Imiterit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt gelegentlich kleine, nadelige Kristalle bis etwa einen Zentimeter Länge mit starkem Metallglanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich in Form unregelmäßiger Körner und in Mineral-Aggregaten. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und seine Farbe variiert zwischen Hellgrau, Silbergrau und Stahlgrau bis Schwarz.
Erstmals entdeckt wurde Imiterit im Silbererz-Tagebau „Imiter“ (Imiter Mine) bei Boumalne Dadès in der marokkanischen Provinz Ouarzazate. Die Erstbeschreibung erfolgte durch J. J. Guillou, J. Monthel, P. Picot, F. Pillard, J. Protas und J. C. Samama, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten. Das Mineralogenteam um Guillou sandte seine Analyseergebnisse und den gewählten Namen zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1983-038), die den Imiterit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte 1985 im französischen Fachmagazin Bulletin de Minéralogie und wurde ein Jahr später im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist mit der Publikation der New Mineral Names bestätigt.
Die ursprünglich von den Erstbeschreibern gewählte Schreibweise Imitérit (französisch Imitérite) ist seit 2008 diskreditiert, da sich der namensgebende Tagebau ohne Akut über dem ‚e‘ schreibt und es sich daher um ein überflüssiges diakritisches Zeichen handelt.[6]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[7]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Imiterit ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M:S>1:1 (hauptsächlich 2:1)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorkommenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Quecksilber (Hg), Thallium (Tl)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.BD.05 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Imiterit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Brodtkorbit in der unbenannten Gruppe 02.05.08 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=3:2“ zu finden.
Kristallstufe mit Imiterit-Nadeln von mehreren Millimetern Größe aus der Imiter-Mine, Marokko (Größe: 4,0 cm × 3,0 cm × 2,6 cm)Imiterit (silbrige Nadeln) auf Proustit (dunkelrot) aus der Imiter-Mine (Gesamtgröße:5,8cm×3,6cm×2,7cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Imiterit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2013) etwas mehr als 10 Fundorte bekannt sind.[8] Neben seiner Typlokalität, dem Tagebau „Imiter“ trat das Mineral in Marokko bisher nur noch in der nahegelegenen Grube „Igoudrane“ im Jbel-Sarhro-Gebirge.
In Deutschland fand man Imiterit bisher in einem Gabbro-Steinbruch bei Nieder-Beerbach in Hessen und den Gruben „Alexander“ und „Dörnberg“ bei Ramsbeck im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist Ruden im Astental in der Goldberggruppe in Kärnten.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die „San Giovanni Mine“ bei Bindua in der italienischen Provinz Carbonia-Iglesias (Sardinien), die „Andrássy III. Mine“ in der ungarischen Gemeinde Rudabánya, die Grube „Lill“ bei Březové Hory und Jáchymov in Böhmen sowie die „Golden Rule Mine“ bei Jamestown im Tuolumne County (Kalifornien) und die „Geis Mine“ bei Cone Butte im Fergus County (Montana) in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[9]
Jean-Jacques Guillou, Jacques Monthel, Paul Picot, François Pillard, Jean Protas, Jean-Claude Samama:L'imitérite, Ag2HgS2, nouvelle espèce minérale; propriétés et structure cristalline. In: Bulletin de Minéralogie. Band108, 1985, S.457–464 (französisch, rruff.info[PDF; 693kB; abgerufen am 18.November 2022]).
Imiterite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy;abgerufen am 17.November 2022(englisch).
David Barthelmy:Imiterite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 17.November 2022(englisch).
Imiterite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 17.November 2022(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.72 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
123
Imiterite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 17.November 2022]).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.134 (englisch, rruff.info[PDF; 2,8MB; abgerufen am 30.Mai 2019]).