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Deventer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Gemeinde Deventer
Flagge der Gemeinde Deventer
Flagge
Wappen der Gemeinde Deventer
Wappen
Staat Niederlande Niederlande
Provinz Overijssel Overijssel
Bürgermeister Ron König (D66)[1]
Sitz der Gemeinde Deventer
Fläche
 – Land
 – Wasser
134,33 km²
130,56 km²
3,77 km²
CBS-Code 0150
Einwohner 105.130 (1. Jan. 2026[2])
Bevölkerungsdichte 783 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 15′ N,  10′ OKoordinaten: 52° 15′ N,  10′ O
Bedeutender Verkehrsweg A1 E30 N337 N344 N348
Vorwahl 0570
Postleitzahlen 7411–7437
Website deventer.nl
Vorlage:Infobox Ort in den Niederlanden/Wartung/Karte

Deventer (anhören/?) ist eine Gemeinde in der Provinz Overijssel (Niederlande); die Stadt Deventer ist der Hauptort in dieser Gemeinde.

Orte der Gemeinde

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Zur Gemeinde gehören neben der Stadt gleichen Namens u. a. die Dörfer Schalkhaar, Lettele, Okkenbroek, Linde, Diepenveen, mit einer mittelalterlichen Kirche und Bathmen.

Lage und Wirtschaft

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Winterliches Hochwasser in Deventer

Die Stadt liegt am Fluss IJssel. Bei Deventer überqueren die niederländische Autobahn A 1 von Amsterdam nach Hengelo sowie die Eisenbahnstrecke Apeldoorn–Deventer die IJssel. In Deventer gibt es einen kleinen Binnenhafen.

Die Wirtschaft Deventers ist geprägt von der Druck- und Verpackungsindustrie. Produkte aus Deventer sind z. B. Blechdosen und Kunststoffbecher. Weiter gibt es eine Fabrik für Heizkessel und viele kleinere Industrie- und Handelsunternehmen. In Deventer gibt es einige Fachhochschulen, u. a. für Umwelttechnik. Der Konzern Dutch Solar fertigt hier im Auftrag verschiedener Photovoltaik-Unternehmen Solarzellen und Solarmodule. Trust Chem, ein chinesischer Hersteller von Spezialchemikalien, hat in Deventer seine europäische Niederlassung.

Die Stadt Deventer, auf deren Grundgebiet schon vor Anfang des 4. Jahrhunderts Germanen lebten, wurde wahrscheinlich schon vor dem 8. Jahrhundert gegründet. Der angelsächsische Missionar Lebuin (= Liafwin – „lieber Freund“) soll dort 768 oder 769 eine Kirche erbaut haben, er starb um 775 in Deventer.[3] Es gibt Historiker, die nun das 837 und 839 in den „Annales Bertiniani“ genannte „Hammolant“ und „Hamarlant“ mit Deventer gleichsetzen, weil dieser Ort wohl in der heutigen Gemarkung von Deventer lag.[4] Ganz klar mit dem heutigen Ort gleichzusetzen ist das 877 bezeugte „Daventre“: Kaiser Karl der Kahle bestätigt der nordfranzösischen Abtei Saint-Bertin in Saint-Omer deren Besitz „in Daventre portu“.[5] Der Ort an einer kleinen Anhöhe am Fluss IJssel war damals mit seinem Hafen („portu“) schon ein wichtiger Handelsplatz. Als die Wikinger den Ort im Jahr 882 auf ihren Raubzügen in den Rheinlanden zerstörten, wurde Deventer bald wieder aufgebaut und mit Erdwällen befestigt. 896 bestätigte König Zwentibold dem Bischof von Utrecht den Zehnten seines Fiskalbesitzes und dehnte das bischöfliche Zehntrecht auf Deventer und Tiel aus.[6] Dieses erweiterte Zehntrecht bestätigte zwischen 919 und 931 König Heinrich I.[7] Auch die Nachfolger des Sachsenkönigs haben sich mit dem Zehntrecht in Deventer befasst.

Karte von Deventer (um 1767)

Im 9. und 10. Jahrhundert war Deventer vorübergehend Sitz des Utrechter Bischofs. Eine Münze von hier aus dem 11. Jahrhundert findet sich im Münzfund von Sandur auf den Färöern. Die Stadt entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt von Handelswegen und schloss sich der deutschen Hanse an. Vor allem der Handel mit Stockfisch aus Skandinavien war bedeutend. Im 15. Jahrhundert fand in der Stadt fünfmal im Jahr ein Jahrmarkt statt. Als im 16. und 17. Jahrhundert die Seewege über Holland immer wichtiger wurden und der Wasserpegel in der IJssel sank, so dass große Schiffe den Fluss nicht länger benutzen konnten, verlor die Stadt vorübergehend stark an Bedeutung. Im 18. Jahrhundert wurde eine Eisengießerei gegründet, und zwischen 1850 und 1930 wuchs die Industrie stark, um nach 1970 wieder an Wichtigkeit einzubüßen.

In der Zeit der Zugehörigkeit zum Französischen Staat war Deventer Hauptort des gleichnamigen Arrondissements im Département des Bouches-de-l’Yssel (Departement der IJsselmündungen). Nach 1815 war es bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Garnisonsstadt für u. a. Husaren und Kavallerie. Die ehemalige Kaserne am Rande der Innenstadt wurde 2012 zu einem Shopping-Center mit Kino („Boreel“) umgebaut.

Im Mai 1940 wurde Deventer (wie die gesamten Benelux-Staaten) von Wehrmacht-Truppen besetzt. Die in den 1930er Jahren erbaute Kaserne in Schalkhaar war von 1941 bis 1945 eine Ausbildungsstätte für „deutschfreundliche“ Polizisten; heute ist dort eine Asylbewerber-Auffanganstalt. Die von 1939 bis 1943 erbaute Wilhelminabrücke (benannt nach der damaligen Königin Wilhelmina) wurde 1944 und 1945 einige Male von britischen und amerikanischen Flugzeugen bombardiert. Dabei erlitt Deventer große Schäden. Am 10. April 1945 befreiten Truppen der 3. Kanadischen Division Deventer.[8] Kurz zuvor sprengten Wehrmacht-Soldaten die Wilhelminabrücke. 1948 wurde diese Brücke wiedereröffnet.

Das Wahlbündnis GroenLinks-PvdA gewann die Kommunalwahl am 18. März 2026 mit rund einem Fünftel aller Stimmen und konnte damit erstmals einen Wahlsieg in Deventer erzielen.

Kommunalwahl am 18. März 2026[9]
Wahlbeteiligung: 55,12 %
 %
30
20
10
0
20,69
17,08
13,51
11,47
11,19
7,31
4,52
3,00
2,94
8,28
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2022
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
  −8
−6,80
−3,57
+6,50
+2,10
+2,29
+0,72
+4,52
−0,20
−0,77
+8,28
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a 2022 als eigenständige Wahllisten
b Gemeentebelang
c Deventer Belang
j Volt 2,81 % (2,81 %), Deventer Sociaal 2,49 % (–0,43 %), SP 2,20 % (–1,84 %), SGP 0,78 & (+0,78 %), DeventerNu 0 % (–3,29 %), Lijst Rietman 0 % (–1,49 %), Atheïstisch Seculiere Partij 0 % (–1,34 %)

Der Gemeinderat von Deventer setzt sich in der Legislaturperiode 2026–2030 wie folgt zusammen:

Sitzverteilung im Gemeinderat von Deventer 2026[9]
2
9
5
1
1
7
5
1
4
3
1
2 9 5 1 1 7 5 1 4 3 1 
Insgesamt 39 Sitze
ParteiSitze[9] a
1982198619901994199820022004 b20102014201820222026
GroenLinks c345643569
PvdA151513111010107665
Gemeentebelang d547797
Deventer Belang e f44475232335
D66113422265445
VVD644576454644
CDA877556543233
PvdD2
DENK111
ChristenUnie1112111
Volt1
Deventer Sociaal111
SP001222410
SGP10
GPV00
RPF
DeventerNu111
TROTS1
Deventer Libertijnen10
Lijst Van der Vlist c1
Socialistische Alternatieve Politiek01
PSP22
PPR
CPN1
Gesamt333333333737373737373939
Anmerkungen
a 
Parteien, die zwar an der Wahl teilgenommen hatten, aber keinen Ratssitz erlangen konnten, werden nicht berücksichtigt.
b 
Aufgrund der Eingemeindung von Bathmen zum 1. Januar 2005 fand eine außerplanmäßige Kommunalwahl im Jahre 2004 statt.
c 
Die örtliche GroenLinks-Fraktion ging zur Kommunalwahl 1994 aus der Lokalpartei Lijst Van der Vlist hervor.
d 
Bis einschließlich 2010 kandidierte Gemeentebelang unter dem Namen Algemeen Plattelands Belang.
e 
Zur Kommunalwahl 1998 schloss sich Algemeen Belang Diepenveen aus der eingemeindeten Gemeinde Diepenveen der Lokalpartei Deventer Belang an.
f 
Deventer Belang nahm in den Jahren 2004 und 2010 als Algemeen Deventer Belang an den Kommunalwahlen teil.

Kulturelle Bedeutung

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Die Gruppe Brüder vom gemeinsamen Leben oder Devotio moderna um Geert Groote, die viel Einfluss auf Religion und Philosophie hatte, entstand am Ende des 14. Jahrhunderts in Deventer und anschließend im Kloster Windesheim fünf Kilometer südlich von Zwolle. Deventer, wo schon 1477 von einem aus dem Kölner Raum eingewanderten Drucker namens Johannes aus Paffrath die ersten Bücher gedruckt wurden, war im Spätmittelalter ein Zentrum von Kultur und Wissenschaft von überregionaler Bedeutung. Die Lateinschule unter dem Rektor Alexander Hegius wurde u. a. von Erasmus von Rotterdam besucht. Das Athenaeum Illustre, ein Akademisches Gymnasium, existierte von 1630 bis 1878.

Der Maler und Kunstfälscher Han van Meegeren, der von 1930 bis 1945 Fälschungen von Vermeer-Bildern herstellte und verkaufte, wurde in Deventer geboren und ausgebildet. Sein Grab befindet sich auf dem Algemene Begraafplaats, Raalterweg 29 in dem Dorf Diepenveen, das zu der Gemeinde Deventer gehört.

Die verhältnismäßig starke türkische Minderheit verfügt seit 2003 über eine moderne Moschee, die auch für Integrationsprojekte und kulturelle Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit den autochthonen Einwohnern der Stadt benutzt wird.

Für den Spielfilm Die Brücke von Arnheim wurde die Stadt und die Brücke als Kulisse genutzt. In Arnheim befanden sich zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits modernere Bauten in der Nähe der Brücke, sodass Deventer für die Außenaufnahmen und Kampfszenen auf der Brücke optisch besser geeignet erschien.

Sehenswürdigkeiten

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Stadtansicht von Deventer mit der Lebuinuskirche

In der historischen Altstadt fallen folgende historische Gebäude besonders auf:

Die beiden erstgenannten Kirchen stammen aus dem 13. Jahrhundert und haben innen Fresken. Die Bergkirche ist jetzt ein Museum für moderne Kunst. In der ehemaligen Synagoge wurde 1995 ein Erinnerungszentrum für Etty Hillesum eingerichtet.

Ein bekannter Sportverein der Stadt ist der Profifußballverein Go Ahead Eagles, der nach langer Abwesenheit zwischen 2013 und 2015 wieder zwei Spielzeiten in der Eredivisie spielte. Zwischen 2017 und 2021 war der Klub in der Eerste Divisie vertreten, seit 2021 spielt er wieder in der Eredivisie.

Regelmäßige Veranstaltungen

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Jährlich findet am letzten Wochenende vor Heiligabend das viel besuchte (2005: 135.000 und 2006: 200.000 Zuschauer) Dickens-Festival (mit Weihnachtsmarkt) statt, wobei Szenen aus den Romanen des englischen Autors von Einwohnern des Bergviertels nachgespielt werden. An einem Wochenende Anfang Juli wird jedes Jahr ein internationales Stelzenläufer-Theaterfestival gehalten (Deventer op Stelten).

Am ersten Sonntag im August ist das Ufer der IJssel Kulisse eines großen Büchermarkts. In Deventer findet freitags und samstags ein großer Markt statt. Der Markt am Samstag auf De Brink ist der am meisten besuchte und bietet die größte Auswahl.

Persönlichkeiten

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Söhne und Töchter der Stadt

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Personen in Verbindung mit Deventer

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  • Etty Hillesum (1914–1943), Jüdin, starb in Auschwitz, siehe ihr Tagebuch und Vermächtnis Het verstoorde leven (Titel der deutschen Ausgabe: Das denkende Herz)
  • Renate Vincken (1943–2013), Bildhauerin
Commons: Deventer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Deventer – Reiseführer

Einzelnachweise

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  1. Benoeming burgemeester Deventer. In: rijksoverheid.nl. Rijksoverheid, 10. Mai 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. Mai 2019; abgerufen am 8. Juni 2019 (niederländisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand. In: StatLine. Centraal Bureau voor de Statistiek, 27. Februar 2026, abgerufen am 28. Februar 2026 (niederländisch).
  3. Matthias Springer: Vita Lebuini antiqua. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 2., vollständig neubearbeitete und stark erweiterte Auflage, Band 32. de Gruyter, Berlin 2006, Sp. 908–915.
  4. Félix Grat, Jeanne Vielliard, Suzanne Clémencet (Hrsg.): Annales Bertiniani. Les Annales de Saint-Bertin. Paris 1964, Einträge zu den Jahren 837 und 839.
  5. Folquinus Sanbertianus Monachus: Chartularium. In: Jacques-Paul Migne: Patrologia Latina, Series secunda, Band 136. Paris 1853, Sp. 1249.
  6. Regesta Imperii, Abteilung 1: Karolinger 751–918, Band 1: Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern 751–918, 2. Aufl. 1908, S. 788, Regest 1964.
  7. Regesta Imperii, Abteilung 2: Sächsisches Haus 919–1024, Band 1: Die Regesten des Kaiserreichs unter Heinrich I. und Otto I. 919–973, 1893, S. 22–23, Regest 32.
  8. ibiblio.org: Chronology (1945)
  9. 1 2 3 Ergebnisse der Kommunalwahlen: 1982–2002 2006 2010 2014 2018 2022, 2026 abgerufen am 30. Mai 2026 (niederländisch).