Heimit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt leistenförmige, prismatische Kristalle von etwa 450µm Länge und 40µm Breite mit einem seiden- bis glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist durchsichtig und von grüner bis blassblauer Farbe und het eine ebenfalls blassgrüne Strichfarbe. Aufgrund der zu geringen Probengröße konnte allerdings bisher die Härte des Minerals nicht ermittelt werden.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2022 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2022-019[1]), die den Heimit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Heimit lautet „Him“.[2] Die Erstbeschreibung wurde am 30. Januar 2024 im Fachmagazin European Journal of Mineralogy veröffentlicht.[4]
Da der Heimit erst 2022 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er weder in der zuletzt 2009 aktualisierten[5]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik noch in der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Strunz’schen Systematik in der 8. Auflage basiert, verzeichnet.[6] Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana kennt den Heimit noch nicht.
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage (auch Strunz-mindat) ordnet den Heimit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ (englischPhosphates, etc. with additional anions, with H2O) ein. Hier ist er als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 8.DC.75 in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.):RO4=1:1 und <2:1“ (englischWith only medium-sized cations, (OH, etc.) : RO4 = 1 : 1 and < 2 : 1) zu finden (vergleiche dazu gleichnamige Unterabteilung in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).[7]
In der idealen Zusammensetzung von Heimit (PbCu2(AsO4)(OH)3·2H2O) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Blei (Pb) und Arsen (As), zwei Teilen Kupfer (Cu), neun Teilen Sauerstoff (O) und sieben Teilen Wasserstoff (H) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 36,98Gew.-%Pb, 22,68Gew.-%Cu, 13,37Gew.-%As, 25,70Gew.-%O und 1,26Gew.-%H.
Die Analyse von natürlichem Heimit, gemessen am Typmaterial, ergab eine durchschnittliche Zusammensetzung von 28,64Gew.-%CuO, 39,89Gew.-%PbO, 21,73Gew.-%As2O5 und einen ermittelten Gehalt von 9.49Gew.-%H2O sowie zusätzlich 0,25Gew.-%Calciumoxid (CaO). Die auf der Grundlage von neun Anionen pro Formeleinheit berechnete empirische Formel lautet entsprechend Pb1,04Ca0,03Cu2,1As1,1H6,14O9.[4]
Bei einer in Übereinstimmung mit der Strukturbestimmung angenommenen Anzahl von sieben Wasserstoffatomen ergibt sich ein berechneter H2O-Gehalt von 11,64Gew.-% und eine entsprechend angepasste empirische Formel von Pb0,97Ca0,02Cu1,95As1,02H7O9, die zur eingangs genannten Formel idealisiert wurde.[4]
Aus bisher ungeklärter Ursache ändern einige Heimitkristalle unter dem Elektronenstrahl des Rasterelektronenmikroskops seine Farbe von grün zu blau. Bei einigen Proben konnten auch dicht nebeneinander sitzende Kristalle mit veränderter und unveränderter Farbe beobachtet werden. Zudem wurden auf den Bergehalden einige Proben gefunden, die bereits bei der Entnahme blau gefärbt waren. Die chemische Analyse von blauen und farblosen bis blassgrünen Heimiten zeigte im Rahmen der Genauigkeit der EDXS-Messungen allerdings keine Abweichungen in der Zusammensetzung.[3]
Bisher konnte Heimit außer an seiner Typlokalität und am nahe gelegenen Hochmättli in den Glarner Alpen noch am Tieftobel in der Gemeinde Schmitten GR im Kanton Graubünden sowie in den Gruben Mine de Termino (auch Le Termenno) und Mine de Collioux supérieur bei Saint-Luc VS (Val d’Anniviers) im Kanton Wallis in der Schweiz gefunden werden. Daneben trat das Mineral nur noch in verschiedenen Gruben von Kamariza bei Agios Konstantinos im Regionalbezirk Ostattika in Griechenland auf.[8]
Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero,Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 68. In: Mineralogical Magazine. Band86, 2022, S.854–859, doi:10.1180/mgm.2022.93 (englisch, rruff.info[PDF; 121kB; abgerufen am 5.Juni 2024]).
Thomas Malcherek, Boriana Mihailova, Jochen Schlüter, Philippe Roth, Nicolas Meisser:Heimite, PbCu2(AsO4)(OH)3⋅2H2O, a new mineral from the Grosses Chalttal deposit, Switzerland. In: European Journal of Mineralogy. Band36, 2024, S.153–164, doi:10.5194/ejm-36-153-2024 (englisch, ejm.copernicus.org[PDF; 5,5MB; abgerufen am 5.Juni 2024]).
1234567Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero,Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 68. In: Mineralogical Magazine. Band86, 2022, S.854–859, doi:10.1180/mgm.2022.93 (englisch, rruff.info[PDF; 121kB; abgerufen am 5.Juni 2024]).
1234567891011121314Thomas Malcherek, Boriana Mihailova, Jochen Schlüter, Philippe Roth, Nicolas Meisser:Heimite, PbCu2(AsO4)(OH)3⋅2H2O, a new mineral from the Grosses Chalttal deposit, Switzerland. In: European Journal of Mineralogy. Band36, 2024, S.153–164, doi:10.5194/ejm-36-153-2024 (englisch, ejm.copernicus.org[PDF; 5,5MB; abgerufen am 5.Juni 2024]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Classification of Heimite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 5.Juni 2024(englisch,siehe auch Anker „Strunz-Mindat“).
↑
Fundortliste für Heimit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 5. Juni 2024.