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Fritz Pulfer

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Friedrich «Fritz» Pulfer (* 1875 in Wald bei Bern; † 22. November 1932 in Davos) war ein Schweizer Bauingenieur und Unternehmer. Er gehörte zu den frühen Spezialisten des Eisenbetonbaus in der Schweiz und führte in Bern ein Ingenieurbüro für armierte Betonbauten, Hoch- und Tiefbau.[1][2]

Pulfer war ein Sohn von Rudolf Pulfer, Lehrer und Verwalter der Armenanstalt Kühlewyl, und von Lina Guggisberg. Er wuchs auf dem Längenberg auf, besuchte die Schule in Zimmerwald und später die Sekundarschule in Belp. Nach einem Welschlandjahr war er zunächst Telegraphist bei der Obertelegraphendirektion und bereitete sich anschliessend auf die Maturität vor.[3]

Von 1898 bis 1902 studierte Pulfer an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Während des Studiums interessierte er sich besonders für Wasserbau und armierten Beton; belegt ist unter anderem der Besuch des Faches «Betonbauten mit Eiseneinlage». Anschliessend hielt er sich zu Studien- und Praxiszwecken in Paris, Dresden und Berlin auf.[3][1]

Nach einem Hinweis im Verzeichnis der Burger der Stadt Bern vom 1. Januar 1920 wurde Pulfer 1919 in die Burgergemeinde Bern aufgenommen und der Gesellschaft zu Schmieden zugeteilt.[4][5]

Pulfer starb am 22. November 1932 während eines Aufenthalts in Davos. Er hinterliess eine Frau, eine Tochter sowie die beiden Söhne Hans und Fritz Pulfer, die ebenfalls Ingenieure wurden.[3][1]

Beruflicher Werdegang

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Am 4. September 1903 gründete Pulfer zusammen mit Charles Joseph Bidal in Bern die Kollektivgesellschaft Pulfer & Bidal, ein «Technisches Bureau für Ingenieurbauten» mit Spezialisierung auf Betoneisenbau; zugleich bestand ein Büro in Berlin-Schöneberg.[6][2]

Nach der Auflösung von Pulfer & Bidal wurde am 4. Mai 1905 die Einzelfirma F. Pulfer, Ingenieur in Bern gegründet, sie führte ein technisches Büro für armierte Betonbauten.[7][2]

Am 2. Februar 1906 trat Pulfer dem Bernischen Ingenieur- und Architektenverein bei.[1]

Am 2. September 1907 gründete er mit Giuseppe Pinchetti in Belp die Firma Pulfer & Pinchetti, ein Baugeschäft mit Zementwarenfabrikation und Baumaterialienhandlung. Damit verband Pulfer Planungs- und Ausführungstätigkeit. Die Gesellschaft wurde 1918 nach dem Tod Pinchettis aufgelöst.[8][9][1]

Daniel Korwan zählt Pulfers Büro zu den wenigen unabhängigen Schweizer Ingenieurbüros der Frühzeit des Eisenbetons, die nicht auf einer Patentkonzession beruhten, sondern einen eigenen konstruktiven Ansatz verfolgten. Später erwarb Pulfer zudem eine Lizenz für armierten Beton im System Considère.[1]

Für die Geschäftsgeschichte der Firma sind weitere Handelsregistereinträge belegt: 1923 wurde die Prokura Carl Nemeth gelöscht und Ernst Burgdorfer als Prokurist eingetragen; im selben Jahr ist als Domizil Kapellenstrasse 9, bei F. Pulfer, Ingenieur, verzeichnet. 1931 erhielt Fritz Pulfer jun. Einzelprokura. 1932 wurde als neues Domizil Seilerstrasse 24 gemeldet.[10][11][12][13]

Pulfer wirkte an einer Reihe von Bauten des frühen Eisenbetonzeitalters in der Schweiz mit. Genannt werden unter anderem ein Schulhaus in Rheineck (1905), die Gebäude der Firma Settelen in Basel (1906), die St.-Karlibrücke in Luzern (1907), der Neubau für das Milchgeschäft des Allgemeinen Konsumvereins Basel (1909), ein Treppenhaus der Messstation Wiel des Elektrizitätswerks Kubel (1910), das Dach der Standseilbahn Les Avants–Sonloup (1911), Decken für das Landhaus Heymann in Langenthal (1913), das Stadtspital Baden, die Spinnereibrücke über die Reuss und das Turbinenhaus der Spinnerei Kunz in Windisch (1916), eine Brücke über die Ergolz (1920) sowie die Hochgebirgsklinik Davos-Wolfgang (1925).[14]

Daniel Korwan hebt Pulfer ausserdem im Zusammenhang mit dem Queen Alexandra Sanatorium hervor. Für die Erweiterung des Sanatoriums sind von Pulfer Pläne vom Februar 1912 überliefert; Korwan beschreibt dabei insbesondere Pulfers präzise Bewehrungspläne, seine urheberrechtlichen Vorbehalte auf den Zeichnungen sowie seine Rolle im Umfeld Robert Maillarts und Otto Pfleghards.[1]

Zu Pulfers bedeutenden Brückenbauten gehört auch die Wohleibrücke über den Wohlensee zwischen Wohlen bei Bern und Frauenkappelen. Sie entstand 1920 im Zusammenhang mit dem Bau des Wasserkraftwerks Mühleberg; an die Stelle einer älteren Stahlkonstruktion trat eine Betonbrücke mit einem 30 Meter langen Hauptbogen und Schiffsdurchlass. In der Literatur wird das Bauwerk zudem als rund 200 Meter lange Brücke mit fünfzehn regelmässigen Rundbögen und einem grossen Hauptbogen beschrieben.[15][14]

Korwan erwähnt ferner Pulfers Beteiligung am Loryspital in Bern, wo er nach einem späteren Nachruf für die grossen auskragenden Terrassen verantwortlich gewesen sei. Mehrfach arbeitete Pulfer mit Robert Maillart zusammen; zu den mit Maillart verbundenen Projekten zählt auch die Traubachbrücke bei Habkern, die nach Pulfers Tod von seinen Söhnen fertiggestellt wurde.[1][14]

Familie und Nachfolge

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Aus den vorliegenden Unterlagen gehen die Kinder Hans Pulfer, Fritz Pulfer jun. und Anna Pulfer hervor. Nach dem Tod des Vaters führten die Söhne das Unternehmen unter der Firma H. & F. Pulfer, Ingenieure weiter.[3][2]

  • Helen Girardier, Hanna Gervasi: Stampfbetonbrücke der ehemaligen Spinnerei Kunz Windisch AG. Gutachten. Winterthur, 17. Oktober 2024.
  • Daniel Korwan: Discovering Early Modernism in Switzerland. The Queen Alexandra Sanatorium. Birkhäuser, Basel.
  • Jasmin Morgan: Leben Friedrich Pulfer. 18. September 2024.
  • Jasmin Morgan: Firmengeschichte Friedrich Pulfer. 11. Februar 2026.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Daniel Korwan: Discovering Early Modernism in Switzerland. The Queen Alexandra Sanatorium. Birkhäuser, Basel.
  2. 1 2 3 4 Jasmin Morgan (Hrsg.): Firmengeschichte Friedrich Pulfer. 11. Februar 2026.
  3. 1 2 3 4 Jasmin Morgan (Hrsg.): Leben Friedrich Pulfer. 18. September 2024.
  4. Verzeichnis der Burger der Stadt Bern. 1. Januar 1920 (Direktquelle am Originalexemplar und mit Seitenangabe zu verifizieren).
  5. Jasmin Morgan (Hrsg.): Bedeutung Fritz Pulfer. 22. April 2026.
  6. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 21, Nr. 345, 7. September 1903, S. 1377.
  7. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 23, Nr. 196, 9. Mai 1905, S. 781.
  8. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 25, Nr. 228, 12. September 1907, S. 1589.
  9. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Band 36, Nr. 130, 5. Juni 1918, S. 897.
  10. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Nr. 292, 17. März 1923, S. 2730.
  11. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Nr. 59, 28. Mai 1923, S. 497.
  12. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Nr. 292, 21. Dezember 1931, S. 2730.
  13. Schweizerisches Handelsamtsblatt. Nr. 89, 18. April 1932, S. 930.
  14. 1 2 3 Helen Girardier, Hanna Gervasi: Stampfbetonbrücke der ehemaligen Spinnerei Kunz Windisch AG. Gutachten. Winterthur 17. Oktober 2024.
  15. Die Brücken am Wohlensee. Schutzverband Wohlensee, abgerufen am 22. April 2026.