IPS/UPS

IPS/UPS bezeichnet das Verbundnetz in Russland und in einigen angrenzenden Ländern der ehemaligen UdSSR bzw. der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) sowie in der Mongolei. Es zählt zu den weltweit größten und erstreckt sich über acht Zeitzonen.
Folgende Kennziffern für das IPS/UPS wurden in einer Studie aus dem Jahr 2008 angegeben: installierte Gesamtleistung 337 GW, Spitzenlast 215 GW, Jahresverbrauch 1285 TWh und 280 Mio. Verbraucher.[1.1]
Struktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]UPS steht für Unified Power System of Russia (russisch Единая энергетическая система России) und bezeichnet das russische Verbundnetz. Darüber hinaus existieren in Russland die folgenden fünf Inselnetze: Region Kamtschatka, Oblaste Magadan und Sachalin, Autonomer Kreis der Tschuktschen und Norilsk-Taimyr-Netz in der Region Krasnojarsk.[2]
Das UPS ist in sieben Hauptnetze unterteilt, die wiederum in 75 Regionalnetze aufgeteilt sind. Die Hauptnetze sind:[2]
- UPS Zentrum (Центр): Zentralrussland
- UPS Süd (Юг): Südrussland und Nordkaukasus
- UPS Nord-West (Северо-Запад): Nordwestrussland
- UPS Mittlere Volga (Средняя Волга): Wolga
- UPS Ural (Урал): Ural
- UPS Sibirien (Сибирь): Sibirien
- UPS Osten (Восток): Ferner Osten
IPS steht für Integrated Power System (russisch Единая энергетическая система России). Das IPS besteht aus den synchronisierten Netzen der folgenden Länder, wobei Belarus, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien und die Mongolei direkt mit dem UPS verbunden sind, während Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan über Kasachstan mit dem UPS synchronisiert sind.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den 1920er-Jahren wurden die Stromnetze in Moskau und St. Petersburg mittels einer 110-kV-Leitung verbunden und synchronisiert. 1926 ging der erste Lastverteiler für dieses gemeinsame Verbundnetz in Betrieb. 1956 wurde eine 400-kV-Leitung zwischen Samara und Moskau errichtet, da etwa zur gleichen Zeit auch zwei große Wasserkraftwerke an der Wolga (Kuibyschewer Stausee und Wolgograder Stausee) in Betrieb gingen. Damit wurden auch die Stromnetze im europäischen Teil der ehemaligen Sowjetunion synchronisiert.[3.1]
In den 1960er- und 1970er-Jahren wurden weitere Stromnetze an das bereits bestehende Verbundnetz im europäischen Teil der ehemaligen Sowjetunion angeschlossen (Ukraine 1962, Kasachstan und Sibirien 1978). Dies führte dazu, dass 1969 auch ein zentraler Lastverteiler in der UdSSR eingerichtet wurde. Von 1962 bis 1987 wurden die Stromnetze der ehemaligen COMECON-Staaten synchronisiert, wozu 1962 auch ein gemeinsamer Lastverteiler in Prag geschaffen wurde. Als notwendige Voraussetzung dafür wurden mehrere 400 kV bzw. 750 kV Leitungen errichtet.[3.2] Nach dem Zerfall der Sowjetunion zerbrach auch das gemeinsame Verbundnetz. So betrieben z. B. Polen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn das gemeinsame Verbundnetz CENTREL, bis dann 1995 der Synchronschluss von CENTREL mit dem europäischen Verbundnetz erfolgte.
Als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine ab dem 24. Februar 2022 koppelten die Ukraine und die Republik Moldau ihre Stromnetze vom IPS ab und synchronisierten diese am 16. März 2022 mit dem europäischen Verbundnetz. Dieser Schritt war zuvor im Jahr 2021 noch für 2023 geplant.[4]
Die Stromnetze der baltischen Staaten waren Teil des IPS/UPS, zu Finnland im skandinavischen Verbundnetz NORDEL bestand die HGÜ-Kurzkupplung Wyborg mit einer Scheinleistung von 1,42 GVA (Wirkleistung: 1 GW), welche die einzige Gleichstromkurzkupplung in Russland ist.[5] Am 8. Februar 2025 erfolgte die Entkopplung der baltischen Staaten von dem Verbundsystem.[6] Damit wurde das Stromnetz in Kaliningrad zu einem Inselnetz.[7]
IPS/UPS und UCTE
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 2002 wurde von Seiten des IPS/UPS das Interesse bekundet, einen Synchronschluss mit dem europäischen Verbundnetz durchzuführen. Daraufhin wurden verschiedene Studien durchgeführt, um die Machbarkeit und die Auswirkungen eines Synchronschlusses von IPS/UPS und UCTE zu analysieren.[1.1][8] Das Ergebnis einer Studie war, dass die Kapazitäten zum Stromtransport sehr begrenzt sind: in West-Ost-Richtung auf 1000 MW und in Ost-West-Richtung auf 3000 MW.[1.2]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Feasibility Study: Synchronous Interconnection of the IPS/UPS with the UCTE Summary of Investigations and Conclusions. (PDF) www.so-ups.ru, 1. November 2008, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).
- 1 2 3 Электроэнергетические системы России. www.so-ups.ru, abgerufen am 22. August 2026 (russisch).
- European, CIS and Mediterranean Interconnection: State of Play 2006 3rd SYSTINT Report Ref: 2007-030-0428. (PDF) Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E), 11. April 2007, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).
- ↑ Continental Europe successful synchronisation with Ukraine and Moldova power systems. In: entsoe.eu. Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber, 16. März 2022, abgerufen am 29. April 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Operating experience and ways to improve reliability of Vyborg back-to-back HVDC link. In: eCIGRE. Cigré, 2018, abgerufen am 24. Januar 2022 (englisch).
- ↑ Baltic states making historic switch away from Russian power. In: bbc.com. British Broadcasting Corporation, 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Malte Kirchner: Kaliningrad jetzt im Inselbetrieb: Baltische Staaten wechselten das Stromnetz. In: heise online. 10. Februar 2025, abgerufen am 29. April 2025.
- ↑ FEASIBILITY STUDY : SYNCHRONOUS INTERCONNECTION OF THE POWER SYSTEMS OF IPS / UPS WITH UCTE. (PDF) ENTSO-E, 2004, S. 1, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).