Postgeschichte und Briefmarken von Chile
Die Postgeschichte und Briefmarken von Chile umfassen die Entwicklung des chilenischen Postwesens von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart sowie die Geschichte der seit 1853 verausgabten chilenischen Briefmarken. Die Entwicklung des Postwesens stand zunächst unter dem Einfluss der spanischen Kolonialverwaltung und wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der staatlichen Modernisierung Chiles grundlegend reformiert.[1]
Die ersten chilenischen Briefmarken erschienen am 1. Juli 1853 und zeigten ein Porträt Christoph Kolumbus’. Gedruckt wurden sie von der Londoner Druckerei Perkins Bacon. Die klassischen „Colón“-Ausgaben gelten heute aufgrund ihrer zahlreichen Druckvarianten und Aufdrucke als bedeutendes Sammelgebiet der südamerikanischen Philatelie.[2][3]
Im späten 19. Jahrhundert wurde Chile zunehmend in den internationalen Postverkehr eingebunden. Dazu gehörten direkte Postverträge mit europäischen Staaten, die Tätigkeit ausländischer Postagenturen in chilenischen Hafenstädten sowie der Beitritt zum Weltpostverein im Jahr 1881.[4][5]
Neben den regulären Freimarkenausgaben entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Sonderformen wie Luftpostmarken, Dienstmarken, Portomarken und Besatzungsausgaben während des Salpeterkriegs. Die chilenische Postgeschichte ist zudem eng mit der Entwicklung der See- und Luftverkehrsverbindungen entlang der Pazifikküste Südamerikas verbunden.
Das chilenische Postwesen vor Einführung der Briefmarken
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Kolonialzeit und frühes Postwesen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die postalische Geschichte Chiles beginnt im Jahr 1748. In diesem Jahr beginnen die ersten monatlichen Postbeförderungen zwischen der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile und Buenos Aires.[1] 1766 bekommt erstmals eine Stadt einen eigenen Stempel. Briefe aus Valparaíso wurden mit dem damaligen Stempel BALPARAISO versehen. Das Postwesen wurde seitdem von den spanischen Kolonialbehörden stetig erweitert, bis Chile schließlich am 11. September 1811 von Spanien unabhängig wurde und sich schließlich 1818 als unabhängige Nation etablierte.
Bereits während der Kolonialzeit bestanden Postrouten zwischen Santiago und den Bergbau- und Hafenregionen des Landes. Das koloniale Postwesen basierte zunächst auf den spanischen Postordnungen und wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch die Ordenanza General de Correos von 1794 neu organisiert.[6]
Postreformen des 19. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 1840 beginnt die chilenische Post „Correos de Chile“ mit der regelmäßigen Briefbeförderung im ganzen Land. Schon bald wurden auch Pakete befördert. Zeitgenössische Regierungsberichte beschrieben das chilenische Postwesen in den 1840er Jahren jedoch weiterhin als veraltet und reformbedürftig.[1]
Im Juli 1849 brachte der chilenische Politiker Fernando Urízar Garfias einen Entwurf für eine Postreform ein. Vorgesehen waren unter anderem niedrigere Postgebühren sowie die verpflichtende Vorausbezahlung der Sendungen.[2][1] Der Unternehmer William Wheelwright regte daraufhin die Einführung von Briefmarken nach britischem Vorbild an. Im Juni 1852 erhielt schließlich die Londoner Druckerei Perkins Bacon den Auftrag zur Herstellung der ersten chilenischen Briefmarken.[2]
Die Reformen des chilenischen Postwesens standen im Zusammenhang mit dem Ausbau staatlicher Verwaltungsstrukturen während der Präsidentschaften von Manuel Bulnes und Manuel Montt.[1] Mit dem Gesetz vom 20. Oktober 1852 wurden einheitliche Posttarife, Vorausbezahlung und die Verwendung von Briefmarken eingeführt.[1]
Zehn Jahre nachdem das erste südamerikanische Land, nämlich Brasilien, Briefmarken verausgabt hatte, entschloss sich die chilenische Post ebenfalls Postwertzeichen einzuführen. Da Chile keinen Monarchen besaß, entschied man sich für ein Porträt Christoph Kolumbus’ als Motiv der ersten Briefmarkenausgaben.[2] Am 1. Juli 1853 waren schließlich die ersten chilenischen Briefmarken an den Postschaltern erhältlich.[7]
Zeit der eigenen Briefmarkenausgaben
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Die „Colón“-Ausgaben ab 1853
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten beiden chilenischen Briefmarken vom 1. Juli 1853 zeigten auf ihrem Markenbild ein Porträt des spanischen Seefahrers Christoph Kolumbus.[7] Die beiden Werte zu 5 und 10 Centavos (100 Centavos entsprachen 1 Peso) wurden noch in England von der Druckerei Perkins Bacon hergestellt.[2] Die ersten Poststationen, die die Marken im Jahre 1853 verwendeten, waren Valparaíso und Santiago. Die beiden Freimarken wurden noch ungezähnt verausgabt.[3]
Ein Teil der Druckplatten und Materialien wurde später nach Chile überführt, wodurch lokale Nachdrucke in Santiago möglich wurden.[2] An den frühen lokalen Druckausgaben waren insbesondere die Drucker Narciso Desmadryl und Henri Gillet beteiligt.[2] Die klassischen „Colón“-Ausgaben gelten aufgrund ihrer zahlreichen Druckvarianten, Farbnuancen und unterschiedlichen Herstellungsverfahren als eines der komplexesten Sammelgebiete der klassischen südamerikanischen Philatelie.[2] Die ersten „Colón“-Ausgaben blieben rund fünfzehn Jahre lang in Gebrauch.[2]
Von den Kolumbus-Ausgaben zu den ersten Bildmarken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Laut Gesetz durften die chilenischen Briefmarken von 1853 bis 1910 nur Porträts von Christoph Kolumbus enthalten.[7] Dieses Gesetz wurde allerdings ab 1904 durch Telegrafenmarken mit Aufdruck umgangen, Grund war der Mangel an niedrigwertigen Postwertzeichen. Die einzige Ausnahme vom Kolumbus-Porträt bildeten seit 1880 die Dienstmarken sowie Porto- und Telegrafenmarken.

Die ersten Bildbriefmarken Chiles erschienen erst 1910 anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit des Landes.[7] Die sogenannte „Centenario“-Serie zeigte erstmals historische Persönlichkeiten, Denkmäler und Szenen aus dem chilenischen Unabhängigkeitskrieg.[7]
Auslands- und Kriegspost
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die meiste Übersee-Post von 1865 bis 1881 wurde von englischen Postagenturen verschickt. Hierzu wurden in den Häfen Valparaíso, Caldera und Coquimbo britische Briefmarken mit einem Balkenstempel versehen.[8] In diesen Zeitraum fällt auch die französische Konsulatspost mit dem Stempel Valparaíso.[8]
Internationale Postverbindungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1874 schlossen das Deutsche Reich und Chile einen direkten Postvertrag ab, der den regelmäßigen Austausch von Briefen, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Einschreibsendungen zwischen beiden Staaten regelte. Die Beförderung erfolgte über verschiedene Dampfschiffrouten via Panama oder durch die Magellanstraße. Als Postrouten dienten unter anderem Verbindungen über Hamburg, Bremen, Southampton, Liverpool, Bordeaux und Antwerpen. Der Vertrag enthielt außerdem detaillierte Regelungen zu Frankierung, Einschreiben, Rückscheinen, Haftung bei Verlust sowie internationalen Portosätzen und Transitgebühren.[4]
Postwesen während des Salpeterkriegs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während des Salpeterkriegs von 1879 bis 1883 unterhielt Chile in den besetzten Gebieten Perus und Boliviens eigene Postverbindungen.[8] Zunächst wurden gewöhnliche chilenische Briefmarken verwendet, die durch Ortsstempel aus Städten wie Lima, Callao, Arica oder Tacna identifizierbar sind.[8]
Ab 1881 erschienen spezielle Besatzungsausgaben für die von Chile kontrollierten Gebiete Perus. Hierfür nutzten die chilenischen Behörden beschlagnahmte peruanische Briefmarken, die mit dem chilenischen Staatswappen überdruckt wurden.[8][9] Teilweise handelte es sich dabei um Marken, die ursprünglich bereits von Peru mit einem hufeisenförmigen Aufdruck „Union Postal Universal Peru“ vorbereitet worden waren.[8]
Die Besatzungsausgaben wurden vor allem in Lima und Callao verwendet, gelangten jedoch auch in anderen besetzten Städten in Umlauf.[8] Wegen zahlreicher Fälschungen zog die chilenische Verwaltung die Aufdruckmarken bereits 1882 wieder aus dem Verkehr.[8]
Briefmarken und Belege aus den während des Krieges besetzten Gebieten gelten heute als eigenständiges Sammelgebiet der südamerikanischen Philatelie. Besonders seltene Stempel aus den besetzten Regionen erzielen auf dem Sammlermarkt teils erhebliche Aufschläge.
Chile im Weltpostverein
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. April 1881 trat Chile dem Weltpostverein (UPU) bei.[5] Der Beitritt vereinfachte den internationalen Postverkehr des Landes und führte zur Anpassung an die internationalen Poststandards des Weltpostvereins. Bis dahin beruhte der internationale Postaustausch überwiegend auf bilateralen Verträgen zwischen einzelnen Staaten.[10]
Mit dem UPU-Beitritt verloren auch die britischen Postagenturen in chilenischen Hafenstädten an Bedeutung, die zuvor einen Großteil der internationalen Post abgewickelt hatten.[8]
Luftpost und moderne Ausgaben
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Die erste Luftpostbeförderung begann am 1. Januar 1919 von Santiago de Chile nach Valparaíso und wurde vom Piloten Clodomiro Figueroa mit seiner Morane-Saulnier MS.35 durchgeführt. Im Jahr 1927 wurden die ersten Luftpostmarken Chiles verausgabt, diese wurden vom französischen Flugunternehmen Testart auf der Strecke Santiago – Valparaíso verwendet.

Am 8. April 1957 wurden von der chilenischen Post die ersten Paketpoststeuermarken ausgegeben. Die erste Poststeuermarke wurde 1970 verausgabt, dem folgte die Ära Pinochet. Seit 1990 hat Chile wieder einen frei gewählten Präsidenten als Staatsoberhaupt.
Heute druckt Chile praktisch nur noch Automatenmarken. Sondermarken können allerdings von finanzstarken Interessenten in Auftrag gegeben werden. Diese Sondermarken mit sehr kleinen Auflagen werden sehr teuer gehandelt.
Philatelistische Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die klassischen chilenischen „Colón“-Ausgaben des 19. Jahrhunderts gelten aufgrund ihrer zahlreichen Druckvarianten, Aufdrucke, Farbnuancen und Stempel als bedeutendes Spezialgebiet der südamerikanischen Philatelie.[2][3]
Insbesondere die frühen Ausgaben von Perkins Bacon, die Besatzungsausgaben des Salpeterkriegs sowie Belege aus den britischen und französischen Postagenturen werden von spezialisierten Sammlern und Auktionshäusern international stark beachtet.
Im deutschsprachigen Raum zählt die Postgeschichte und Philatelie Chiles dennoch eher zu den weniger verbreiteten Sammelgebieten und wird überwiegend von spezialisierten Sammlern bearbeitet.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Blank: Chile. First Issues of Postage Stamps 1853–1867. Royal Philatelic Society London, London 1989.
- Hugo V. Brinkgreve, John C. West: The Postal History of Chile. Proud-Bailey Co. Ltd., Heathfield 2002.
- Alexander Hans Theodor Schultheis: Postgeschichte und Briefbeförderung in Chile. 2. Auflage. epubli, Berlin 2026, ISBN 978-3-565-26806-1.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Rodrigo Pablo de la Flor Pila: Correo y construcción estatal: el inicio de las reformas postales en Chile (1840–1852). In: Discursos del Sur. Nr. 16, 2025, S. 205–228, doi:10.15381/dds.n16.32508 (spanisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Chile – The Colon Issues 1853–1867. The Joseph Hackmey Collection. In: Corinphila Auktionen. Abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 Gerhard Blank: Chile. First Issues of Postage Stamps 1853–1867. Royal Philatelic Society London, London 1989.
- 1 2 Postvertrag zwischen Deutschland und Chili vom 22. März 1874. In: Deutsches Reichsgesetzblatt. Nr. 1055, 1874, S. 88–100 (wikisource.org [abgerufen am 14. Mai 2026]).
- 1 2 Member Countries. In: Universal Postal Union. Abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
- ↑ José Araneda Riquelme: Un gobierno de papel. El correo y sus rutas de comunicación en tiempos de la reforma imperial en Chile (1764–1796). Ediciones Biblioteca Nacional, Santiago de Chile 2020 (spanisch).
- 1 2 3 4 5 Chile. In: National Postal Museum. Smithsonian Institution, abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Chile. In: StampWorldHistory. Abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Peru, Chilean Occupation (1881–1884). In: DCStamps. Abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).
- ↑ History. In: Universal Postal Union. Abgerufen am 14. Mai 2026 (englisch).