Auricuprid, auch Goldcuprid oder Cuproaurit, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente (einschließlich natürliche Legierungen, intermetallische Verbindungen, Carbide, Nitride, Phosphide und Silicide)“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Cu3Au und ist damit chemisch gesehen eine natürliche Legierung aus Kupfer und Gold mit dem Stoffmengenverhältnis von 3:1.
Auricuprid kristallisiert im kubischen Kristallsystem und bildet massive, am Rand sehr dünne flache Aggregate bis etwa 100μm Größe von bronzegelber bis kupferroter Farbe. Im Auflichtmikroskop erscheint das Mineral rosaviolett.
Benannt ist das Mineral nach den lateinischen Bezeichnungen der beteiligten Elemente aurum für Gold und cuprum für Kupfer.
Als natürliche Mineralbildung wurde Auricuprid erstmals in der Gold-LagerstätteZolotaya Gora („Goldberge“), genauer: im später als „Mine No. 9“ bezeichneten Bergwerk entdeckt, das zwischen den Schluchten Alekseevskii und Novyi am Bergrücken des Karabasch nahe der gleichnamigen Stadt in der russischen Oblast Tscheljabinsk (Südural) liegt. Die erstmalige Beschreibung dieser Lagerstätte und des kupferfarbenen Goldes erfolgte bereits 1908 durch A. Nikolaev. Eine genaue mineralogische Beschreibung des Kupfergoldes aus Karabasch folgte 1935 und 1939 durch M. P. Lozhechkin, der damit als Entdecker des Minerals gilt und die Bezeichnung Cuproaurid für das neue Mineral vorschlug. Eine erste chemische Zusammensetzung des Minerals ermittelte K. A. Nenadkevich mit einem Anteil von 74,33 Gew.-% Gold, 20,39 Gew.-% Kupfer und einem geringeren Anteil von bis zu 4,49 Gew.-% Silber,[3] wobei silberhaltige Auricupride inzwischen als Varietät (Argentocuproaurid) angesehen werden. Nach neueren Analysen ist die bereinigte, idealisierte chemische Zusammensetzung Cu3Au.
Als synthetisches Produkt war die Verbindung Cu3Au allerdings schon vor der Erstbeschreibung des Minerals bekannt. Der von Lozhechkin vorgeschlagene Name wurde 1950 durch Paul Ramdohr in Auricuprid geändert.[7]
Da aber auch der Auricuprid bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Auricuprid als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[8] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Auricuprid lautet „Auc“.[1]
Typmaterial für das Mineral ist nicht definiert[6] beziehungsweise dessen Aufbewahrungsort nicht dokumentiert.[9]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Auricuprid in die Abteilung der „Metalle und intermetallischen Verbindungen“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Auricuprid ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Kupfer-Cupalit-Familie“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.AA.10a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Auricuprid die System- und Mineralnummer 01.01.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ in der „Auricupridgruppe“ mit der Systemnummer 01.01.02, in der auch Tetra-Auricuprid und Yuanjiangit eingeordnet sind.
Die Kristallstruktur besteht aus würfelförmigen Elementarzellen mit kubisch dichtester Kugelpackung, was einem kubisch flächenzentrierten Gitter entspricht. Jedes Goldatom ist dabei von je 12 Kupferatomen als direkten Nachbarn umgeben beziehungsweise jedes Kupferatom von je 4 Gold- und 8 Kupferatomen.
Auricuprid (Goldcuprid) ist deutlich dunkler als Gold, was auf Mineralproben auch gut zu erkennen ist, da er häufig mit Gold vergesellschaftet auftritt. In Öl reflektiert Auricuprid das Licht zudem mit einem auffälligen rosavioletten Farbton. Gegen Verwitterung und durch oberflächliche Oxidation verursachte Anlauffarben ist Auricuprid allerdings ähnlich beständig wie Gold.[2]
Auricuprid hat eine höhere Härte als reines oder silberhaltiges Gold und wird daher beim Transport zu den Seifenlagerstätten weniger zu dünnen Blättchen deformiert.
Auricuprid bildet zwei Varietäten, den Argentocuproaurid und den Rozhkovit. Argentocuproaurid enthält zusätzlich zu Gold und Kupfer noch Silber.[12] Die palladiumhaltige Varietät Rozhkovit galt bis zu ihrer Diskreditierung durch die IMA im Jahr 2006 als eigenständiges Mineral.[13]
Auricuprid bildet sich bei niedrigen Temperaturen durch Ordnung und Entmischung von Kupfer-Gold-Legierungen in Serpentiniten, wo er unter anderem in Paragenese mit Gold, Kupfer und anderen Gold-Kupfer-Legierungen auftritt.
Als seltene Mineralbildung konnte Auricuprid nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Fundorte[14] dokumentiert sind (Stand 2018).
M. P. Lozhechkin:The Karabash Deposit of copper-bearing gold. In: Tr. Ural'skogo filiala AN SSSR (Proceedings of the Ural Division of RAS). Band4, 1935, S.35–45.
M. P. Lozhechkin:New Data on chemical composition of «copper-bearing gold». In: Doklady Academii Nauk SSSR. Band24, 1939, S.454–457.
Michael Fleischer, Louis J. Cabri, Ernest H. Nickel, Adolf Pabst:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band62, 1977, S.593–600 (minsocam.org[PDF; 890kB; abgerufen am 18.Februar 2023] Rozhkovite = palladian cuproauride).
1234Paul Ramdohr:Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen. 4., bearbeitete und erweiterte Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S.363–365.
12Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.32–33.
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.35 (englisch).
12
Auricupride. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 48kB; abgerufen am 5.Februar 2025]).
↑Paul Ramdohr:Neue Erzmineralien. In: Fortschritte der Mineralogie. Band28, 1950, S.69–70.
↑Roger H. Mitchell, Mark D. Welch and Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,2MB; abgerufen am 25.Mai 2025]).