Codex Vercellensis


Der Codex Vercellensis (Siglum a, Nr. 3 nach Beuron) ist die älteste erhaltene Handschrift des Neuen Testaments in lateinischer Sprache. Er entstand im 4. Jahrhundert und enthält den Text der vier Evangelien in der Übersetzung der Vetus Latina in der westlichen Reihenfolge (Matthäus, Johannes, Lukas, Markus), außerdem den Euthalianischen Apparat. Der Text ist auf Pergament mit roter und schwarzer Tinte geschrieben. Während die rote Tinte auf Mennige und Zinnober basiert, erlaubte eine Röntgenfluoreszenzanalyse die Identifizierung von Eisengallustinte bei der schwarzen Schrift[1]. Der Codex Vercellensis ist damit der älteste Nachweis für diese Tinte.
Der Text endet bei Mark. 15.15 und wurde ab Mark 16.7-20 durch einen Vulgatatext ergänzt. Vor Matth. 3. 16 enthält er als einziger die Ergänzung Et cum baptizaretur, lumen ingens circumfulsit de aqua, ita ut timerent omnes qui advenerant. Der Text weist erhebliche Ähnlichkeiten mit dem Codex Corbeiensis II auf.
Die Handschrift war in einem sehr schlechten Zustand. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie restauriert. Einige Textpassagen bleiben unleserlich. Die Handschrift befindet sich in der Kathedralbibliothek in Vercelli in Italien.
Eine Überlieferung besagt, die Handschrift sei unter Bischof Eusebius von Vercelli angefertigt worden.
Ausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Giovanni Andrea Irico: Sacrosanctus Evangeliorum Codex Sancti Eusebii Vercellensis. 2 Bände, In Regia Curia, Mailand 1748 (online: Band 1, Band 2).
- Giuseppe Bianchini, Rome, 1749, in: Jacques Paul Migne (Hrsg.): Patrologia Latina, Band XII, Sp. 141–338.
- Johannes Belsheim: Codex Vercellensis. Libraria Mallingiana, Christiania 1897.
- Aidan Gasquet: Codex Vercellensis (= Collectanea biblica Latina. Band III). F. Pustet, Rom 1914.
- Adolf Jülicher, Walter Matzkow, Kurt Aland (Hrsg.): Itala. Das Neue Testament in altlateinischer Überlieferung. Walter de Gruyter, Berlin 1938–1972.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Caspar René Gregory: Textkritik des Neuen Testaments. Band 2, J. C. Hinrichs, Leipzig 1902, S. 598–599 (online).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Maurizio Aceto, Angelo Agostino, Enrico Boccaleri, Anna Cerutti Garlanda: The Vercelli Gospels laid open: an investigation into the inks used to write the oldest Gospels in Latin. In: wiley.com. 4. März 2008, abgerufen am 29. Juni 2026 (englisch).