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Bispingen

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Wappen Deutschlandkarte
Bispingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bispingen hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 53° 5′ N, 10° 0′ OKoordinaten: 53° 5′ N, 10° 0′ O
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Heidekreis
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 128,48 km²
Einwohner: 6572 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29646
Vorwahl: 05194
Kfz-Kennzeichen: HK
Gemeindeschlüssel: 03 3 58 002
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Borsteler Straße 4–6
29646 Bispingen
Website: gemeinde.bispingen.de/
Bürgermeister: Jens Bülthuis
Lage der Gemeinde Bispingen im Landkreis Heidekreis
KarteHeidekreisNiedersachsenLandkreis Nienburg/WeserRegion HannoverLandkreis VerdenLandkreis Rotenburg (Wümme)Landkreis HarburgLandkreis LüneburgLandkreis UelzenLandkreis CelleLindwedelBuchholzSchwarmstedtEsselHademstorfGiltenGrethemEickelohHodenhagenBöhmeHäuslingenAhldenFrankenfeldWalsrodeNeuenkirchenSchneverdingenOsterheideBad FallingbostelWietzendorfSoltauMunsterBispingen
Karte
Gemälde Wilseder Höhe von Valentin Ruths (1825–1905)
Heimatmuseum Dat ole Huus in Wilsede

Bispingen (niederdeutsch Bissen) ist eine Gemeinde in der Mitte der Lüneburger Heide rund 15 km nordöstlich von Soltau in der Nähe der Ausfahrt 43 der Bundesautobahn 7. Sie liegt im Landkreis Heidekreis in Niedersachsen (Deutschland).

Geografische Lage

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Bispingen liegt im Norden des Heidekreises, im oberen Luhetal, genau auf dem 10. Meridian östlicher Länge.

Man erreicht es über die Bundesautobahn 7, Abfahrt Bispingen, über die Bundesstraße 209 und über die Kreisstraße K 4.

Gemeindegliederung

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Bispingen ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in den Kernort Bispingen und die weiteren Ortsteile Behringen, Borstel in der Kuhle, Haverbeck (Nieder- und Oberhaverbeck), Hörpel, Hützel, Steinbeck/Luhe, Volkwardingen, Wilsede.

Nachbargemeinden

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Nachbargemeinden sind Schneverdingen, Undeloh, Egestorf, Soderstorf, Rehlingen, Munster, und Soltau.

Nachbarstädte sind:

Tostedt
31 km
Buchholz (Nordheide)
37 km
Lüneburg, Geesthacht
39 km, 59 km
Schneverdingen
17 km
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Bad Bevensen
55 km
Soltau
16 km
Wietzendorf
19 km
Munster, Uelzen
15 km, 53 km

Vor- und Frühgeschichte

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Zahlreiche Hügelgräber, Urnenfelder und prähistorische Funde beweisen, dass sich in diesem Raum bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Menschen ansiedelten. Die älteste bekannte Urkunde stammt aus dem Jahr 1193 und bezeugt den Verkauf des „Dorfes mit Zubehör“ an den Bischof Lüder von Verden.

Der Name Bispingen entwickelte sich aus „von Biscopinge“ („dem Bischof gehörig“); die Endung „ingen“ deutet auf langobardischen Ursprung hin und ist häufig in diesem Teil Niedersachsens, dem alten Bardengau, zu finden.

Mittelalter und Neuzeit

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Die Ole Kerk ist das ältestes Gebäude Bispingens. Sie wurde 1353 am Rand der Luheniederung aus Feldsteinen erbaut und diente dem „Kirchspiel Bispingen“ bis zum Bau der neuen Kirche im Jahre 1908 als Gotteshaus.

Die neun Dörfer Bispingen, Behringen, Borstel, Haverbeck (mit Ehrhorn), Hörpel, Hützel, Steinbeck, Volkwardingen und Wilsede nutzen von je her gemeinsam eine Kirche.

Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Borstel in der Kuhle eingegliedert. Am 16. März 1974 kamen Behringen (mit den am 1. März 1974 aufgenommenen Orten Hörpel, Volkwardingen und Wilsede sowie einem Teil der aufgelösten Gemeinde Ehrhorn), Hützel und Steinbeck (Luhe) hinzu.[2]

Der Titel Luftkurort, den Bispingen trug, wurde 2011 nicht mehr amtlich anerkannt.

Ratswahl 2021
Wahlbeteiligung: 62 %
 %
40
30
20
10
0
38,87 %
28,05 %
11,32 %
21,76 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Bispinger Bürgerliste

Der Rat der Gemeinde Bispingen setzt sich aktuell aus 18 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 6.001 und 7.000. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Gemeindebürgermeister.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:[3]

Rat 2021
5
2
4
7
Insgesamt 18 Sitze

Bürgermeisterin war seit 1. Dezember 2010 Sabine Schlüter.[4]

Seit dem 1. Dezember 2018 ist Jens Bülthuis Bürgermeister.[5]

Gemeindepartnerschaften

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Aufgrund der Namensgleichheit des Ortsteils Behringen mit Orten gleichen Namens begannen vor über 60 Jahre Jahren die ersten Kontakte zwischen den fünf Beringen in Belgien, in Deutschland, in Luxemburg, in den Niederlanden und in der Schweiz. Regelmäßig fanden gegenseitige Besuche von Vereinsdelegationen statt.

Im Jahre 1969 wurde die Vereinigung „5 x Beringen International“ gegründet. Ziel dieser Vereinigung ist die Pflege von Freundschaft und Partnerschaft der fünf Gemeinden mit den Ortsbezeichnungen oder Ortsteilen namens Beringen, Behringen und Beringe. Anfang der 1990er Jahre erweiterte sich die Gemeinschaft durch die Aufnahme der beiden Behringen aus Thüringen auf sieben Mitglieder. 2014 wurde dann in Bispingen ein Partnerschaftsvertrag zwischen den politischen Gemeinden unterzeichnet.[6]

Die sechs Gemeinden oder Ortsteile gleichen Namens sind:

Beringen (Belgien)

Beringen SH (Schweiz)

Hörselberg-Hainich (mit dem Ortsteil Behringen), Thüringen

Stadtilm (mit dem Ortsteil Behringen), Thüringen

Mersch (mit der Ortschaft Beringen), Luxemburg

Peel en Maas (mit dem Ort Beringe im Ortsteil Helden), Niederlande

Kultur und Sehenswürdigkeiten

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  • Bispingen war ein typisches Heidebauerndorf. Darauf verweist eine kleine Bronzeskulptur eines Heideschäfers in Ortsmitte.
  • Durch Bispingen verläuft der 10. Meridian östlicher Länge. Im Ort steht in der Hützeler Straße ein Granitfindling aus der Eiszeit. Er verkörpert durch eine umlaufende bandähnliche und farblich sichtbare Verkieselung auf natürliche Weise den Längengrad, mit Daten auf einer Bronzeplatte
  • Gräberfeld in Volkwardingen mit bronzezeitlichen Hügelgräbern.
  • Ole Kerk („Alte Kirche“) von 1353 aus Feldsteinen; heute für Trauungen, Konzerte und Andachten genutzt
  • Pfarrhofstelle Kirchweg 5 von 1760, heute Evangelisches Gemeindehaus St. Antonius
  • St.-Antonius-Kirche von 1908 im neugotischen Stil mit Kanzel von 1648 und Bronzetaufe von 1406
  • Küsterhaus Kirchweg 4 in Fachwerk mit Krüppelwalm
  • Treppenspeicher von 1600 und 1702 (i) in Volkwardingen, einer der ältesten der Artin der Lüneburger Heide
  • Dat ole Huus von 1742 in Wilsede, mit Heimatmuseens von 1907
  • Wohn- und Wirtschaftsgebäude Bergstraße 5 von 1740 in Fachwerk mit Krüppelwalm
  • Wohn- und Wirtschaftsgebäude Hützeler Straße 12 vom 19. Jh. in Fachwerk mit Niedersachsengiebel
  • Landsitz der Familie Noelle von um 1900 östlich des Dorfes, später Kinderheim, dann Jagdschloss mit einem Landschaftspark; den Namen „Iserhatsche“ (eisernes Herzchen, westfälisch Platt) gab die Familie dem Anwesen

Grünflächen und Naherholung

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  • Der Wilseder Berg liegt im Naturschutzgebiet und ist mit 169,2 m ü. NN die höchste Erhebung in der Lüneburger Heide.

Das dörfliche Leben wird von einer Vielzahl aktiver Vereine gestaltet. Es gibt die Freiwillige Feuerwehr Bispingen mit ihrem Musikzug, einen über 100 Jahre alten Schützenverein, dem Sportverein SF Bispingen mit seinem Spielmannszug, die Kirchengemeinde Bispingen, den Heimat- und Kulturverein, sowie viele andere Vereinsangebote für die Bürger.

Wirtschaft und Infrastruktur

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Touristisch ist die Heideregion um Bispingen vor allem als Naherholungs- und Naturschutzgebiet bekannt. Das Dorf lebt von einer Mischung aus mittelständischen Betrieben, die zum Teil weltweit agieren, verschiedensten Gewerben und Tourismus. Es pendeln mehr Menschen zur Arbeit nach Bispingen ein als aus.

Snow Dome Bispingen

Seit den 1920er Jahren gibt es im Ort eine Jugendherberge.[7] Hotels, Pensionen, Gasthäuser und Restaurants prägen das Ortsbild. Einige Unternehmen sind mit ihren Unterhaltungsangeboten weit über die Region hinaus bekannt geworden:

  • „Center Parcs Bispinger Heide“ Anfang der 1990er Jahre wurde Bispingen Standort für eine Freizeitanlage der Firma „Center Parcs“. Die Anlage „Bispinger Heide“ beherbergt in der Saison mehr als 2000 Gäste am Tag.
  • Das „Schumachers Kart and Bowl“ erbaute Mitte der 1990er Jahre der bekannte Formel-1-Rennfahrer Ralf Schumacher zusammen mit einem örtlichen Bauunternehmer an der Autobahnabfahrt Bispingen als Indoor- und Outdoor-Kartbahn.
  • Der Snow Dome ist eine Skihalle, die im Herbst 2006 eröffnet und 2013 renoviert wurde.
  • Die Modellbauwelten Bispingen als Modellbahn-Anlage auf rund 12.000 m² unter der Skihalle Snow Dome wurden 2020 eröffnet. Anlage seit Mitte 2024 geschlossen[8]
  • Das verrückte Haus“ ist ein 2011 eröffnetes, umgedrehtes Haus. Es ist das erste Haus weltweit, das korrekt errichtet und dann mit Hilfe von zwei Kränen gedreht wurde. Auch die Einrichtung befindet sich über Kopf.[9]

Bispingen ist Standort der Grund- und Oberschule der Gemeinde und hat zwei Kindergärten im Kernort.

Bispingen liegt an der Bahnstrecke Lüneburg–Soltau der Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH, auf der kein regelmäßiger Personenverkehr mehr stattfindet. Die Strecke wird im Güterverkehr genutzt, saisonal werden außerdem Sonderfahrten des „Heide-Express“ mit historischen Fahrzeugen angeboten.

Nächstgelegene Bahnhöfe mit Personenverkehr sind Soltau, Schneverdingen und Munster. Der regionale Busverkehr wird u. a. von KVG Stade (KVG) und Verkehrsbetriebe Osthannover GmbH (VOG) durchgeführt.

An der A7 gibt es die Ausfahrt / Anschlussstelle Bispingen.

Mitfahrbank in Bispingen

In Bispingen wurden zur Verbesserung der Mobilität von Personen ohne Auto (wie Ältere, Jugendliche) einige Mitfahrbänke aufgestellt. Insbesondere sollen hierdurch zusätzliche, kostenlose Verbindungen nach Schneverdingen und nach Behringen ermöglicht werden.

Persönlichkeiten

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  • Pastor Wilhelm Bode (1860–1927) gilt als einer der Gründerväter des Naturschutzgebietes. Er sorgte 1905 dafür, dass der Totengrund nicht als Bauland verkauft und bebaut, sondern unter Naturschutz gestellt wurde.
  • Der Naturschützer Ernst Preising (1911–2007) verbrachte seine letzten Lebensjahre hier.
  • Waldemar Grube (1915–2001), Gründer der Grube KG Forstgerätestelle
  • In Hützel wird 1944 der Liedtexter und Komponist Wolfgang Mürmann geboren.
Commons: Bispingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Bispingen – Reiseführer

Einzelnachweise

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  1. Tabelle EVAS 12411, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus 2022, Stand 31. Dezember 2024 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 235 und 236.
  3. Ergebnis Ratswahl Bispingen 2021. Abgerufen am 12. November 2021.
  4. Sabine Schlüter wird Bürgermeisterin. In: nwzonline.de. 13. Oktober 2010, abgerufen am 26. Februar 2024.
  5. http://www.boehme-zeitung.de/lokales/news/artikel/bispingen-hat-einen-neuen-buergermeister.html
  6. Website Gemeinde Bispingen – Partnergemeinden, abgerufen am 4. Juni 2020
  7. www.jugendherberge.de
  8. Modellbauwelten in Bispingen öffnen Anfang Juli bei ndr.de vom 25. Juni 2020
  9. Das Verrückte Haus