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Hans Peter Reutter

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Hans Peter Reutter (* 14. August 1966 in Ludwigshafen am Rhein;[1] † 8. Oktober 2026 in Düsseldorf[2]) war ein deutscher Musiktheoretiker, Komponist und Kabarettist.

Hans Peter Reutter interessierte sich schon als Schüler für Musik, insbesondere Komposition. Er nahm an Kursen Jugend komponiert der Jeunesses Musicales Deutschland in Weikersheim bei Martin Christoph Redel und Theo Brandmüller teil.

Nach dem Abitur 1985 studierte Reutter an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg unter anderem bei György Ligeti, Wolfgang-Andreas Schultz und Christoph Hohlfeld Komposition, Klavier und Musiktheorie. Er schloss das Studium 1993 mit dem Diplom Komposition und als Diplommusiklehrer Theorie ab.

Sein 1985/86 komponiertes erstes Streichquartett À erlebte bei den Donaueschinger Musiktagen am 15. Oktober 1988 die deutsche Erstaufführung durch das Leonardo-Quartett.[3]

Schon während des Studiums begann Reutter zu unterrichten. Von 1998 bis 2005 lehrte er Komposition, Theorie und Gehörbildung am Hamburger Konservatorium. Ab 2003 war er an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf tätig. Dort wurde Reutter im Oktober 2005 zum Professor für Musiktheorie berufen.[1] Daneben war er in der Gesellschaft für Musiktheorie tätig, hielt zahlreiche Vorträge und schrieb Artikel unter anderem über Felix Mendelssohn Bartholdy, Anton Bruckner, Maurice Ravel, Gérard Grisey, Mikrotonalität, Prince, Kate Bush, Annie Lennox und Satzmodelle.[2]

Als Kabarettist trat er mit Künstlern wie Monty Arnold, Christoph Dompke, Thorsten Saleina und Käthe Lachmann auf. Mit Lutz von Rosenberg Lipinsky betrieb Hans Peter Reutter als Dr. Bertie von 1993 bis 1998 die Hamburger Kleinkunstbühne „SchlapplacHHalde“.

Reutter wurde mit dem Kompositionspreis des Internationalen Arbeitskreises für Musik Kassel und dem Stuttgarter Förderpreis ausgezeichnet. Er starb am 8. Oktober 2026 nach schwerer Krankheit im Alter von 60 Jahren in Düsseldorf.[2]

Veröffentlichungen

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Audioproduktionen und Kompositionen

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Reutter veröffentlichte einen Teil seines improvisatorischen und kompositorischen Schaffens auf der Plattform SoundCloud. Dort findet sich eine außergewöhnlich vielseitige Stilistik, sowohl Aufnahmen aus der 1999 erschienenen CD „Singen für Babsi“ als auch mikrotonale und weitere Kompositionen unter der soundcloud-Kategorie „Classical“.

Auf seiner Webpräsenz veröffentlichte Reutter das folgende Werkverzeichnis der Jahre 1985–2017:[4]

  • à'. erstes streichquartett (1985/86) (Aufführungen bei der Internationalen Gaudeamus-Musikwoche 1987, Amsterdam, Gaudeamus-Quartett; Donaueschinger Musiktage 1988, Leonardo-Quartett; Ligeti-Kongress, Hamburg, 1988, Arditti-Quartett)
  • Inside Up. A New Age Amoeba, für Violine und Violoncello (1986/87) (Aufführung zum Abschluss eines deutsch-französisch-niederländischen Kompositionsworkshops in Bielefeld und bei der Internationalen Gaudeamus-Musikwoche 1988, Amsterdam, durch Mitglieder des Mondriaan-Quartetts)
  • Drei Lieder nach Gedichten von Jorge Luis Borges (2000/07) für Sopran, Harfe, Gitarre und Viola; 1. Laberinto – 2a. La Follia – 2b. El laberinto – 3. Los enigmas (Uraufführung I–II: 11. Oktober 2000, Goethe-Institut Buenos Aires, Julia Henning, Gesine Dreyer, Miriam Götting und Satoshi Oba (Ensemble Chaosma); Uraufführung III: 12. Juni 2007, HfMT Hamburg, dieselben außer Vla: Mike Rutledge)
  • Vier Stücke (2000) für Gitarre solo, I. Fantasia – II. Toccata – III. Danza – IV. Canto (Uraufführung I, II + IV.: 11. Oktober 2000, Goethe-Institut Buenos Aires, Satoshi Oba (Ensemble Chaosma), deutsche EA: derselbe, 2. Dezember 2000, P.O.P.-Festival, Hamburg)
  • Songbook (1997–…) für Klavier bzw. Keyboard und Stimme I. Albumblatt – II. Kuntas Pinte – III. Kunst – IV. Tiernamen – V. Meinung (Uraufführung I.: 1997 Goethe-Institut Kyoto, Hubertus Dreyer und Hans Peter Reutter (Ensemble Chaosma); Uraufführung II.–V.: Museumskonzert Lorsch, 13. Septenber 1998, dieselben)
  • Chamber Concerto No. 1 (1996) für acht Instrumente, I. Cadenza discreditata – II. Déviations – III. Betonkopf (Uraufführung: Festival „Fließende Grenzen“, Hamburg 6. November 1996 Ensemble Chaosma)
  • Licht und Schatten (1995), Triosonate für Orgel, I. Reflets de soleil – II. Kadenzen – III. Lange Schatten (Uraufführung: Komponistenportrait, Bensheimer Musiktage 1995 durch Otfried Miller)
  • Quiconques veut d’amors joïr (1993) für zwei Klarinetten und Fagott, I. Perché me sfidi? – II. Never tell the same joke twice – III. Winterlied – IV. Winterlied – Double – V. Plaindre m’estuet (Aufführungen: Konzert der Stadt Künzelsau 1993; Summertime-Festival, Hamburg, SchlapplacHHalde; Komponistenportrait, Bensheimer Musiktage 1995; Festival „Fließende Grenzen“, Hamburg u. a. Hamburger Holzbläsertrio)
  • Orchestral Set No. 1 (1993) für drei Orchestergruppen (38 Ausführende) (Vermittlung im Forum Junger Komponisten der GEMA-Stiftung, geplant: Aufführung mit dem Sinfonieorchester des SWR)
  • Ciconia Always On My Mind für Sopran, Instrumente und MIDI-Zuspielungen (1992–…) verschiedene Fassungen von 5 – 14 Ausführende (Aufführungen: Eröffnung des Goethe-Instituts, Moskau, 1992; Festival „Fließende Grenzen“ Hamburg 1993; Chaosma-Ensemble, Hamburg; Konzert der Stadt Künzelsau 1993; 22.8.1994, SUMMERTIME-Festival, Hamburg, SchlapplacHHalde; 1997 Goethe-Institute Tokyo & Kyoto)
  • Bläserquintett (1989–93) in acht Sätzen, I. Danza delle vergini – II. Le Prince des étoiles – III. Little Fagotts – IV. Futarino samurai wa harakiri de supermarket o suru – V. KV 581 II – VI. Albern? Berg! – VII. Suburban Sanctuary – VIII. …à M. Fumeux (Teiluraufführung der Sätze I-III bei den „Tagen neuer Kammermusik Braunschweig 1989“ als Kompositionsauftrag).
  • Märchenbilder II für Flöte und mikrotonales Keyboard (1987–…), I. Sissi von Mandelbiß – II. Hinkel (Aufführungen beim Holland-Festival, Amsterdam; Ligeti-Kongress, Hamburg; Steirischer Herbst, Graz; Bensheimer Musiktage u. a. Fl: Gisela Müller, Caren Levine, Filine Precht, Turo Grolimund)
  • Horns and Pipes. Drei Stücke für zehn Bläser (1987) I. Horns – II. Pipes – III. Hornpipe (Förderpreis der Stadt Stuttgart 1987; Aufführung durch die Junge Philharmonie Stuttgart 1988)
  • Chamber Concerto No. 2 für Chor (oder 4 Solostimmen) und 12 Instrumentalisten im Raum (2004), daraus: Angelus-Silesius-Chöre; Stücke für Violine, Violoncello und Akkordeon (Teil-UA: Solisten der Badischen Staatskapelle, Ltg. Ulrich Wagner (2004) in der Bearbeitung für 15 Instrumente als „Studien“)
  • Mean Tone Miniature für zwei Klaviere im Vierteltonabstand (2006), (Aufführungen durch das Klavierduo Stefan Thomas und Frank Zabel, weitere Sätze in Planung)
  • Ungarische Tänze für Klavier vierhändig (2004–…), Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3 „Mbirabyte“ (weitere Sätze in Planung) (UA Nr. 1: 28. Juni 2007, Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, Frank Zabel und Hans Peter Reutter)
  • Yes Ma’am! für Horn, Posaune und Tuba (2008), (UA Okt. 08, Berlin, Zinc & Copper Works)
  • Schauspielmusik zu Les Misérables (2016), Schauspiel von Peter Lüdi, Besetzung: Solisten und Chor der Volksschauspiele Ötigheim, Philharmonie Baden-Baden, Ltg. Ulrich Wagner
  • Schauspielmusik zu Luther (2017), Schauspiel von Felix Mitterer, Spielfassung Rebekka Stanzel Besetzung: Solisten und Chor der Volksschauspiele Ötigheim, Philharmonie Baden-Baden, Ltg. Ulrich Wagner[5]

Auf seiner Website satzlehre.de veröffentlichte Reutter einen Satz-Lehrgang,[6] der mehrfach von namhaften Kollegen als empfehlenswerte Sammlung bezeichnet wurde.[7] Diese umfangreiche Sammlung veröffentlichte Reutter zwar ebenfalls auf seiner neuen Website,[8] konnte aber eine geplante Aktualisierung vor seinem Tod nicht mehr realisieren. Die unzähligen Beiträge seines Satzlehrgangs, die als Unterrichtsmaterial seines Hochschulunterrichtes konzipiert waren, sind kategorisiert in die musiktheoretischen Teildisziplinen:

  • Harmonielehre
  • SatzLehrgang
  • Kontrapunkt Vokalpolyphonie
  • Kontrapunkt (spätere Epochen)
  • Partiturkunde, Instrumentation
  • Formenlehre, Analyse
  • Wege durch das 20. Jahrhundert (z. T. aufeinander aufbauend)

Seine knapp 50 musiktheorischen Blog-Beiträge der Jahre 2015–2026 veröffentlichte Reutter ebenfalls auf seiner Website.[9] In seinen – für ein interessiertes Fachpublikum bestimmten – Blog-Beiträgen widmete er sich folgenden Themenfeldern:

  • Zwei Choralvertonungen, BWV 48 und 255, betrachtet nach verschiedenen Methoden
  • Eine choralartige Arie von Johann Christoph Bach (1642–1703)
  • Würdigungen, Analysen und Persönliches über meinen Kompositionslehrer György Ligeti
  • Satzmodelle – Reihe über das nützliche Werkzeug der Musiktheorie, mit persönlichen Einschätzungen
  • Strawinsky: Sacre – Schritt-für-Schritt-Analysen und Geschichten über das epochemachende Werk von 1913
  • Treibgut (romantische Harmonik)- Lockere Reihe über Lieblingsstellen, abgefahrene Akkorde und Modulationen der romantischen Musik. Blickwinkel Zeitgestaltung durch Harmonik
  • Verschiedenes – Hörtipps, Beobachtungen, Anekdotisches

Printveröffentlichungen, z. T. als Open Access

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  • Mikrotonalität als Inspirationshilfe. In: Mikrotöne und mehr, Hg. von Manfred Stahnke, Hamburg 2005, S. 189–196.
  • Mozart, Ravel, die imperfizierte Kadenz und die perfekte Melodie. Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie 5/1, 89-107. (Open Access).
  • Monument und Monopoly. György Ligetis erstes Stück für zwei Klaviere und Spieltheorie. in: Musiktheorie als interdisziplinäres Fach. 8. Kongress der GMTH Graz 2008, GMTH Proceedings 2008 S. 437–452. (Open Access)
  • Komposition zwischen Handwerkszunft, bürgerlichem Salon und akademischem Lehrbetrieb. Mendelssohns Lernen und Lehren in musiktheoretischer Betrachtung. In: Mendelssohn. Bürgerlichkeit und Öffentlichkeit. Mendelssohns Wirken in Düsseldorf, Hg. von Andreas Ballstaedt, Volker Kalisch, Bernd Kortländer, Schliengen 2012, S. 91–106.
  • Felix Mendelssohn Bartholdy. Interpretationen seiner Werke (2 Bd.), Hg. von Matthias Geuting, Laaber 2016. Mehrere Einträge (u. a. zu den Klavierquartetten o.op. & op. 1, 2 & 3).
  • Wellenzüge – Felsblöcke. Überkomponierte Satzmodelle in Bruckners 5. Symphonie. In: Musiktheorie und Improvisation. 9. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie Mainz 2009, Hg. von Jürgen Blume, Konrad Georgi, Mainz, 2015, S. 331–345.
  • Dem Willen der Töne folgen. Regelbildung in hybriden mikrotonalen Stimmungssystemen der „Hamburger Schule“. In: Kreativität – Struktur und Emotion. 10. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie Würzburg 2010, Hg. von Andreas C. Lehmann, Ariane Jeßulat, Christoph Wünsch, Würzburg, 2013, S. 407–417.
  • Auf schwankendem Terrain… Über Manfred Stahnkes 4. Streichquartett. In: Just in Tone and Time. Assoziationen an Manfred Stahnke – eine Festschrift, Hg. von Benjamin Helmer, Georg Hajdu, Hamburg 2017, S. 243–269.
  • Rezension: Horlacher, Building Blocks / Maureen Carr, After the Rite. Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie 12/2, 265–270. (Open Access)
  • ‚Alla napolitana‘ oder Abschiedsgestus. Ein Satzmodell bei Strawinsky? In: Gegliederte Zeit. 15. Jahreskongress der GMTH Berlin 2015, GMTH Proceedings 2020 S. 161-177. (Open Access)
  • Die Polyphonie der Personae. Vokalarrangement bei Kate Bush und Annie Lennox. in: ›Klang‹: Wundertüte oder Stiefkind der Musiktheorie. 16. Jahreskongress der GMTH Hannover 2016, GMTH Proceedings 2016 S. 393-410. (Open Access)
  • Theoriebildung für eine Utopie. Rezension über „1001 Mikrotöne“ (Hg. Sarvenaz Safari, Manfred Stahnke). In: Musik & Ästhetik, Jg. 20, Heft 78, April 2016, Stuttgart, S. 105–109.
  • »Doch die Welt ist nicht mehr dieselbe«. Eine Schubert-Analyse in den Vorlesungen Ligetis der 1980er Jahre. In: György Ligeti im Spiegel seiner Hamburger Kompositionsklasse – through a glass, and darkly, but face to face. Hg. von Manfred Stahnke, Sidney Corbett, Hubertus Dreyer, Hans Peter Reutter, Wolfgang-Andreas Schultz, Mari Takano, Norderstedt 2023, S. 134–148.
  • »Nur wenige vernünftige und schöne Dinge bleiben« Igor Strawinskys Ode, Triptychon für Orchester in Gedenken an Natalie Koussevitzky. In: Mensch – Musik – Wissenschaft: Festschrift für Volker Kalisch, Hg. von Corinna Herr, Wolfgang Rüdiger, München 2024, S. 329-352. Online-Ausgabe: ISBN 9783846767900.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Angaben auf der Website von Hans Peter Reutter, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 Nachruf. Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, 12. Oktober 2026, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  3. ↑ "À", erstes Streichquartett. In: SWR. 21. September 2021, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  4. ↑ Komposition/Arrangement. In: Satzlehre Hans Peter Reutter. 1. April 2021, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  5. ↑ soudcloud, Volksschauspiele Ötigheim
  6. ↑ Hans Peter Reutter - Satzlehre (Memento vom 23. Juni 2025 im Internet Archive)
  7. ↑ Siehe z. B. die Empfehlung von Georg Thoma, Vorsitzender der GMTH
  8. ↑ Artikel. In: Satzlehre | Hans Peter Reutter. 1. April 2021, abgerufen am 23. Oktober 2026 (deutsch).
  9. ↑ Blog. In: Satzlehre | Hans Peter Reutter. 1. April 2021, abgerufen am 23. Oktober 2026 (deutsch).