführende Marke für Erdnussbutter in Großbritannien.[45]
Im Jahr 2025 begann der Ausbau mehrerer Standorte der Intersnack Deutschland SE. Am Werk in Alsbach-Hähnlein entsteht eine rund 10.000 Quadratmeter große Produktionshalle mit Logistikbereich. Am Standort Wevelinghoven werden mehrere Anbauten errichtet, um die Werksfläche zu vergrößern und so eine zusätzliche Produktionslinie für Chips zu schaffen.[46][47]
Die Intersnack Group GmbH & Co. KG ist die Holding der Intersnack-Gruppe. Vorstände der Intersnack-Gruppe sind Henrik Bauwens, Johan van Winkel und Fabien Duvilla.[1]
Die Gruppe agiert überwiegend auf europäischer Ebene sowohl im Marken- als auch im Eigenmarkengeschäft. Über Tochterunternehmen ist die Gruppe europaweit sowie in Asien, Australien und Neuseeland vertreten.[48][49] Stand Dezember 2023 gehören 75 Tochterunternehmen zur Intersnack-Gruppe sowie 31 Produktionsstandorte in Europa, fünf Standorte in Asien und weitere sieben Standorte verteilt auf Australien und Neuseeland.[1]
Die Intersnack Group GmbH erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von knapp 4,29 Milliarden Euro und beschäftigte international 13.801 Mitarbeiter.[1]
Sitz der Zentrale der Intersnack Deutschland SE ist Köln. Seit 2022 ist Karl Westing Sprecher der Geschäftsleitung.[50] Produziert wird in Deutschland an fünf Standorten: Alsbach, Petersau bei Frankenthal, Olsberg, Schwerte und Wevelinghoven (Grevenbroich).[51][52]
Intersnack und ihre Tochtergesellschaften produzieren Chips, Nussprodukte, Extruder- und Pelletprodukte, Laugengebäck, Cracker, Erdnussbutter,[45]Popcorn und ähnliche Produkte für die Lebensmittelbranche.[53] Im europäischen Markt für salzige Snacks gilt Intersnack nach PepsiCo als Nummer zwei.[54]
Zu den Marken gehören Erstmarken wie funny-frisch,[48]Chio, Estrella,[55]Hula Hoops,[56] Pom-Bär, McCoy’s,[57] ültje, Vico,[58] Tayto,[59] Maarud,[60]Tyrrells, Popchips[61] und Whole Earth[62] sowie Handelsmarken bzw. Eigenmarken des europäischen Einzelhandels.[63]
Die wichtigsten Marken in Deutschland sind funny-frisch, Chio, Pom-Bär, Tyrrells, Whole Earth sowie ültje.[64][62] Beispielhaft für die Herstellung von Handelsmarken in Deutschland ist das 1896 von Harry Trüller gegründete Unternehmen Trüller, später The Snack & Nut Company GmbH, das zur Intersnack Deutschland SE gehört.[65]
Die Intersnack Deutschland SE engagiert sich in Deutschland über ihre Marken im Sport-Sponsoring, vor allem im Bereich Fußball. Die Marke funny-frisch war in den Spielzeiten 2003/04 und 2004/05 Trikotsponsor des 1. FC Köln[67] und ist seit 2024 offizieller Partner der Bundesliga und der 2. Bundesliga.[68][69] Darüber hinaus ist die Marke Chio seit 2022 offizieller Partner der NFL in Deutschland.[70] Im Bereich E‑Sport unterstützt Intersnack das Team Fokus Clan seit 2018.[71]
12345678 Intersnack-Group: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2023 bis zum 31.12.2023, veröffentlicht im Unternehmensregister am 25. Februar 2025, abgerufen am 12. März 2026.
123Hermann Gerdes: Intersnack macht die Türen zu. In: Nordwest-Zeitung (Ausgabe: Der Münsterländer). 25. November 2017.
123Angaben zur Geschichte.In:Intersnack Knabber-Gebäck GmbH & Co. KG.ArchiviertvomOriginalam25.Oktober 2021;abgerufen am 20.November 2025.
↑Wolf und Convent nun gemeinsam. In: Darmstädter Echo. 29. August 1999.
↑Andreas Chwallek: Geschäft mit Knabberartikeln brummt. In: Lebensmittel Zeitung. 11. Februar 2000.
↑Günther Stockinger:„Warten wäre katastrophal“.Der Zürcher Lebensmitteltoxikologe Josef Schlatter über Gesundheitsgefahren durch Acrylamid in der Nahrung.In:Der Spiegel.30.Dezember 2002,abgerufen am 1.Juli 2019.
↑Übernahme: Deutscher Snackhersteller schluckt österreichischen Marktleader. Kelly geht an den Hauptrivalen Intersnack. In: Wirtschaftsblatt, 6. Juli 2007.
↑Iris Tietze: Intersnack-Deal auf dem Prüfstand. In: Lebensmittel Zeitung, 28. März 2013.
↑John Mulligan:Irish Tayto chief resigns after 35 years following buyout deal. In: BelfastTelegraph.co.uk. 24.März 2017, ISSN0307-1235 (belfasttelegraph.co.uk[abgerufen am 2.Februar 2026]).
↑Sie wurde 1995 in Köln als GmbH & Co. KG gegründet. 2001 erfolgte die Umwandlung in eine KG, 2004 eine weitere Umwandlung in eine GmbH & Co. KG. Siehe hierzu den Eintrag zur Intersnack Group GmbH & Co. KG in der Datenbank Creditreform (Unternehmensinfo Kompakt, Crefonummer 5050627701) vom 7. Juni 2019.
↑Intersnack Group GmbH & Co. KG: Handelsregister-Bekanntmachungen vom 18. November 2008.
↑Intersnack Group GmbH & Co. KG: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2017 bis zum 31.12.2017. Publiziert am 13. Dezember 2018 im Bundesanzeiger.
↑Dicker Happen. In: Darmstädter Echo, 3. November 2012.