Lage des Alenkastells im Verlauf des Niedergermanischen Limes.
Das Kastell lag rund 13 Kilometer rheinabwärts vom Legionslager Vetera bei Xanten. Die oberirdisch heute nicht mehr sichtbare Anlage befindet sich als Bodendenkmal im Bornschen Feld bei Altkalkar zwischen Marienbaum und Kehrum am Ufer des Leybachs. Es war am südlichen Fuß einer 72 Meter hohen Stauchmoräne, des Monreberges, errichtet worden, auf dessen Kuppe sich ein weiteres, bislang nicht näher untersuchtes Militärlager befand. An einem heute verlandeten Mäander des Rheins gelegen, der seinen Lauf seit römischer Zeit nach Osten verlagert hat, nimmt die Fundstelle eine rund drei Hektar große Fläche ein.
Burginatium ist auf der Tabula Peutingeriana und im Itinerarium Antonini verzeichnet. Letzteres weist die Belegung mit einer ala aus. Die Lage des Ortes ist von Alters her bekannt. Für das 16.Jahrhundert belegen Rechnungen der Stadt Kalkar die Nutzung der zu diesem Zeitpunkt noch sichtbaren Ruinen als Steinbruch.[1] Verschiedene Notgrabungen des Rheinischen Landesmuseums Bonn und des Landschaftsverbands Rheinland aufgrund von Baumaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg ergaben ein noch unvollständiges Bild der Anlage. Plangrabungen fanden in diesem Bereich bis heute nicht statt.
Grabstein des Gaius Iulius Primus, CIL13, 08670, aus Burginatium (Städtisches Museum Kalkar)
Gegründet wurde das Lager vermutlich unter Tiberius (14–37).[2] Diese Annahme wird durch Keramikfunde aus dem Kastellbereich gestützt, die in die augusteisch-tiberische Zeit datiert werden. Anhand des weiteren Inventares kann eine kontinuierliche Belegung bis zum Ende des 4., vielleicht noch bis zur Wende zum 5.Jahrhundert, angenommen werden. Die Münzreihe beginnt mit caesarischen Prägungen. Die Schlussmünze ist aus der Zeit des spätantiken Kaisers Honorius.
Bisher bekannt ist nur die letzte, spätantike Bauphase des Kastells. Deren Umwehrung bestand aus einer Steinmauer, die von einem Doppelspitzgraben umgeben war.[7] Die Befestigung umschloss eine Fläche von etwa 150×180Meter. Die westliche Lagergrenze bildete der Leybach. Beidseitig der zentralen Lagerstraße befanden sich die Mannschaftsbaracken mit Kontubernien in Fachwerkbauweise, die Platz für etwa 480 Soldaten, der Stärke einer ala quingenaria, boten. Die Befunde deuten darauf hin, dass diese Baracken mehrfach abbrannten.
Das Lagerdorf (Vicus) umgab das Kastell halbkreisförmig im Nordosten bis Südwesten. Die zugehörigen Gräberfelder lagen auf dem Monreberg und auf dem benachbarten Pierenberg. Ein weiteres Gräberfeld erstreckte sich entlang der Limesstraße, der heutigen Bundesstraße 57 im Stadtteil Kehrum.
Aus dem Bereich des Lagervicus stammt ein Mithrasstein aus dem 3.Jahrhundert, der als Sockel einer Bronzestatue diente[8]. Aus der gleichen Zeit stammt ein archivalisch überlieferter Hortfund von über 500 Silbermünzen (postulierte Schlussmünze zwischen 258 und 263 n. Chr.).[9] In das Fundinventar gehört auch eine Bronzefigur eines knienden Giganten. Mit einer bei Ausgrabungen gefundenen Inschrift[10] konnte in Burginatium die Verehrung der germanische Kriegsgöttin Vagdavercustis nachgewiesen werden.[11]
TS-Teller Drag. 36 aus Burginatium (Städtisches Museum Kalkar)Ziegelstempel der Legio XXX Ulpia Victrix aus Burginatium (Städtisches Museum Kalkar)TS aus Burginatium (Städtisches Museum Kalkar)
Das Kastell und der Bereich des Lagervicus sind Bodendenkmale nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen (Denkmalschutzgesetz – DSchG).[12] Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig. Zufallsfunde sind an die Denkmalbehörden zu melden.
Harald von Petrikovits: Das römische Rheinland. Beiheft Bonner Jahrbücher 8, 1960, Rheinland-Verlag, Bonn 1960, S.47ff.
Rudolf Pörtner: Das Alenlager Burginatium (Altkalkar). In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Bd.14: Linker Niederrhein. Zabern, Mainz 1969, S.198–201.
↑CIL13, 08671: Atil[l]us Di(vi)x/ti f(ilius) m[i]ssicius / ala(e) [V]ocon<ti=IT>(i) / hic [si]tus est.
↑CIL16, 00059: Imp(erator) Ca[esar divi Nervae f(ilius) Nerva Traianus] / Aug(ustus) Ge[rm(anicus) Dacicus pontif(ex) maximus tribunic(ia)] / potes[tat(e) 3 imp(erator) 3 co(n)s(ul) 3 p(ater) p(atriae)] / equit[ibus et peditibus et classicis? qui mil]/itave[runt in alis 3 et cohortibus] decem [quae appellantur 3] / et Af[rorum veterana et 3 et sunt in Germania inferiore sub // Imp(erator) Caesar div[i Nervae f(ilius) Nerva Trai]/anus Aug(ustus) Ger[m(anicus) Dacicus pontif(ex) maximus] / tribunic(ia) pot[es[tat(e) 3 imp(erator) 3 co(n)s(ul) 3 p(ater) p(atriae)] / equitibus et p[editibus et classicis?] / qui militave[runt in alis 3 et] / [coh]o[rtibus] decem [quae appellantur 3] / et Af[rorum veterana et 3 et sunt in Germania inferiore sub.
↑Rudolf Pörtner: Das Alenlager Burginatium (Altkalkar). In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Bd.14: Linker Niederrhein. Zabern, Mainz 1969, S.199–200.
↑Michael Gechter: Kalkar-Altkalkar. In: Heinz Günter Horn: Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Theiss, Stuttgart, 1987, ISBN 3-8062-0312-1, S.452.
↑Richard Gordon: Viewing Mithraic art: The altar from Burginatium (Kalkar), Germania Inferior. In: Arys Bd. 1 (1998), S. 227–258.
↑Joachim Hunke: Das Verzeichnis der Fundmünzen aus Kalkar des L.J.F. Janssen mit einem römischen Schatzfund. In: Jaarboek voor Munt- en Penningkunde 109 (2022), S. 1–42 (PDF; bei Jaarboek voor Munt- en Penningkunde).
↑Gabriele Uelsberg: Krieg und Frieden. Kelten-Römer-Germanen. Katalog der Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Bonn und Darmstadt 2007, ISBN 3-89678-349-1, S. 291.