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Option in Südtirol

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Südtiroler Umsiedler 1940 in Innsbruck

Die Option bezeichnet eine vom faschistischen Italien und nationalsozialistischen Deutschland ausgehandelte Wahlmöglichkeit, die die deutsch- und ladinischsprachigen Einwohner Italiens, also hauptsächlich die Bevölkerung des heutigen Südtirols, vor folgende Entscheidung stellte: entweder Option für die deutsche Staatsangehörigkeit mit anschließender Emigration oder Beibehaltung der italienischen Staatsangehörigkeit und Verbleib in der Heimat.

Die Optionsfrist begann Mitte 1939 und endete im Wesentlichen zum Jahresende. Die Frage entwickelte sich zu einem großen Konfliktthema innerhalb der Volksgruppe und es gab auch gewaltsame Übergriffe zwischen „Optanten“ und „Dableibern“. Die breitenwirksame Propaganda des gut organisierten Völkischen Kampfring Südtirols (VKS), bestehend u. a. aus Appellen ans völkisch-nationale Bewusstsein und der Sizilianischen Legende, dem Gerücht, Italien werde alle „Dableiber“ in den Süden zwangsumsiedeln führten zu einer hohen Auswanderungsentscheidung.

Rund 85 % der etwa 250.000 Optionsberechtigten entschieden sich für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft und das Verlassen der Heimat. Allerdings wanderten bis zur Eingliederung der Operationszone Alpenvorland in den deutschen Machtbereich im September 1943, nur ca. 75.000 Südtiroler tatsächlich ins Deutsche Reich aus. Nach dem Kriegsende kehrten ca. 20.000–25.000 ehemalige Optanten als „Rücksiedler“ nach Südtirol zurück, wo das Gruber-De-Gasperi-Abkommen von 1946 der deutschsprachigen Minderheit eine Gleichstellung ihrer Sprache, weitgehende kulturelle Freiheiten und eine gewisse politische Autonomie garantierte.

Die Südtiroler Option von 1939/43 wird auch als „Große Option“ bezeichnet, um sie von der ersten Option in den Jahren 1920/21 abzugrenzen.[1]

Die Südtiroler Frage

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Verkehrssprachenverteilung 1921 in der Provinz Venezia Tridentina

Südtirol und das Trentino, die im Londoner Vertrag 1915 von der Entente Italien versprochen worden waren, wurden nach Ende des Ersten Weltkriegs im Vertrag von Saint-Germain von Österreich an Italien abgetreten. Bei den internationalen Friedensverhandlungen hatte eine freie Autonomie (Punkt 10 von Wilsons 14-Punkte-Programm) für Südtirol keine große Rolle gespielt, da Wilson sich ein Entgegenkommen Italiens in der Jugoslawienfrage erhoffte. Damit erreichte Italien die von der Bewegung des Irredentismus angestrebte Vergrößerung des nationalen Territoriums zur vermeintlich natürlichen Grenze des italienischen Kulturraums am strategisch wichtigen Brennerpass.[2] Die 1922 in Italien an die Macht gekommenen Faschisten betrieben eine Italianisierung des Gebiets und seiner mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung: Die deutsche Sprache verschwand aus der Öffentlichkeit, deutsche Familiennamen wurden zwangsweise italienisiert, die angestammten Ortsnamen mussten den Kreationen Ettore Tolomeis weichen. Das Ergebnis dieses Prozesses war nach 20 Jahren aus italienischer Sicht nicht befriedigend. 1934 kam es mit den Römischen Protokollen zu einer leichten Entspannung zwischen Österreich und Italien in der Südtirolfrage.

Hitler-Broschüre Die Südtiroler Frage, 1926

In der deutschen Öffentlichkeit und insbesondere in völkischen Kreisen war Südtirol ein Paradigma für Traditionsbewusstsein, ausgeprägtes Volkstum, Heimatliebe und bäuerliche Lebensformen. 1926 wurde Südtirol wegen der massiven Italienisierungsmaßnahmen der Faschisten eines der beherrschenden Themen. Dabei distanzierte sich Hitler in aller Schärfe von den Volkstumskämpfern und Nationalisten. Zur Begründung seiner Abschreibung Südtirols veröffentlichte er aus seinem Buchentwurf zu Mein Kampf auszugsweise die Broschüre Die Südtiroler Frage und das Deutsche Bündnisproblem. Darin erklärt er die 200.000 Südtiroler zu einem eher marginalen Problem („Bruchteil des verlorenen Menschenmaterials“), das nur in einem Bündnis mit Italien gelöst werden könnte. In Hitlers außenpolitischer Konzeption hatten sich die Volksgruppen in der Aufbauphase bedingungslos unterzuordnen und entsprechende Opfer bis hin zur vollständigen Auflösung und Umsiedlung zu bringen.[3.1] NSDAP-Kreise insbesondere in Süddeutschland entwickelten trotzdem 1934 eine besondere Verbundenheit mit Südtirol und der Volksbund für das Deutschtum im Ausland stärkte mit lokalen Vertrauensmännern den Widerstandsgeist und es entstand auch in Südtirol eine nationalsozialistische Erneuerungsbewegung.[4.1]

Nach dem Anschluss Österreichs am 12. März 1938 grenzte Südtirol direkt ans Deutsche Reich. Die italienische Seite fürchtete die gärende Unruhe in Südtirol, während die Tiroler eine Heimkehr Südtirols ins Reich durch die Freundschaft zwischen Hitler und Mussolini erhofften.[4.2] Hitlers ausdrücklicher Verzicht auf Territoriale Revision und ein reichsdeutsches Verbot jeglicher Südtirolpropaganda konnten die Südtiroler Hoffnungen und Bestrebungen nur teilweise beruhigen. Auch Mussolini konnte umgekehrt den Argwohn und Italinisierungseifer der Bozener Behörden nicht ausschalten.[4.3] Als das Münchner Abkommen vom September 1938 einen deutsch-tschechischen Bevölkerungsaustausch im Sudetenland vorsah, wurden auch zwischen Italien und Deutschland die Möglichkeiten einer begrenzten oder auch umfassenden Umsiedlung von Südtirolern diskutiert. Dabei war Deutschland wegen des Arbeitskräftemangels eher langfristig menschenhungrig nach Volksdeutschen während Italien möglichst schnell nur die unruhigen Teile der Südtiroler aussiedeln wollte.[4.4]

Am 27. Februar 1939 schärfte der Stellvertreter des Führers Martin Bormann in einem Runderlass den Parteidienststellen der NSDAP ein, dass der Führer die Südtiroler Frage endgültig entschieden hat. Es sei zu begrüßen, wenn Volksgenossen aus Südtirol ins Deutsche Reich zögen und eine weitere Erörterung der Frage sei zu unterbleiben. Damit wurde der Grundsatz der deutschen Volkstumspolitik, eine Abwanderung von Deutschtum generell möglichst zu verhindern, für Südtirol umgekehrt.[4.5] Im April 1939 wurde einer VKS-Delegation von Bormann mitgeteilt, dass Hitler sich für eine Umsiedlung der Südtiroler Volksgruppe entschieden hätte. Es ist unklar, ob Hitler diesen Entscheidung tatsächlich gefasst hatte oder damit nur die Reaktion des VKS austesten wollte. Der VKS verwies darauf, dass dies dem NS-Grundsatz der Blut-und-Boden-Ideologie widerspreche, die „Treuesten der Treuen“ aber gemäß ihres Gehorsamssinns gegenüber Führer und Reich die Preisgabe der Heimat als schwerstes Opfer bringen würden.[5.1]

Zwischen März und April 1939 beauftragte Hitler Heinrich Himmler und Franz Hofer, den Gauleiter von Tirol, eine erste Planung für die Umsiedlung von 30.000 Südtirolern zu erstellen. Hofer sah die Zahl als Obergrenze an, während Himmler das als einen ersten Schritt für eine Gesamtumsiedlung betrachtete. In der Präambel des am 22. Mai abgeschlossenen deutsch-italienischen Stahlpakts wurde die Brennergrenze bestätigt. In den Verhandlungen zum Pakt hatte Ribbentrop der italienischen Seite zugesichert, dass eine gemischte Kommission zur Vorbereitung einer Umsiedlung von Südtirolern zusammentreten werde. Himmler verfasste nach dem Vertragsabschluss eine Denkschrift zur Umsiedlung von 200.000 Südtirolern. Die Aufgabe des volksdeutschen Gebietes sollte nicht die Aufgabe der dortigen Volksdeutschen sein. Endziel war die Ansiedlung in einem geschlossenen Raum. Das könne erst erfolgen, „wenn Deutschland ein solches Gebiet hat“.[6.1][7]

Berliner Vereinbarung und Richtlinien

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Am 16. Juni 1939 betraute Hitler den Reichsführer-SS Heinrich Himmler mit der Durchführung der „Umsiedlung Südtirol“. Eine Woche später trafen sich am 23. Juni 1939 unter dem Vorsitz von Himmler deutsche und italienische Verhandlungspartner im Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin, um die Einzelheiten zu besprechen. Teilnehmer dieser als „Berliner Vereinbarung“ bekannten Konferenz waren auf deutscher Seite unter anderen Ernst von Weizsäcker, Reinhard Heydrich, Karl Wolff, Ulrich Greifelt und Otto Bene, auf italienischer Seite unter anderen der italienische Botschafter Bernardo Attolico, der Präfekt von Bozen Giuseppe Mastromattei und Blasco Lanza D’Ajeta. Die italienische Regierung hatte einen Vorschlag zur Auswanderung von Personen, die sich italienfeindlich betätigt hatten, erarbeitet. Aber Himmler verkündete überraschend schon zu Beginn der Sitzung den Plan, alle in Südtirol lebenden „Deutschen“ (gemeint waren Reichsdeutsche und Volksdeutsche) umzusiedeln.[6.2]

Roter Optionszettel (anonymisierte Vorderseite)

Himmler schlug drei Etappen der Umsiedlung vor:

  • Rückholung der deutschen Staatsbürger aus Südtirol innerhalb von vier Wochen zur Not unter Zwang
  • Umsiedlung von „nicht bodengebundenen“ italienischen Staatsangehörigen Volksdeutschen
  • Umsiedlung der „bodengebundenen“ Südtiroler, d. h. bäuerlichen und besitzenden Familien

Man einigte sich auf die Errichtung einer „Aus- und Rückwandererstelle“ in Bozen mit vier regionalen Zweigstellen.[8.1] Eine Veröffentlichung der Grundsätze sollte bis zur Errichtung der Rücksiedlungsstellen vermieden werden. Für die weiteren Verhandlungen wurden Greifelt und Graf Magistrati benannt. Die regionalen Grenzen für die Rückführung, Fristen, Zielorte der Umsiedlung und wie mit Südtirolern verfahren werden sollte, die zuhause bleiben wollten, ließ man bei der Konferenz offen.[4.6] Am 2. August wurde die Südtiroler Volksgruppe von Himmler in Tegernsee offiziell über die Umsiedlungsentscheidung unterrichtet und aufgefordert, „trotz der Schwere des Verlustes der Heimat Gehorsam gegenüber dem Abwanderungsbefehl“. Zur Beschleunigung des Verfahrens nahm er direkten Kontakt mit dem italienischen Polizeichef Arturo Bocchini auf und beide übernahmen faktisch die Leitung der Umsiedlungsaktion.[3.2]

Erst am 21. Oktober wurden die Richtlinien für die Rückwanderung der Reichsdeutschen und Abwanderung der Volksdeutschen aus dem Alto Adige in das Deutsche Reich in Rom mit weiteren bilateralen Durchführungsabkommen unterzeichnet und am 26. Oktober veröffentlicht. Schlusstermin für die Abgabe der Abwanderungserklärungen sollte demnach der 31. Dezember 1939 und für die Durchführung der Umsiedlung der 31. Dezember 1942 sein. In den nächsten eineinhalb Jahren folgte eine Reihe von Zusätzen, Änderungen und Neuinterpretationen der wirtschaftlichen Klauseln.[4.7] Die Zeit für die Entscheidung war sehr kurz bemessen und für den Klerus inklusive seiner Haushaltsangestellten sowie für Kranke, Verhaftete, unbetreute Pflegekinder und Geisteskranke wurde bis 30. Juni 1940 verlängert. 1940 einigten sich Rom und Berlin auf die Möglichkeit einer „Umoptierung“ für Personen, die nachweislich unter moralischem oder physischem Druck optiert hatten.[9.1]

Das Abkommen vom 21. Oktober ließ jedem Optionsberechtigten die Möglichkeit, sich mit einem „roten Stimmzettel“ für die deutsche Staatsbürgerschaft zu entscheiden, durch einen „weißen Stimmzettel“ die italienische Staatsbürgerschaft zu behalten oder durch Nichtausübung des Wahlrechts („graue Option“) ebenfalls die italienische Staatsbürgerschaft zu behalten.[5.2] Der Berechtigtenkreis umfasste die deutschstämmige Südtiroler sowie die Zimbern in den Provinzen Trient (Lusern, Fersental), Vicenza (Sieben Gemeinden), Belluno (Sappada), Verona (Dreizehn Gemeinden) und Einwohner von Udine (Sauris, Timau, Kanaltal – wo auch die Slowenen zur Option zugelassen wurden).[10] Am 17. November 1939 kam es zu einer weiteren Zusatzvereinbarung.[11] Auf ausdrückliches Verlangen der Italiener wurden auch die Ladiner in das Vertragsgebiet aufgenommen (Gröden, Gadertal, Cortina d’Ampezzo, Buchenstein und Colle Santa Lucia, nicht aber das Fassatal).

Für die Sprachinseldeutschen im Trentino (Fassatal und Luzern), die dem RKF zunächst nicht als „völkisch wertvolle Menschen“ gegolten hatten, wurde erst am 29. Dezember auf Anregung der ADERSt Bozen ein Optionsrecht eingeräumt.[12]

Beginn der Option

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Vermögensrechtliche Bestimmungen für Optanten, publiziert in der faschistischen Alpenzeitung vom 14. Mai 1940

Am 27. Juni weihte Otto Bene Robert Helm (Völkischer Kampfring Südtirols VKS) sowie Otto Reinstaller und Erich Amonn (beide Deutscher Verband) ein. Die beiden Verbände kamen am folgenden Tag überein, „unter keinen Umständen auszuwandern“. Peter Hofer (VKS) meinte: „Wir sind verkauft und verloren“.[13.1] Die VKS-Landesführung verabschiedete aber schon am 29. Juni ihre Treue zum Volk und warb später für die Umsiedlung. Der Historiker Leopold Steurer sieht das als Konsequenz aus den VKS-Prinzipien einer „Nibelungentreue“, in der sich der „Einzelne“ für das „Volksganze“ notfalls opfern müsse.[14.1] Die Pläne zur Umsiedlung wurden am 29. Juni 1939 von Otto Bene, auf Befehl Heinrich Himmlers, in Meran bei einer Versammlung etwa zweihundert politischen Ortsgruppenleitern der Auslandsorganisation der NSDAP vorgestellt.[4.8] Am 3. Juli berichtete die Neue Zürcher Zeitung über die Umsiedlungspläne und die angebliche Konsequenz, dass Südtiroler, die nicht aussiedeln wollten, nach Süditalien zwangsumgesiedelt würden. Es ist fraglich, ob diese „Sizilianische Legende“ bewusst vom deutschen Generalkonsul in Mailand Otto Bene ausging.[5.3]

Zur bürokratischen Abwicklung der Option wurde 1939 die „Amtliche deutsche Ein- und Rückwanderungsstelle“ unter der Leitung von SS-Obersturmbannführer Wilhelm Luig eingerichtet. Diese veranlasste wiederum im Januar 1940 die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland“ (AdO). Die AdO übernahm die Strukturen des VKS und war somit in ganz Südtirol präsent. Sie bildete die einzig legale Organisation der „Optanten“. Dadurch gerieten besonders die Umsiedler in den Einfluss der nationalsozialistischen Politik und deren Organisationen. Die Umsiedlungsagenden wurden im Wesentlichem deem am 7. Oktober 1939 geschaffenen Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums übertragen. Diesem arbeiteten mit volkstumpolitischen, wirtschaftspolitischen und administrativen Expertisen ‚Volkstumsexperten‘ zu wie etwa die Südtiroler Wilhelm Tapfer (1903–1975), Josef Zipperle (1909–1995) und Alois Lun (1906–1977) oder der österreichische Kartograph Franz A. Doubek und der deutsche Agrarwissenschaftler Heinz Ernst Krause.[15]

Die Entscheidung für Deutschland zog für die Optanten weit reichende Konsequenzen nach sich. Während für die Dableiber als italienische Staatsbürger sich das Verhältnis zu staatlichen Organen nicht änderte, wurden bei staatlichen Behörden angestellte Optanten entlassen. Ihre schulpflichtigen Kinder mussten die Schule verlassen und Wehrfähige konnten noch vor der Umsiedlung von der Wehrmacht oder der SS eingezogen werden, während Italien erst im Juni 1940 in den Krieg eintrat. Optanten wurde auch, obwohl sie weiterhin steuerpflichtig in Italien waren, die Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern verweigert, was bei den deutschen Auswanderungsbehörden ADERSt und AdO einen nicht unbedeutenden Organisationsaufwand verursachte.[16]

Kranke, Behinderte, Alte sowie sozial auffällige Personen mussten bei der Umsiedlung übernommen werden aber erhielten als unerwünschter Bevölkerungszuwachs keine deutsche Staatsbürgerschaft. Insgesamt gerieten etwa 1.000 Südtiroler in den Aktionsradius der nationalsozialistischen Erbgesundheitspolitik. Psychiatriepatienten wurden über Hall in Tirol nach Württemberg (Zwiefalten und Bad Schussenried) verlegt, wo sie nur knapp der ersten Phase der T4-Krankenmorde entgingen.[17] Danach war ihre Sterblichkeit ähnlich hoch wie die der reichsdeutschen Patienten.

Spaltung in „Geher“ und „Dableiber“

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NS-Propagandaentwurf mit Südtiroler Trachtenpaar, ca. 1939/40[18]

Das Optionsabkommen stellte die optionsberechtigten Südtiroler vor eine komplizierte Entscheidung. Durch die faschistische Unterdrückungs- und Erdrückungspolitik war vielen kulturell, politisch und sozial die Heimat bereits genommen. Österreich als mögliches Heimatland existierte nicht mehr und das nationalsozialistische Deutschland war kein Wunschziel einer Auswanderung.[19] Eine positiv gestimmte Perspektive auf die Auswanderung, zu der man sich im Falle einer Option für Deutschland verpflichtete, nämlich die damit verknüpfte Hoffnung auf freie kulturelle Entfaltung und gesicherte wirtschaftliche Existenz, war schwer mit dem Verlust der angestammten Heimat und dem Zurücklassen der Besitztümer zu vereinbaren. Die Debatte, ob man sich für die Emigration entscheiden oder im faschistischen Italien bleiben solle, wurde Gegenstand heftiger Diskussionen auch in den kleinen Dörfern und quer durch viele Familien.

Die Menschen sahen sich einem massiven Entscheidungsdruck ausgesetzt und viele wussten nicht, welche Entscheidung „richtig“ war. Ihre Verzweiflung drückte sich in einem erhöhten Medikamentenkonsum und in einem Anstieg der Selbstmordversuche aus.[20]

Schon Anfang Juli war durch Bene die „Sizilianische Legende“ entstanden, dass alle nichtumsiedlungswilligen Südtiroler zwangsweise nach Sizilien, Abessinien oder zumindest in Gegenden südlich des Po umgesiedelt werden könnten.[14.2][13.2]

Für die Option geworben wurde mit dem von Himmler versprochenen geschlossenen Siedlungsgebiet. Himmlers Zusagen appellierten an das Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühl und förderten eine Illusion des spiegelbildlichen Wiederaufbaus und wurden tausendfach vom VKS in Umlauf gebracht.[14.3] Auch den zweiten, dritten und vierten Bauernsöhnen wurden eigene Höfe in Aussicht gestellt.[21] Durch die Kriegsereignisse war man sich jedoch über die geographische Lage noch nicht im Klaren. Einmal wurde den Optanten von Funktionären der AdO Galizien versprochen, dann Bauernhöfe im besetzten Polen. Später erwog man die Ansiedelung der Optanten in einem SS-Mustergau in Burgund, der erst auf dem Reißbrett existierte, dann wurde wieder die Halbinsel Krim ins Gespräch gebracht.

Der VKS operierte mit der Losung, dass man mit einer 90-prozentigen Option für die deutsche Staatsangehörigkeit Hitler in Anlehnung an die territoriale Saarabstimmung moralisch und politisch verpflichten würde, auch das Südtiroler Territorium „heim ins Reich“ zu holen. Auch wäre Italien bei einer so hohen Umsiedlerquote nicht in der Lage, die hohe Ablösesumme für den zurückzulassenden Optantenbesitz zu bezahlen. Die Verpflichtung zur Auswanderung würde somit entfallen.[14.4]

Dem VKS gelang es, die Fragestellung nach der Beibehaltung der italienischen Staatsbürgerschaft (mit dem einhergehenden Recht auf Verbleib in Südtirol) bzw. des Wechsels der Staatsbürgerschaft (mit der einhergehenden Verpflichtung zur Auswanderung) in die Frage eines ethnopolitischen Bekenntnisses zwischen „deutsch oder wälsch“ umzufunktionieren. Damit wurden die „Dableiber“ in die Position von „Verrätern am deutschen Volkstum und Volk“ gedrängt. In der heißen Phase des Optionskampfes von Oktober bis Dezember kam es zu physischem Terror gegen Dableiber-Aktivisten, die nur noch unter dem Schutz faschistischer Sicherheitsorgane agieren konnten und somit in die Rolle von scheinbaren „Kollaborateuren“ mit dem italienisch-faschistischen Gegner gerieten.[14.3] Eine niedrige materialistische Gesinnung der „Kirchen, Pfarrhäuser, Adelssitze und materialistischen Wirtschaftszentren“ wurde für die „volksverräterische“ Propaganda der Dableiber verantwortlich gemacht.[5.4] Die Orte, deren Bewohner geschlossen für die Umsiedlung stimmten, wurden von der Propaganda des VKS als sogenannte „Musterdörfer“ für ihre Zwecke ausgeschlachtet, darunter beispielsweise die Orte Gossensaß, Geiselsberg und Olang.[22]

Der Bozener Präfekt Mastromattei, der nur die „politisch unruhigen Elemente“ aus dem Lande haben wollte und ansonsten die Freiwilligkeit der Umsiedlung betonte, wollte 20.000 Unbeugsame einer schwarzen Liste auf jeden Fall nach Deutschland abwandern sehen. Er dementierte die sizilianische Legende nur zögerlich (und da war er als führender Repräsentant der Italienisierungspolitik für die Optionsberechtigten schon unglaubwürdig) und Mussolini gar nicht.[13.3] Grundsätzlich war das Problem der italienischen Seite, dass sie einerseits die politisch Unbequemen loswerden und gleichzeitig die anderen Südtiroler zum Bleiben mobilisieren wollte.[21] Entgegen dem Trend in der Gesamtbevölkerung optierten im Bistum Brixen nur 20 % (darunter aber Bischof Johannes Geisler und Generalvikar Alois Pompanin), in den deutschsprachigen Dekanaten der Diözese Trient lediglich 10 % des Klerus für die Auswanderung.[23] So versuchten vor allem viele Priester und politisch engagierte Christlichsoziale unter den Südtiroler „Dableibern“, der deutschen Options-Propaganda und gleichzeitig der repressiven italienischen Politik organisierten Widerstand entgegenzusetzen. Ihr prominentester Vertreter war der Journalist und Priester Michael Gamper, der in der Zwischenkriegszeit für die einzige deutschsprachige Zeitung Südtirols arbeitete, den Tiroler (ab 1923 Der Landsmann, ab 1925 Dolomiten), und sich von seiner ursprünglich NS-freundlichen Position nach und nach abwandte.[24] Zu den Gegnern der Option zählte auch der Erzbischof von Trient, Celestino Endrici. Endrici hatte bereits nach der Machtergreifung deutlich Stellung gegen die Rassenideologie des Nationalsozialismus genommen und seinen Klerus in den deutsch- und gemischtsprachigen Dekanaten in Südtirol zum Widerstand aufgerufen. Die Option gefährdete seiner Ansicht nach die natürlichen Rechte der Südtiroler und stellte sie vor das Dilemma, zwischen Muttersprache und Heimat wählen zu müssen. Endrici hielt der faschistischen Regierung vor, nichts gegen die Options-Propaganda der Nazis unternommen zu haben, und intervenierte in der Sache sogar beim Heiligen Stuhl.[25]

Um die „Dableiber“ vor Übergriffen der „Optanten“ zu schützen, wurde noch 1939 der Südtiroler Andreas-Hofer-Bund (AHB) gegründet. Er war die wichtigste Südtiroler Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus und die Keimzelle der 1945 gegründeten Südtiroler Volkspartei (SVP). Gründungsmitglieder des AHB waren neben Gamper fünf weitere führende „Dableiber“: der spätere Südtiroler Senator in Rom Friedl Volgger, der Abgeordnete Paul von Sternbach, der Bozner Kaufmann Erich Amonn, der Bozner Politiker Alois Puff und Josef Mayr-Nusser. Friedl Volgger übernahm die Funktion des Vorsitzenden und hatte sie bis 1943 inne, als er durch die Nationalsozialisten verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt wurde

Das Optionsgeschehen („Optionskampf“) der Monate Oktober bis Dezember führte zu einer nicht gekannten Politisierung, Fanatisierung und tiefgreifenden Polarisierung der verstrickten Menschen. Es entstand ein Riss durch die Gesellschaft, oft quer durch Familien, Dorfgemeinschaften und Institutionen. Heiratsanzeigen, Wohnungs- und Stellenangebote erfolgten nach dem trennenden Raster der Optionsentscheidung. Deshalb sollte über lange Zeit eine distanzierte und rationale Diskussion und Betrachtung der Ereignisse in der Nachkriegszeit fast unmöglich sein, zumal sich die Entscheidung der Mehrheit (Optanten) im folgenden als falsch erwies und einen Verdrängungs-, Abwehr- und Rechtfertigungsmechanismus beförderte. Fotografen, Immobilienhändler, Verpackungs- und Umzugsfirmen sowie Grundstücksmakler machten fortan gute Geschäfte.[5.5]

Flugblätter der Dableiber und der Optanten

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Flugblatt gegen die Umsiedlung (1939)

Im Sommer 1939 sickerte der Inhalt der deutsch-italienischen Verhandlungen vom 23. Juni 1939 durch, mit deren Durchführung Hitler den SS-Chef Heinrich Himmler im April beauftragt hatte. Ab August 1939 wurde die Frage „Dableiben oder Aussiedeln“ zum Thema von vielen Flugblättern. Zwei relativ gemäßigte lauteten:

Dableiberflugblatt
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„Nun ist es auch an den letzten, die Entscheidung zu fällen. Sie geht um Auswanderung oder Verbleib im Lande, um Heimat oder Fremde. Die Wahl kann nicht schwerfallen. […] Geht darum hin und legt Zeugnis ab für die Heimat durch die Abgabe des weißen Stimmzettels. Man hat diese Stimme zu fälschen versucht, indem man ihr böswillig den Sinn unterlegt, sie sei ‚welsch gestimmt‘. In Wirklichkeit steht aber nichts anderes auf dem weißen Stimmzettel geschrieben, als daß Ihr die italienische Staatsbürgerschaft beibehalten wollt. Und dies ist Euch unerläßlich, wenn Ihr weiter in diesem Land leben und arbeiten wollt, genauso wie für Millionen andere Volksdeutsche, die außerhalb des Reiches leben, eine fremde Staatsbürgerschaft nötig ist. Wer darum den weißen Zettel unterschreibt, gibt seine Stimme der Heimat.“

Optantenflugblatt
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„Südtiroler, bekennt euch! Eine schwere, aber stolze Stunde ruft euch auf zum Bekenntnis für Blut und Volk, zur Entscheidung, ob ihr für euch und eure Nachkommen endgültig auf euer deutsches Volkstum verzichten oder ob ihr euch stolz und frei als Deutsche bekennen wollt […] Ihr wählt nicht zwischen Heimat und Galizien, sondern ihr wählt zwischen einem uns fremd gewordenen Südtirol und zwischen dem Lande, das uns der Führer im deutschen Reichskörper zuweisen wird […] Schwer ist die Entscheidung, doch keinen Augenblick zweifelhaft, denn wir wissen, was wir dem Rufe unseres deutschen Blutes, des deutschen Volkes und unseres Führers schulden. […] Die Scholle opfern wir dem großen Ziele, dem großen, heiligen deutschen Reich.“

Parolen aus anderen Flugblättern
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Spätere Flugblätter wurden im Ton schärfer, woraus sich auch die Notwendigkeit erklärt, die in die Minderheit geratenen „Dableiber“ durch den im November gegründeten Andreas-Hofer-Bund zu schützen.

Aussagen wie die über Polen zeigen, dass die „Dableiber“ anscheinend besser informiert waren als ihre Gegenspieler, da diese Ereignisse später tatsächlich eintraten. Sie sind Ausdruck des tiefen Risses, der damals durch Südtirol ging und teilweise bis heute nachwirkt.

Aus Flugblättern der „Dableiber“-Bewegung:

  • „Südtirol und Galizien! Gibt es einen schreienderen Gegensatz? Wohnen sollt Ihr in Hütten, aus denen die polnischen Bewohner vertrieben wurden […] Zwischen feindliche Völker eingeschoben […] sollt ihr gegen die Polen eingesetzt werden, von diesen […] verhasst, bis man Euch aus dem Lande vertreiben wird, denn das Glücksrad kann sich wieder drehen“
  • „Die Losung lautet nicht ‚Geschlossen auswandern‘, sondern ‚Geschlossen in der Heimat verbleiben!‘“
  • „Je mehr Deutsche in der Heimat bleiben, desto größer ist die moralische Macht, die wir besitzen, umso leichter werden wir unsere bisherigen Rechte behaupten […]“
  • „Von zwei Übeln wähle ich das kleinere. Wir bleiben daheim!“

Aus Flugblättern der „Optanten“:

  • „Wer für Italien stimmt … verleugnet öffentlich seine deutsche Herkunft […]“
  • „Er wird dieser Lüge niemals froh werden, wenn er sieht, wie seine Kinder verwelschen […]“
  • „[…] sogenannte ‚Hierbleiber‘, die freiwillig und blind ihre Zustimmung zur Verwelschung unseres Volkstums geben“
  • „Volksfremde Elemente […] und verhetzte Geistliche bilden die saubere Gesellschaft, die heute die Heimatliebe predigen für Geld […] Sie sagen: ‚Geht nicht, draußen ist Krieg!‘ […]“
  • „Ja, sind denn wir Südtiroler von 1939 Feiglinge geworden, die den Krieg fürchten und das Opfer für unser deutsches Vaterland?“
  • „Das Reich ist gegen das scheinheilige, politisierende Priestertum, das … Deutschland haßt und jenes Judentum, das Christus, unseren Herrn, gekreuzigt hat, in Schutz nimmt, wo es nur kann.“
  • „[…] die Zehn Gebote Gottes sind im Deutschen Reiche geradezu Staatsgrundgesetze! … [Das Reich] wird unser Opfer … zu würdigen wissen und sein Wort halten!“

Gedichte der Dableiber und Optanten

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Die Brennende Lieb (Geranie), wurde ebenfalls zu Propagandazwecken beider Seiten verwendet. In Gedichtform sollte mit diesem Wahrzeichen der Bauern für die jeweilige Seite geworben werden. Nach dem Kriegt wurden die Optantengerichte rasch verräumt, während die gerahmten Egarter-Gedichte in vielen Stuben blieben.[26]

Version der Dableiber (Hans Egarter) Version der Optanten (Karl Felderer)

Am Erker blühet wie immer
Die leuchtende „Brennende Lieb“
Die Treue zur Heimat war stärker,
Wie jauchzen wir, dass sie uns blieb.

O blühe und leuchte Du Blume –
Ein Zeichen der Treue Du bist!
Und künde, dass Glaube und Heimat
Das Höchste für uns ist.

So reißet vom sonnigen Erker
Die letzte brennende Lieb;
Die Treue zu Deutschland war stärker,
Das heiligste, was uns blieb.

Wir nehmen sie mit im Herzen,
Für andere dereinst Symbol;
Sie stille des Heimweh Schmerzen:
Leb wohl, du mein Südtirol!

Rückwandererkartei, Innsbruck 1940

Genaue Zahlen zur Optionsentscheidung lassen sich nicht feststellen. Je nach Interessenlage wurden unterschiedliche Ergebnisse veröffentlicht:

  • Faschistische Zeitungen nannten 185.365 Optanten und 38.247 Personen, die sich für die Beibehaltung der italienischen Staatsbürgerschaft entschieden sowie 43.626 Personen, die durch Nichtteilnahme („graue“ Option) automatisch die italienische Staatsbürgerschaft behielten. Demnach gab es 69,4 Prozent „Geher“ und 30,6 Prozent „Bleiber“.
  • Der Völkische Kampfring Südtirols kam auf 194.748 Optanten, die einem Prozentsatz von 90,7 entsprach, dabei blieben die ladinischen Täler und die Nichtteilnehmer unberücksichtigt. Das Ergebnis entsprach nach dieser Rechnung der Saarabstimmung und sollte indirekt für die Eingliederung Südtirols ins Deutsche Reich sprechen.

Später (auch nach 1945) folgten noch diverse je nach politischer Absicht frisierte Optionsergebnisse.[9.2]

Insgesamt entschieden sich etwa 85 % der Südtiroler Bevölkerung für eine Umsiedlung ins Reich und damit für die deutsche Reichsbürgerschaft: Es handelte sich um 166.488 Südtiroler sowie um 16.572 Wahlberechtigte in den Provinzen Belluno, Trient, Vicenza und Udine. Zuzüglich der Frauen und unmündigen Kinder, für die in der Regel die Ehemänner bzw. Väter mit abstimmten, waren rund 213.000 Südtiroler betroffen. Geistig Behinderte und zum Teil psychisch Kranke wurden meist wie Unmündige behandelt. Nur Minderjährige zwischen 18 und 21 Jahren, die nicht mit dem Vater zusammenlebten sowie getrennt lebende oder geschiedene Ehefrauen konnten selbstständig entscheiden. Für minderjährige uneheliche Kinder und Jugendliche übten die Mütter das Optionsrecht aus.[27]

Ausweis „Volksdeutscher Einwanderer“

Zur Bewältigung der Umsiedlung entstand unter der Führung des Reichskommissariats für die Festigung des deutschen Volkstums unter Leitung von Himmler ein riesiger bürokratischer Apparat. Ulrich Greifelt leitete dabei die koordinierende Leitstelle für Ein- und Rückwanderung mit der Amtlichen deutschen Ein- und Rückwanderungsstelle (ADERST). Die Deutsche Umsiedlungs- und Treuhandgesellschaft (DUT) war für die Liquidierung und den Transfer des Umsiedlervermögens, die Deutsche Ansiedlungsgesellschaft (DAS) für die Wiederansiedlung im landwirtschaftlichen Bereich, die „Dienststelle Umsiedlung Südtirol“ (DUS) in Innsbruck für die Erfaßung, Einbürgerung, vorläufige Unterbringung und Regelung finanzieller Angelegenheiten zuständig. Der VKS wurde als Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland (AdO) anerkannt und legalisiert und der ADERST unterstellt. Auf italienischer Seite war die Ente di Rinascita Agraria per le Tre Venezie (ERA) für den Ankauf und die Weitervermittlung von Umsiedlervermögen zuständig und eine Kommission für italienische Binnenwanderung für den Zuzug in die Provinz Bozen.[5.6]

Etwa 78.000 Personen wanderten aus Norditalien ins Deutsche Reich aus und weitere 10–11.000, die bereits im Reich lebten, tauschten ihre italienische gegen die deutsche Staatsangehörigkeit ein. Die Deutsche Umsiedlungs-Treuhand erfasste im Vermögensausgleichsverfahren etwa 88.000 Personen.[8.2] Als Gründe für die geringe Auswanderung wird angeführt, dass viele Optanten vorrangig nicht für die Auswanderung, sondern gegen die jahrzehntelange harte faschistische Repression gestimmt hätten. Andere seien von den enttäuschenden Berichten der ersten Auswanderer entmutigt worden und bei vielen wären die Schätzung ihres zurückzulassenden Vermögens und die Auseinandersetzungen um die finanzielle Entschädigung noch nicht abgeschlossen gewesen.[28]

Bis zum Jahresende 1939 wanderten etwa 11.500 Südtiroler aus. Von den etwa 75.000 Optanten, die bis 1943 tatsächlich ins Reich übersiedelten (vorwiegend aus besitzlosen Familien unselbständig Erwerbstätiger der größeren Orte, jedoch nur wenige Bauern), verließen rund 50 % Südtirol im Jahr 1940. Danach ging die Zahl der Umsiedlungen jährlich stetig zurück: 1941 folgten 24 %, 1942 weitere 8 % und 1943 waren es nur noch 4 %.

Für diesen starken Rückgang gab es mehrere Gründe: Die Zuweisung eines geschlossenen Siedlungsgebiets, das den Südtirolern versprochen worden war, blieb aus; die Unterbringung und Arbeitsmöglichkeiten der ersten Auswanderer entsprachen nicht den Erwartungshaltungen; die Schätzung und Ablösung der Vermögenswerte, die den Optanten ersetzt werden sollten, verzögerte sich. Für die bodengebundene Bevölkerung wurde kein geschlossenes Siedlungsgebiet gefunden und Ende 1940 entsprach das Umzugsgut der verbliebenen 150.000 eher ländlichen Optanten schätzungsweise einer Ladung von 210.000 Güterwaggons über die auch kriegsbedingt schon voll ausgelastete Brennerbahn.[5.7] Ende 1941 kam es zu einer Umorganisation mit personellen Änderungen. Auf deutscher Seite wurde Ludwig Mayr-Falkenberg mit der Funktion eines „Hohen Kommissars“ für die Südtiroler Umsiedlung berufen und versuchte mit technischer Obstruktion die Auswanderung zu verlangsamen, da er die politische und militärische Entwicklungen abwarten wollte. Italienischer „Hoher Kommissar“ wurde Agostino Podesta, der ebenfalls versuchte eine weitere Massenauswanderung der Optanten zu verhindern.[5.8] Es wanderten hauptsächlich Unselbstständige und Besitzlose aus Industrie und Handwerk (38,5 %), der Landwirtschaft (30 %), Hauswirtschaft (10 %) sowie Gastgewerbe und Handel (jeweils 8 %) aus, was die damalige Südtiroler Gesellschaft stärker agrarisch prägte.[9.3] Die Umsiedler mussten zugewiesene Wohnorte und Arbeitsplätze annehmen, eine Personenfreizügigkeit oder auch freie Arbeitsplatzwahl gab es für sie nicht.[8.3]

Südtiroler-Siedlung in Bludenz; von der Seilbahn auf den Muttersberg

Ein Großteil der Ausgewanderten wurde in eigens errichteten Südtiroler-Siedlungen im heutigen Österreich, insbesondere in den Bundesländern Tirol und Vorarlberg, angesiedelt. Männer im wehrpflichtigen Alter wurden in die Wehrmacht eingezogen. Trotz verstärkter Anstrengungen und Kampagnen zur Steigerung der Umsiedlungszahlen gingen die Zahlen ab Frühjahr 1942 stark zurück. Am 23. Juli 1942 verlängerten der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop und Dino Alfieri, italienischer Botschafter in Berlin, die Umsiedlungsaktion um ein Jahr auf Ende 1943.[29] Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 erfolgte nach der Verkündung des italienischen Waffenstillstandes mit den Alliierten am 8. September 1943 und deutsche Besetzung Italiens übernahm der Umsiedlungs- und Polizeiapparat Himmlers mit der kollaborierenden AdO die Macht im Inneren. Aus außenpolitischer Rücksichtnahme auf die Marionettenregierung der Italienischen Sozialrepublik erfolgte keine „Heimholung“ ins Deutsch Reich aber AdO und Bevölkerung erlebten es als „nationale Befreiung“ von der italienisch-faschistischen Fremdherrschaft, wobei die antinazistischen Dableiber zu den ersten Leidtragenden der Nationalsozialisten wurden. Friedl Volgger und Rudolf Posch wurden ins Konzentrationslager deportiert. Michael Gamper konnte sich durch Flucht nach Florenz einer Verhaftung entziehen.[30]

Mit dem Kriegsende musste die Situation der Optanten gelöst werden. Für Italien galten sie wegen ihres Ausbürgerungsantrags nicht mehr als Staatsbürger und standen zusätzlich im Verdacht der Kollaboration mit den Nationalsozialisten. Von den Optanten hatten noch nicht alle die deutsche Staatsbürgerschaft (nicht die österreichische) erhalten und von diesen war wiederum nur ein Teil tatsächlich ausgewandert.[31.1]

Nach 1945 forderte die Südtiroler Volkspartei eine Wiedervereinigung mit dem österreichischen Nord- und Osttirol, wofür in einer Unterschriftenaktion 156.600 Südtiroler Stimmen gesammelt wurden. Auf der Pariser Friedenskonferenz setzte sich diese Variante aber nicht durch, sondern es wurde 1946 das Gruber-De-Gasperi-Abkommen geschlossen, das eine Gleichstellung der deutschen Sprache, weitgehende kulturelle Freiheiten und eine gewisse Autonomie Südtirols innerhalb Italiens zusicherte, dazu aber noch in Artikel 3 festlegte,

„in einem Geist der Billigkeit und Weitherzigkeit die Frage der Staatsbürgerschaftsoptionen,
die sich aus dem Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 ergeben, zu revidieren.“[32]

Dem Friedensvertrag entsprechend wurde am 2. Februar 1948 das sogenannte Optanten-Dekret erlassen, das allen Optanten und deren Kindern das Recht auf Rückoption einräumte. Die Kinder der Rückoptanten mussten durch einen Geburtsschein belegen, dass sie ein Anrecht auf die italienische Staatsbürgerschaft hatten.[33] Etwa 4.000 Personen blieben ausgenommen, weil sie im Dritten Reich, dem Umsiedlungsapparat oder auch bei der Partisanenbekämpfung eine führende Position wahrnahmen.[34]

  • Auf 52.876 Anträge von Optanten, die weder deutsche Staatsbürger geworden waren noch umgesiedelt hatten, erhielten 115.813 Personen die italienische Staatsbürgerschaft zurück.
  • Auf 21.468 Optionsanträge von Personen, die die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten aber noch nicht umgesiedelt waren, wurden 20.879 Anträge für 40.808 Personen angenommen und 578 für 664 Personen abgelehnt.
  • Auf 28.980 Optionsanträge von nach Deutschland eingebürgerten und ausgewanderten wurden 22.075 angenommen und bis August 1956 hatten 44.684 Personen einen positiven Bescheid erhalten.

Insgesamt erhielten mehr als 200.000 Südtiroler Reichsoptanten ihre italienische Staatsbürgerschaft bestätigt bzw. wiederverliehen. Die Zahl der Nicht-Rückoptanten ist nicht feststellbar aber man geht von einem neunzigprozentigen Rückoptionsergebnis aus. Der Gesamtverband der Südtiroler in Österreich (GVS) begann in der zweiten Jahreshälfte 1948 eine intensive Propaganda für die Rückoption („Die Heimat braucht möglichst alle!“) und die Tiroler Presse kolportierte, dass die ehemaligen Optanten, die sich nicht für eine Rückoption entschieden in Österreich wie Staatenlose behandelt würden.[31.2]

Im Juli 1949 wurde in Bozen das Amt für Rücksiedlungshilfe an Optanten eingerichtet. Dies war notwendig, da von der ursprünglichen Umsiedlung hauptsächlich besitzlose proletarische Schichten betroffen gewesen waren, die nach dem Krieg noch ärmer zurückkehrten.[31.3] Ein großer Teil der Südtiroler Bevölkerung wünschte die Rückkehr der Umsiedler nicht. Man hielt sie für „Pofel“ und Kommunisten und man wollte auch die schmerzhaften Emotionen der Option und Umsiedlung nicht wieder wachrütteln. Diese Verdrängung versperrte die Einsicht, dass die Umsiedler die wahren Opfer der Option gewesen waren. Das ging soweit, dass die Rücksiedler (ehemalige „Wegzieher“) als Verräter an der Heimat bezeichnet wurden.[31.4]

Bereits zuvor waren zwischen 2000 und 12.000 ausgewanderte „Optanten“ illegal nach Südtirol gekommen.[35] Nach dem Abkommen folgten nochmals weitere „Rücksiedler“. Schätzungen zufolge kehrten insgesamt rund 20.000–25.000 ehemalige „Optanten“ wieder nach Südtirol zurück.

Stand der Optionsforschung

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Löste öffentliche Debatte aus: Reinhold Messner

Nach dem Krieg versuchte die italienische Seite zunächst, möglichst alle Schuld für Option und Umsiedlung dem Dritten Reich und den Südtiroler Nationalsozialisten anzulasten, während Österreich und die Südtiroler Volkspartei das Optionsergebnis und die Umsiedlung als zwangsläufige Folge der faschistischen italienischen Südtirolpolitik darstellten.[36] Die Option blieb in der Nachkriegszeit über weite Strecken unter den deutschsprachigen Südtirolern ein verschwiegenes Thema. Eine kritische Aufarbeitung verhinderte vor allem die kollektiv empfundene Notwendigkeit des ethnopolitischen Zusammenhalts der deutsch- und ladinischsprachigen Minderheiten, die entgegen ihren Wünschen weiterhin bei Italien verblieben waren und daher eine Art Wagenburgmentalität des Zusammenhaltens entwickelten, die die Zerreißprobe von Dableibern und Optanten wirkungsvoll überdeckte.[37] Pioniere der Südtiroler Geschichtsschreibung wie Claus Gatterer und junge Historiker wie Leopold Steurer, Karl Stuhlpfarrer und Christoph von Hartungen oder Journalisten wie Gerhard Mumelter, Gerd Staffler und Alexander Langer widersetzten sich einer Zuschüttung der eigenen Landesgeschichte und forschten und publizierten zu Option, Nationalsozialismus, Verfolgung und Verantwortung.[38]

1981 provozierte Reinhold Messner eine heftige Diskussion zur Verantwortung von Optanten und Dableibern, indem er in einem RAI-Interview sagte: „Ich glaube daß kein Volk die Heimat so verraten hat wie die Südtiroler.“ Damit stellte er sich auf die Seite der „Dableiber“, brachte das totgeschwiegene Trauma der Option in die breite Öffentlichkeit und wurde deshalb zur „persona non grata“ erklärt. Bis dahin hatte das offizielle Geschichtsnarrativ Südtirol nur als Opfer gekannt und Täter gab es nicht.[38] Eine weitere wichtige Wendemarke bedeutete die im Jahr 1989, 50 Jahre nach dem Optionsabkommen, in Bozen veranstaltete Ausstellung „Option – Heimat – Opzioni“, die zu einer intensiven öffentlichen Debatte über die Voraussetzungen, Umstände und Folgen der Option führte.[39] In der Folge verstärkten sich die Aufarbeitungsbemühungen, begünstigt auch durch die steigende Zugänglichkeit von einschlägigen Aktenbeständen – Karl Stuhlpfarrers Monographie hatte diesbezüglich eine äußerst solide Grundlage bereitgestellt.[40] Seither wurden in chronologischer Reihenfolge neue Forschungsleistungen von Michael Wedekind, Helmut Alexander, Stefan Lechner, Günther Pallaver und Hannes Obermair vorgelegt, die das Gesamtbild insgesamt weiter ausdifferenziert haben.[41][42][43]

Während Pallaver 2011 noch offen lässt, wer die Initiative zur beidseitig eifrig umgesetzten Umsiedlung ergriff,[9.4] hat für Alexa Stiller (2020) die Forschung gezeigt, dass die Initiative vom nationalsozialistischen Regime ausging.[8.4]

Künstlerische Rezeption

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Das Optionsgeschehen wurde auch filmisch und künstlerisch rezipiert und verarbeitet. Für Karin Brandauers Film Verkaufte Heimat von 1988/89 hatte Felix Mitterer das Drehbuch geschrieben. 2019 wurde es auch als Theaterstück in der zum Abriss bestimmten Südtiroler Optantensiedlung in Telfs von den Tiroler Volksschauspielen aufgeführt.[44] Im Jahr 2021 hat sich die Künstlerin Anja Manfredi mit der Südtiroler Siedlung in Lienz fotografisch auseinandergesetzt.[45]

  • Helmut Alexander, Adolf Leidlmair, Stefan Lechner: Heimatlos: die Umsiedlung der Südtiroler. Deuticke, Wien 1993, ISBN 3-216-07832-9.
  • Carl von Braitenberg: Unter schwarzbrauner Diktatur. Erinnerungen eines Familienvaters. Arunda, Schlanders 1976.
  • Emmanuel Dalle Mulle, Alessandro Ambrosino: The 1939 Option Agreement and the ‘Consistent Ambivalence’ of Fascist Policies towards Minorities in the Italian New Provinces. In: The Historical Journal, Vol. 66, Issue 4, September 2023, S. 887–908 (Online).
  • Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Hrsg.): Die Option. Südtirol zwischen Faschismus und Nationalsozialismus (= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte. Band 5). Haymon, Innsbruck 1989, ISBN 3-85218-059-7.
  • Gerhard Greber: Die Südtiroler Umsiedler in Vorarlberg: ihre Integration in Bevölkerung, Siedlung und Wirtschaft. In: Montfort. Zeitschrift für Geschichte Vorarlbergs. Bd. 31, 1979, Heft 4, S. 259–294.
  • Astrid Kofler: Von Rückkehr, Flucht und Suche nach Heimat. Erinnerungen an die Nachkriegszeit. Athesia, Bozen 2025, ISBN 978-88-6839-891-0 (enthält Selbstzeugnisse von Rückoptanten).
  • Carl Kraus, Hannes Obermair (Hrsg.): Mythen der Diktaturen. Kunst in Faschismus und Nationalsozialismus – Miti delle dittature. Arte nel fascismo e nazionalsocialismo. Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol, Dorf Tirol 2019, ISBN 978-88-95523-16-3, Kap. Mythos Option – Mito Opzioni, S. 208–227.
  • Stefan Lechner: Die Erste Option: die Vergabe der italienischen Staatsbürgerschaft an die Südtiroler in Folge der Annexion 1920. In: Hannes Obermair, Stephanie Risse, Carlo Romeo (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung. Festschrift für Hans Heiss (= Cittadini innanzi tutto). 1. Auflage. Folio Verlag, Wien/Bozen 2012, ISBN 978-3-85256-618-4, S. 219–236.
  • Margareth Lun: NS-Herrschaft in Südtirol: die Operationszone Alpenvorland 1943–1945. In: Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte. Band 22. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2004, ISBN 3-7065-1830-9.
  • Hannes Obermair: „Großdeutschland ruft!“ Südtiroler NS-Optionspropaganda und völkische Sozialisation – „La Grande Germania chiamaǃ“ La propaganda nazionalsocialista sulle Opzioni in Alto Adige e la socializzazione ‚völkisch‘. Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, Schloss Tirol 2020, ISBN 978-88-95523-35-4. – 2. erweiterte Auflage, ebd. 2021, ISBN 978-88-95523-36-1.
  • Reinhold Messner (Hrsg.): Die Option. 1939 stimmten 86 % der Südtiroler für das Aufgeben ihrer Heimat. Warum? Ein Lehrstück der Zeitgeschichte. Aktualisierte Neuausgabe, 2. Auflage. Piper, München 1995, ISBN 3-492-12133-0.
  • Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. Raetia, Bozen 2011, ISBN 978-88-7283-386-5.
  • Günther Pallaver, Leopold Steurer, Martha Verdorfer (Hrsg.): Einmal Option und zurück. Die Folgen der Aus- und Rückwanderung für Südtirols Nachkriegsentwicklung. Raetia, Bozen 2019, ISBN 978-88-7283-706-1.
  • Andreas Raffeiner (Hrsg.): 80 Jahre Option – Das dunkelste Kapitel der (Süd-)Tiroler Zeitgeschichte (= Studien zur Zeitgeschichte. Band 115), Hamburg 2020, ISBN 978-3-339-11700-7.
  • Ludwig Walter Regele: Meran und das Dritte Reich. StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2007, ISBN 978-3-7065-4425-2.
  • Joachim Scholtyseck: Auf dem Weg zu „brutalen Freundschaften“. Die deutsche Österreich- und Italienpolitik in der Zwischenkriegszeit. In: Maddalena Guiotto, Wolfgang Wohnout: Italien und Österreich im Mitteleuropa der Zwischenkriegszeit / Italia e Austria nella Mitteleuropa tra le due guerre mondiali. Böhlau, Wien 2018, ISBN 978-3-205-20269-1, S. 201–216.
  • Karl Stuhlpfarrer: Umsiedlung Südtirol: 1939–1940. 2 Bände. Löcker, Wien 1985, ISBN 3-85409-073-0.
  • Tiroler Geschichtsverein, Sektion Bozen (Hrsg.): Option, Heimat, Opzioni: eine Geschichte Südtirols – vom Gehen und vom Bleiben. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1989, ISBN 3-215-07477-X.
  • Anton Wiechmann: Die „Große Option“: Von Südtirol ins südliche Emsland – In der Obhut der Thuiner Franziskanerinnen entgehen behinderte Menschen im Nationalsozialismus der „Euthanasie“. In: Emsländische Geschichte 25, Haselünne 2018, S. 359–389.
  • Literatur und Flugblätter: 23. Juni 1939 – Gehen oder bleiben. Die Option in Südtirol. In: Rolf Steininger: Von der Monarchie bis zum Zweiten Weltkrieg. In: Österreich im 20. Jahrhundert, 2 Bände. Band 1. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1997, ISBN 3-205-98416-1.
  • Alexander Lutt: Südtiroler Option – Archivbestände und ihre gestörte Überlieferung. Mit spezifischer Berücksichtigung des Bestandes der Amtlichen Deutschen Ein- und Rückwandererstelle im Staatsarchiv Bozen. Masterarbeit, Universität Wien 2016, doi:10.25365/thesis.42487 (Digitalisat).
Commons: Option in Südtirol – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Vgl. Stefan Lechner: Die Erste Option: die Vergabe der italienischen Staatsbürgerschaft an die Südtiroler in Folge der Annexion 1920. In: Hannes Obermair et al. (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung. Festschrift für Hans Heiss (= Cittadini innanzi tutto). Folio Verlag, Wien-Bozen 2012, ISBN 978-3-85256-618-4, S. 219 ff.
  2. Sabine Viktoria Kofler: Adolf Hitler entlarvt! Die Südtirolfrage im öffentlichen Diskurs 1920 bis 1928. Raetia, Bozen 2023, ISBN 978-88-7283-659-0, S. 19 f.
  3. Markus Leniger: Nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“ und Umsiedlungspolitik 1933-1945. Frank & Timme, 2006, ISBN 978-3-86596-082-5.
    1. S. 41 f.
    2. S. 50
  4. Conrad F. Latour: Südtirol und die Achse Berlin-Rom. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Nr. 5. Deutsche Verlagsanstalt, 1962, ISBN 978-3-486-70379-5, doi:10.1524/9783486703795.
    1. S. 20
    2. S. 22
    3. S. 27
    4. Vgl. S. 28 f.
    5. S. 30
    6. S. 41
    7. S. 54 f.
    8. S. 43
  5. Leopold Steurer: Option und Umsiedlung in Südtirol: Hintergründe – Akteure – Verlauf. In: Reinhold Messner (Hrsg.): Die Option. Piper, München 1989, ISBN 3-492-03290-7.
    1. S. 73.
    2. S. 15 f.
    3. S. 78.
    4. S. 84.
    5. S. 91-93.
    6. S. 95-97.
    7. S. 103 f.
    8. S. 108 f.
  6. Alexa Stiller: Völkische Politik: Praktiken der Exklusion und Inklusion in polnischen, französischen und slowenischen Annexionsgebieten 1939–1945. Band 1. Wallstein, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8353-1985-1.
    1. S. 55 f.
    2. S. 75 f.
  7. Ferdinand Siebert: Der deutsch-italienische Stahlpakt. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 7, Nr. 4, 1959, S. 590 f. (Online [PDF]).
  8. Alexa Stiller: Politische Ökonomie und Praxis der nationalsozialistischen Umsiedlungen aus dem nördlichen Italien während des Zweiten Weltkrieges. In: Geschichte und Region / Storia e Regione. Band 29, Nr. 2, 2020, ISSN 1121-0303.
    1. S. 117 f.
    2. S. 127
    3. S. 130.
    4. S. 113
  9. Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. Raetia, Bozen 2011
    1. S. 19 f.
    2. S. 20
    3. S. 22.
    4. S. 17
  10. Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. Raetia, Bozen 2011, S. 11.
  11. Günther Beitzke: Südtiroler Optanten-Fälle, in: Karl Strupp/Hans-Jürgen Schlochauer (Hrsg.): Wörterbuch des Völkerrechts. Bd. III, 2. Aufl., Berlin 1962, S. 415.
  12. Michael Wedekind: Planung und Gewalt: Raumordnung und Bevölkerungsplanung im Kontext der Umsiedlung Südtirol. In: Michael Wedekind, Davide Rodogno (Hrsg.): Geschichte und Region/Storia e regione. Band 18, 2 "Umsiedlung und Vertreibung in Europa". StudienVerlag, 2009, S. 102 f.
  13. Klaus Eisterer: »Hinaus oder hinunter!« Die sizilianische Legende: eine taktische Meisterleistung der Deutschen. In: Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Hrsg.): Die Option: Südtirol zwischen Faschismus und Nationalsozialismus. Haymon Verlag, Innsbruck 1989, ISBN 3-85218-059-7.
    1. S. 183
    2. S. 182 und 186
    3. S. 191 f.
  14. Leopold Steurer: Der Optionsverlauf in Südtirol. In: Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Hrsg.): Die Option: Südtirol zwischen Faschismus und Nationalsozialismus. Haymon Verlag, Innsbruck 1989, ISBN 3-85218-059-7.
    1. S. 212 f.
    2. S. 214
    3. 1 2 S. 218
    4. S. 218 f.
  15. Rodolfo Taiani, Michael Wedekind: Bevölkerung als Objekt der Politik. In: Dies. (Hrsg.): Bevölkerungsgeschichte eines mitteleuropäischen Übergangsraumes: Tirol, Südtirol, Trentino (1880–2010). Böhlau, Wien 2025. ISBN 978-3-205-21949-1, S. 339–340.
  16. Stefan Lechner: Die Absiedlung der Schwachen in das „Dritte Reich“: Alte, kranke, pflegebedürftige und behinderte Südtiroler 1939–1945. (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs. Band 40). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-7030-0940-2, S. 53, 67 ff.
  17. Maria Fiebrandt: Auslese für die Siedlergesellschaft: Die Einbeziehung Volksdeutscher in die NS-Erbgesundheitspolitik im Kontext der Umsiedlungen 1939-1945. In: Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Band 44. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-36967-8, S. 590 f., 596 f.
  18. Hannes Obermair: „Großdeutschland ruft!“ Südtiroler NS-Optionspropaganda und völkische Sozialisation – „La Grande Germania chiamaǃ“ La propaganda nazionalsocialista sulle Opzioni in Alto Adige e la socializzazione ‚völkisch‘. Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, Schloss Tirol 2021. ISBN 978-88-95523-36-1, S. 26 u. 47.
  19. Alfons Gruber: Faschismus und Option in Südtirol. In: Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Hrsg.): Die Option. Südtirol zwischen Faschismus und Nationalsozialismus. Innsbruck 1989, ISBN 3-85218-059-7, S. 238.
  20. Stefan Lechner: Die Absiedlung der Schwachen in das „Dritte Reich“: Alte, kranke, pflegebedürftige und behinderte Südtiroler 1939–1945. S. 32.
  21. 1 2 Karl Stuhlpfarrer: Die defekte Umsiedlung. In: Eisterer und Steininger (Hrsg.): Die Option. 1989, S. 286.
  22. Stefan Lechner: Die Absiedlung der Schwachen in das „Dritte Reich“: Alte, kranke, pflegebedürftige und behinderte Südtiroler 1939–1945. S. 38, Fußnote 8 S. 39.
  23. Josef Gelmi: Die Brixener Bischöfe in der Geschichte Tirols. Bozen 1984, S. 278.
  24. Hannes Obermair: „Großdeutschland ruft!“ (op. cit.), 2. Aufl., 2021, S. 17f.
  25. Luigi Bressan: Celestino Endrici contro il Reich. Gli archivi svelano. Athesia, Bozen 2019, ISBN 978-88-6839-359-5, S. 62, 76, 208–211.
  26. Gerald Steinacher: Hans Egarter: Für Glaube und Heimat gegen Hitler. In: Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. 2011, S. 259.
  27. Stefan Lechner: Die Absiedlung der Schwachen in das „Dritte Reich“: Alte, kranke, pflegebedürftige und behinderte Südtiroler 1939–1945. S. 39.
  28. Emmanuzel Dalle Mulle, Alessandro Ambrosino: The 1939 Option Agreement and the ‘Consistent Ambivalence’ of Fascist Policies towards Minorities in the Italian New Provinces. In: The Historical Journal. Nr. 66, 2023, S. 908, doi:10.1017/S0018246X23000158 (englisch).
  29. Stefan Lechner: Die Absiedlung der Schwachen in das „Dritte Reich“: Alte, kranke, pflegebedürftige und behinderte Südtiroler 1939–1945. (=Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs. Band 40). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-7030-0940-2, S. 123.
  30. Leopold Steurer: Die beiden letzten Kriegsjahre. In: Reinhold Messner (Hrsg.): Die Option. S. 229 f.
  31. Stefan Lechner: Rückoption und Rücksiedlung nach Südtirol. In: Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Hrsg.): Die Option: Südtirol zwischen Faschismus und Nationalsozialismus. Haymon Verlag, Innsbruck 1989.
    1. Vgl. S. 365 f.
    2. S. 366 f.
    3. S. 74
    4. S. 376
  32. Gruber-De-Gasperi-Abkommen#Wortlaut des Abkommens
  33. Erinnerungen von Walburg Senoner geb. Prieth (* 1944). In: KVW Dienststelle für Altenarbeit (Hrsg.): Irgendwann und anderswo. „Ich erzähle und schreibe meine Geschichte(n)“. Bozen 2004.
  34. Michael Wedekind: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945: Die Operationszonen "Alpenvorland" und "Adriatisches Küstenland". Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56650-4, S. 416.
  35. Stefan Lechner: Alles Retour. Rückoption und Rücksiedlung nach 1945. In: Gottfried Solderer (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert in Südtirol. Band 3: 1940–1959. S. 77–84 (besonders 80f und 83 f).
  36. Leopold Steurer: Grüße uns alle Kameraden mit Heil Hitler. In: Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. Raetia, Bozen 2011, S. 54.
  37. Zur Ausbildung einer Südtiroler „Wagenburgmentalität“ Hannes Obermair, Josef Prackwieser: „Gefahrenzonen Europas“ – Versuch einer Einordnung. In: Dies. (Hrsg.): John S. Stephens: Danger Zones. Eine Untersuchung zu nationalen Minderheiten in Europa. Edizioni Alphabeta Verlag, Bozen 2024, ISBN 978-88-7223-428-0, S. 112–192, Bezug S. 166.
  38. 1 2 Christoph Franceschini: Der Heimatverräter: Zum 70. Geburtstag lässt man Reinhold Messner hochleben. Wie scheinheilig Südtirol dabei aber ist, zeigt ein Blick 30 Jahre zurück. In: Salto. 17. September 2014, abgerufen am 21. Mai 2026.
  39. Tiroler Geschichtsverein Bozen (Hrsg.): Eine Geschichte Südtirols: Option – Heimat – Opzioni. Una storia dell'Alto Adige. Bozen 1989. – Für eine Bewertung der Ausstellung s. Stefan Lechner: Bilanz einer Ausstellung. In: Geschichte und Region/Storia e regione 1, 1992, H. 1, S. 137–142 (Digitalisat).
  40. Karl Stuhlpfarrer: Umsiedlung Südtirol: 1939–1940. 2 Bände. Löcker, Wien 1985 (Neudruck Bozen 2024).
  41. Günther Pallaver et al. (Hrsg.): Einmal Option und zurück. Die Folgen der Aus- und Rückwanderung für Südtirols Nachkriegsentwicklung. Raetia, Bozen 2019.
  42. Helmut Alexander et al.: Heimatlos: die Umsiedlung der Südtiroler. Deuticke, Wien 1993.
  43. Hannes Obermair: „Großdeutschland ruft!“ Südtiroler NS-Optionspropaganda und völkische Sozialisation – „La Grande Germania chiamaǃ“ Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, Schloss Tirol 2021.
  44. Blick in das "Gedächtnis der Häuser", Bericht von Georg Larcher auf www.MeinBezirk.at vom 18. Juli 2019, abgerufen am 18. April 2023.
  45. Anja Manfredi: Die Südtiroler Siedlung oder Das Gedächtnis der Häuser, der Pflanzen und der Vögel = The South Tyrolean housing estate or The memory of the houses, the plants and the birds. Mit Texten von Maren Lübbke-Tidow und Hannes Obermair. Wien: Schlebrügge 2021, ISBN 978-3-903172-74-6.