Generaloberst
Der Generaloberst war in der preußischen Armee, der Reichswehr, der Wehrmacht und der k. u. k. Armee der zweithöchste militärische Dienstgrad. Darüber rangiert der Feldmarschall. Der Generaloberst entspräche dem heutigen General in der Bundeswehr oder vielen NATO-Streitkräften (Rangcode OF-9). Der Dienstgrad Generaloberst existiert(e) auch in den nach sowjetischem Vorbild organisierten Streitkräften. Dort war oder ist er mit dem Generalleutnant der Bundeswehr vergleichbar (Rangcode OF-8).
Entstehung, Titulierung, Rangabzeichen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Heerwesen des 16. und 17. Jahrhunderts, in dem das Söldnertum dominierte, war der adelige Dienstherr (z. B. Fürst) der militärische Oberbefehlshaber der von ihm bezahlten Truppen und der Kriegsherr. Er wurde auch Generalissimus („oberster General“) genannt.
Bei den Landsknechten des 16. Jahrhunderts war größeren Heeren mit mehreren Regimentern sowie eigenen Kavallerie- und Artillerie-Verbänden ein „General Oberst“[1] mit seinem Stab vorgesetzt.[2]
Generaloberst war die Bezeichnung des höchsten regulär erreichbaren Generalsranges, zuerst in Preußen. Er wurde dort im März 1854 eigens geschaffen, um dem Prinzen von Preußen (der spätere König und Deutsche Kaiser Wilhelm I.) zum Generaloberst der Infanterie (mit dem Range eines Generalfeldmarschalls) ernennen zu können.[3][4] Damals wurden Mitglieder des preußischen Königshauses aus Tradition nicht zum Generalfeldmarschall ernannt. Zunächst waren alle Generalobersten im Rang den Generalfeldmarschällen gleichgestellt (auf den Epauletten trugen sie gekreuzte Marschallstäbe und drei Rangsterne; 1911 entfielen die Marschallstäbe, dafür nun vier Sterne im Viereck geordnet). 1901 kam es zur Differenzierung in Generaloberst mit dem Rang eines Generalfeldmarschalls (ab 1903 Generaloberst mit dem Rang als Generalfeldmarschall) und in Generaloberst (drei Rangsterne im Dreieck geordnet).[5]
In der Reichswehr der Weimarer Republik reichte die Hierarchie anfangs nur bis zum General. Seit 1926 wurde der jeweilige Chef der Heeresleitung zum Generaloberst ernannt; bei der Reichsmarine existierte kein vergleichbarer Dienstgrad. Während der Zeit des Nazi-Regimes wurde der Dienstgrad Generaloberst anfangs sparsam vergeben. Während des Westfeldzuges und nach dem schnellen Sieg über Frankreich gab es eine Beförderungswelle und auch bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Dienstgrad relativ häufig verliehen. Dem Dienstgrad Generaloberst in Heer und Luftwaffe der Wehrmacht entsprach der Rang Generaladmiral in der Kriegsmarine.
In den meisten heutigen Streitkräften entspricht der einstige Generaloberst dem Dienstgrad General (OF-9), in Russland und einigen anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks aber dem Armeegeneral (OF-9). Dort lautet die Hierarchie anders als im alten deutschen System Generalmajor – Generalleutnant – Generaloberst (russ. general polkovnik) – Armeegeneral.
Die deutsche Bundeswehr kennt nach der Anpassung der Generalität an NATO-Standards die Dienstgradfolge Brigadegeneral – Generalmajor – Generalleutnant – General; der Dienstgrad Generaloberst wurde abgeschafft.
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die in den nachstehenden Landeslisten bezeichneten Personen waren gemäß kaiserlich- / königlicher Order autorisiert und berechtigt, die Rangbezeichnung General … mit dem Rang als Generalfeldmarschall zu führen.
Bayerische Armee
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 27. Dezember 1911 – Carl von Horn (1847–1923), Kriegsminister
- 1. August 1914 – Otto Kreß von Kressenstein (1850–1929), Kriegsminister
- 9. April 1918 – Felix von Bothmer (1852–1937), Heerführer im Ersten Weltkrieg
Preußische Armee
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Generaloberst mit dem Rang als Generalfeldmarschall
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 20. März 1854 – Wilhelm von Preußen (1797–1888)
- 1. Januar 1873 – Friedrich von Oranien-Nassau (1797–1881)
- 2. September 1873 – Friedrich Franz II. von Mecklenburg (1823–1883), Oberkommandierender in den Marken und Gouverneur von Berlin
- 2. September 1873 – August von Württemberg (1813–1885), Oberkommandierender in den Marken und Gouverneur von Berlin
- 25. Juni 1888 – Friedrich von Baden (1826–1907), Armeeinspizient
- 19. September 1888 – Alexander von Pape (1813–1895), Oberkommandierender in den Marken und Gouverneur von Berlin
- 21. Dezember 1889 – Carl Alexander von Sachsen (1818–1901)
- 20. März 1890 – Otto von Bismarck (1815–1898), à la suite der Armee, 1871 bis 1890 Reichskanzler und Ministerpräsident Preußens
- 8. September 1893 – Walter von Loë (1828–1908)
- 12. September 1895 – Alfred von Waldersee (1832–1904)
- 11. September 1903 – Alfred von Schlieffen (1833–1913)
- 15. September 1905 – Friedrich von Baden (1857–1928), Armeeinspizient
- 28. September 1907 – Ernst von Sachsen-Altenburg (1826–1908)[6]
- 4. September 1909 – Heinrich von Preußen (1862–1929), Großadmiral, General-Inspekteur der Marine, à la suite der Preußischen Armee[7]
- 11. September 1909 – Bernhard III. Herzog von Sachsen-Meiningen (1851–1928)[8]
- 1. Januar 1911 – Oskar von Lindequist (1838–1915)[9]
- 1. Januar 1911 – Hans von Plessen (1841–1929), Generaladjutant des Kaisers und Kommandant des Großen Hauptquartiers[10]
Generaloberst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 18. Oktober 1901 – Leopold von Hohenzollern (1835–1905)
- 22. März 1902 – Adolph von Luxemburg (1817–1905)
- 13. September 1906 – Ernst von der Planitz (1836–1910), Generalinspekteur der Generalinspektion der Kavallerie
- 10. September 1910 – Friedrich Leopold von Preußen (1865–1931), à la suite
- 22. Januar 1911 – Christian von Schleswig-Holstein (1831–1917), à la suite
- 27. Januar 1911 – Gustav von Kessel (1846–1918), Generaladjutant des Kaisers, Oberkommandierender in den Marken und Gouverneur von Berlin
- 16. Juni 1913 – Maximilian von Prittwitz und Gaffron (1848–1917), Armeeführer
- 16. Juni 1913 – Friedrich von Scholl (1846–1928), Generaladjutant des Kaisers
- 27. Januar 1914 – Josias von Heeringen (1850–1926), Armeeführer
- 27. Januar 1914 – Helmuth von Moltke (d. Jüngere) (1848–1916), Chef der 1. OHL
- 27. Januar 1914 – Alexander von Kluck (1846–1934), Armeeführer
- 24. Dezember 1914 – Moritz von Bissing (1844–1917), Generalgouverneur für Belgien
- 24. Dezember 1914 – Ludwig von Falkenhausen (1844–1936), Armeeführer
- 27. Januar 1915 – Karl von Einem (1853–1934), Armeeführer
- 20. Februar 1916 – Alexander von Linsingen (1850–1935), Armeeführer
- 27. Januar 1917 – Günther von Kirchbach (1850–1925), Heeresgruppenführer
- 27. Januar 1917 – Richard von Schubert (1850–1933), Armeeführer
- 27. Januar 1918 – Hans von Beseler (1850–1921), Armeeführer
- 22. März 1918 – Max von Boehn (1850–1921), Armeeführer
- 10. April 1918 – Moriz von Lyncker (1853–1932), Chef des Militärkabinetts
Sächsische Armee
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Generaloberst mit dem Rang als Generalfeldmarschall
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Generaloberst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 15. September 1905 – Bernhard Erbprinz von Sachsen-Meiningen (1851–1928)
- 28. September 1907 – Ernst I. Herzog von Sachsen-Altenburg (1826–1908)
- 17. Dezember 1910 – Max Freiherr von Hausen (1846–1922), Ministerpräsident, Armeeführer
- 23. Januar 1918 – Karl Ludwig d’Elsa (1849–1922), Armeeführer
- 23. Januar 1918 – Hans von Kirchbach (1849–1928), Armeeführer
Württembergische Armee
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 25. Februar 1913 – Philipp Herzog von Württemberg (1838–1917), à la suite der Württembergischen Armee
- 24. September 1913 – Albrecht Herzog von Württemberg (1865–1939), später auch preußischer Generalfeldmarschall
- 25. Februar 1918 – Otto von Marchtaler (1854–1920), Kriegsminister
Reichswehr bis 1935
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1. Januar 1926 – Hans von Seeckt (1866–1936), Chef der Heeresleitung
- 1. Januar 1930 – Wilhelm Heye (1869–1947), Chef der Heeresleitung
- 31. Januar 1934 – Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord (1878–1943), Chef der Heeresleitung
NS-Deutschland bis 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Dienstgrad | ||
| niedriger: General der … |
Generaloberst (Generaladmiral) |
höher: Generalfeldmarschall |
| Dienstgrad | ||
| niedriger: Generalleutnant |
Generaloberst (Admiral) |
höher: Armeegeneral |


