Hörblach
Hörblach Markt Schwarzach am Main | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | 49° 47′ N, 10° 13′ O | ||||||
| Höhe: | 191 m ü. NHN | ||||||
| Fläche: | 4,57 km²[1] | ||||||
| Einwohner: | 375 (25. Mai 1987)[2] | ||||||
| Bevölkerungsdichte: | 82 Einwohner/km² | ||||||
| Eingemeindung: | 1. April 1971 | ||||||
| Postleitzahl: | 97359 | ||||||
| Vorwahl: | 09324 | ||||||
Lage von Hörblach (fett) innerhalb des Schwarzacher Gemeindegebietes
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Die folgenden Verwaltungseinheiten waren Hörblach übergeordnet.
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Gerichtlich unterstand Hörblach folgenden Instanzen.
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Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vom Bürgermeister zum Ortssprecher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über die innerdörfliche Ordnung der Vergangenheit ist aus Hörblach kaum etwas bekannt. Wahrscheinlich war der Ort wie vergleichbare Gemeinden im Umland organisiert. Die Bevölkerung wählte aus ihren Reihen einen Dorfmeister oder Vorsteher, der allerdings gegenüber der Obrigkeit keinerlei Befugnisse innehatte, sondern lediglich als Ansprechpartner fungierte. Ihm gegenüber stand der weitaus mächtigere Schultheiß, der vom Grundherren eingesetzt wurde.
Mit dem Übergang an Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt Hörblach dann einen gewählten Ortsvorstand. Die Bezeichnung des Vorsitzenden dieser Repräsentanten wechselte zunächst, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierte sich auch für die kleineren Dörfer die Bezeichnung Bürgermeister. In Hörblach übernahmen Mitglieder der Familie Falkenstein am häufigsten das Amt des Bürgermeisters. Bereits im 18. Jahrhundert tauchen Vertreter ihrer Familie als Bürgermeister auf.[18]
| Liste der Bürgermeister von Hörblach (Auswahl) | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Amtszeit | Anmerkungen | |||||
| N. Pfaff | 1888–1903 | ||||||
| Valentin Reuß | 1905–1913 | ||||||
| N. Ruß | 1919–1922 | ||||||
| August Hubert | 1923–1929 | ||||||
| N. Rehberger | 1930–1944 | ||||||
| Johann Erk | 1944–1946 | ||||||
| August Falkenstein | 1946–1947 | ||||||
| August Goldschmitt | 1947–1951 | ||||||
| Hans Hubert | 1951–1968 | Gastwirt | |||||
| Bruno Leierer | 1968–1971[19] | ||||||
Die Vornamen der Bürgermeister aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind nicht mehr alle zu identifizieren. Besonders bemerkenswert ist, dass der von den Nationalsozialisten 1944 eingesetzte Bürgermeister Johann Erk auch unter den amerikanischen Besatzern weiter im Amt blieb. Nach dem Verlust der jahrhundertealten Eigenständigkeit in den 1970er Jahren erhielten die ehemals selbstständigen Orte des Schwarzacher Beckens einen Ortssprecher, der sich um ihre Vertretung im neuen Gemeinderat kümmern sollte.
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bewohner von Hörblach wurden im 16. Jahrhundert erstmals eher zufällig während der sogenannten Huldigungen des Grundherren erfasst. Damals schwörten alle männlichen Familienvorstände den Eid auf den Bischof von Würzburg. Durch Hochrechnungen ließen sich etwa 100 Personen im Ort ausmachen. Die Zahl schwankte auch nach dem Wiederaufbau des Dorfes nach dem Dreißigjährigen Krieg immer um 100 Personen. Anders als in den Dörfern der Umgebung wurde in Hörblach die Sitte der Realteilung nicht praktiziert, sodass die Bevölkerung nicht anstieg.[20]
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Hörblach von über 150 Menschen bewohnt. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts überschritt man die 200-Einwohner-Marke. Da keine neuen Häusern außerhalb des Ortskerns errichtet wurden, lebten noch 1931 nur 230 Personen in Hörblach. Die Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg ließen das Dorf dann auf über 300 Personen wachsen. Ein solcher, kurzzeitiger Anstieg der Bevölkerung wurde in den 1960er Jahren nochmals durch den Bau der Autobahn erreicht. Heute leben um die 300 Personen in Hörblach.
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner |
|---|---|---|---|---|---|
| nach 1558 | um 113 | 1852 | 234 | 1961 | 285 |
| nach 1622 | um 99 | 1905 | 251 | 1975 | 201 |
| 1725 | 186 | 1939 | 256 | 1979 | 314[20] |
| 1804 | 201 | 1950 | 341 | 1987 | 375[2] |
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Baudenkmäler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]St. Vitus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kirche ist ein Neubau des beginnenden 20. Jahrhunderts. Zuvor stand an dieser Stelle das alte Rathaus von Hörblach, mit einem Fachwerkobergeschoss und einem kleinen Dachreiter, das auch die Schule der Gemeinde aufnahm. 1901 war die Bevölkerung so stark gewachsen, dass man über eine eigene Filialkirche nachdachte. Noch im selben Jahr wurde das Rathaus abgebrochen. Es dauerte allerdings noch bis ins Jahr 1907, bis der erste Gottesdienst gefeiert werden konnte.
Zunächst war das Gotteshaus im Stile der Neugotik geplant worden, mangelnder Platz an der Stelle des alten Rathauses führte jedoch im Verlauf der Planungen zur Errichtung einer neubarocken Kirche. Sie ist mit einem vierseitigen Dachreiter ausgestattet und weist an der Schaufassade einen Schweifgiebel auf. Das Portal und die beiden Rundfenster sind reich profiliert. Außen hängt ein Gedenkstein, der an die Gefallenen der Gemeinde erinnert.
Der überwiegende Teil der Ausstattung kam kurz nach der Errichtungszeit in das Gotteshaus. Im Stile der Nazarener präsentiert sich der Altar von Franz Wilhelm Driesler aus dem Jahr 1905, der die heilige Familie mit dem Johannesknaben zeigt. Mehrere Figuren im Inneren der Kirche entstammen der Werkstatt des Stadtschwarzacher Künstlers Hans Dresch und kamen 1959 in das Gebäude. Besonders alt ist die Vitusglocke des Jahres 1732. Sie war wohl bereits im Dachreiter des Rathauses aufgehängt.
Bildstöcke und Kleindenkmäler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Besonders typisch für Hörblach sind die Bildstöcke, die als Wegmarken und als Zeichen der Volksfrömmigkeit überall in der Flur Aufstellung fanden. Der Bestand der Denkmäler ist allerdings durch Zerstörungen bedroht. So bestanden noch 1984 insgesamt fünf Martern in Hörblach, heute haben sich noch drei erhalten. Ältester Stock ist der sogenannte Vitusbildstock, der eng mit dem Ortspatron des Dorfes verbunden ist. Er fand vor der Kirche Aufstellung und wurde 1618 mit dem Relief des heiligen Veit im Kochtopf gestiftet.[21] → siehe auch: Vitusbildstock (Hörblach)
Die sogenannte Dreifaltigkeitsmarter im Flurteil „Am Schlossweg“, in der Nähe der Großlangheimer Straße ist dagegen wesentlich jünger. Sie wurde 1766 geschaffen, was eine heute entfernte Inschrift belegte. Die Vorderseite des schmalen Aufsatzes zeigt die heiligste Dreifaltigkeit, auf der Rückseite wurde die Verkündigung Mariens dargestellt. An den Seiten wurden, eventuell als Stifterfiguren, die Heiligendarstellungen des Drachentöters Georg (links) und des Paulus oder Michael (rechts) angebracht.
Aus dem 19. Jahrhundert stammt dagegen eine Marter, die in der Nähe der Fuchsgasse aufgestellt wurde. Zunächst war der Bildstock im Süden des Ortes zu finden, beim Bau der Autobahn verlegte man das Kunstwerk in das Dorf. Die Bildtafel wird von einer Pietà dominiert, darunter ist die Inschrift „Bitte für uns“ zu finden. Eine weitere Inschrift nimmt die Rückseite ein. Sie lautet: „1849 errichtet zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes. Erneuert von Wohltätern und der Gemeinde Hörblach 1956. Dresch“.[22]
Zwei weitere Bildstöcke sind heute nicht mehr in Hörblach auffindbar. 1984 bestand von der einen Marter noch der Sockel, auf dem eine Inschrift zu finden war, die auf die Stiftung 1760 verwies. Der andere Bildstock stand an der Straße nach Stadtschwarzach und wurde 1981 vor der Heiligkreuzkirche in Stadtschwarzach aufgestellt. Der Bildstock wurde von den Hörblachern „Schneblichen Marter“ genannt und zeichnet sich durch seine Nischen aus, die heute mit Metalltafeln verschlossen sind.
Die kleine Feldkapelle an der Großlangheimer Straße wurde 1939 von der Firma Gerlach erbaut und stellt einen Ersatz für die ursprünglich in der Hauptstraße befindliche Kapelle dar, die 1938 abgerissen wurde. Die alte Kapelle war ein schlichter Satteldachbau aus dem 18. Jahrhundert.[23] Heute ist die Feldkapelle ziegelgedeckt und bewahrt in ihrem Inneren eine Kopie der Pietà aus Großlangheim, die der Werkstatt Tilman Riemenschneiders zugeschrieben wird. Ursprünglich war eine Figur des Jesus an der Geißelsäule aufgestellt, die 1945 aber verbrannt sein soll. Die Kapelle wird heute irrtümlicherweise vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege auf 1760 datiert.
- Vitusbildstock vor der Kirche
- Die Feldkapelle
- Dreifaltigkeitsbildstock
- Pietà-Bildstock von 1849
Donnersgut
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ältester, urkundlich genannter Hof in Hörblach ist das sogenannte Donnersgut (auch Spitalhof) mit der alten Hausnummer 34 (heute Kitzinger Straße 6).[24] Es tauchte wohl bereits 1361 als Gut der Ritter von Dettelbach in den Quellen auf. Die Ritter verpfändeten das Gut im Laufe des 16. Jahrhunderts, sodass ein weiterer adeliger Besitzer mit Namen Donners in den Besitz kam. Donners wurde allerdings wegen begangenem Ehebruch ergriffen und sein Gut vom fürstbischöflichen Kastenamt Kitzingen eingezogen.
Während des Dreißigjährigen Krieges verfiel das Hofgut und auch die Felder wurden nicht mehr bebaut. Unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn erlebte das Donnersgut einen Wiederaufbau. Er schenkte den Hof am 22. November 1643 an seinen Cammer-Sekretarius Peter Sauer. Das Hofgut wurde in der Urkunde als lehensfrei bezeichnet. Nach Peter Sauer erbte sein Sohn, der Bürgermeister von Kitzingen war, das Donnersgut. Anschließend hatte Johannes Valentin Gehrig, Schultheiß aus Sommerach das Gut als Vormund des Hans Adam Sauer und seiner Geschwister inne.
Gehrig verkaufte das Donnersgut im Jahr 1729 an das Juliusspital Würzburg. Damals tauchte auch die erste Beschreibung des Hofgutes auf. Es bestand aus einem eingeschossigen, steinernen Wohnhaus an das Scheunen und Stallungen angebaut waren. Zwischen dem Juliusspital und dem fürstbischöflichen Amtskeller in Dettelbach kam es in der Folgezeit zu Streitigkeiten, weil in das eigentlich (belastungs-)freie Hofgut 1733 Soldaten einquartiert wurden. Damals saß der Beständer (Pächter) Johann Blass auf dem Gut. 1735 wurde der Streit beigelegt.
Am 7. November 1785 begann man damit, den juliusspitälischen Hof zu zerschlagen und aufzuteilen. Im Jahr 1789 hatte allerdings Johann Link alle Hofteile aufgekauft. Ihm folgte Georg Otto, der den Hof 1849 an seinen Sohn Michael Otto übergab. Wegen Überschuldung musste der Hof an Lippmann Weikersheimer aus Großlangheim veräußert werden. 1889 war der Hof in Händen des Georg Fröhling. Von ihm übernahm ihn 1918 sein Bruder Alois Fröhling, 1984 besaß Willibald Fröhling das Hofgut.[25]
Vitusverehrung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Verehrung des heiligen Vitus (oder Veit) in Hörblach ist wesentlicher älter, als es die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaute Vituskirche vermuten lässt. Der Ortspatron wurde insbesondere während der jährlichen Prozessionen von der Mutterkirche Stadtschwarzach aus in Form einer Figur durch das Dorf und die Flur getragen. Die Statue war von den Hörblachern der Kirche in Stadtschwarzach gestiftet worden und verblieb während dieser Prozessionen immer in den Händen der Hörblacher Bevölkerung.[26]
Um den heiligen Vitus ranken sich auch mehrere Geschichten, so sollen die Träger seiner Figur den Heiligen einmal in einem Feld vergessen haben. In den 1950er Jahren versuchten die Hörblacher auch die Vitusfigur in ihre eigene Kirche zu überführen. Allerdings mussten sie das Objekt kurze Zeit später zurückbringen, weil dem Stadtschwarzacher Pfarrer das Fehlen aufgefallen war.[27] Heute erinnert, neben der Kirche, noch der Vitusbildstock an die besondere Verehrung des Heiligen in Hörblach.
Anna-Guthwill-Stiftung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von kulturhistorischer Bedeutung ist die sogenannte Anna-Guthwill-Stiftung in Hörblach. Sie entstand zwischen 1616 und 1622 und geht auf die Landstiftung einer unbekannten Hörblacher Bäuerin zurück, der später der Name Anna Guthwill zugeschrieben wurde. Sie hinterließ dem Dorf ein Feld in der Flur Wiesackher, das in einzelne Parzellen für die Bewohner eingeteilt wurde. Die Bewohner leisteten eine Pacht, die der Stiftung zugutekam.
Der Zweck der Stiftung war ein sogenanntes Frauenfest. Jeden Faschingsdienstag trafen sich die Bewohnerinnen von Hörblach ohne ihre Männer und besuchten eine Messe zu Ehren der verstorbenen Stifterin. Anschließend zogen die Frauen zum Rathaus und durften dort auf Kosten der Stiftung Bier trinken. Die Obrigkeit versuchte lange Zeit, den Brauch zu verbieten, scheiterte jedoch immer. Im 20. Jahrhundert verlor der Brauch an Bedeutung.[28]
Regelmäßige Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mehrere regelmäßige Veranstaltungen prägen heute den Jahresverlauf in Hörblach. Insbesondere die katholische Kirche und ihr kultureller Einfluss prägte die Bräuche. Zu Beginn des Jahres ziehen die Schulkinder von Haus zu Haus und wünschen den Dorfbewohnern alles Gute im neuen Jahr. Die Entstehung dieses „Neujahrswünschen“ ist nicht bekannt. Einen ähnlichen Charakter besitzt das Ratschen während der Karwoche. Dabei ersetzen die lauten Ratschen der Kinder, die an jeder Tür klingeln, die während der Karwoche schweigenden Kirchenglocken.
Lange Zeit stellte man in Hörblach auch die sogenannte Mettenwache auf, die an Heiligabend die Dorfflur bewachte. Dabei zog ein Polizeidiener ab 21 Uhr zu jeder vollen Stunde mit der „Mettenpfeife“ durch das Dorf. Ein besonderer Brauch wurde vor dem Bau des Leichenhauses im Stadtschwarzacher Friedhof begangen. Die Hörblacher mussten geschlossen zur Beerdigung einer ihrer Nachbarn auftauchen, die Kinder erhielten sogar schulfrei, und durften im Gegenzug Brötchen mitnehmen. Der Tag einer Beerdigung wurde im Volksmund deshalb auch „Semmelestoch“ (Semmelstag) genannt.[29]
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaftlich ist Düllstadt heute weitgehend in den Strukturen der Gemeinde Schwarzach am Main aufgegangen. Ähnlich wie in den Nachbarorten pendelt man in die großen Industriebetriebe nach Kitzingen oder Würzburg aus. Jahrhundertelang war allerdings der Weinbau die vorherrschende Wirtschaftsform in Hörblach. Der Niedergang der Weinbaukultur erfolgte bereits im 18. Jahrhundert. Durch das Auftreten der Reblaus und die wirtschaftliche Krise zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam er vollständig zum Erliegen.
Ähnlich wie in den Gemeinden der benachbarten Mainschleife versuchte man zunächst durch die Obstbaumzucht auf die veränderten Bedingungen zu reagieren. Die sandigen Böden der Hörblacher Gemarkung waren vor allem für den Zwetschgenanbau geeignet. Daneben entstand 1868 ein kleines Flachsbrechhaus, das auf den Flachsanbau verweist. Allerdings stieg Flachs niemals zum Exportprodukt auf, sondern wurde lediglich für das Dorf selbst hergestellt. Lediglich während des Zweiten Weltkriegs lieferte man den in Hörblach produzierten Flachs auch aus.[30]
Heute spielt der Sandabbau für den Ortsteil Hörblach eine große Rolle, der auch das Bild der Gemarkung in den letzten Jahren stark verändert hat. Die Baggerseen entstanden durch die Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid, die noch heute an einigen von ihnen weiterbaggert. Die bereits renaturierten Seen sind verschiedenen Nutzungen unterworfen.[31] So wurde der größte der Seen in einen Baggersee umgewandelt. Langfristig besitzen die Hörblacher Seen auch ein touristisches Potential.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heute kann Hörblach durch seine Nähe zum Verkehrsknotenpunkt Stadtschwarzach als gut angeschlossen gelten. Bereits in der Frühen Neuzeit und am Übergang zum 19. Jahrhundert profitierte die kleine Siedlung durch seine Nähe zur Fährstelle Schwarzenau, die zwischen Würzburg und dem Steigerwald vermittelte. Allerdings brachte diese geografische Lage auch Probleme mit sich, weil Hörblach häufig als militärisches Quartier und Durchgangsstation missbraucht wurde. So waren im Mai 1807 424 französische Soldaten untergebracht.[32] Vor der Flurbereinigung stieß die Gemarkung von Hörblach direkt an die Fährstelle und die spätere Ludwigs-Brücke bei Schwarzenau.
Im äußersten Süden der Gemarkung ist heute die Autobahnauffahrt 74 Kitzingen/Schwarzach auf die Bundesautobahn 3 (Europastraße 45) zu finden. Sie entstand zwischen 1960 und 1964 und verbindet die BENELUX-Staaten mit dem südbayerischen Raum. Von ihr zweigt von Süden kommend die Bundesstraße 22 ab, die im Zuge des Autobahnbaus als Umgehungsstraße westlich des Dorfes vorbeigeführt wird und sich dann in Richtung Osten (Steigerwald/Bamberg) wendet. Die wichtige Kreuzung der Bundesstraße mit den Staatsstraßen 2271 und 2450 liegt bereits auf Stadtschwarzacher Gemarkung.
Mit der Kreisstraße KT 12 verläuft eine lokal wichtige Verbindung quer zur Hörblacher Hauptstraße durch das Dorf. Es handelt sich um die Großlangheimer Straße, die die gleichnamige Gemeinde mit Hörblach verbindet. Einzige, weitere benannte Straße ist die Kitzinger Straße, die das Rückgrat des Straßendorfes bildet. Der Main hat heute keine Verkehrsbedeutung für Hörblach mehr. Die nächsten Häfen sind in Volkach (Mainlände) und in Kitzingen (Häfen Kitzingen) zu finden. Hörblach wird von einer Buslinie der OVF angefahren. Es handelt sich um die Linie 8110 (Kitzingen-Dettelbach/Schwarzach-Volkach).[33]
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Liste der Lehrer (Auswahl) | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Amtszeit | ||||||
| Adalbert Zahn | 1884–1911 | ||||||
| Joseph Fertig | 1911–1923 | ||||||
| August Ullrich | –1965[34] | ||||||
Heute besitzt Hörblach keine eigene Schule mehr. Seit 1965 werden die Kinder in der Verbandsschule Schwarzacher Becken unterrichtet, die als eine der ersten überregionalen Schulen in Unterfranken entstand und in der Nähe von Stadtschwarzach errichtet wurde. Bereits im Mittelalter und der Frühen Neuzeit besuchten die Kinder aus Hörblach, die an die Stadtschwarzacher Pfarrkirche angeschlossene Schule. Erst 1788 erhielt das Dorf eine eigene Schule.[35]
Wohl im Jahr 1874 gewährte die Verwaltung Hörblach sogar ein eigenes Schulhaus, zuvor fand der Unterricht zumindest zeitweise auch im Rathaus statt. 1902 stockte man den Schullehrersaal auf. Im Obergeschoss war damals die Wohnung des Lehrers untergebracht. Unter Hauptlehrer Adalbert Zahn, der am 1. Juni 1884 seine Stelle antrat, wurde Hörblach zu einer mehrklassigen Dorfschule ausgebaut. Im 20. Jahrhundert beschränkte man sich allerdings auf die Unterrichtung in einer einzigen Klasse.
Hörblach liegt heute im Sprengel des Mittelschulverbundes Dettelbach-Volkach und ist der Rudolf-von-Scherenberg Mittelschule in Dettelbach zugeordnet. Weiterführende Schulen können mit der Mädchenrealschule in Volkach und mit der Realschule in Dettelbach besucht werden. Gymnasien gibt es in Münsterschwarzach (Egbert-Gymnasium), Volkach-Gaibach (Franken-Landschulheim Schloss Gaibach), Wiesentheid (Steigerwald-Landschulheim) und Kitzingen (Armin-Knab-Gymnasium).
Vereine und Verbände
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heute bestehen, aufgrund der geringen Größe des Ortes, nur noch zwei Vereine in Hörblach. Ältester ist der Feuerwehrverein, der sich bereits 1878 als Freiwillige Feuerwehr gründete. Zunächst bestand er aus acht Männern und wuchs in der Folgezeit. Im Jahr 1930 legte man einen Löschwasserteich für die Feuerwehr an. Während der nationalsozialistischen Diktatur wandelte man die Feuerwehr in einen Teil der Polizei um. Bereits 1947 erhielt die Hörblacher Feuerwehr eine Motorspritze.[36] Heute besitzt die Feuerwehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF). Amtierender Kommandant ist Christian Zinnheimer.[37]
Wesentlich jünger ist der Hörblacher Burschenverein. Er wurde am 1. März 1914 in Anlehnung an die katholische Landjugendbewegung ins Leben gerufen. Bereits 1923 erhielt der Verein eine eigene Fahne, die trotz der Auflösung des Vereins während der NS-Diktatur erhalten blieb. Kurzlebiger war dagegen ein Fußballklub in Hörblach, der sich 1920 gründete. Zwischen Stadtschwarzach und Hörblach bestand zu dieser Zeit auch ein Spielfeld.[38]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur über Hörblach
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Bauer: St. Vitus und das Dorf Hörblach. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1979. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1979. S. 160–161.
- Franziskus Büll, Josef Gerlach: Schwarzach am Main in alten Ansichten. Zaltbommel NL 1991.
- Hans A. Dresch: Quellen und Berichte zur Geschichte der Marktgemeinde Schwarzach am Main. Teil 1. Schwarzach am Main 1986.
- Erwin Gaßner: Aus der Geschichte von Hörblach. Hörblach 1984.
- O. A.: Freiwillige Feuerwehr Hörblach. 100 Jahre. 22.–24. Juli 1978. Hörblach 1978.
- Hans Rüthlein: Hörblach – Geschichte eines Dorfes in der Mainniederung. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 137–142.
- Reinhard Worschech: Der Weibertrunk von Hörblach. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1981. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1981. S. 146–147.
Weitere verwendete Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993.
- Gabriel Vogt: Markt Schwarzach am Main. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hrsg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 494–504.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hörblach auf www.schwarzach-main.de
- Hörblach in der Ortsdatenbank von bavarikon.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Gemarkung Hörblach (091152). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 11. Januar 2026.
- 1 2 Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 366 (Digitalisat). Referenzfehler: Fehlerhaftes
<ref>-Element: Der Einzelnachweis mit dem Namen „OVB1987“ wurde mehrere Male mit unterschiedlichen Inhalten definiert. - ↑ Markt Schwarzach a.Main, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 11. Januar 2026.
- 1 2 Rüthlein, Hans: Hörblach. S. 138.
- 1 2 Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 2.
- ↑ Vgl.: Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 3.
- ↑ Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 39. Bauer datiert auf 1134.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 3.
- ↑ Dresch, Hans A.: Quellen und Berichte zur Geschichte der Marktgemeinde Schwarzach am Main. S. 67.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 19.
- ↑ Rüthlein, Hans: Hörblach. S. 139.
- ↑ Rüthlein, Hans: Hörblach. S. 140.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 40 f.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 67.
- ↑ Vogt, Gabriel: Schwarzach am Main. S. 503.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 34.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 90 f.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 91.
- 1 2 Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 85.
- ↑ Bauer, Hans: St. Vitus und das Dorf Hörblach. S. 160 f.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 134–136.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 65.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 86 (Karte).
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 92–95.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 106.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 107.
- ↑ Worschech, Reinhard: Der Weibertrunk von Hörblach. S. 146.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 137–139.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 50 u. 67.
- ↑ LZR: LZR Broschüre Renaturierung, PDF-Datei, S. 13–16, abgerufen am 4. März 2019.
- ↑ Vgl.: Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 41.
- ↑ OVF: Hörblach, abgerufen am 2. Februar 2020.
- ↑ Büll, Franziskus: Schwarzach am Main in alten Ansichten. Bilder 42–44.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 33.
- ↑ o. A.: Freiwillige Feuerwehr Hörblach. S. 23–25.
- ↑ KFV Kitzingen: Freiwillige Feuerwehr Hörblach, abgerufen am 2. Februar 2020.
- ↑ Gaßner, Erwin: Aus der Geschichte von Hörblach. S. 61–63.

