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Hu Shuli

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Hu Shuli (2012)

Hu Shuli (chinesisch 胡舒立; * 1953) ist eine chinesische Journalistin, Herausgeberin, Mediengründerin und Verlegerin.[1][2] Sie wurde als Gründerin und Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins Caijing sowie als Gründerin von Caixin bekannt.[3][4] Im Jahr 2014 erhielt sie für ihren Einsatz für wahrheitsorientierten Journalismus, Transparenz und Verantwortlichkeit in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung den Ramon-Magsaysay-Preis.[2]

Hu Shuli stammt aus einer Journalisten- und Verlegerfamilie; ihre Mutter Hu Lingsheng war leitende Redakteurin der Arbeiterzeitung (工人日报) in Peking, ihr Großvater Redakteur einer Shanghaier Zeitung und ein Großonkel Verleger sowie stellvertretender Kulturminister vor der Kulturrevolution.[2] In Peking besuchte sie die renommierte 101-Mittelschule, die auch von Kindern einflussreicher Parteikader besucht wurde.[5] Während der Kulturrevolution geriet ihre Familie in Ungnade, ihre Mutter wurde zeitweise unter Hausarrest gestellt, und Hu schloss sich zunächst den Roten Garden an.[3][5] Kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag wurde sie aufs Land geschickt, später trat sie in die Volksbefreiungsarmee ein und arbeitete mehrere Jahre in einem abgelegenen Armeekrankenhaus in Jiangsu.[3] Nach der Wiederaufnahme des Hochschulbetriebs erhielt sie 1978 einen Studienplatz an der Renmin-Universität in Peking und studierte dort Journalismus.[3] Nach dem Studium arbeitete sie bei der Arbeiterzeitung und wurde 1985 in ein Büro in Xiamen versetzt, wo sie frühe Erfahrungen im Wirtschafts- und Reformjournalismus sammelte.[3] 1987 verbrachte sie als Fellow des World Press Institute fünf Monate in den Vereinigten Staaten, lernte dort investigative Redaktionen kennen und veröffentlichte nach ihrer Rückkehr ein Buch über US-amerikanischen Journalismus.[3][2] Während der Proteste auf dem Tian’anmen-Platz 1989 schloss sie sich demonstrierenden Journalisten an und wurde danach für achtzehn Monate von ihrer Zeitung suspendiert.[3][6] Später arbeitete sie sechs Jahre lang als Auslandsredakteurin der China Business Times.[2] 1998 übernahm sie auf Einladung von Wang Boming die Leitung des neuen Magazins Caijing und machte redaktionelle Unabhängigkeit sowie ein ausreichendes Budget für Recherchen zur Bedingung.[3] Im November 2009 verließ sie Caijing nach Konflikten über redaktionelle Freiheit, Unternehmensführung und Finanzen.[7][8] Anschließend baute sie mit Kollegen aus ihrem Umfeld das Medienunternehmen Caixin auf und war dort als Gründerin, Verlegerin und publizistische Leitfigur tätig.[2][1]

Hu Shuli ist eine bedeutende Vertreterin des investigativen Wirtschafts- und Finanzjournalismus in China.[3][5] Unter ihrer Leitung entwickelte sich Caijing zu einem zweimal monatlich erscheinenden Magazin mit einer Auflage von rund 225.000 Exemplaren.[7][2] Die Redaktion berichtete über Korruption, Unternehmensbetrug, illegale Handelspraktiken an der Börse Shanghai, Gewinnfälschungen bei Yinguangxia, die Privatisierung des Staatskonzerns Luneng und die Vertuschung des Ausmaßes der SARS-Pandemie von 2002/2003.[2][3] Bei der SARS-Berichterstattung verglich Caijing offizielle Angaben mit Zahlen der Weltgesundheitsorganisation und veröffentlichte mehrere Sonderausgaben, obwohl chinesische Behörden die öffentliche Darstellung der Epidemie zu kontrollieren versuchten.[3] Hu nutzte investigative Härte und ein taktisches Gespür für die Grenzen staatlicher Zensur und machte Caijing zu einem der seltenen Medien journalistischer Autonomie in China.[4] Der Konflikt von 2009 machte sichtbar, wie stark die Eigentümer und Teile des politischen Umfelds auf eine Abschwächung der aggressiven Berichterstattung drängten, während Hu und das Management redaktionelle Integrität und eine unabhängigere Eigentümerstruktur anstrebten.[7] Als Hu Caijing verließ, folgten ihr zahlreiche Reporter und Redakteure, was ihre persönliche Autorität und den von ihr gesetzten professionellen Standard unter chinesischen Journalisten zeigte.[8] Mit Caixin setzte sie den Schwerpunkt auf Recherchen zu Unternehmensbetrug und Regierungskorruption fort, darunter Berichte über den Verkauf von Kindern, die in Hunan von Familienplanungsbeamten beschlagnahmt worden waren.[2] 2011 nahm das Time-Magazin Hu in die Liste Time 100 auf und bezeichnete Caixin als herausragendes Beispiel für anspruchsvollen Journalismus in China.[9] 2017 führte Fortune sie in der Rangliste World’s 50 Greatest Leaders und hob ihre Rolle in einem stark kontrollierten chinesischen Medienumfeld hervor.[6]

Commons: Hu Shuli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Hu Shuli. In: Caixin Global. Abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Hu, Shuli. In: Ramon Magsaysay Award Foundation. Abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Evan Osnos: The Forbidden Zone. In: The New Yorker. 13. Juli 2009, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  4. 1 2 Austin Ramzy: China’s ‘Most Dangerous Woman’ Gets a New Forum. In: Time. 10. November 2009, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 Felix Lee: Hu Shuli: Die meinungsstärkste Frau von China. In: Die Presse. 2. März 2014, abgerufen am 5. Mai 2026.
  6. 1 2 Hu Shuli. In: Fortune. 2017, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 Editorial Dispute Threatens a Chinese Magazine. In: The New York Times. 12. Oktober 2009, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  8. 1 2 Evan Osnos: The Future of Chinese Journalism. In: The New Yorker. 12. November 2009, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  9. Adi Ignatius: Hu Shuli. In: Time. 21. April 2011, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).