Das um 300 errichtete Castrum gilt als eine der eindrucksvollsten Wehranlagen im oberen Abschnitts des Donau-Iller-Rhein-Limes. Die militärische Besatzung wurde – zumindest in der ersten Hälfte des 4.Jahrhunderts – von der Legio Prima Martia gestellt. Neue Forschungen haben zudem gezeigt, dass auch in der Lagervorstadt mit einer andauernden Siedlungstätigkeit im 4.und 5.Jahrhundert zu rechnen ist. Die Abhängigkeit der Kastellvorstadt (Suburbium) vom Militär – zeigt sich an den zahlreichen Militaria sowie an einem öffentlichen Steingebäude, in dem Ziegel der Legio I Martia gefunden wurden. Man nimmt an, dass die Vorstadt unter direkter militärischer Verwaltung stand. In dieser Hinsicht weist sie gewisse Ähnlichkeiten mit den canabae legionis oder den vici der mittleren Kaiserzeit auf. Im Umland hatte sich hingegen die Zahl der villae rusticae im späteren 3.und im 4.Jahrhundert stark verringert; in der zweiten Hälfte des vierten und im 5.Jahrhundert konzentrierte sich die Besiedlung entlang der von der Armee gesicherten Fernstrassen über den Jura. Man geht davon aus, dass das Kastell noch mindestens bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts unter Kontrolle des Militärs stand.[1] Der Rhein bildete auch nach dem Abzug der Limitanei bis in das 6.Jahrhundert eine ethnische Grenze, und das Castrum Rauracense mit seiner romanischen Bevölkerungsmehrheit blieb noch für eine längere Zeit das bedeutendste Siedlungszentrum der Region. Seine wirtschaftliche und (kirchen-)politische Bedeutung verlor es erst im Laufe des 7.Jahrhundert an Basilia, das bereits in der um 400 entstandenen notitia Galliarum als Civitas bezeichnet wird.
2001 wurden im Augarten die Reste eines befestigten Getreidespeichers aus dem 4. Jahrhundert ausgegraben. Es handelt sich um den bislang einzigen Fund einer grösseren aus Holz errichteten Befestigungsanlage aus spätrömischer Zeit auf dem Staatsgebiet der Schweiz.[2]
Das antike Stadtgebiet von Augusta Raurica liegt auf dem Boden der politischen Gemeinden Augst, Kaiseraugst und teilweise auch Pratteln am südlichen Rheinufer in verkehrsgeografisch und strategisch sehr günstiger Lage. Das Kastell lag am Knotenpunkt zweier Fernstrassen, die West-Ost-Strasse von Basilia (Basel) nach Vindonissia (Windisch) mit der Strasse von Süden aus Richtung Aventicum (Avenches) die weiter in den Norden führte. Das Gelände eignete sich für den Brückenschlag, die dortigen Rheinbrücken waren für den Verkehr lange von großer Bedeutung, sowie für die Anlage eines Hafens. Das antike Stadtgebiet von Augusta Raurica lag am Südufer des Rheins. Die Zivilstadt des 1.bis 3.Jahrhunderts stand auf einer leicht erhöhten Schotterterrasse (heute die Oberstadt Augst). Die Erweiterung der Siedlung in der Unterstadt – mit Flusshafen, Handelsinfrastruktur und Handwerkerquartieren – in der Rheinniederung (Kaiseraugst) setzte um 100 u.Z. ein, am Standort eines um 20bis 50u.Z. errichteten und später wieder aufgelassenen frühkaiserzeitlichen Militärlagers. Die militärischen Befunde liegen auf rund 270Höhenmetern zu beiden Seiten des Hochrheins, respektive der deutsch-schweizerischen Grenze. In beiden Fällen lagen die Siedlungsstellen in antiker Zeit rund zehn Meter oberhalb des Flusses und waren mit einer Brücke verbunden, von der jedoch keine Spuren mehr erhalten sind. Das eigentliche Castrum Rauracense liegt linksrheinisch auf Schweizer Gebiet,[3] das Brückenkopfkastell rechtsrheinisch auf der deutschen Seite.[4] Geologisch wird das Gebiet von den Muschelkalk, Dolomit und Mergel führenden Wellengebirgen der Kaiseraugst-Formation geprägt, durch die sich das Rheintal zieht, das dort kies- und schotterhaltige, zur Besiedlung geeignete, hochwasserfreie Flussterrassen gebildet hat.[5]
Der Ortsname Rauracense ist seit dem 6. Jahrhundert bekannt und wird erstmals in der Notitia Galliarum erwähnt. Das Castrum selbst wird in den antiken Quellen als φρούριον, «Festung» (Eunapios von Sardes), beziehungsweise «oppidum» (Ammianus Marcellinus) bezeichnet. Als Ortsbezeichnung ist im 4. Jahrhundert «Rauraci» am häufigsten, daneben auch «Rauracum/Raurici». Dies waren die lateinischen Namen für die Rauriker (auch Rauraker oder Rauracher), ein keltischer Stamm, der ab dem 2. Jahrhundert v.u.Z. im Gebiet um das heutige Basel, den Jura und dem Oberelsass ansässig war. Nach Ludwig Berger könnten mit Ammianus Marcellinus’ oppidum auch die Kastellvorstadt und die noch bewohnten Viertel der alten Oberstadt gemeint gewesen sein.[6][7]
Erste Ausgrabungen und Untersuchungen fanden bereits ab 1582 durch Andreas Ryff und Basilius Amerbach dem Jüngeren im Theater statt. Damit ist das Areal der antiken Stadt einer der ältesten archäologischen Forschungsstätten nördlich des Alpenbogens. Ab 1839 übernahm die Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel (HAGB) die Forschungstätigkeiten: Seit 1878 fanden periodisch durchgeführte Ausgrabungen statt, ab 1957 mit festem Ganzjahresteam. 1884 kaufte die HAGB das Theater- und Schönbühlareal um die antiken Mauerreste vor weiterer Zerstörung und Steinraub zu bewahren. 1935 erfolgte die Gründung der Stiftung Pro Augusta Raurica (PAR). Bis heute erwarben HAGB, PAR und der Kanton Basel-Landschaft weitere Areale des römischen Stadtgebiets, um stellten es unter Schutz.[8]
In der Forschung stand das Castrum Rauracense lange im Schatten von Augusta Raurica. Erst 1887 erfolgten spezielle und umfangreiche Untersuchungen am Castrum, insbesondere an der Umwehrung, der sogenannten «Heidenmauer». Weitere Forschungen schlossen sich 1905/1906 (am Westtor), 1909 bis 1912 und 1926 (im Gräberfeld), 1933 und 1979 (im 1886 entdeckten Brückenkopfkastell), 1936/1937 (an der Ostmauer und am Osttor), 1957 bis 1965 (an zwei Türmen und am Horreum), 1960 bis 1964 (im Bereich der frühchristlichen Kirche), 1968 (an weiteren Türmen) und 1975/1976 (in den Thermen) an. Um 1961/1962 wurde der Silberschatz von Kaiseraugst entdeckt.[9]
Seit 2024 und geplant bis 2029 finden Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten in Zusammenarbeit mit dem Museum Augusta Raurica statt. Die letzte Restaurierung war zwischen 1951 und 1963 vorgenommen worden. Die schadhaften Überkronungen der Mauer aus den 1950er-Jahren werden dabei entfernt und die Altrestaurierungen durch neue Mauerpassagen ersetzt. Durch die bei den früheren Restaurierungen verwendeten Materialien, der damals verwendete Zement ist für die antike Bausubstanz zu hart, haben sich im Laufe der Zeit Spannungsrisse gebildet, die Abplatzungen am Zement und an der Mauer zur Folge hatten. Dadurch drangen Regen- und Tauwasser in den Mauerkern ein und führten besonders in der kalten Jahreszeit zu starken Schäden. Auch aus dem Zement gelöste Salze setzen dem antiken Mauerwerk stark zu. Zudem wird die gesamte Oberfläche des Mauerwerks von einer schwarzen Biopatina, die sich aus Schmutz, Erde und kleinen Pflanzen gebildet hat, überzogen.[10]
In jüngster Zeit wurde das große Potenzial geoarchäologischer Analysen erkannt, um im Suburbium die Anwesenheit von Mensch und Tier sowie deren Aktivitäten (z. B. Trittspuren, handwerkliche Tätigkeiten wie Metallverarbeitung, Weidenutzung etc.) nachzuweisen. Dies gilt besonders für Bereiche, in denen Bodenbildungsprozesse deutliche Spuren anthropogener Strukturen verwischt und zur Entstehung sogenannter „Dark Earth“ (Schwarzerde) geführt haben.[11] Einen weiteren Ansatz bietet die 3D-Kartierung von Münzen und anderen Kleinfunden; sie hat dazu beigetragen, spätantike Siedlungsschichten sichtbar zu machen, die dem bloßen Auge bisher verborgen geblieben waren.[12]
Ab Ende des 2.Jahrhunderts schwächten Germaneneinfälle, Bürgerkriege und Seuchen das Römische Reich. Die allgemeine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich dabei rapide, die Bevölkerung verarmte. Nach dem Fall des Limes um 260 musste die Reichsgrenze wieder an den Rhein zurückgenommen werden. Die Stadt lag erneut im Grenzgebiet. Es folgten unsichere Zeiten mit zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen. 273/274 wurde die Stadt durch Kriegshandlungen verwüstet, von dieser Katastrophe zeugen Zerstörungsschichten, Waffen in Strassen und Portiken, sowie menschliche Überreste mit deutlichen Spuren von Gewaltanwendung (Leichenzerstückelung). Die Keramik- und Münzenfunde aus diesen Schichten lassen eine relativ präzise Datierung der Ereignisse zu. Sie stehen ziemlich sicher im Zusammenhang mit der Zerschlagung des Gallischen Sonderreichs unter Aurelian (270–275). Um etwa 280 wurde der Geländesporn auf Kastelen mit einer Mauer und einem Wall-Grabensystem umwehrt (enceinte réduite). Die Festung bot der stark dezimierten Einwohnerschaft von Augusta Raurica Schutz. Die übrigen Stadtquartiere waren weitgehend verlassen. Verschiedene Indizien (Spitzgräben) im Gebiet des spätantiken Castrum weisen darauf hin, dass schon kurz zuvor (unter Gallienus?) oder gleichzeitig mit der Befestigung auf Kastelen auch am Rheinufer ein kleines Kastell existierte.[13]
Im späten 3.Jahrhundert wurde Augusta Raurica Teil der neu geschaffenen Provinz Maxima Sequanorum. Bereits um300 planierte man das Gelände eines Steinbruchs aus der frühen Kaiserzeit. Während der Nutzungszeit des Kastells fanden auch hier ausserhalb zahlreiche Aktivitäten statt. Zunächst deuten Indizien auf eingezäunte Viehweiden hin – vielleicht für die Nutztiere der Soldaten. Bald wurde hier ebenfalls gebaut und das Siedlungsareal wuchs. Es ist möglich, dass das Areal um das Kastell vor allem wirtschaftlich genutzt wurde. Zwischen 320und 340 (eventuell schon während der Bauzeit des spätantiken Legionskastells) wurden die Schutzmauern auf Kastelen wieder abgetragen. Möglicherweise um mehr geeignetes Material für die Instandsetzung des Kastells zu gewinnen.[14] Der bekannte Silberhort wurde im Zerstörungshorizont von352 gefunden. Zwischen 346und 360wird das Castrum Rauracense im Zusammenhang mit Truppenbewegungen, Bereisungen durch den Imperator und als Bischofssitz erwähnt.[13]
Das Gründungsdatum des Castrum Rauracense wird der Zeitraum zwischen 290 und 300 veranschlagt. Die Datierung erfolgt über Münzfundvergleiche mit anderen Ausgrabungsplätzen, Münzverluste und Bauarbeiten innerhalb des Castrum sowie die Tatsache, dass das Kastell über den Resten eines Militärlagers aus dem späten 3. Jahrhundert angelegt ist. Eindeutige archäologische Belege für eine exakte Datierung der Wehrmauer fehlen jedoch bis heute. Die Anlage des Castrums geht wahrscheinlich noch auf eine Konzeption im Rahmen der Reichsreformen des Kaisers Diokletian (284–305) zurück und wurde noch in vor- oder in frühkonstantinischer Zeit, wohl unmittelbar zu Beginn des vierten Jahrhunderts finalisiert. Im Verlauf der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts verlagerte sich dann der Siedlungsschwerpunkt von der Augusta Raurica allmählich in und um das Castrum. Wahrscheinlich diente das Kastell auch als Verwaltungszentrum. Zur Konstruktion der Umwehrung und der Innenbebauung wurden zu grossen Teilen Spolien der inzwischen teilweise aufgelassenen Colonia sekundär verwendet.
Nach der Jahrhundertmitte werden mehrmals Visitationen der Imperatoren Constantius II. (350–361) und Julian Apostata (360–363) des Kastells von Ammianus überliefert.[15] Im Gegensatz zu den schriftlichen Zeugnissen gibt es jedoch praktisch keinen archäologischen Fundniederschlag aus dieser Zeit, und sie spiegelt sich auch kaum im Münzmaterial wider.[16] Ein herber Einschnitt in der Geschichte des Castrums war die weitgehende, wenn nicht sogar vollständige Zerstörung der Innenbebauung durch einen Einfall der Alamannen im Winter 351/352. Ursächlich war vermutlich eine Aufforderung von Constantius II. an die Alamannen, in Gallien einzudringen, um eine zweite Front gegen den Usurpator Magnentius (350–353) zu eröffnen. Das Ausmass der Katastrophe zeigt sich darin, dass verschiedene Depotfunde, darunter der Kaiseraugster Silberschatzin situ verblieben und in der hohen Zahl von Fundmünzen mit Brandspuren. Einige Zeit danach wurde das Kastell wieder instand gesetzt. Aufenthalte im Hoch- und Oberrheingebiet von Constantius II., Julian und Valentinian I. weisen darauf hin, dass die Garnison auch in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts eine gewisse Bedeutung besessen haben muss. Dass diese Reparaturen an der Wehrmauer des Castrum Rauracense mehr oder weniger unmittelbar nach dem verheerenden Alamanneneinfall vorgenommen worden sind, lässt sich – wenn auch nicht mit absoluter Sicherheit – aus denjenigen Passagen bei Ammianus Marcellinus ableiten, wo Rauraci in den Jahren 354 bis 361 wiederholt als Orientierungspunkt für Aufenthalt und Bewegungen des kaiserlichen Heeres erwähnt wird. Im Jahre 357 wurden auf Befehl des Cäsar Julian Apostata 25.000 Soldaten unter dem Kommando des Magister militumBarbatio nach Rauraci verlegt. Nach einem dreimonatigen Feldzug gegen die Franken am Niederrhein marschierte Julian im Jahr 360 rheinaufwärts und schlug beim Castrum Rauracense sein Lager auf. Im Zusammenhang mit der Inspektion der Rheinbefestigungen (ad usque Rauracos) durch Julian im Jahre 360 wird nicht nur Rauraci, das Castrum Rauracense, expressis verbis erwähnt, sondern auch die Tatsache, dass Julian diese festen Plätze mit grösster Sorgfalt habe sichern lassen. Unter Julian dürften daher Neubauten und Befestigungsmaßnahmen im Castrum durchgeführt worden sein. Auch von Ammianus Marcellinus wird der Standort immer wieder als wichtige Etappe erwähnt. Von dort aus zog er weiter in sein Winterquartier nach Vienne.[17] 361 versammelte er seine Armee erneut in Kaiseraugst, um gegen seinen Rivalen Constantius II. vorzugehen. Bevor er aufbrach, leisteten ihm seine gallischen Soldaten im Castrum Rauracense den Treueeid.[18][19][20]
Erst für die Regierungszeit Valentinians I. lässt sich archäologisch wieder eine verstärkte Bautätigkeit nachweisen.[21] Zu diesem Zeitpunkt muss das Kastell neu befestigt und die Grenzsicherungsanlagen noch einmal verstärkt worden sein.[22] Möglicherweise stehen Reparatursarbeiten an der Ostmauer des Kastells mit diesen Baumaßnahmen in Zusammenhang.[23] Denkbar ist auch, dass damals der große Apsidenbau am Südtor errichtet wurde.[24] Seine Funktion ist nach wie vor ungeklärt. In der Mitte des 4.Jahrhunderts wird für die civitas Rauracorum ein eigener Bischof erwähnt. Die Teilnehmerliste einer in der CCAA abgehaltenen Synode, deren Echtheit allerdings nicht bewiesen werden kann, nennt für das Jahr 346 einen Iustinianus episcopus Rauricorum[25] (auch Rauracorum). Für ihre Authentizität spricht, dass fast alle Teilnehmer der Kölner Synode auch in den Akten der Synode von Serdica (343/344) angeführt werden – dort allerdings ohne Angabe ihrer Herkunft. Danach erfährt man nichts mehr von einem Bistum der Rauriker. Unklar ist auch, ob sich die Bezeichnung Rauricorum oder Rauracorum auf Rauraci (Kaiseraugst) oder auf die Bewohner im Gebiet der ehemaligen Colonia Raurica bezieht. Für eine Bischofsresidenz in Kaiseraugst spricht jedoch der Umstand, dass die in der Kölner Synodalakte aufgelisteten Bischöfe nach den Ortsnamen ihrer Sitze benannt sind, sowie die im Castrum Rauracense ausgegrabene frühchristliche Kirche.
Um 401 u.Z. zog ein Großteil der römischen Grenztruppen nach Italien ab. Offiziell gehörte die Region aber immer noch zum römischen Reich. In der zweiten Hälfte des 5.Jahrhunderts verlor Rom endgültig die Kontrolle über die Provinzen nördlich der Alpen. Erst in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts amtierte in dieser Region wieder ein Bischof, Ragnacharius Augustanae et Basileae [civitatis], nun aber im Kontext mit der Stadt Basel. Über die Bedeutung des Castrums zwischen dem späteren 4.und dem frühen 7.Jahrhundert als frühchristliches Kultzentrum/Bischofssitz, lässt sich anhand der historischen und archäologischen Quellen nur spekulieren. Die Fundverteilung deutet auf eine intensive Nutzung der Unterstadt an der Südwestseite des Kastells hin. Hier hielten die Siedlungsaktivitäten mindestens bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts an[26]. Der Übergang von der spätantiken Militärsiedlung zur frühmittelalterlichen Zivilsiedlung ist bisher nur lückenhaft bekannt. Die Gebäude des Castrums wurden im Laufe des 5. Jahrhunderts teilweise umgenutzt, oder zugunsten von Holz- und Lehmfachwerkbauten aufgegeben. Eine fehlende Kontinuität im Befund bis ins 6. Jahrhundert. ist daher nicht unbedingt mit einer Siedlungsunterbrechung gleichzusetzen.[27] Ein Töpferofen aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., der in die Ruinen des römischen Gebäudekomplexes im Nordwestquadranten angelegt worden war, belegt die Nutzung des Kastellareals im Frühmittelalter.[28] Die Siedlungskontinuität des Kastells bis in diese Zeit wird zudem durch den zweiten Verteidigungsgraben belegt, der frühestens am Ende des 4. oder zu Beginn des 5. Jahrhunderts angelegt wurde. Den Funden zufolge wurde er erst zwischen dem 7. oder 9. Jahrhundert verfüllt.[29] Mit dem Aufschwung von Basel im 7.Jahrhundert verlor der Ort rasch an Bedeutung und schrumpfte zu einem kleinen Fischerdorf.
Während im Westen und Süden der Verlauf der Kastellmauer aufgrund ihres Erhaltungszustandes gut bekannt ist, ist die archäologische Situation an ihrer Ostflanke bislang kaum erforscht. Das Castrum Rauracense hat einen trapezförmigen Grundriss mit einer 284m langen Nordseite, einer 261m langen Südseite und einer durchschnittlichen Breite von rund 160m. Daraus resultiert eine Fläche von 4,28Hektar (im Inneren rund 3,5Hektar), das größte spätrömische Kastell auf dem Gebiet der Schweiz. Der Innenbereich wurde durch die in Ost-West-Richtung verlaufende Achse in vier Quadranten unterteilt.
Umgeben ist es von einer vier Meter mächtigen Wehrmauer (im erhaltenen Bereich «Heidenmauer» oder «Heidemur» genannt), ursprünglich wohl um die acht bis zehn Meter hoch. Sie besteht aus einem Mauerkern aus Opus caementicium, dem beidseitig Mauerschalen aus Handquadern vorgeblendet wurden. Besonders im Fundament wurden Steinblöcke aus der Oberstadt von Augusta Raurica als Spolien verbaut. 1958 wurde dort der Torso einer Venusstatue entdeckt, der für die Kastellmauer wiederverwendet wurde. Er besteht aus Kalkstein und wurde auf das dritte Jahrhundert datiert. Die Brandspuren am Fundobjekt hängen möglicherweise mit den Kriegsereignissen um 260 zusammen. Die Kastellmauer ist heute stellenweise noch bis zu 4,5Meter hoch erhalten und prägt das Ortsbild von Kaiseraugst.
Die Mauer war zusätzlich mit polygonalen Ecktürmen und im Abstand von durchschnittlich 20m mit polygonalen Zwischentürmen versehen. An allen vier Kastellseiten – im Süden, Westen, Norden und Osten – sind Tore nachgewiesen. Während das Süd- und das Westtor relativ gut ergraben sind[30], waren die Positionen des Nord- und des Osttors lange unklar. Das Osttor konnte 2019 lokalisiert werden[31]. Die genaue Lage des Nordtors ist weiterhin unbekannt und lässt sich nur anhand einiger in den 1960er Jahren entdeckter Mauerreste sowie des Verlaufs der Kastellstraße abschätzen[32].
Jedes der Tore waren von zwei polygonalen Flankentürmen gesichert. Das Westtor besass einen 2,30m weiten Durchgang in einem 16m breiten und 6,50m ins Kastellinnere zurückspringenden Torturm. In seiner Mitte führte unter der Strassenplattierung ein Entwässerungskanal aus dem Kastell. Karrengeleise mit Spurweiten von 1,60m zeugen von einem intensiven Strassenverkehr. Das Südtor wurde zu einem ungesicherten späteren Zeitpunkt zugemauert. Der Ostabschnitt der Wehrmauer ist im südlichen Abschnitt deutlich weniger stark ausgeprägt (3,2 statt 4 m) und weist auch einen deutlichen Knick auf. Dieser ist wohl bei der Verkürzung der um 351/352 zerstörten Südostecke der Wehrmauer entstanden. Nach Abschluss der Ausgrabung beim Bolingerhaus stiess man im Mai 2019 auf bisher unbekannte Reste der Kastellmauer sowie das Fundament eines Flankenturmes, der einst Bestandteil des Osttores war.[33]
Mit seiner Grösse und der Mächtigkeit seiner Befestigungsanlagen war das Castrum eine der eindrucksvollsten Befestigungsanlagen der Maxima Sequanorum. Eunapios von Sardes bezeichnete den Ort als ϕρουριον (Festung) und Ammianus Marcellinus beschrieb ihn als zweitwichtigstes Oppidum der Provinz[34] nach Vesontio (Besançon). Auch in der Notitia Galliarum wird das Castrum Rauracense erwähnt.[35][36][37]
Das Kastell war von einem Verteidigungsgraben umgeben, der vor der Süd- und der Ostmauer nachgewiesen wurde[38]. Im Norden dürfte das steil zum Rhein hin abfallende Ufer die Schutzfunktion erfüllt haben. Im Westen konnte der Verteidigungsgraben nur südlich des Westtors nachgewiesen werden.[39] Nördlich davon war er vermutlich nicht mehr erforderlich, da dort im Bereich eines aufgelassenen Steinbruchs eine Senke bestand.[40]
Bei den Grabungen der letzten 150 Jahren wurde der Wehrgraben mehrfach angeschnitten. Gut dokumentierte Profile finden sich nur am südöstlichen Sektor der Wehrmauer sowie östlich des Südtors. Weitere Profile wurden entlang der südlichen Wehrmauer dokumentiert, jedoch nur durch die nördliche Grabenböschung. Für den Verlauf entlang der östlichen und der westlichen Mauer muss man sich mit den wenigen Hinweisen in frühen Grabungspublikationen begnügen.
Vor der West-, Süd- und Ostseite verlief ein fünf bis fünfzehn Meter breiter V-förmiger Spitzgraben mit einer 17-20m breiten Berme als Annäherungshindernis. Die Festung war im Laufe ihrer Nutzung auf den Landseiten aber jeweils von zwei Wehrgäben umgeben. Einem älteren spätrömischen und einem jüngeren Graben, der womöglich aus frühmittelalterlicher Zeit stammte. In Phase I war er als Sohlgraben (4 m breit, 2 m tief) mit zusätzlich abgetieftem Vorgelände vorgesehen, wurde aber noch während der Bauzeit umgeplant (Phase II). Um 330 wurde die Geländestufe wieder eingeebnet, leicht nach Norden versetzt und als flacher Spitzgraben (Phase III) konzipiert. Er hatte relativ steile, asymmetrische Seitenwänden und einer flachen Sohle. Er wies eine obere Breite von ca. 5 m auf und verjüngte sich nach unten auf etwa 3,5 m, bei einer maximalen Tiefe von 1,5 m ab Oberkante der Berme. Der Böschungswinkel von 50–60° ist aus geotechnischer Sicht ziemlich steil ausgeführt worden. In der Verfüllung des Sohlgrabens II eingetieft, zeichnete sich der jüngere Wehrgraben III deutlich ab. Möglicherweise befanden sich an der Sohle auch Reinigungsfurchen (sog. Knöchelbrecher).
Lange scheint dieser aber nicht gepflegt worden zu sein, und es lagerten sich darin bald Schwemmsedimente ab. Später folgten intentionelle Aufschüttungen. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts war er wieder komplett verfüllt; diese Maßnahme steht – möglicherweise – mit der wieder einsetzenden Besiedlung des Areals ausserhalb der Kastellmauern während der «konstantinischen Erholung» oder «Nachblüte» in Zusammenhang, die anscheinend keine Verstärkung des Castrums mehr notwendig machte. In seiner Verfüllung wurden drei Münzen, zwischen 340 und 348 geprägt, geborgen. Ein Zusammenhang mit der Zerstörung des Castrum während der Usurpation des Magnentius (350-353) ist jedoch auszuschliessen.[41]
Rekonstruktion des Osttores
Rekonstruiertes südliches Kastelltor (1953)
Konservierte Turmfundamente (2007)
SW-Ecke der Kastellmauer (2010)
Östliche Kastellmauer (2014)
Abschnitt der östlichen Kastellmauer entlang des Heidemurweges (2014)
Das Innere der Festung untergliedert sich durch die Lagerhauptstrassen in vier trapezförmige Quadranten. Dort standen Verwaltungsgebäude, Kasernen sowie Wohnstätten für Zivilisten. Diese Bauordnung folgte dem klassischen römischen Kastelltypus: rechteckige Struktur und zentrale Funktionsgebäude. Die Bebauung des nordwestlichen und südwestlichen Quadranten ist relativ gut bekannt, die Aufteilung der beiden östlichen Quadranten weit weniger. Nahezu der gesamte nordwestliche Quadrant wurde von einem weitläufigen, beheizbaren Gebäudekomplex eingenommen, der eine Therme umfasste und mehrfach umgebaut wurde.[42] Der Grundriss dieses Gebäudekomplexes erinnert entfernt an Statthalterresidenzen wie z.B. die Prätorien von Köln (D) oder Budapest (HU). Im südwestlichen Quadranten wurden ein Horreum sowie mehrere Hallengebäude nachgewiesen.[43] Im nordöstlichen Quadranten ist ein größeres Gebäude mit Apsis belegt, das nach 350 errichtet und spätestens ab dem Ende des 4. Jahrhunderts als Kirche genutzt wurde.[44] Neuere Grabungen im nordöstlichen Quadranten erbrachten Hinweise auf ein beheizbares Hallengebäude, das möglicherweise als Kaserne gedeutet werden kann.[45] Weitere Soldatenunterkünfte werden im südöstlichen Quadranten vermutet.
Bemerkenswert ist auch, dass im 4.Jahrhundert bereits eine frühchristliche Kirche im Castrum existierte. Spuren im Südostquadranten weisen auf ein mögliches Reiterkastell aus der Zeit des Gallienus (253–268). Gut 50% des intra muros liegenden Areals wurde von Straßen und öffentlichen Infrastrukturbauten ‚ sowie anderen Großbauten, wie z. B. dem horreum und dem Apsidenbau am Südtor beansprucht. Dies wiederum könnte bedeuten, dass im Kastell nur die Amtsgebäude der hohen zivilen, kirchlichen und militärischen Würdenträger standen.[46] Die Straße zwischen dem Nord- und Südtor führte zur Rheinbrücke, der westliche Abschnitt der Ost-West-Straße war von Portiken flankiert. Die Dorfstrasse, die Hauptstrasse im Zentrum von Kaiseraugst, markiert die West-Ost-Achse des Kastells. Das östliche Kastellareal ist heute komplett überbaut. Der «Fähriweg», zwischen Dorfstrasse und Rhein, verläuft entlang des früheren Kastellgrabens.
Während der Regierungszeit von Valentinian I. (364–375) wurde das Südtor zugemauert und ein – erst teilweise ergrabener – monumentaler Apsidenbau errichtet oder grundlegend umgestaltet. Dies zeugt von einem ausgesprochen dynamischen, staatlich initiierten Reorganisationsprozess des Kastells in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Auffällig ist, dass damit die vom Südtor zum Rhein führende Straße überbaut wurde und ihre Funktion als Durchgangsachse verlor. Über dieses Gebäude ist aufgrund der schwachen archäologischen Befundlage nur sehr wenig bekannt. Seine Überreste befanden sich unmittelbar nördlich des Südtores in der zentralen Nord-Süd-Achse des Lagers, besass im Süden eine Apsis und war mit einem grossen Innenhof und zwei Sälen, die jeweils 30m mal 15m (= 450m2) maßen, ausgestattet. Die Identifizierung der Mauerstrukturen als die der Principia (Stabsgebäude, Hauptquartier) gilt in der etablierten Forschung noch als umstritten. Wenn dem so wäre, könnte das Gebäude der administrativen und militärischen Führung des Kastells, welches ab etwa 300 als Hauptquartier der Legio I Martia fungierte, gedient haben. Eventuell könnte es sich dabei um eine aula palatina gehandelt haben, wie man sie auch im rätischen Kastell Caelius Mons gefunden hat.[47] Michael Mackensen nahm an, dass ein solch aufwendiges Bauvorhaben nur mit der – zumindest zeitweiligen – Anwesenheit hoher ziviler und/oder militärischer Amtsträger, wie z. B. der Befehlshaber des rätischen Grenzheeres erklärt werden kann. Neben Repräsentationszwecken und zur Rechtsprechung diente sie wohl auch zum Empfang alamannischer Gesandtschaften (legitationes) vor ihrer Weiterreise in die oberitalienische Kaiserresidenz Mailand bzw. als Sammelpunkt für deren Eskorte.[48][49]
Rekonstruktion der Rheintherme im 4. JahrhundertBefundskizze der Thermenanlage, Forschungsstand 2015
Im nordwestlichen Quadranten stand eine Thermenanlage (beim Bau eines Kindergartens entdeckt), sie wurde im 3.Jahrhundert errichtet, im 4.Jahrhundert vollständig umgebaut und in das Kastell integriert. Die aus zwei rechtwinklig aneinander grenzenden baulichen Einheiten bestehenden Kastellthermen (auch «Rheinthermen» genannt), nahmen insgesamt eine Fläche von rund 50m mal 42m (= 2100m2) in Anspruch. Der nordsüdlich orientierte Westflügel bestand aus vier in Reihe aufeinander folgende Räume, von denen drei hypokaustiert waren. Der vermutlich jüngere Ostflügel entsprach eher dem Blocktyp, bei dem sich die einzelnen Baderäume um einen grösseren, zentralen Raum gruppierten. Die vier südlichen und grösseren Räume waren mit Apsiden versehen, drei davon mit Hypokausten ausgestattet. Zwischen den beiden Flügeln befand sich ein mit einer Kanalheizung ausgestatteter, grösserer Saal. Das Badebecken des Kaltbads mit seinen Sitzstufen und dem Abflusskanal sind bis heute erhalten geblieben. Im Westflügel ließen sich folgende Räume identifizieren:
ein Umkleideraum,
ein Kaltbaderaum mit Becken,
zwei lauwarm beheizte Räume,
ein Heißbad mit Becken in einer Apsis sowie (möglicherweise)
ein Schwitzbad.
Zu den Fundstücken zählen zahlreiche Haarnadeln, Perlen und Armbänder, was auch auf eine Nutzung durch Frauen hindeutet. Aufgrund der Münzfunde ist anzunehmen, dass die Thermen entweder im letzten Viertel des 3. Jahrhunderts; oder zeitgleich mit dem Kastell errichtet wurden.[46]
Im Jahr 1900 wurde im Inneren der Festung ein Fragment der Widmungsinschrift eines Dispensators horreorum gefunden.[50] Dispensatores waren mit der Aufsicht über die kaiserlichen Güter und der Verwaltung der annona militaris (eine jährliche Getreideabgabe) betraut. Es handelt sich um einen Sandsteinaltar, den der Sklave [For]tis (der Name ist unvollständig erhalten) wegen Einlösung eines Gelübdes gestiftet hat. Da die zwischen den Jahren 100–150 datierte Inschrift explizit einen Lagerverwalter nennt, lieferte sie den Archäologen den entscheidenden Hinweis darauf, dass sich in der Nähe seines Fundorts ein Horreum befunden haben muss.[51] Dieses könnte später tatsächlich in der SW-Ecke des Kastells freigelegt werden. Der 34,50m mal 17,50m (≈ 600m2) messende Hallenbau entstand aber erst im Zuge der Errichtung des Kastells um 300 u. Z. Die Archäologen wiesen im Gebäude Spuren eines erhöhten Holzbodens mit Lüftungsschächten (suspensura) nach um die dort gelagerten Vorräte vor Bodenfeuchtigkeit, Schimmel und Schädlingen zu schützen. Da die Konstruktion enorme Lasten tragen musste, stützte es sich auf massive Außenmauern, wie sie an der militärischen Infrastruktur am Donau-Iller-Rhein-Limes oft beobachtet werden konnten. Es diente primär als Versorgungsstützpunkt und Zwischenlager für die annona militaris. Ähnlich wie große Teile des Kastells wurde auch das Horreum um die Mitte des 4. Jahrhunderts niedergebrannt. In den archäologischen Schichten ist dieser Zeitabschnitt deutlich durch Brandschichten und Funde dokumentiert.
Rekonstruktion des Kirchenviertels im Kastell, 4. JahrhundertBefundskizze Kirche und Pastophorien
Im nordöstlichen Quadranten trat an die Stelle eines im frühen vierten Jahrhundert errichteten Gebäudekomplexes ungesicherter Funktion um die Mitte des Jahrhunderts eine 17,80m mal 12,50m (≈ 222m2) messende frühchristliche Saalkirche, die auf ihrer Ostseite in einer grossen Chorapsis endete.[52] Dieser älteste – und bis in der Zeit um 800 – auch größte Kirchenbau im Oberrheingebiet wurde auf dem Areal der St. Galluskirche entdeckt. Die zwischen 1960 und 1966 freigelegten und teilweise in situ konservierten Überreste der Anlage liegen zwischen der heutigen Kirche und der Kastellmauer. Die ältesten Mauerstrukturen im fraglichen Areal gehören zu einem nachträglich mit einer Schlauchheizung ausgestatteten Raum eines spätrömischen Gebäudes. Dieser liegt so exakt vor dem Chor der jüngeren Saalkirche beziehungsweise vor dem (bislang nicht nachgewiesenen) Hauptaltar, dass eine Nutzung für den christlichen Kult ziemlich sicher ist. Die Apsis war durch eine Chorschranke und einen leicht erhöhten Fussboden vom Hauptschiff abgetrennt. Das Mauerwerk war – in spätkaiserzeitlicher Bautradition – aus Handquadern zusammengefügt und mit Ziegeldurchschüssen versehen. Die im Aufgehenden noch erhaltene Nordostecke bzw. die Nordwand des Kirchenschiffes bestand aus dem – nördlich der Alpen bislang kaum nachgewiesenen – opus africanum. Diese Bautechnik findet sich auch an der ersten, um380 errichteten Kirche der Bischofsresidenz von Genava (Genf). Die Saalkirche wurde wohl erst gegen Ende des 4.Jahrhunderts errichtet – und nicht, wie man lange Zeit glaubte, bereits vor der Mitte dieses Jahrhunderts.
Die Anbauten (Pastophorien) gehören, den Baufugen nach zu schließen, wohl zu einer jüngeren Bauphase. Für diese Annahme spricht auch das Fehlen von Ziegelbändern im Mauerwerk. Der verloren gegangene Münzhort aus dem Pastophorium mit Prägungen des Valens (367–375) liefert folglich nur einen sehr großzügig zu fassenden Terminus post quem für die Entstehungszeit dieses Gebäudeflügels. Zwischen der Kirche und der Wehrmauer stand ein kleines, mit einem halbrunden Sudatorium ausgestattetes Badehaus sowie verschiedene Räume, die einen Innenhof umschlossen. Ob es sich um Wohn- und Repräsentationsräume, in denen der Bischof und sein Klerus auch wohnten, ist unbekannt, wie auch der Standort seiner Amtskirche. Nicht auszuschliessen, aber auch nicht zu beweisen ist, dass ein Raum der römischen Anlage unter St. Gallus bereits von der Kultgemeinde genutzt wurde. Wahrscheinlicher ist, dass der Bischof in einem repräsentativeren Gebäude ausserhalb des Kastells residierte. In der spätantiken Bischofsresidenz Octodurus, dem heutigen Martigny (Wallis), wurde die erste Bischofskirche in einer ehemaligen Villa eingerichtet, und nicht im Zentrum der antiken Stadt. Im 5.oder 6.Jahrhundert wurde schließlich ein kleines, hufeisenförmiges Wasserbecken an die Außenseite der Badeanlage angemauert. Dieses wurde in der älteren Forschung noch als Baptisterium interpretiert, laut neuesten Untersuchungen scheint es sich tatsächlich jedoch um das Kaltwasserbecken des Badehauses gehandelt haben.[53][54]
Dem Umfeld der Festung – abgesehen von den spätantiken Gräberfeldern – wurde von der Forschung lange nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ludwig Berger fiel besonders die Häufung spätrömischer Funde im Umfeld des Kastells auf und brachte es mit der spätrömischen Siedlungstätigkeit extra muros in Verbindung. Man konnte nachweisen, dass sich offenbar auch wohlhabendere Bewohner außerhalb der Festung niedergelassen hatten, die sich Importgüter wie Amphoren und Glasgefäße leisten konnten. Auf Grundlage der Kleinfunde, darunter auch die mit militärischem Bezug (Zwiebelknopffibeln), nimmt man an, dass sich dort Zivilisten und Angehörige der Grenztruppen niedergelassen hatten. Berger bezeichnete diese Siedlung als Kastellvorstadt. Einige wenige spätrömische Militaria aus dieser Vorstadt zeugen von einer Besiedlung bis mindestens in die Periode des späten 4. Jahrhundert.[55]
Die Zivilsiedlung, auch «Unterstadt» («Suburbium») genannt, entwickelte sich südwestlich des Castrums,[56] zwischen diesem und dem Unterlauf der Ergolz beziehungsweise nördlich des Violenbachs. Die Abhängigkeit des Suburbiums vom Kastell – und damit der Armee – wird nicht zuletzt durch die zahlreichen Militaria sowie den Ziegelstempel der Legio I Martia unterstrichen. Wahrscheinlich unterstand die Kastellsiedlung der Militärverwaltung. Damit weist das Suburbium gewisse Ähnlichkeiten mit den canabae legionis oder den vici der mittleren Kaiserzeit auf. Der Begriff «Suburbium» orientiert sich an Ammianus Marcellinus’ Bezeichnung für den unbefestigten Teil des spätantiken Paris. Dort waren in der Spätantike, wie für Kaiseraugst vermutet, zeitweilig auch Soldaten untergebracht. Der Kenntnisstand zur Ausdehnung des Suburbium ist noch sehr lückenhaft. Dass die spätantike Siedlung im Vorfeld des castrum sehr weit ausgedehnt war, ist aufgrund der Verteilung der Baubefunde des 4. Jahrhunderts aber wahrscheinlich. Bei ihrer Errichtung scheint man bevorzugt die Ruinen der mittelkaiserzeitlichen Stadt zur Beschaffung des Baumaterials für das Castrum und die Kastellvorstadt geplündert zu haben.
Eine Besiedlung hatte es dort bereits im ersten bis dritten Jahrhundert gegeben. Ihre Ausdehnung des Suburbiums lässt sich anhand spätantiker Funde im Umfeld des Kastells grob umreißen. Die spätantiken Gräberfelder bilden die Grenzen der Vorstadt im Westen, Osten und Süden. Im Norden markiert das Rheinufer die natürliche Grenze dar. Innerhalb des Suburbiums ließen sich verschiedene Nutzungszonen unterscheiden, und auch der Charakter der Bebauung wurde durch die jüngsten Ausgrabungen deutlicher. Die Lagervorstadt dürfte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts – zumindest punktuell – dicht mit Fachwerkhäusern verbaut gewesen sein. Eine der ausgegrabenen Flächen wurde in dieser Zeit zeitweise auch als Viehweide oder Getreidefeld genutzt.[57] Südlich und westlich des Kastells fanden sich die Reste von Infrastruktur zur Lebensmittelproduktion, die überwiegend in die Mitte und die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts datiert werden konnten. Möglicherweise wurden hier die Rationen für die Wachturmbesatzungen des Oberrhein-Limes haltbar gemacht.
Westlich und östlich des Kastells standen zwei größere Steingebäude. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um öffentliche Gebäude oder Amtsgebäude. Sie existierten möglicherweise nicht gleichzeitig, eventuell standen sie mit dem cursus publicus in Verbindung.
Auf dem Grundstück Landstrasse38 (Insula 23 in der Oberstadt) wurde ein mehrgliedriger Komplex von mindestens zwei Gewerbehäusern mit insgesamt zwölf Zimmern, Fluren und Kellern freigelegt und unter einem Schutzbau gesichert.[58]
Im Sommer 2022 kam in der Mühlegasse 25 (südwestlich des Kastells) ein spätantikes Steingebäude zum Vorschein, das mit einer Kanalheizung samt zentraler Verteilerkammer ausgestattet war,[59] Die Heizungsanlage enthielt zahlreiche Ziegel mit dem Stempel der Legio I Martia, was eine genaue Datierung ermöglichte. Es bestand aus mindestens zwei durch eine Innenwand getrennten Räume. Erhalten waren lediglich ihre Fundamente; aufgehendes Mauerwerk war nicht mehr vorhanden. Die Fundamentbreite lässt darauf schließen, dass die Wände zumindest teilweise aus Stein bestanden. Verbrannter Lehm im Abbruchschutt deutet zudem darauf hin, dass einige der Wände in Fachwerkbauweise errichtet waren und das sie später durch ein Feuer zerstört wurden. Die Seitenwände, der Boden und die Abdeckung des Praefurniums sowie des Heizkanals bestanden aus Ziegeln; etliche davon waren von der Legio I Martia gestempelt worden und wiesen Wischspuren, Handabdrücke und Tierpfotenabdrücke auf.[60] Sie wurden wohl in den Ziegelöfen der Legion in Liebrüti gebrannt.[61] Ob diese Ziegel sekundär verwendet wurden, ist unklar. Es fällt auf, dass im Fundmaterial alle fünf bekannten Stempeltypen der Legio I Martia vertreten sind.[62] Das Ziegelmaterial dürfte direkt vom Brennofen zur Baustelle geschafft worden sein, denn zahlreiche Formziegel waren im Rohzustand erhalten, damit dürften sie hier erstmals verwendet worden sein.[63] Anhand der Münzen und der Ziegelstempel lässt sich der Steinbau ziemlich sicher in die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts datieren, genauer gesagt in die Zeit nach 330.[64] Um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurde er durch ein Feuer zerstört. Der Nachweis eines spätantiken Steinbaus dieser Bauqualität – außerhalb des Castrums – ist durchaus bemerkenswert. Die gestempelten Ziegel legen nahe, dass es sich dabei um ein öffentliches Gebäude gehandelt haben muss. Gestempelte Ziegel treten zudem meist im Kontext militärischer oder öffentlicher Bauten auf, seltener in Grabkontexten. Aufgrund der Fundlage – insbesondere der Position außerhalb der spätantiken Festung – bietet sich das sogenannte Straßenprätorium beim Rheinkastell Oedenburg als Vergleichsobjekt an. Aus diesem Gebäudekomplex, der sowohl an eine Straße als auch an einen Uferweg angebunden war, stammen ebenfalls zahlreiche Ziegel der Legio I Martia.[65] Letzteres wurde nach 337 errichtet.[66]
Der zweite bekannte spätantike Steinbau «extra muros» in Kaiseraugst wurde 1975 nahe des Osttors des Castrums entdeckt. Damals wurde ein kleines Gebäude mit zwei Wasserbecken freigelegt; es wird als Badehaus gedeutet und gehörte möglicherweise ebenfalls zu einer spätantiken Straßenstation. Anhand einer Münze des Maxentius, die im einen dieser Becken gefunden wurde, lässt sich das Gebäude in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts datieren.[67]
Das westlich des Kastells entdeckte Amphitheater prägte im frühen 4. Jahrhundert das Siedlungsbild des Suburbiums und verlieh ihm einen geradezu städtischen Charakter. Nicht zuletzt unterstreicht es die Bedeutung des Castrum Rauracense als eines der Verwaltungszentren der Maxima Sequanorum. Im Jahr 2021 wurden im Zuge von Bauarbeiten für das neue Bootshaus des Basler Ruderclubs, überraschend unmittelbar westlich des Kastells die Spuren eines spätrömischen Amphitheaters entdeckt.[68] Das Gebäude stand in der Senke eines schon seit mittelkaiserzeitlicher Zeit aufgegebenen Steinbruchs. Die 0,80m breite, doppelwandige und elliptische Ringmauer konnte auf 56m Länge und 42,66 mBreite rekonstruiert werden. Ihre südöstliche Begrenzung war zum Teil an den Hang gebaut, so dass sie dort noch bis zu einer Höhe von einem Meter erhalten ist.[69] Im Süden der Anlage wurden Überreste eines Tores gefunden.[70] Es ist das achte römische Amphitheater, das bislang in der Schweiz entdeckt wurde. Anhand von Münzfunden lässt sich die Nutzungsdauer des Amphitheaters auf die Jahre zwischen 337 und 341 u.Z. eingrenzen. Die Funktion des Bauwerks war zunächst unklar; spätere Ausgrabungen bestätigten jedoch aufgrund des Grundrisses – einschließlich der Entdeckung von Seiteneingängen und einer mit Kalkmörtel verputzten Arenamauer –, dass es sich zweifelsfrei um ein Amphitheater handelte.[71] Im Dezember 2021 wurden auf dem Areal Ausgrabungen unter der Leitung von Jakob Baerlocher von der Kantonsarchäologie Aargau vorgenommen. Dabei wurden Teile der Tore und Seiteneingänge, eine Sandsteinschwelle sowie Innenmauern mit Putzresten freigelegt. Während das eigentliche Tor bereits ausgebrochen worden war und nur noch die Fundamentgruben sichtbar waren, blieb westlich davon eine das Tor flankierende Seitentür – bestehend aus einem Block aus rotem Sandstein sowie der danebenliegenden Basis des Türrahmens – erhalten.[72] Der Block diente vermutlich als Unterbau für die bereits entfernte Türschwelle.[73] Anhand der Ausbruchgrube lässt sich auch für die Ostseite des Tores eine identische Seitentür annehmen.[74] Das Tor bestand wohl aus einer Schwelle mit einer Breite von ca. 4,0 m und einer Tiefe von etwa 1,5 m, die im Osten und Westen von zwei Seitentüren flankiert wurde.[75] Ein weiterer Zugang wurde im Westen der Ringmauer entdeckt, auch hier war nur mehr die in die Mauer eingelassene Türschwelle aus rotem Sandstein über.[76] Außerhalb der Ringmauer wurden noch zwei Pfostenlöcher sowie die Überreste eines Bauplatzes festgestellt.[77] Die Form der Ringmauer und die Anordnung der Eingänge waren für die Funktionszuordnung dieses Gebäudes entscheidend. Aufgrund der elliptischen Form lässt sich die Mauer als Podiumsmauer des Theaterbaus ansprechen. Die architektonische Anordnung der Zugänge – bestehend aus dem Tor mit flankierenden Seitentüren sowie der seitlichen Tür – stellt ein spezifisches Merkmal dar, das bislang nur bei den Amphitheatern vorkommt. Das Amphitheater wurde nach dem Drusianischen Fuß (pes Drusianus) konstruiert, wobei ein Fuß mit ca. 33,33 cm kalkuliert wird. Der Grundriss der Arena setzt sich geometrisch aus vier Kreissegmenten zusammen.[78] Eine nahezu identische Anordnung des Tores mit zwei flankierenden Seitentüren findet sich auch beim kaiserzeitlichen Amphitheater in der Oberstadt von Augusta Raurica.[79]
Zwei Pfostenspuren außerhalb der Podiumsmauer könnten Überreste einer hölzernen Cavea darstellen. Sie gehörten möglicherweise zu einer Pfostenreihe, die Teil der Tribünenkonstruktion war.[80] Der Grundriss der Arena ist nicht oval. Aufgrund der Nähe der Arena zur Kastellmauer und der vermuteten Gleichzeitigkeit der beiden Monumente kann die Cavea keine große Tiefe aufgewiesen haben. Da sie klein war, bot sie wahrscheinlich nur wenigen hundert Zuschauern Platz.[81] Auffällig ist auch die eher kleine Dimensionierung des wohl in Holz-Stein-Bauweise errichteten Amphitheaters. Es gibt keine Hinweise auf einen Zugangskorridor und eine Umfassungsmauer sowie auch nicht auf eine monumentale Zuschauertribüne (Cavea). C. Sebastian Sommer hat eine Reihe von – oft nur temporär genutzten – Amphitheatern bei Auxiliarkastellen in den Grenzprovinzen zusammengestellt und gemeinsame Merkmale identifiziert: Die ovale, elliptische oder bisweilen runde Arena wurde in einer Geländesenke angelegt oder eingetieft und von einer Podiumsmauer aus Holz oder Stein umschlossen.[82] Mit Ausnahme der runden Anlagen wurden hinter der Podiumsmauer bei allen Arenen hölzerne Zuschauertribünen errichtet. Diese lassen sich in weitere Untertypen differenzieren.[83] Das Amphitheater beim Castrum Rauracense ist mit dem von Sommer definierten Typus der „ovalen Einfriedung mit Steinmauer“ vergleichbar. Eine Parallele hierzu findet sich auch in Dura Europos (Syrien).[84] Die Funktion solcher militärischen Amphitheater dürfte sich nicht wesentlich von der ziviler Anlagen unterschieden haben.[85] Möglicherweise dienten diese Amphitheater auch als Exerzierplatz für Soldaten – insbesondere für berittene Einheiten – wenngleich die Arenen für größere Manöver in den meisten Fällen zu klein waren. Daher ist davon auszugehen, dass dort "munera" und "venationes" veranstaltet und wohl auch Hinrichtungen vollzogen wurden.[86] Zudem wurde vermutet, dass einige dieser Anlagen anlässlich eines besonderen Ereignisses – etwa eines Kaisergeburtstags während dessen Besuch – errichtet und daher nur wenige Jahrzehnte lang genutzt wurden.[87]
Das Amphitheater ist das zweite seiner Art, das im Kanton Aargau entdeckt wurde, und das dritte, das mit Augusta Raurica in Verbindung steht. Die Überreste des Amphitheaters werden in situ konserviert; das geplante Bootshaus wird darüber errichtet und mit einer gläsernen Aussichtsplattform ausgestattet.
Modell der römischen Meusebrücke von Maastricht (NL), so ähnlich könnte auch die spätantike Rheinbrücke zum Brückenkopf Grenzach-Wyhlen ausgesehen haben (Centre Céramique, 2025)
Wichtigste Infrastrukturen im Hinblick auf Verkehr, Handel und Güterumschlag waren der Rheinhafen (vermutlich nahe der Ergolzmündung situiert, bislang nicht ergraben) und die Rheinbrücken. Augusta Raurica lag am Knotenpunkt zweier Strassen, hier kreuzten sich die West-Ost-Strasse von Basilia (Basel) nach Vindonissa (Windisch) mit der Strasse von Süden aus Richtung Aventicum (Avenches) nach Norden. Archäologische und topografische Beobachtungen lassen annehmen, dass im 1.Jahrhundert die erste Rheinbrücke in der Verlängerung der heutigen Nord-Süd-Ausfallstrasse (Castrumstrasse) stand. Im 2./3.Jahrhundert entstand im Zuge der Errichtung der Unterstadt eine zweite (oder neue) Brücke, welche die Höllochstrasse (über die Insel Gwerd) mit dem rechtsrheinischen Barbaricum verband. Im 4.Jahrhundert wurde am Standort der frühkaiserzeitlichen Brücke eine neue (oder erneuerte) Brücke errichtet, die das Castrum mit dem rechtsrheinischen Brückenkopfkastell Wyhlen verband.[13] An einer steile Uferböschung im sogenannten Hölloch zu einer allerdings schmalen Senke am Fluss, hätten nicht so lange Anlegestellen wie an der Ergolz errichtet werden können, dafür wäre die Anbindung an das Strassennetz mit der breiten Höllochtrasse und der Rheinbrücke über die Insel Gwerd für die Anlage eines Rheinhafens optimal gewesen. Der Uferabschnitt Ziegelhof 300m weiter flussaufwärts bildet eine besonders flache und breite Senke unmittelbar neben der Nordwestecke des spätrömischen Castrums. Hier wäre ebenfalls ein Hafenstandort denkbar. Er könnte in der Spätantike, während der Nutzungszeit des Kastells, als solcher ausgebaut gewesen sein. Ein Nachweis für eine Hafenanlage an dieser Stelle ist ohne Ausgrabungen jedoch vorerst nicht zu erbringen (die Geländevertiefung könnte auch auf einen antiken Steinbruch zurückzuführen sein).[88] Eine Bemerkung bei Ammianus Marcellinus lässt den Schluss zu, dass die offenbar bis um 352 bestehende Rheinbrücke im Jahr 354 noch nicht wiederhergestellt war.
Constantius II. musste – nachdem prope Rauracum der Bau einer Schiffsbrücke im feindlichen Geschosshagel gescheitert war – mit seiner Armee den Rhein bei einem – wahrscheinlich bei Rheinfelden gelegenen – vadosus locus überschreiten.[89]
Das Kastell sicherte die Rheinbrücke zum Kastell in Kaiseraugst, ihre Steinpfeiler waren bis 1597 noch sichtbar. Es dürfte mit Soldaten der Legio I Martia (Ziegelstempel) und später mit alamannischen Föderaten belegt gewesen sein (Fund einer Gewandspange germanischer Machart). Nördlich des Rheins, auf dem Hertenberg, befand sich vom 4. bis zum 5. Jahrhundert eine alamannische Höhensiedlung. Unweit des Brückenkopfs, auf der Flur Herten[90], lag ein Gräberfeld, das vom 5. bis zum 7. Jahrhundert belegt worden war. Vermutlich wurden dort auch einige Soldaten des Kastells bestattet. Der auf der Hand liegende Zusammenhang zur römischen Besiedlung auf der Schweizer Rheinseite sorgte dafür, dass der rechtsrheinische Brückenkopf schon 1886 entdeckt wurde.[4] Archäologische Untersuchungen erfolgten dann 1933, Ergänzungen 1979.[91] Das Brückenkopfkastell hatte einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 44,50m (≈ 1980m2) und acht Rundtürmen, von denen noch drei erhalten sind, der Rest ist einem Hangabrutsch am Rheinufer zum Opfer gefallen. Von der Kastellmauer ist nichts mehr erhalten. Das Mauerwerk besitzt eine Mächtigkeit von rund zwei Metern, der Durchmesser der Türme beläuft sich auf acht Meter. Die Festung war zudem, teilweise, von einem Graben umgeben. Der Gründungszeitpunkt ist nicht gänzlich geklärt. Lange war man aufgrund bautypologischer und historischer Hypothesen von einer Errichtung unter Julian (360–363) oder Valentinian I. (364–375) ausgegangen. Die Ziegelstempel der Legio I Martia und Münzen sprechen jedoch eher für eine Gründung in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts.[92][93][94][95]
Dieser befestigte Versorgungsstützpunkt lag 3 km östlich des Castrum am heutigen Autobahnzubringer Rheinfelden West (Zufahrt zur Rheinbrücke).[96] Es wurde 2001, im Zuge des Straßenbaus entdeckt. Bei diesem Horreum handelt es sich um das bislang einzige bekannte spätrömische Lagergebäude in Holzbauweise. Für seine Funktion als Speicher sprechen auch die zahlreichen Überreste von Nagetieren. Die umwehrte Anlage befand sich in unmittelbarer des Rheinufers, ein Kilometer nordwestlich eines großen römischen Gutshofes (Rheinfelden-Görbelhof). Das Bauwerk war zum nördlich verlaufenden Rhein orientiert. Der Strom war in der Spätantike die sicherste Route für Truppen- und Materialtransporte. Durch diese Ausrichtung war der Transportweg vom Anleger am Rheinufer hinauf zum Speichergebäude am einfachsten zu sichern.
Man konnte jedoch nicht mit absoluter Sicherheit feststellen, ob auf dem mit einer Palisade und einem Wehrgraben geschützten Areal nur ein quadratischer Holzbau (ca. 13 × 13 Meter), oder zwei kleinere Gebäude standen bzw. ob letztere zeitgleich errichtet wurden. Die Umwehrung verfügte nur über einen Durchgang im Nordwall. Der Graben konnte über einen Holzsteg oder einen Erddamm überquert werden. Das Walltor bestand aus einer simplen, aber massiven Holzpfostenkonstruktion. Tief in den Boden eingegrabene Stützpfosten trugen vertikale Eichenstämme, die den Torrahmen und – vermutlich – zwei Holzflügel in den Angeln hielten. Der Getreidespeicher besaß an seiner Frontseite mit ziemlicher Sicherheit eine Laderampe und ebenfalls nur ein Tor, das auf den Walldurchgang ausgerichtet war, um das Be- und Entladen der Waren zu erleichtern. Die Archäologen schließen daraus, dass die Getreidesäcke und Vorratsfässer direkt von den Transportwagen auf das leicht erhöhte Bodenniveau des Speichers umgeladen werden konnten. In der Südostecke des insgesamt 25 × 30 Meter (ca. 750 m²) grossen Areals fanden sich auch zwei Öfen, in denen Fleisch- und Fischgerichte zubereitet wurden. Zusätzlich fand man Spuren einer Kiesgrube.
Die archäobotanischen Befunde lassen den Schluss zu, dass hier das Getreide vor der Weiterverarbeitung (oder dem Transport) gereinigt wurde – eine Praxis die auch von anderen Horrea bekannt ist. Daneben fanden sich auch Reste von Nüssen und Kernobst sowie eine ungewöhnlich große Anzahl an Öl- und Weinamphorenscherben. Markus Asal interpretiert die Anlage als Versorgungsdepot für die an der Rheingrenze stehenden Truppen bzw. als Zwischenlager, vielleicht auch für die von der Bevölkerung zu entrichteten Steuerabgaben. Tatsächlich fanden sich unter den zahlreichen Kleinfunden auch einige Militaria, aber – was angesichts ihrer Zeitstellung auffällt – keine Ziegelstempel der Legio Prima Martia. Das Tierknochenspektrum sowie Schmuck- und Trachtbestandteile lassen vermuten, dass der Stützpunkt zwar von Zivilisten betrieben wurde, aber unter Aufsicht der Armee stand. Das Horreum ist eines der wenigen Zeugnisse für die «constantinische Erholung» bzw. Nachblüte im Hinterland des Hochrheinlimes. Ermöglicht wurde diese durch den – wahrscheinlich bereits unter Konstantin begonnenen – Ausbau des Rheinlimes. Es zeigt – neben den Horrea in Basel und im Castrum Rauracense – welche große Bedeutung die Sicherstellung der Getreideversorgung für das Militär hatte. Möglicherweise stand die Errichtung der Anlage im ursächlichen Zusammenhang mit den Feldzügen des Cäsar Julian Apostata (361–363). Die Münz- und Keramikfunde datieren den Getreidespeicher in die Mitte des 4. Jahrhunderts (ca. 350–360 u. Z.). Dies deckt sich mit den Jahren, in denen die Armee in Gallien den Auftrag hatte, die nach dem Alamanneneinfall von 351/352 kollabierte Rheingrenze wieder zu stabilisieren. Nach den vor Ort geborgenen Münzen zu schließen wurde das Areal bis ins späte 4. Jahrhundert genutzt. Danach fiel das (anscheinend schon leerstehende) Horreum einem Brand zum Opfer.[97][98]
Ziegelstempel der Legio I Martia aus Kaiseraugst/LiebrütiZum großen Teil rekonstruierter Kammhelm mit Christusmonogramm aus Kessel, Limburg (NL), vom Typ Dunapentele/Intercisa
In der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts diente das Castrum wahrscheinlich als Hauptquartier der - unter Diokletian aufgestellten - Legio I Martia (lat. martia = Legion des Mars oder die kriegerische). Möglich wäre, dass sie das Kastell auch erbaut hat.[99] Von welcher Einheit das spätrömische Truppenlager tatsächlich errichtet wurde, ist bislang nicht bekannt. Sicher ist hingegen, dass die Anwesenheit der Legion, die auch in Basilia und am Mons Brisiacus nachgewiesen ist, zumindest in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts die militärische Besatzung des Kastells bildete. Sie ist weiters durch epigraphische Zeugnisse und ihre Ziegelei[100] in der Flur «Liebrüti» bezeugt.[101][102]
Nicht auf das Castrum und die Legio Martia, sondern auf die Wiederherstellung der Ostmauer des rund fünf Kilometer östlich entfernten Magodunon[105][106] durch eine ligurische Einheit bezieht sich ein Inschriftenstein, der im jüngeren Gräberfeld sekundär verwendet worden war:
„Unsere Herren Diokletian und Maximian, immerwährende Kaiser, haben die (Befestigungs-)Mauer von Magidunum errichten lassen, unter der Leitung des ..., des Kommandanten der Ligurischen Truppe. .../... Schriftführer der Fusstruppen, der ... Jahre lang gelebt hat. Vincentius, (sein Erbe, hat den Stein setzen lassen).“
Zudem fand sich im Silberhort ein von einem spätrömischen Kammhelm stammenden Beschlag aus Bronze mit Christogramm.[108] Im Suburbium – wie etwa dem Fundplatz „Auf der Wacht“ –, kamen große Mengen spätantiker Münzen, jedoch kaum zeitgenössische bauliche Strukturen ans Tageslicht. Baustrukturen in Form von Pfostenlöchern oder Ähnlichem fehlten dort gänzlich und ließen sich auch nach akribischer Nachgrabung nicht nachweisen. Eine befriedigende Erklärung für diesen Widerspruch steht bis dato noch aus. Die mögliche Ursache dafür, könnte die Anwesenheit größerer Truppenkontingente des mobilen Feldheeres – der Comitatenses – sein; diese waren wohl in Zeltlagern untergebracht und hinterließen daher nur wenig archäologische Spuren. Die Präsenz dieser Kontingente nahe des Castrums wurde in den antiken schriftlichen Quellen mehrfach belegt.
Angesichts der beschränkten Platzverhältnisse im Castrum Rauracense ist davon auszugehen, dass der Grossteil dieser Soldaten im Gebiet der Augster Oberstadt bzw. in Bereich der Kaiseraugster Unterstadt lagerte.[109] Die – im Vergleich zum intra muros liegenden Areal und zu den Gräberfeldern – auffällig häufig auftretenden Zwiebelknopffibeln sowie ein im Gräberfeld Gstaltenrain gefundener Reitersporn (Typus Leuna D) deutet an, dass im suburbium (möglicherweise) auch ein Teil der ripenses, d. h. Angehörige des stationären Grenzheeres untergebracht waren. Das Münzspektrum des Castrum Rauracense spricht gegen eine kontinuierliche bzw. gegen eine sporadisch intensive Anwesenheit der Armee im Zeitraum zwischen 351/352 und der Verstärkung des Donau-Iller-Rheinlimes unter Valentinian I. nach 369. Die Diskrepanz zwischen der historischen Überlieferung und dem Münzbefund ist wohl damit zu erklären, dass sich die geographischen Angaben auf die Region, und nicht auf das – wie es scheint – zeitweise verlassene Castrum beziehen.[110]
Militaria aus dem späten 4. und frühen 5. Jahrhundert belegen die weitere Anwesenheit von Militär in Kaiseraugst. Es wäre möglich, dass dort zeitweise auch eine Reitereinheit (Equites) stationiert war[111] Auf sie deuten Militärgürtelfragmente, Fibeln, Waffen und Reste von Reitereiausrüstung hin. Aus dem Umfeld des Kastells sind mehrere Sporen des Typs Leuna C und D sowie Fragmente von Kammhelmen des Typs Deurne/Berkasovo bekannt. Beide Fundtypen ähneln denen aus dem Kastell Submuntorium (D), wo man sie mit der Anwesenheit der Equites Stablesiani Iuniores in Verbindung bringt.[112] Zu den diesbezüglichen Kleinfunden zählen Riemenzungen und eine Bügelknopffibel.[113] Sie gelten als germanisches Pendant der Armbrustfibeln und waren vor allem im Barbaricum, aber auch in den römischen Provinzen weit verbreitet. Von Kastelen stammt eine Zwiebelknopffibel vom Typ 1/2269, die dort wohl im letzten Viertel des 3. Jahrhunderts verloren wurde, oder vielleicht auch etwas später. Solche Fibeln wurden primär von Soldaten, aber auch von den Beamten der Zivilverwaltung getragen.
Für die Endphase der militärischen Besetzung vertritt Peter-Andrew Schwarz die Auffassung[114], dass auch Soldaten der Legio VIII [August]anensium im Castrum stationiert gewesen sein könnten und zusätzlich Foederaten aus dem Barbaricum dorthin verlegt wurden. Aus Kaiseraugst sind bislang sechs Mantelfibeln bekannt geworden, die auch von germanischen Söldnern verwendet wurden. Laut der ins Jahr 371 datiertbaren Bauinschrift des Wachtturmes bei Etzgen scheint die seit dem 1. Jahrhundert in Argentoratum (Strasbourg, F) stationierte Legion spätestens ab diesem Zeitpunkt auch für den Oberrheinlimes – und damit theoretisch auch für den Wiederaufbau des Kastells – zuständig gewesen sein. Fragmente von handgeformter Keramik (von elbgermanischer Herkunft) lassen zudem den Schluss zu, dass in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts Germanen die Besatzung des Castrums verstärkten. Zahlreiche Funde belegen, dass zu dieser Zeit aber wohl noch reguläre römische Soldaten vor Ort waren, vielleicht bis ins frühe 5. Jahrhundert hinein. Wahrscheinlich war im Kastell zuletzt erneut eine Reitereinheit – möglicherweise Foederaten – stationiert. Nach dem – allerdings wohl kaum vollständigen – Abzug der Grenztruppen im Winter 401/402, auf Befehl des weströmischen Regenten Stilicho (395–408), setzt nicht nur die schriftliche Überlieferung aus, sondern auch der Zufluss an Münzgeld.[115][116]
Industrielle Ausmaße hatte die in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts von der Legio Prima Martia betriebenen Ziegelei in der Flur Liebrüti. Dies zeigen einerseits die Dimensionen der sieben, zum Teil in situ konservierten Brennöfen, andererseits auch die weiträumige – wenn auch offensichtlich auf das Gebiet der provincia Maxima Sequanorum beschränkte – Verbreitung ihrer Ziegelstempel. Die – wie Tonanalysen
ergaben – alle in Kaiseraugst hergestellten Ziegel fanden sich vermehrt in den Kastellen entlang des Oberrheins – so in Basel (CH), Breisach (D) und Oedenburg (F) – und des Hochrheins – z. B. in Rheinfelden (D) und dem aargauischen Frick – aber auch jenseits des Jura im bernischen Biel-Mett und Kallnach sowie in Mandeure (F) und dem aargauischen Vindonissa. Offen geblieben ist, ob auch die in Kaiseraugst, Rheinfelden und Oedenburg gefundenen, zweifelsfrei aus dem 4. Jahrhundert stammenden Ziegel mit dem Stempel des AMASONIVS ebenfalls in Liebrüti gebrannt worden sind. An den letztgenannten Fundstellen lässt sich zudem ablesen, dass nicht nur der Rhein, sondern auch die Aare und der Doubs in der Spätantike weiterhin eine bedeutende Rolle für den Waren- und Gütertransport spielten.[117]
Die weitläufige Siedlungsstruktur der Unterstadt im 4. Jahrhundert sowie die Gräberfelder lassen annehmen, dass in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts rund um das Castrum sowohl die Nachkommen der Stadtbewohner von Augusta Raurica als auch Zuwanderer lebten. Die Bevölkerungszusammensetzung sollte sich aber im Verlauf der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts stark verändern. Das die Überlebenden der früheren Colonia im späten 3. und frühen 4. Jahrhundert hier weiter ansässig war, deuten nicht nur die auf dem Castelen-Plateau (Oberstadt) errichtete Befestigung an, sondern auch die Weiternutzung der alten Gräberfelder. Es ist daher anzunehmen, dass sich diese Bevölkerungsgruppe – zumindest zeitweise – auch im Suburbium niedergelassen hatte.[118] Das Grab einer 44- bis 50-jährigen Frau in einem Bleisarg im Nordwestgräberfeld könnte eine von ihnen gewesen sein. Strontium- und Sauerstoffisotopenanalysen zufolge war die zwischen 300 und 330 bestattete Frau wahrscheinlich hier geboren und auch aufgewachsen.[119] Zudem ist für die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts von einem Zuzug neuer, mit der Armee hierher gelangten Bevölkerungsgruppen auszugehen, der wohl mit der Stationierung einer Abteilung der Legio I Martia im neuen Castrum einherging. Möglicherweise steht auch das Amphitheater in Zusammenhang mit dem militärisch/zivil geprägten Charakter der Unterstadt in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts.
Die Kriegsereignisse um die Mitte des 4. Jahrhunderts bedeuteten für die Bevölkerung des Suburbiums wahrscheinlich ebenfalls einen entscheidenden Wendepunkt. Es ist davon auszugehen, dass das Kastell und sein Umland in den ersten Jahren nach den Alamanneneinfällen noch weitgehend entvölkert waren.[120] Dies trifft wohl auch auf die ländlichen Siedlungen zu, insbesondere auf die Landgüter (Villa rustica) in der näheren Umgebung.[121] Auch die zahlreichen im Kastell und Suburbium aufgefundenen Münzhorte deuten auf einen markanten Bevölkerungsrückgang hin. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts nahm die Siedlungsaktivität im Kastell und der Unterstadt wieder zu. Möglicherweise ließen sich dorthin abkommandierte Soldaten nebst ihren Angehörigen nieder; diese dürften aber dann kaum noch Gemeinsamkeiten mit der ursprünglichen Bevölkerung aufgewiesen haben. Nach Ansicht von Peter A. Schwarz waren im späten 4. Jahrhundert Foederati als Besatzung im Kastell stationiert, dessen Angehörige wohl ebenfalls im Suburbium lebten[122]; dies zeigt auch der Fund von Bügelknopffibeln.
Die Bestattungen aus der Jüngeren Kastellnekropole erlaubten einen Einblick in die ethnische Zusammensetzung der dort zwischen der Mitte des 4.und dem frühen 8.Jahrhundert ansässigen Bevölkerung. Das Castrum war demnach von der Spätantike bis ins frühe Mittelalter in der Mehrzahl mit christianisierten Romanen besiedelt. Die Begräbniskirche und die umliegenden Bestattungen mit Münzoboli lassen annehmen, dass sich ein Teil der Kastellbewohner spätestens ab/um 400 zum Christentum bekannte. Gestützt wird diese auch durch die Ergebnisse der Flurnamenforschung sowie durch die romano-burgundisch geprägte Gebrauchskeramik. Charakteristisch für die Bestattungen des späteren 4.und des 5.Jahrhunderts in der Jüngeren Kastellnekropole ist die auffällige Beigabenarmut (oft nur ein Obolus) beziehungsweise ihr vollständiges Fehlen. Auch die in dieser Hinsicht wieder besser ausgestatteten Gräber des 6.Jahrhunderts unterscheiden sich markant von den germanischen Gräberfeldern der rechten Rheinseite, wie etwa die in Grenzach-Wyhlen oder Kleinbasel. Dies manifestiert sich auch im Weiterbestehen romanischer Ziegelgräber bis in die Zeit um das Jahr600 oder in der spärlichen Beigabe von Waffen. Germanische Siedler lassen sich im Fundgut nur vereinzelt fassen. Im Fall der Grabsteine des Baudoaldus und der Radoara bleibt offen, ob sie ethnische Germanen waren; die Grabinschriften als solche und die Tatsache, dass diese nahe der um 400 errichteten Begräbniskirche (Cella memoriae) bestattet wurden, lassen lediglich den Schluss zu, dass sie der örtlichen Gesellschaftselite angehört haben könnten. Bei dieser Bevölkerungsgruppe handelte es sich wohl weitgehend noch um die Nachfahren der ersten Generation der Kastellbewohner, ab dem 6. Jahrhundert wird jedoch auch eine fränkische Bevölkerungsgruppe fassbar, bei der es sich wohl um Mitglieder der örtlichen Oberschicht handelte.[123]
Im Suburbium des Kastells kam auch ein antiker Bronzering zum Vorschein. Auf ihm ist eine Menora, einer der Symbole des Judentums, eingepunzt. Links davon befindet sich die eingravierte Darstellung eines Etrog (Zitrusfrucht) sowie ein zu einem Lulaw (Feststrauß) gehöriges Palmblatt. Der Menora-Ring gilt – auch wenn nicht mit absoluter Sicherheit feststeht, ob er aus der Mitte des 4.Jahrhunderts stammt – als ältester Beleg für die Anwesenheit von Juden im Oberrheingebiet. Ungeklärt ist, ob der Menora-Ring nur auf der Durchreise verloren wurde, oder sein Träger im Suburbium gelebt hat bzw. ob allenfalls sogar eine jüdische Gemeinde (wie beispielsweise in Köln oder Trier), in Kaiseraugst existiert hat.[124]
Der Rhein war eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Massengütertransport im Römischen Reich. Beim Kastell befand sich deswegen im Rheinhafen eine Zollstation des «XXXX Galliarum»,[125] einem Zollsprengel, der mehrere römische Provinzen umfasste und von Massilia (Marseille, F) bis nach Traiectum (Utrecht, NL) reichte. Eine Inschrift aus Augst nennt in diesem Zusammenhang einen STAT(ionis) RAVRACENSIS XXXX GALLIAR(um) (= […Zöllner] der raurakischen Station des gallischen Zollbezirkes […]).[126] Alle hier durchgeschleusten Güter mussten mit dem Vierzigsten Teil ihres Wertes versteuert werden (ca. 2,5%). War die Gebühr entrichtet, wurde als Quittung eine Zollplombe an den Warenballen angebracht. Da die Ladung der Frachtschiffe wegen der zahlreichen Stromschnellen hier gelöscht werden musste, diente der Ort als Stapel- und Umschlagplatz, an dem die Waren für den Weitertransport auf der Straße umgeladen werden musste. Wegen dieser Konzentration der Transportwege war das Kastell das Logistikzentrum der spätrömischen Militärverwaltung im Nordwesten der Schweiz.[127][128]
Ab dem frühen 3. Jahrhundert brachte die sogenannte Reichskrise des 3. Jahrhunderts auch das komplexe wirtschaftliche Gefüge der Augster Region (caput coloniae) aus dem Gleichgewicht. Abgesehen von der - bereits im 2. Jahrhundert einsetzenden - Landflucht, von Seuchen und der endemischen politischen und militärischen Krisen führten sicher auch gravierende ökologische Probleme – z. B. die Übernutzung der Böden bzw. durch extensive Abholzung verursachte Hochwasser und Bodenerosion sowie eine Verschlechterung des Klimas – zu einem Teufelskreis der Verdichtung von Ursache und Wirkung. Deutlich ist dies auch an der Zahl der nach der Mitte des 3. Jahrhunderts aufgegebenen Villae rusticae in der Umgebung von Kaiseraugst (caput coloniae) zu ersehen. Dies war aber wohl auch auf die deutliche geringere Nachfrage nach Landwirtschaftsprodukten zurückzuführen. Dass die quantitative Abnahme der Getreideproduktion jedoch nicht zwingend auch mit einer qualitativen Verschlechterung verbunden war, zeigt die Zusammensetzung der verbrannten Getreidevorräte aus dem caput coloniae. Größere Anteile an Unkrautsamen, die eine Vernachlässigung der Felder im späten 3. Jahrhundert annehmen lassen, finden sich in diesen Straten nur selten. Der zunehmende Anteil von Roggen zeigt vielmehr, dass beim Anbau des Brotgetreides wohl einfach auf die neuen klimatischen Bedingungen reagiert wurde. Für eine Umstellung auf das robustere Spelzgetreide – Roggen, Emmer, Dinkel und Gerste – spricht, wie
auch andernorts in den nordwestlichen Provinzen, die zunehmende Verbreitung der (für das Entspelzen notwendigen) Getreidedarren im späten 3. Jahrhundert.
Im Innern des Castrum bzw. im suburbium fand sich in den Schichten aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts viele Formen an Terra Sigillata, Glanztonware, feintonige Krüge, die man aber auch noch in das späte 3. Jahrhundert datieren könnte. In den Straten der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts dominiert hingegen rauhwandige Drehscheibenware. Sie stellt – zusammen mit der Argonnensigillata – die Mehrheit des diesbezüglichen Fundguts. Auffällig war das weitgehende Fehlen der aus Nordafrika importierten Terra Sigillata, der ‚sigillée paléochrétienne‘ sowie der ‚dérivées des sigillées paléochrétiennes (DSP)‘ – letztere ist im ca. 40 km entfernten Castrum Vindonissense noch häufiger anzutreffen. Im frühen 5. Jahrhundert ist der Anteil an Importkeramik – Argonnensigillata, glasierte Ware und Mayener-Eifel-Keramik, Weinamphoren – im Castrum Rauracense aber schon deutlich niedriger. Beobachtungen in Pratteln und Liestal-Munzach sowie in anderen, an Hauptverkehrsachsen gelegenen Fundstellen im Hinterland des Castrums zeigen zudem, dass der relativ hohe Anteil der Importkeramik nicht mit der Rolle des Gutshofs von Lausen-Bettenach als ‚Kopfstation‘ der – zu dieser Zeit längst nicht mehr funktionierenden – nach Augusta Raurica führenden Wasserleitung zusammenhängen kann. Das Fundspektrum zeigt vielmehr, dass damals den über den Jura führenden Hauptverkehrsachsen noch immer eine große Bedeutung zukam – und dass sich die hier noch ansässige Restbevölkerung Importware leisten konnte. Bei der Herstellung von Glas anfallender Abfall, Grob- und Feinkeramikscherben und auch ein, aus der Zeit zwischen dem Ende des 5. und der Mitte des 6. Jahrhunderts stammender Töpferofen lassen weiters den Schluss zu, dass das Castrum im 6. Jahrhundert als Produktionszentrum für Keramikware noch eine bedeutende Rolle spielte. Die dort hergestellte ‚fränkische‘ Knickwandkeramik fand sich u.a. auch im Vicus von Lausen-Bettenach. In der Zeit um 600 scheint das Castrum Rauracense aber seine Bedeutung als Produktionszentrum verloren zu haben. In dieser Zeit etablierten sich auch in Oberwil, Therwil und Reinach neue Keramikzentren, deren Produkte – die sog. sandige Drehscheibenware – konnten sich in der Nordwestschweiz offensichtlich rasch auf den Märkten durchsetzen. Vielsagend ist auch, dass ein Leitprodukt des späten 7. Jahrhunderts – die im nördlichen Oberrheintal produzierte gelbtonige Drehscheibenware – hier weitgehend fehlt. Der Grund ist wahrscheinlich darin zu suchen, dass die Route über den Oberen bzw. den Unteren Hauenstein – und damit auch das Castrum Rauracense – zu dieser Zeit wirtschaftlich schon weitgehend an Bedeutung verloren hatte. Dies vor allem nachdem die fränkischen Merowingerkönige mit dem Ausbau der Straße über den Col de Pierre Pertuis eine neue Route in das Schweizer Mittelland gefördert hatten. Der endgültige wirtschaftliche Niedergang des Castrums dürfte indes vermutlich erst gegen Mitte des 7. Jahrhunderts eingesetzt haben.[129]
Die Erforschung der spätrömischen Gräberfelder von Kaiseraugst blickt auf eine lange Tradition zurück. Besonders bedeutend ist in diesem Zusammenhang die nordöstlich des Kastells gelegene Nekropole (Ältere und Jüngere Kastellnekropole), die gut untersucht und dokumentiert wurde.[130] Sie wurde vom frühen 4. bis ins 7. Jahrhundert belegt und zeugt von einer kontinuierlichen Nutzung des Castrums bis ins Frühmittelalter.[131] Darüber hinaus wurden auch in der bereits bestehenden, früh- und mittelkaiserzeitlichen NW-Nekropole («Rheinstrasse») sowie in der SO-Nekropole («Im Sager») in Augst noch Bestattungen vorgenommen.[132] Östlich und westlich des Kastells lagen entlang der beiden Hauptstraßen zwei weitere Gräberfelder:
«Kaiseraugst-Höll», etwas westlich der Festung[133] und
Die an einer Verlängerung der Constantius-II.-Strasse gelegenen Bestattungen kann als eines der Hauptgräberfelder des Kastells angesehen werden. Gemeinsam mit der Nekropole Rinau unterstreichen diese beiden, entlang der vom Kastell wegführenden Strassen angelegten Gräberfelder die hohe Bedeutung dieser West-Ost-Verbindung in spätrömischer Zeit. Zudem unterscheiden sich diese beiden Gräberfelder in ihrer Anlage deutlich von der nordöstlichen Nekropole. Das Nebeneinander mehrerer Gräberfelder an unterschiedlichen Standorten lässt sich auch an anderen Orten wie Vindonissa[135] oder Basilia[136] beobachten.
Die Anlage von Gräberfeldern rund um das Castrum und der Lagervorstadt begann rund 300m südöstlich des Militärlagers in der Flur «Stalden» mit einem etwas kleineren Gräberfeld aus der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts. Um 400 errichtete man dort eine cella memoriae; weitere Mauerzüge stammen wahrscheinlich ebenfalls von derartigen Bauten, die zwischen 400 und 530 errichtet wurden. Ab dem frühen 4. Jahrhundert finden sich zudem auch vermehrt Grabbeigaben mit christlichen Symbolen, so etwa Fingerringe, Fibeln, Kämme und Münzoboli. Grabplastiken oder Objekte mit eindeutig christlichen Motiven kamen hingegen selten ans Tageslicht. Weitere rund 100m östlich davon setzten sie sich rheinaufwärts verlaufend mit einer grösseren, rund 2000 Bestattungen umfassenden Nekropole des späten vierten bis siebten Jahrhunderts fort.[92][137]
“D(is) M(anibus) †[140]
IN HOC TVMOLO
RE[q]VIISCIT(!) BON(a)E
[me]M[o]RIAE BAVDO
[a]LDVS QVI VIXIT
IN PACE ANNVS(!) LV
ET [o]B[i]IT QVINTO DE
[cimo ka]L(endas) OCTOBRIS”
„Den Manen. In diesem Grabhügel ruht guten Andenkens Baudoaldus, welcher 55 Jahre in Frieden lebte und am 17. September starb.“
Von insgesamt 66 Fundmünzen aus dem Castrum stammen die überwiegend meisten aus den 330er und 340er Jahren. Einzelne Münzen wurden in den 380er Jahren geprägt, was möglicherweise einen Terminus post quem für die Auflassung des Kastells zulässt. Eine Besonderheit stellt der Silberschatz von Kaiseraugst dar, dessen Münzreihe von insgesamt 187Denaren mit einer Prägung des Kaisers Diokletian aus dem Jahr294 beginnt und bis zu einer Münze des Constantius II. aus dem Jahr349 reicht. Hinzu kommen zwei Silberbarren mit dem Stempel des Gegenkaisers Magnentius aus dem Jahr350.[142] Münzen mit Prägedaten von 388–403, gehörten zu den letzten Emissionen, die nach Augusta Raurica gelangten. Eine zwischen 383 und 395 geprägte Münze aus der Zeit Theodosius I. (379–395) ist bislang die jüngste römische Münze aus Kaiseraugst.[143]
Das Fundmaterial aus dem Castrum und dem Brückenkopfkastell wird zum grössten Teil im Römermuseum Augst verwahrt und präsentiert.[144] Das Kastell ist gemeinsam mit der Unterstadt der Augusta Raurica ein Kulturgut von nationaler Bedeutung im Kanton Aargau. Reste der römischen Befunde sind teilkonserviert und -restauriert und können im Gelände besichtigt werden. Dies gilt für:
einen Abschnitt der Kastellmauer an der Ecke Heidemurweg/Dorfstrasse.[145][146] Das Westtor ist zudem im Strassenbelag markiert.
die Rheinthermen im Keller des Kindergarten «Dorf», im Grundstück der Dorfstrasse17, hinter der Gemeindeverwaltung[147][148]
Die jeweils aktuellen Ausgrabungsergebnisse werden seit 1980 in den jährlich erscheinenden Jahresberichten aus Augst und Kaiseraugst publiziert.[155]
Martin Allemann: Die spätantiken Ziegelbrennöfen in der Flur Liebrüti (Kaiseraugst AG) und ihr Bezug zur Legio I Martia, Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, 2014, S. 35, S. 157–240.
Michael Baumann (Hrsg.): Die Bestattung einer wohlhabenden Frau aus Augusta Raurica:Interdisziplinäre Auswertung eines Bleisargs aus dem Nordwestgräberfeld. Augusta Raurica (coll. Forschungen in Augst, 54), Augst 2021, S. 184.
Jakob Baerlocher: Ausgrabungen in Kaiseraugst im Jahre 2018, Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst 2019, 40, S. 55–140.
Jakob Baerlocher, Anna Flückiger: The periphery of the Castrum Rauracense (Kaiseraugst) during Late Antiquity. Initial synthesis. / La périphérie du Castrum Rauracense (Kaiseraugst) durant l’Antiquité tardive. Synthèse préliminaire. In: Gallia – Archaeology of Gauls / Gallia - Archéologie des Gaules, Band 82, 2025, S.1–27 (Digitalisat).
Jakob Baerlocher: Das neuentdeckte Amphitheater von Kaiseraugst, Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, 2022a, S. 183–203.
Jakob Baerlocher, R. Känel: Ein spätantiker Steinbau im Kaiseraugster suburbium mit verbauter Baukeramik der Legio I Martia, Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, 2023, S. 44, S. 133–152.
Ludwig Berger, Markus Schaub: Drei Rheinbrücken in Augusta Raurica? Quellenlage, Forschungsgeschichte und Diskussionen zu den Rheinbrücken von Augusta Raurica: Teil 1. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst. Band 38, 2017, S. 265–314 (Digitalisat).
Shona Cox: Zur Metrologie des Amphitheaters, in Baerlocher J., Ausgrabungen in Kaiseraugst im Jahre 2022, Augst, Augusta Raurica, Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, 2023, S. 44, S. 111–112.
Margaux Depaermentier: Spätantike und frühmittelalterliche Sozialstruktur in Basel aus archäologischer und naturwissenschaftlicher Sicht. Doctoral thesis, University of Basel, 2023, S. 543.
Guido Faccani: Die Dorfkirche St. Gallus in Kaiseraugst/AG. Die bauliche Entwicklung vom römischen Profangebäude zur heutigen christkatholischen Gemeindekirche. Augst, Augusta Raurica (coll.Forschungen in Augst, 42) 2012, S. 282.
Rudolf Fellmann: Kaiseraugst. Castrum Rauracense, Argovie, Suisse, in Reddé M., Brulot R., Fellmann R., Haalebos J. K., von Schnurbein S. (eds.), L’architecture de la Gaule romaine – Les fortifications militaires, Paris, CNRS (coll. Documents d’archéologie française, 100), 2006.
Gerhard Fingerlin: Grenzach-Wyhlen, Wyhlen (LÖ). Spätrömischer Brückenkopf. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S.94.
Anna Flückiger: Blind dating: Towards a chronology of fifth-century material culture in Augusta Raurica, in N. Lenski, Drijvers J. W. (eds.), The Fifth Century: Age of Transformation. Proceedings of the 12th Biennial Shifting Frontiers in Late Antiquity Conference. Santo Spirito, Edipuglia (coll. Munera. Studi storici sulla Tarda Antichità, 46), 2019, S. 65–78.
Anna Flückiger: Kaiseraugst zwischen Spätantike und Frühmittelalter. Eine siedlungsarchäologische Studie, Augst, Augusta Raurica. Coll. Forschungen in Augst, 55, 2021.
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Lukas Freitag: Der Wehrgraben des Castrum Rauracense. Die Ergebnisse der Grabung «MFH Heidemurweg 28» (2015.003) und weiterer Aufschlüsse aus Altgrabungen. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, Band 39, 2018, S.121–142 (Digitalisat).
Alex R. Furger: Kurzführer Augusta Raurica (= Archäologischer Führer durch Augst/Kaiseraugst, 5). Römermuseum Augst, Augst 1997, ISBN 3-7151-4005-4, S.58–67 und 73f.
Cédric Grezet: L’évolution des espaces publics et privés à l’intérieur et aux abords immédiats du Castrum Rauracense (Kaiseraugst/AG, Suisse) au cours du IVe s., in Fort B., Hostein A., Janniard S., Kasprzyk M. (eds.), La présence de l’État dans l’Est de la Gaule durant l’Antiquité tardive, Actes du colloque international de Dijon, 8-10 novembre 2012, Dijon, RAE (coll. Suppl. to RAE, 52), 2021, S. 135–156.
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Nikolas Hächler, Peter-Andrew Schwarz, Beat Näf: Mauern Gegen Migration? Spätrömische Strategie, der Hochrhein-Limes. Schnell und Steiner, Regensburg 2020, ISBN 978-3-7954-3511-0.
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Severin Oppliger: Die Grabungen am Lindenweg, Kaiseraugst 1975 und 2004. Eine Siedlungszone in der Peripherie von Augusta Raurica von der frühen Kaiserzeit bis ins Spätmittelalter. Masters thesis, University of Bern, 2022, S. 243.
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Tamara Pfammatter, Hans Sütterlin: Die römischen Thermen von Augusta Raurica: Lage und Kleinfunde. Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, Nr. 36, Augst 2015, S. 123–172.
Beat Rütti: Der Silberschatz von Kaiseraugst. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Imperium Romanum. Römer, Christen, Alamannen. Die Spätantike am Oberrhein. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1954-0, S.226–233.
Erwin Rigert, Christoph Schneider: Ein epigraphisches Zeugnis der Quadragesima Galliarum in Augusta Raurica? in Peter-Andrew Schwarz, Ludwig Berger: Tituli Rauracenses 1. Testimonien und Aufsätze zu den Namen und ausgewählten Inschriften von Augst und Kaiseraugst (Reihe: Forschungen in Augst, Band 29), 2000, S. 129–132.
Markus Schaub: Drei Rheinbrücken in Augusta Raurica? Quellenlage, Forschungsgeschichte und Diskussionen zu den Rheinbrücken von Augusta Raurica: Teil 2. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst. Band 40, 2019, S. 221–263 (Digitalisat).
Peter-Andrew Schwarz: Das spätantike und frühchristliche Kaiseraugst. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Imperium Romanum. Römer, Christen, Alamannen. Die Spätantike am Oberrhein. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1954-0, S.268–274.
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↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S.307–350, hier S.310f (Digitalisat).
↑Roksanda-Maria Swoboda: Neue Ergebnisse zur Geschichte des Castrum Rauracense. In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschicht, 57, 1972/1973, S.183–202, Taf.15–18.
↑Baerlocher 2019, S. 102–104; 2020, S. 71–75; Signer 2021, S. 101–104, Abb. 59
↑Lukas Freitag: Der Wehrgraben des Castrum Rauracense. Die Ergebnisse der Grabung «MFH Heidemurweg 28» (2015.003) und weiterer Aufschlüsse aus Altgrabungen. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, Band 39, 2018, S.121–142 (Digitalisat).
↑Berger 2012, S. 329; Pfammatter, Sütterlin 2015, S. 153–169; Grezet 2021, S. 141.
↑Berger 2012, S. 329–330; Grezet 2021, S. 141–143.
↑Berger 2012, S. 337; Faccani 2012, S. 79 und S. 188; Grezet 2021, S. 146–147.
12Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S.307–350, hier S.308–310 (Digitalisat).
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S. 316.
↑Michael Mackensen: Besiedlung und militärisches Grenzgebiet im unteren Illertal und an der oberen Donau in der spätrömischen Kaiserzeit. In: Brigitte Reinhardt, Kurt Wehrberger (Hrsg.): Römer an Donau und Iller. Neue archäologische Forschungen und Funde. Thorbecke, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-0410-9, S. 147–153.
↑(CIL-3 11540) [For]tis(?) Aug(usti) disp(ensator) hor(reorum) v(otum) s(olvit) l(ibens) l(aetus) m(erito) Übersetzung: Für .... hat Fortis, Sklave des Kaisers und Verwalter der Getreidespeicher, sein Gelübde gern, freudig und nach Gebühr erfüllt. Die erhaltenen drei Buchstaben des Stifternamens (...TIS) könnten ebenso gut zu anderen Namen wie Mitis oder Restis ergänzt werden.
↑INSCRIPTIONES SELECTAE COLONIAE AUGUSTAE RAURICORUM Ausgewählte Inschriften aus Augst und Kaiseraugst. Choix d’inscriptions d’Augst et Kaiseraugst Kommentare und Übersetzungen zu einigen im Römermuseum Augst ausgestellten Steininschriften. Commentaires et traductions d’un choix d’inscriptions en pierre exposées au Musée Romain de Augst, S. 24.
↑Walter Drack, Rudolf Fellmann: Kaiseraugst AG. CASTRUM RAURACENSE. In: Dies.: Die Römer in der Schweiz. Theiss/Raggi, Stuttgart/Jona (SG) 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S.413f.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011. S. 337–388.
↑Jakob Baerlocher, Anna Flückiger: The periphery of the Castrum Rauracense (Kaiseraugst) during Late Antiquity. Initial synthesis. / La périphérie du Castrum Rauracense (Kaiseraugst) durant l’Antiquité tardive. Synthèse préliminaire. In: Gallia – Archaeology of Gauls / Gallia - Archéologie des Gaules, Band 82, 2025, S.1–27, hier: S.22–24 (Digitalisat).
↑Shona Cox: Zur Metrologie des Amphitheaters, in Jakob Baerlocher: Ausgrabungen in Kaiseraugst im Jahre 2022. Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, Band 44, 2023, S. 111–112.
↑Hufschmid 2009, S. 86; Baerlocher 2022a, S. 193 mit Abb. 16.
↑Diese contra Rauracos gelegene Höhensiedlung war – laut Ammianus Marcellinus (Amm. 18, 2, 16) – der Herrschaftssitz (domicilium) des alamannischen Rex Vadomar.
12Walter Drack, Rudolf Fellmann: Kaiseraugst AG. CASTRUM RAURACENSE. In: Dies.: Die Römer in der Schweiz. Theiss/Raggi, Stuttgart/Jona (SG) 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S.414.
↑Gerhard Fingerlin: Grenzach-Wyhlen, Wyhlen (LÖ). Spätrömischer Brückenkopf. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S.94.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S.307–350, hier: S.312 (Digitalisat).
↑ Markus Asal: Ein spätrömischer Getreidespeicher am Rhein. Die Grabung Rheinfelden-Augarten West. Veröffentlichungen der Gesellschaft pro Vindonissa, Band XIX, Brugg 2001. ISBN 978-3-9523105-0-2.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, S. 324–325.
↑Drack, Fellmann 1988, S. 281; Schwarz 2011, S. 312.
↑Theodora Tomasevic-Buck: Die Ziegelbrennöfen der Legio I Martia in Kaiseraugst / AG und die Ausgrabungen in der Liebrüti 1970–1975. Amt für Museen und Archäologie des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1975, ISBN 3-7151-4001-1.
↑Martin Allemann: Die spätantiken Ziegelbrennöfen in der Flur Liebrüti (Kaiseraugst AG) und ihr Bezug zur Legio I Martia. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, 35, 2014, S.157–240 (Digitalisat).
↑Laut Ammianus Marcellinus (20.4.12) campierten Julians Truppen bei ihrem Aufenthalt in Parisium nicht auf der befestigten Île de la Cité, sondern ebenfalls im suburbium (NW-Teil der Unterstadt).
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S. 317–318.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S. 307–350
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, S. 325–326.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011. S. 335f.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, S. 333–342.
↑quadragesima Galliarum = der vierzigste Teil Galliens.
↑Rigert/Schneider: Ein epigraphisches Zeugnis der Quadragesima Galliarum in Augusta Raurica?. Tituli Rauracenses.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S. 322-328.
↑Max Martin 1976; 1991; Berger 2012, S. 351–354; Simone Mayer 2016; 2023a; 2023b.
↑Jakob Baerlocher, Anna Flückiger: The periphery of the Castrum Rauracense (Kaiseraugst) during Late Antiquity. Initial synthesis. / La périphérie du Castrum Rauracense (Kaiseraugst) durant l’Antiquité tardive. Synthèse préliminaire. In: Gallia – Archaeology of Gauls / Gallia - Archéologie des Gaules, Band 82, 2025, S. 5.
↑Peter-Andrew Schwarz: Das Castrum Rauracense und sein Umland zwischen dem späten 3. und dem frühen 7. Jahrhundert. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen. Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S.307–350 (Digitalisat).
↑Anna Flückiger: Coins, Chronology, Continuity, and the Castrum Rauracense. New research on the Castrum and its ‘suburbium’ during Late Antiquity. In: Institute of Archaeology, Belgrad (Hrsg.): LIMES XXIIII. Proceedings of the 24th International Congress of Roman Frontier Studies 2nd − 9th September 2018 Viminacium − Belgrade, Serbia. Volume II. DigitalArt, Belgrad 2023, ISBN 978-86-6439-089-7, S.867–877.
↑Lukas Freitag: Der Wehrgraben des Castrum Rauracense. Die Ergebnisse der Grabung «MFH Heidemurweg 28» (2015.003) und weiterer Aufschlüsse aus Altgrabungen. In: Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst, Band 39, 2018, S. 97.