Atokit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Pd3Sn[1] und damit eine natürliche Legierung aus Palladium und Zinn im Stoffmengenverhältnis 3:1. Atokit bildet mit Rustenburgit (Pt3Sn) eine Mischkristallreihe, bei der Palladium und Platin sich gegenseitig vertreten können. Entsprechend ist in natürlichen Atokit-Mineralproben fast immer ein Teil des Palladiums durch Platin ersetzt (substituiert). Daher wird die Formel allgemein auch mit (Pd,Pt)3Sn[4] angegeben.[3]
Atokit kristallisiert mit kubischer Symmetrie und entwickelt bis zu 100μm große Körner von zinnweißer Farbe mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen.[3]
Das Mineral wurde erstmals zusammen mit Rustenburgit in der Atok Mine im Merensky Reef in der Provinz Nordwest in Südafrika gefunden. Die Erstbeschreibung erfolgte 1975 durch P. Mihálik, S. A. Hiemstra und J. P. R. de Villiers, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rustenburgit ebenfalls in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Hier ist das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „PGE-Metall-Legierungen“ zu finden, wo es zusammen mit Rustenburgit und Zvyagintsevit die „Zvyagintsevit-Gruppe“ mit der Systemnummer 1.AG.10 bildet.[6]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Atokit die System- und Mineralnummer 01.02.05.03. Das entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Platingruppenmetalle und -legierungen“ in der „Isoferroplatingruppe (Raumgruppe Pm3m)“, in der auch Isoferroplatin, Rustenburgit, Zvyagintsevit, Chengdeit und Yixunit eingeordnet sind.
Atokit bildet eine lückenlose Mischkristallreihe mit Rustenburgit (Pt3Sn).[7] Die Mikrosondenanalyse am Typmaterial aus dem Merensky Reef ergab eine durchschnittliche Zusammensetzung von 43,74% Platin (Pt), 38,35% Palladium und 18,65% Zinn (Sn). Aus den Daten wurde die empirische Zusammensetzung (Pd1,94Pt1,21)Sn0,85 abgeleitet und zu (Pd,Pt)3Sn vereinfacht.[3][10]
Atokit bildet sich in Platinmetall-Konzentraten. Je nach Fundort können neben Rustenburgit noch verschiedene Platintelluride oder Keithconnit und Palladoarsenid als Begleitminerale auftreten.[3][8]
Von dem selten vorkommenden Mineral sind derzeit (Stand 2025) 49 Fundorte dokumentiert.[11] Neben seiner TyplokalitätAtok-Mine und weiteren Funden in verschiedenen Gruben im Bushveld-Komplex in der Provinz Limpopo trat das Mineral in Südafrika noch in der Platin-Mine Impala im Bezirk Rustenburg in der Provinz Nordwest auf. Daneben fand es sich noch in der Hartley-Mine nahe Chiredzi (Provinz Masvingo) im nördlich von Südafrika gelegenen Staat Simbabwe.[12]
P. Mihálik, S. A. Hiemstra, J. P. R. de Villiers:Rustenburgite and atokite, two new platinum-group minerals from the Merensky Reef, Bushveld igneous complex. In: The Canadian Mineralogist. Band13, 1975, S.146–150 (englisch, rruff.info[PDF; 403kB; abgerufen am 1.Juni 2025]).
Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.24.
1234567891011121314151617P. Mihálik, S. A. Hiemstra, J. P. R. De Villiers:Rustenburgite and atokite, two new platinum-group minerals from the Merensky Reef, Bushveld igneous complex. In: The Canadian Mineralogist. Band13, 1975, S.146–150 (rruff.info[PDF; 403kB; abgerufen am 31.Mai 2025]).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.43 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456K. L. Shelton, P. A. Merewether, B. J. Skinner:Phases and phase relations in the system Pd-Pt-Sn. In: The Canadian Mineralogist. Band19, 1981, S.599–605 (arizona.edu[PDF; 496kB; abgerufen am 3.Juni 2025]).
12345
Atokite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 61kB; abgerufen am 18.März 2020]).
12Roger H. Mitchell, Mark D. Welch, Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, rruff.info[PDF; 2,2MB; abgerufen am 31.Mai 2025]).