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Emil Abel

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Emil Abel (* 2. Juni 1875 in Wien; † 3. April 1958 in London) war ein österreichischer Chemiker. Er war Professor und Vorstand am Institut für physikalische Chemie an der Technischen Hochschule in Wien. Sein Hauptforschungsgebiet war die Chemische Kinetik; daneben forschte er auch in der Chemischen Thermodynamik sowie in der Theoretischen Elektrochemie.

Studium und Professur

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Emil Abel war ein Sohn des aus Böhmen stammenden Hof- und Gerichtsadvokaten Alexander Abeles (* 1837; † 1877) und dessen Gattin Rosa Hermine Abeles, geb. Bondi (* 1846; † 1923) sowie ein Bruder des Juristen Paul Abel. Nach Ablegung der Matura studierte er ab Herbst 1893 an der Chemischen Fachschule der Technischen Hochschule (TH) in Wien, der Abschluss erfolgte mit Auszeichnung 1898. Im gleichen Jahr setzte er sein naturwissenschaftliches Studium u. a. bei Walther Nernst am Institut für Physikalische Chemie an der Universität Göttingen fort und promovierte im Jahr 1901.[1] 1905 habilitierte er sich an der Wiener Technischen Hochschule für Physikalische Chemie und Elektrochemie. Ab 1909 war er Mitglied des österreichischen Patentamts. 1911 wurde er außerordentlicher Professor und supplierte während des Ersten Weltkriegs Vorlesungen auf dem Gebiet der theoretischen und physikalischen Chemie. 1918 wurde er außerordentlicher Professor für physikalische Chemie an der Technischen Hochschule in Wien. Als er 1922 eine Einladung nach Utrecht erhielt, begab er sich mit einigen Fachkollegen in diese Stadt, um die durch den vorangegangenen Krieg belasteten Kontakte zu dortigen Forschern wiederherzustellen. 1923 erreichte er den Grad eines ordentlichen Professors und übernahm die Leitung des neu errichteten Instituts für Physikalische Chemie an der Technischen Hochschule in Wien. Ab 1935 war er Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.[2]

Vertreibung aus Wien

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Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde Emil Abel wegen seiner jüdischen Herkunft durch einen am 22. April 1938 ergangenen Erlass mit sofortiger Wirkung entlassen. Auch sein Sohn Stefan, der Jus studierte, musste die Universität verlassen. Emil Abel wurde als Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft am 9. Dezember 1938 vom damaligen Vorsitzenden Peter Debye aufgefordert, aus der Gesellschaft auszutreten. Aus der Akademie der Wissenschaften in Wien, deren korrespondierendes Mitglied er ab 1929 war, trat er Ende 1938 aus, nachdem die Akademie unter Druck gesetzt wurde, sich von ihren „nichtarischen“ Mitgliedern zu trennen.[3]

Emil Abel war seit 1911 mit Camilla, geborene Adler (* 1885; † 1943), verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder, Stefan Alexander (* 1915; † 1992) und Marianne Abel. Im September 1938 erhielt nur Abels Gattin, seine Tochter Marianne und sein Bruder Paul die Erlaubnis, in die Emigration zu gehen. Im Februar 1939 gelang es dann auch Emil Abel, nach Großbritannien auszureisen. Dort arbeitete er bis 1940 als Forschungschemiker am University College London. Danach leitete er das Research Department des Trockenbatterieherstellers Ever Ready Company Ltd. Ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt er 1946 die britische Staatsbürgerschaft. Zuvor war er 1945, weiterhin in London lebend, als korrespondierendes Auslandsmitglied wieder der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beigetreten. Auch hielt er Gastvorträge an der Technischen Hochschule in Wien. 1948 schied er aus dem Berufsleben aus, ging 1956 mit Edith, geborene Mautner eine zweite Ehe ein und starb 1958 im Alter von 82 Jahren in London.[2]

Forschungsarbeiten und Verdienste

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Emil Abel war einer der führenden österreichischen physikalischen Chemiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Forschungsgebieten gehörten u. a. die chemische Kinetik und die theoretische Elektrochemie. Schon in den frühen 1920er Jahren wurde er in Wissenschaftskreisen durch seine Studien über das schwere Wasser und das Deuterium bekannt. Neben seiner Mitgliedschaft in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die ihm 1916 den Haitinger-Preis verlieh, war er u. a. ab 1947 Fellow der Royal Institution of Chemistry und ab 1948 Ehrenmitglied des Vereins Österreichischer Chemiker.[2]

Schriften (Auswahl)

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  • Theorie der Hypochlorite, eine physikalisch-chemische Studie. Deuticke, Leipzig/Wien 1904.
  • Er beschrieb die Elemente Jod (mit Franz Halla) sowie Brom für Abegg's Handbuch der anorganischen Chemie, Bd. 4. 1912.
  • Michaela Kaiser: Die Geschichte der Lehrkanzel für Technische Elektrochemie an der Technischen Hochschule Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundertes. Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien, 2011, S. 63–73 (online; PDF; 4,0 MB).
  1. Informationen zu und akademischer Stammbaum von Emil Abel bei academictree.org, abgerufen am 1. Januar 2018.
  2. 1 2 3 Rudolf Werner Soukup: Abel, Emil. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. 2., überarbeitete Auflage (nur online).
  3. Franz Graf-Stuhlhofer: Die Akademie der Wissenschaften in Wien im Dritten Reich. In: Eduard Seidler u. a. (Hrsg.): Die Elite der Nation im Dritten Reich. Das Verhältnis von Akademien und ihrem wissenschaftlichen Umfeld zum Nationalsozialismus (= Acta historica Leopoldina; 22). Halle/Saale 1995, S. 133–159, dort 137.