David Lisnard

David Lisnard (* 2. Februar 1969 in Limoges) ist ein französischer Politiker.[1] Seit 2014 ist er Bürgermeister von Cannes. Er gehörte nacheinander den Parteien Rassemblement pour la République (RPR), Union pour un mouvement populaire (UMP) und Les Républicains (LR) an, bevor er im März 2026 aus LR austrat. Seit 2021 führt er die von ihm auf nationaler Ebene etablierte Partei Nouvelle Énergie. Im selben Jahr wurde er zum Präsidenten des französischen Bürgermeisterverbandes Association des maires de France gewählt.
Herkunft und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lisnard wurde in Limoges im Département Haute-Vienne geboren. Sein Vater Denis Lisnard (1944–2024) war ein aus Cannes stammender Profifußballer, der seine Karriere bei der AS Cannes begonnen hatte und zum Zeitpunkt der Geburt seines Sohnes beim FC Limoges spielte. Die Familie Lisnard war seit dem 15. Jahrhundert in Cannes im Fischfang tätig. Sein Urgroßvater Léon Lisnard besaß ein Bauunternehmen, das 1934 die Markthalle Forville in Cannes errichtete; sein Großvater Raymond Lisnard war Hotelbesitzer. Mütterlicherseits hat Lisnard familiäre Wurzeln in Bordeaux und auf Korsika. Seine Mutter prägte auch seinen katholischen Glauben.[1][2]
Lisnard studierte am Institut d’études politiques de Bordeaux und an der Universität Panthéon-Assas. Er erwarb einen Masterabschluss im öffentlichen Recht.[1]
Politische Laufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Lisnards Interesse an Politik entstand 1978, als er eine Debatte zwischen François Mitterrand und Raymond Barre verfolgte. Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 1995 unterstützte er den Wahlkampf von Jacques Chirac, trat dessen Partei RPR jedoch erst im folgenden Jahr bei.[1]
Nach seinem Studienabschluss wurde Lisnard Kabinettschef von Jacques Pélissard, dem Bürgermeister von Lons-le-Saunier. 1999 kehrte er nach Cannes zurück. Aus Unzufriedenheit mit dem damaligen Bürgermeister Michel Mouillot näherte er sich der örtlichen Opposition an. Sein Vater stellte den Kontakt zu Bernard Brochand her. Lisnard arbeitete an dessen erfolgreichem Kommunalwahlkampf 2001 mit, zog in den Stadtrat ein und wurde stellvertretender Bürgermeister. Er galt anschließend als Brochands politischer Nachfolger.[1]
Bürgermeister von Cannes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Kommunalwahlen in Frankreich 2014 trat Lisnard als Bürgermeisterkandidat in Cannes an. Unterstützung erhielt er vom früheren Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der die Stadt anlässlich eines Konzerts seiner Frau Carla Bruni besucht hatte.[3] Seine Liste erreichte im ersten Wahlgang 48,8 Prozent der Stimmen und verfehlte damit knapp die absolute Mehrheit. Der zweitplatzierte Kandidat Philippe Tabarot gehörte ebenfalls der UMP an.[4] Im zweiten Wahlgang setzte sich Lisnards Liste mit rund 59 Prozent der Stimmen durch; anschließend wurde er zum Bürgermeister gewählt.[5]
Im Juli 2016 gehörte Lisnard zu mehreren französischen Bürgermeistern, die das Tragen von Burkinis an Stränden untersagten. Er begründete dies damit, dass die demonstrativ religiöse Bedeutung der Badebekleidung angesichts der vorausgegangenen Terroranschläge in Frankreich die öffentliche Ordnung gefährden könne.[6] Im folgenden Monat setzte der Conseil d’État, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, ein entsprechendes Verbot außer Vollzug. Das Gericht stellte fest, dass persönliche Freiheiten nur bei nachgewiesenen Gefahren für die öffentliche Ordnung eingeschränkt werden dürften.[7] Im Juni 2018 verpflichtete ein Gericht die Stadt Cannes, einer Burkiniträgerin eine im August 2016 verhängte Geldbuße von elf Euro zu erstatten.[8]
Bei den Kommunalwahlen in Frankreich 2020 gewann Lisnards Liste bereits im ersten Wahlgang mit 88,1 Prozent der Stimmen.[9] Sie erhielt sämtliche 49 Sitze im Stadtrat.[10] 2026 wurde er mit 81,11 Prozent der Stimmen wiedergewählt, während die zweitplatzierte Liste des Rassemblement National auf 11,66 Prozent kam.[11]
Nationale Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juni 2021 weitete Lisnard die Tätigkeit seiner politischen Bewegung Nouvelle Énergie, die er anlässlich seiner Wahl zum Bürgermeister 2014 gegründet hatte, auf die nationale Ebene aus.[12] Im November desselben Jahres wurde er mit 62,34 Prozent der Stimmen zum Präsidenten der Association des maires de France gewählt.[13]
Anfang 2025 kündigte Lisnard an, sich an der Auswahl eines Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Frankreich 2027 beteiligen zu wollen. Voraussetzung sei eine über Les Républicains hinausreichende Vorwahl zur Bestimmung eines gemeinsamen Kandidaten des Mitte-rechts- und rechten Lagers.[14] Bei der Wahl zum Parteivorsitzenden von Les Républicains 2025 unterstützte er Bruno Retailleau als Nachfolger von Éric Ciotti.[15]
Im März 2026 trat Lisnard aus Les Républicains aus. Er warf der Partei vor, das Verfahren zur Bestimmung ihres Präsidentschaftskandidaten sei „manipuliert“ und gegen seinen Vorschlag einer offenen Vorwahl gerichtet.[16]
Politische Positionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lisnard vertritt einen wirtschaftsliberalen Kurs. Zu seinen Schwerpunkten gehören unternehmerische Freiheit, der Abbau bürokratischer Vorschriften und eine Begrenzung staatlicher Eingriffe.[17] Er fordert eine umfassende Reform der öffentlichen Verwaltung und eine Senkung der Staatsausgaben. Dabei befürwortet er unter anderem die Zusammenlegung öffentlicher Einrichtungen und lehnt eine Haushaltskonsolidierung vorrangig durch höhere Steuern oder pauschale Ausgabenkürzungen ab.[18] In der Rentenpolitik tritt Lisnard für eine verpflichtende kapitalgedeckte Ergänzung des umlagefinanzierten Systems ein.[19]
Lisnard befürwortet eine stärkere Dezentralisierung und größere finanzielle Handlungsspielräume für die Gebietskörperschaften. Gemeinsam mit François Sauvadet forderte er 2025, den Aufgabenbereich des Zentralstaates außerhalb seiner hoheitlichen Kernfunktionen zu begrenzen und die Eigenverantwortung der Kommunen und anderer Gebietskörperschaften zu stärken.[20]
In der Einwanderungspolitik vertritt Lisnard einen restriktiven Kurs. Am 3. September 2026 sprach er sich für die Wiedereinführung der Strafbarkeit des unerlaubten Aufenthalts in Frankreich aus. Er forderte eine Verfassungsänderung, um nach seiner Auffassung bestehende Beschränkungen durch die europäische Rechtsprechung zu überwinden und Einwanderungsquoten festlegen zu können. Darüber hinaus befürwortete er die Einrichtung von Zentren zur Bearbeitung von Visaanträgen sowie von Gewahrsamszentren außerhalb der europäischen Grenzen.[21]
Energiepolitisch befürwortet Lisnard den Ausbau der Kernenergie. Das Programm seiner Bewegung verbindet diesen mit der Förderung neuer Technologien, darunter Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Raumfahrt, sowie mit einem auf technischen Innovationen beruhenden Umweltschutz.[22]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lisnard wurde 2020 zum Ritter des Ordre des Arts et des Lettres ernannt.[23]
Privatleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lisnard hat zwei Töchter und einen Sohn aus zwei früheren Beziehungen.[1] 2016 heiratete er die Fernsehjournalistin Jacqueline Pozzi von France 3 in deren Heimatdépartement Var. Die Trauung fand im engsten Familienkreis statt und wurde erst durch eine Änderung seines Beziehungsstatus auf Facebook öffentlich bekannt.[24]
Sein Cousin ist der ehemalige Tennisspieler Jean-René Lisnard, der im Laufe seiner Karriere Frankreich und Monaco vertrat.[25]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Jérôme Cordelier: Les vérités de David Lisnard. In: Le Point. 15. Mai 2014, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Ancien joueur de l’AS Cannes, Denis Lisnard est mort. In: L’Équipe. 19. März 2024, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Municipales : à Cannes, Sarkozy choisit son candidat. In: Le Monde. 15. Februar 2014, abgerufen am 20. Juli 2024 (französisch).
- ↑ 1er tour des élections municipales : David Lisnard (UMP) largement devant à Cannes. In: Le Point. 23. März 2014, abgerufen am 20. Juli 2024 (französisch).
- ↑ Alexandre Borde: Municipales 2014, second tour : David Lisnard (UMP) écrase le copéiste Philippe Tabarot à Cannes. In: Le Point. 28. März 2014, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Mayor of Cannes bans burkinis on resort’s beaches. In: The Guardian. 11. August 2016, abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ France’s court suspends burkini ban. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 27. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Loup Besmond de Senneville: La mairie de Cannes condamnée à rembourser une amende anti-burkini. In: La Croix. 20. Juni 2018, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Coralie Becq: Municipales à Cannes résultats définitifs : David Lisnard élu au premier tour. In: France 3. 15. März 2020, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Résultats des élections municipales 2020 de Cannes. In: Le Télégramme. Abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Municipales 2026 à Cannes : David Lisnard réélu avec 81 % des voix. In: Nice-Matin. 15. März 2026, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Emmanuel Galiero: À droite, David Lisnard dévoile le projet « moderne » et « enraciné » de son parti « Nouvelle énergie ». In: Le Figaro. 9. Juni 2021, abgerufen am 20. Juli 2024 (französisch).
- ↑ David Lisnard élu président de l’Association des maires de France. In: Le Monde. 17. November 2021, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Quentin Laurent: David Lisnard sort du bois pour la présidentielle de 2027 : « Je serai de la compétition ». In: Le Parisien. 17. Januar 2025, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Emmanuel Galiero: David Lisnard : « J’ai conclu un accord avec Bruno Retailleau, en vue de l’élection à la présidence des Républicains ». In: Le Figaro. 27. Februar 2025, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Le maire de Cannes David Lisnard quitte LR et dénonce un choix « truqué » pour la présidentielle. In: France 24. 25. März 2026, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ David Lisnard, cette « petite musique » libérale qui monte à droite. In: Le Monde. 12. Oktober 2023, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ « On a 900 milliards de dépenses sociales », David Lisnard demande un plan massif de réduction de la dépense. In: Capital. 21. April 2026, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ David Lisnard aux Assises de l’AFER : « Être propriétaire, c’est être libre et responsable ». In: Nouvelle Énergie. Abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ David Lisnard, François Sauvadet: David Lisnard et François Sauvadet : « Les collectivités locales ne peuvent continuer à entretenir un Etat en faillite ». In: Le Monde. 14. Juli 2025, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Présidentielle 2027 : David Lisnard veut « rétablir le délit de séjour illégal en France ». In: Le Figaro. 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ L’énergie pour libérer la France. (PDF) Nouvelle Énergie, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Nomination dans l’ordre des Arts et des Lettres – été 2020. Französisches Kulturministerium, 31. Dezember 2020, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ David Lisnard et Henri Leroy: « Just married ». In: Nice-Matin. 29. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
- ↑ Alexandre Carini: « Le ver semble dans le fruit » : des abonnés du Tennis Garden Club de Cannes dénoncent la mainmise de l’Académie sportive (ETC) de Jean-René Lisnard sur les infrastructures. In: Nice-Matin. 25. März 2026, abgerufen am 27. Oktober 2026 (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lisnard, David |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 2. Februar 1969 |
| GEBURTSORT | Limoges |