Der Boulevard National (jetzt: Boulevard Jean Jaurès) während des Seinehochwassers von 1910Rathaus und Omnibusse auf dem Boulevard National (um 1927)
Clichy war Residenz der Merowinger und ein Gut des FrankenkönigsDagobert I., die lateinische Bezeichnung war Clippiacum. Die Gegend um Clichy wurde als königliches Jagdgebiet genutzt.
Im Mittelalter erstreckte sich das Gemeindegebiet von Clichy bis an die damalige Stadtmauer von Paris (an der Porte Saint-Honoré am Louvre) und umfasste Monceau, Courcelles, Les Ternes, Levallois, Le Roule und Ville L'Evêque. 1788 verlor Clichy dann auf Anordnung des Königs Ludwig XVI. ein Drittel seines Gebiets, als er für Paris einen neuen Außenring anlegen ließ. An der neuen Grenze zu Clichy entstand die heutige Place de Clichy.
Im November 1936 gab es einen Streik in einer Seifensiederei. Der Unternehmer, in Begleitung einiger Gehilfen, eröffnete höchstpersönlich das Feuer auf die Streikenden und tötete den kabyilischen Arbeiter Tahar Acherchour[1] (1908–1936) ein Mitglied der CGT und von Étoile nord-africaine. Sieben Arbeiter wurden durch die Kugeln des Unternehmers verletzt. Die Union des Syndicats ouvriers de la région parisienne[1] rief darauf in der Zeitung L’Humanité dazu auf, die Rückführung des Leichnams nach Algerien zu einer Solidaritätsbezeugung der Arbeiterschaft von beiderseits des Mittelmeers zu machen. Ein großer Protestzug begleitete den Sarg vom Gewerkschaftshaus bis zur Verladung in der Gare de Lyon.
Bis zur Gebietsreform des Großraums Paris im Jahr 1968 gehörte die Stadt zum Département Seine. Politisch wurde Clichy seit 1945 vorwiegend von Bürgermeistern der politischen Linken regiert, bis 1947 von Jean Mercier von der Parti communiste français, danach bis 2015 von Vertretern der Parti socialiste. Seit Juni 2015 ist Rémi Muzeau von Les Républicains (vormals UMP) amtierender Bürgermeister.
Am 5. Juli 1838 erhielt Clichy einen Bahnhof an der ersten von Paris abgehenden Bahnstrecke nach Le Pecq (heutige Bahnstrecke Paris-Saint-Lazare–Saint-Germain-en-Laye), der am 13.August jenes Jahres mangels Fahrgästen bereits wieder geschlossen wurde. Ein zweiter Anlauf scheiterte in den Jahren 1842 bis 1844, ehe am 4.Oktober 1869 eine Bahnstation dauerhaft eröffnet wurde. 1902 wurde diese durch den um 300m in Richtung Paris versetzten heutigen Bahnhof Clichy-Levallois ersetzt. Dieser liegt längs auf der Grenzlinie zur Nachbargemeinde Levallois-Perret; seine zahlreichen Gleise umfassen auch die der Hauptbahn Paris–Le Havre sowie jene mehrerer Vorortstrecken.
1988 erhielt unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Clichy Saint-Ouen einen Bahnhof an der LinieC des S-Bahn-Netzes Réseau express régional d’Île-de-France (RER). Seit Dezember 2020 hat dort auch die Linie 14 der Pariser Métro eine gleichnamige Station. Aufgrund des Umstands, dass sich diese zum Teil auf dem Stadtgebiet von Clichy befindet, war ursprünglich Clichy – Saint-Ouen als Stationsname vorgesehen.[2]
Bereits seit 1980 wird Clichy von der Métrolinie 13 erschlossen; deren Station Mairie de Clichy befindet sich im Zentrum der Stadt.
Alter Bahnhof Clichy-Levallois (um 1900)
Empfangsgebäude des neuen Bahnhofs kurz nach dessen Eröffnung
Die Schriftsteller Henry Miller und Alfred Perlès teilten von 1932 bis 1934 eine Wohnung in Clichy. Diese Zeit beschrieb Miller in seinem 1940 erschienenen, teilweise autobiographischen RomanStille Tage in Clichy.