Edenit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich allgemein in gut entwickelten, prismatischen Kristallen von etwa 2,5cm Größe. Er kommt aber auch in Form faseriger Mineral-Aggregate vor, unter anderem als Reaktionsränder auf Pyroxenen.[6]
In reiner Form ist Edenit farblos und durchsichtig. Meist ist er jedoch durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung durchscheinend weiß oder hat durch Fremdbeimengungen beziehungsweise -einlagerungen eine graue oder hellgrüne Farbe angenommen. In Dünnschliffen ist zudem oft eine farbliche Zonarbildung sichtbar.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals nicht dokumentiert.[10]
Edenit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Edenit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der zuletzt 2012 aktualisierten Nomenklatur der Amphibol-Obergruppe (englischNomenclature of the amphibole supergroup) wurde die chemische Formel als Endgliedformel einer Mischreihe neu definiert.[11] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Edenit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2012s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Edenit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten bzw. -bänder, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Doppelketten, Si4O11; Amphibol-Familie, Klinoamphibole“ zu finden ist, wo es zusammen mit Aktinolith, Alumino-Ferrotschermakit, Alumino-Tschermakit, Cannilloit (H), Kalium-Chloro-Hastingsit, Klino-Ferro-Ferri-Holmquistit, Ferro-Ferri-Tschermakit (H), Ferri-Kaersutit (N), Ferri-Tschermakit (H), Ferro-Aktinolith, Ferro-Edenit, Ferro-Hornblende, Ferro-Kaersutit (H), Ferro-Pargasit, Ferro-Tschermakit, Fluoro-Cannilloit, Fluoro-Edenit, Magnesio-Fluoro-Hastingsit, Fluoro-Pargasit, Fluor-Tremolit (N), Hastingsit, Joesmithit, Kaersutit, Kalium-Aluminosadanagait (kein anerkannter Mineralname mehr), Kalium-Chloro-Ferro-Edenit (N), Kalium-Chloro-Pargasit, Kalium-Ferro-Ferri-Sadanagait, Kalium-Ferro-Pargasit, Kalium-Fluoro-Hastingsit, Kalium-Hastingsit, Kalium-Magnesio-Hastingsit, Kalium-Pargasit, Kalium-Sadanagait, Magnesio-Hastingsit, Magnesio-Hornblende, Pargasit, Parvo-Mangano-Edenit (diskreditiert 2012), Parvo-Manganotremolit (diskreditiert 2012), Sadanagait, Tremolit und Tschermakit die „Ca-Klinoamphibole, Tremolitgruppe“ mit der Systemnummer 9.DE.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Edenit die System- und Mineralnummer 66.01.03a.10. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2“, wo das Mineral in der „Gruppe 2, Calcium-Amphibole“ mit der Systemnummer 66.01.03a innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2 Amphibol-Konfiguration“ zu finden ist.
Als eher seltene Mineralbildung kann Edenit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 200 Fundorte[15] dokumentiert (Stand 2024). Außer an seiner Typlokalität Edenville und anderen Stellen im Orange County trat das Mineral im Bundesstaat New York noch im Bergbaurevier Mineville im Essex County sowie bei Philipstown und Fowler im Putnam County auf. Weitere Vorkommen finden sich in mehreren Bundesstaaten der USA.
In Österreich konnte das Mineral bisher nur in einem Serpentinit-Steinbruch bei Pingendorf (Drosendorf-Zissersdorf) und in den magnetithaltigenPyroxeniten am Arzberg bei Kottaun in Niederösterreich entdeckt werden. Ein weiterer Fund im Steinbruch Lobminggraben in der Gemeinde Sankt Stefan ob Leoben in der Steiermark gilt bisher als fraglich beziehungsweise nicht bestätigt.
In der Schweiz kennt man Edenitfunde nur im oberen Val Bregaglia im Kanton Graubünden, von der Alpe Arami nahe der Gemeinde Gorduno im Kanton Tessin, aus dem Maderanertal und Schächental im Kanton Uri sowie von den ehemaligen Eisen-Abbauen mit Skarn-Vererzungen am Mont Chemin nahe dem gleichnamigen Ort im Kantons Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Äthiopien, Australien, Belarus, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Iran, Irak, Italien, Japan, Kamerun, Kanada, auf den Karibik-Insel Nevis und Union Island, in Kasachstan, Kuba, Madagaskar, Mali, Mosambik, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Norwegen, auf der Philippineninsel Luzon, in Polen, Portugal, Russland, Saint Lucia, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südkorea, Tschechien, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) und der zum britischen Überseegebiet gehörenden Insel Ascension sowie in Vietnam.[16]
Auch in Mineralproben vom Sistefjell in der Antarktis und vom Untersee-Tafelberg Govorov Guyot im Unterseegebirge Magellan im Pazifischen Ozean konnte Edenit nachgewiesen werden.[16]
Obwohl Edenit für kommerzielle oder industrielle Anwendungen nicht wichtig ist, wird es häufig wegen seiner einzigartigen chemischen Substitutionseigenschaften untersucht. Ergebnisse aus Untersuchungen an Amphibolen haben gezeigt, dass Edenit besonders gut geeignet ist, Chloridanionen in sein chemisches Gerüst einzufügen.[17] Dies macht Edenit zu einem guten Kandidaten für die Isotopenfraktionierung von Chlorisotopen in amphibolhaltigen Gesteinen. Viele synthetische Variationen von Edenit werden auch in der geochemischen Forschung verwendet, um ein Boranalogon von Fluoredenit herzustellen.[18]
Ernst Friedrich Glocker:Grundriss der Mineralogie mit Einschluss der Geognosie und Petrefactenkunde. Verlag von Johann Leonhard Schrag, Nürnberg 1839, S.410, IX. Amphibolite. 5. Edenische Hornblende oder Edenit (rruff.info[PDF; 198kB; abgerufen am 20.August 2024]).
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123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Bernard E. Leake, Alan R. Woolley, Charles E. S. Arps, William D. Birch, M. Charles Gilbert, Joel D. Grice, Frank C. Hawthorne, Akira Kato, Hanan J. Kisch, Vladimir G. Krivovichev, Kees Linthout, Jo Laird, Joseph A. Mandarino, Walter V. Maresch, Ernest H. Nickel, Nicholas M. S. Rock, John C. Schumacher, David C. Smith, Nick C. N. Stephenson, Luciano Ungaretti, Eric J. W. Whittaker, Guo Youzhi:Nomenclature of amphiboles: report of the Subcommittee on Amphiboles of the International Mineralogical Association, Commission on New Minerals and Mineral Names. In: The Canadian Mineralogist. Band35, 1997, S.234 (englisch, rruff.info[PDF; 2,2MB; abgerufen am 22.August 2024]).
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12David Barthelmy:Edenite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 20.August 2024(englisch).
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↑Roberta Oberti, Fernando Cámara, Giancarlo Della Ventura, Gianluca Iezzi, Alan I. Benimoff:Parvo-mangano-edenite, parvo-manganotremolite, and the solid solution between Ca and Mn2+ at the M4 site in amphiboles. In: American Mineralogist. Band91, Nr.4, 2006, S.526–532, doi:10.2138/am.2006.1905, bibcode:2006AmMin..91..526O (englisch, rruff.geo.arizona.edu[PDF; 242kB; abgerufen am 18.August 2024]).