Gary Taubes

Gary Taubes (* 30. April 1956 in Rochester, New York) ist ein US-amerikanischer Autor. Er verfasste verschiedene prämierte Sachbücher und Artikel über Nahrungsmittel und Wissenschaftliches Fehlverhalten.
Sein bekanntestes Buch ist das im Jahr 2010 erschienene Why We Get Fat: And What To Do About It, in welchem er sich für eine Kohlenhydrat-arme-Ernährung ausspricht.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Taubes studierte angewandte Physik in Harvard und Raumfahrttechnik in Stanford, wo er 1978 seinen Master machte. 1981 erlangte er an der Columbia University einen Master-Abschluss in Journalismus und begann ab 1982 als Journalist für die Zeitschrift Discover zu arbeiten. Anfangs verfasste er Artikel und Bücher mit dem Schwerpunkt Physik, begann sich jedoch in jüngerer Zeit, mit Medizin und Ernährung auseinanderzusetzen.[1]
2012 gründete er gemeinsam mit Peter Attia die Nutrition Science Initiative (NuSI), eine NGO die sich zum Ziel setzte, die biologischen Ursachen von Adipositas zu erforschen. Kernthese der wissenschaftlichen Arbeit war die Annahme, dass maßgeblich Kohlenhydrate verantwortlich seien, weil sie durch die starke Stimulation der Insulinsekretion zur Zunahme von Fettgewebe beitrügen.[2] Nachdem 2014 der US-amerikanische Ernährungsforschung Kevin Hall diese Theorie widerlegt hatte,[3] verlor die NuSi umgehend an Fördermitteln, Peter Attia zog sich aus der Initiative zurück und die wissenschaftliche Tätigkeit kam zum Erliegen.[4]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In seinen Büchern werden vor allem wissenschaftlichen Kontroversen behandelt: So beleuchtete er beispielsweise die Nobelpreis-honorierte Arbeit des Physikers Carlo Rubbia kritisch und analysierte die Behauptung der Wissenschaftler Pons und Fleischmann, 1989 die kalte Kernfusion nachgewiesen zu haben.[1]
Good Calories, Bad Calories
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In diesem Werk argumentiert Taubes, dass bestimmte Arten von Kohlenhydraten – und mitnichten Fette oder bloß überschüssige Nahrungsenergie – für die erhöhte Inzidenz von Adipositas in der Bevölkerung verantwortlich seien.
Taubes argumentiert, dass die Regulierung von Fettgewebe durch Insulin und seine Bedeutung für Adipositas bisher vernachlässigt wurde und untermauert seine Sichtweise mit der Beobachtung, dass die Einführung von raffinierten Kohlenhydraten in die Ernährung traditioneller Gesellschaften zu einem Anstieg von sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Adipositas und Herzerkrankungen geführt habe.
Die starke Verteufelung der Kohlenhydrate als Gesamtheit wurde von mehreren Wissenschaftlern als kritikwürdig angesehen.[5] Taubes begründe seine These durch selektives Zitieren[6] und die mechanistische Überlegenheit von low-carb-Diäten unabhängig von der Kalorienersparnis sei nicht belegt.[7]
The Case Against Sugar
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In seinem 2016 erschienenen Buch "The Case Against Sugar" beschreibt Taubes den Zuckerkonsum als führende Ursache der Adipositas und ihrer Folgeerkrankungen. Zucker sei laut Taubes eine "süchtigmachende Droge". Für sein Buch erhielt Taubes Zuspruch von Journalisten und Food-Bloggern[8][9] sowie Kritik von Ernährungswissenschaftlern.[10][11]
Why We Get Fat: And What To Do About It
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Taubes betont in diesem Buch, dass die Hypothese, nach der fettleibige Menschen für ihr Los verantwortlich seien, da sie maßlos zu viel äßen und sich nicht ausreichend bewegten, zu kurz greife. Vielmehr sei, aufgrund der menschlichen Vergangenheit als Jäger und Sammler, eine genetische Antwort auf mit der Nahrung aufgenommene Kohlenhydrate konserviert: nämlich die Ausschüttung von Insulin, die durch moderne Ernährung, die reich an raffiniertem Zucker ist, überstimuliert werde, und so Adipositas hervorrufen könne. Diese Theorie wurde 2014 durch Experimente des US-Forschers Kevin Hall widerlegt.[12]
Veröffentlichungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1986: Dreams: Power, Deceit and the Ultimate Experiment („Träume: Macht, Täuschung und das ultimative Experiment“), Random House, ISBN 978-0-394-54503-5
- 1993: Bad Science: The Short Life and Weird Times of Cold Fusion („Schlechte Wissenschaft: Das kurze Leben und die komischen Zeiten der kalten Fusion“), Random House, ISBN 978-0-394-58456-0
- 2007: Good Calories, Bad Calories: Challenging the Conventional Wisdom on Diet, Weight Control, and Disease („Gute Kalorien, schlechte Kalorien: Anfechtung des konventionellen Wissens über Diät, Gewichtskontrolle und Krankheit“), Alfred A. Knopf, ISBN 978-1-4000-4078-0
- 2010: Why We Get Fat: And What to Do About It („Warum werden wir fett: Und was ist dann zu tun“)
- 2017: The Case against Sugar („Der Fall gegen Zucker“)[13]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizieller Blog
- Interview mit Gary Taubes (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Gary Taubes Biography. In: garytaubes.com. 13. April 1999, abgerufen am 31. Dezember 2015 (englisch).
- ↑ Julia Belluz: We’ve long blamed carbs for making us fat. What if that’s wrong? 21. Februar 2018, abgerufen am 8. März 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ K. D. Hall: A review of the carbohydrate–insulin model of obesity. In: European Journal of Clinical Nutrition. Band 71, Nr. 3, März 2017, ISSN 1476-5640, S. 323–326, doi:10.1038/ejcn.2016.260 (nature.com [abgerufen am 8. März 2026]).
- ↑ Megan Molteni: The Struggles of a $40 Million Nutrition Science Crusade. In: Wired. ISSN 1059-1028 (wired.com [abgerufen am 8. März 2026]).
- ↑ G. A. Bray: Good Calories, Bad Calories by Gary Taubes; New York: AA Knopf. In: Obesity Reviews. Band 9, Nr. 3, 2008, ISSN 1467-789X, S. 251–263, doi:10.1111/j.1467-789X.2008.00476.x (wiley.com [abgerufen am 8. März 2026]).
- ↑ Harriet Hall: Why We Get Fat | Science-Based Medicine. 18. Januar 2011, abgerufen am 8. März 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Harriet Hall: Gary Taubes and the Cause of Obesity | Science-Based Medicine. 13. Mai 2014, abgerufen am 8. März 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Dan Barber: What Not to Eat: ‘The Case Against Sugar’. In: The New York Times. 2. Januar 2017, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 8. März 2026]).
- ↑ Joanna Blythman: The Case Against Sugar review – an unsweetened attack on diet myths. In: The Guardian. 2. Januar 2017, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 8. März 2026]).
- ↑ Harriet Hall: Gary Taubes and the Case Against Sugar | Science-Based Medicine. 25. April 2017, abgerufen am 8. März 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ The Case Against Sugar. In: academic.oup.com. Abgerufen am 10. März 2026 (englisch).
- ↑ K. D. Hall: A review of the carbohydrate–insulin model of obesity. In: European Journal of Clinical Nutrition. Band 71, Nr. 3, März 2017, ISSN 1476-5640, S. 323–326, doi:10.1038/ejcn.2016.260 (nature.com [abgerufen am 8. März 2026]).
- ↑ krautreporter.de, 9. Februar 2017, Theresa Bäuerlein: Zucker könnte noch schlimmer sein, als du denkst (24. Februar 2017)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Taubes, Gary |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Journalist |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1956 |
| GEBURTSORT | Rochester, New York |