Zum Inhalt springen

Bismutit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Bismutit, nicht zu verwechseln mit dem Bismutsulfid Bismuthinit, veraltet auch als Wismutspat bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der chemischen Zusammensetzung Bi2[O2|CO3][5] und ist damit chemisch gesehen ein Bismut-Carbonat mit zusätzlichen Sauerstoffionen.

Bismutit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt überwiegend kugelige, radialstrahlige oder massige bis pulvrige Mineral-Aggregate von meist weißer, grauer oder gelber Farbe. Es wurden aber auch schon grün, blau, braun und schwarz gefärbte Bismutite gefunden.

Etymologie und Geschichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Bismutit in der „Grube Arme Hilfe“ bei Ullersreuth (Hirschberg (Saale), Thüringen). Als Erstbeschreibung des Minerals gilt die Publikation August Breithaupts von 1841.[9] Breithaupt erwähnte jedoch, dass schon vorher mehrmals kohlensaures Wismutoxid gefunden wurde, wobei dieses im Gemenge vorlag und nicht genau charakterisiert werden konnte:

„Schon mehrmals hat man angegeben, daß in der Natur ein kohlensaures Wismutoxyd vorkomme, aber in keiner Mineralogie ist eine Charakteristik zu finden. Zuletzt noch gab Hr. Gregor an, daß zu St. Agnes in Cornwall kohlensaures Wismut vorgekommen sey. Seine Untersuchung beweist jedoch, daß er einen gemengten Körper zerlegt hat. […] Auf der Eisensteingrube Arme Hülfe zu Ullersreuth bei Hirschberg im Reussischen Voigtlande findet sich unter anderem in einem hornigen dichten Brauneisenerz: gediegen Wismut, Wismutglanz und Hypochlorid, der erstere in eingesprengten oder kleinen Parthieen, der zweite in eingewachsenen nadelförmigen Krystallen und ebenfalls derb. Diese zwei metallischen, von Kupferkies begleitet werdenden, Mineralien sind zuweilen an ihren Rändern und an der Oberfläche, gewöhnlicher aber durch und durch in eine blassgraue oder grüne Substanz umgewandelt, die, wie ich gefunden habe, mehr oder weniger rein aus kohlensaurem Wismutoxyd besteht, und die deshalb, da sie doch jedenfalls ein eigenthümliches Naturproduct ist, den Namen: Bismutit führen möge.“

August Breithaupt in Ueber das natürliche kohlensaure Wismutoxyd, 1841[9]

Breithaupt benannte das Mineral in Anlehnung an den hohen Bismut-Gehalt von über 80 %.

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bismutit zur Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Beyerit, Kettnerit und Phosgenit in der „Phosgenit-Bismutit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/B.05 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/C.09-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Bismutit zusammen mit Beyerit, Kettnerit und Phosgenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/C.09 bildet.[2]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bismutit in die neu definierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort aber ebenfalls in die Abteilung „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metalle. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb, Bi“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.BE.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Bismutit die System- und Mineralnummer 16a.03.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO)3Zq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16a.03.05.

Kristallstruktur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ersten Strukturmessungen zufolge schien Bismutit in tetragonaler Symmetrie zu kristallisieren. Allerdings ließ sich mit dieser Annahme die Struktur nicht vollständig lösen. Eine neue Strukturanalyse im Jahre 2002 ergab schließlich, dass Bismutit im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Imm2 (Raumgruppen-Nr. 44)Vorlage:Raumgruppe/44 mit den Gitterparametern a = 3,865 Å, b = 3,862 Å und c = 13,675 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle kristallisiert,[4] wobei die Elementarzelle jedoch eine ausgeprägte pseudotetragonale Anordnung zeigt.

Bildung und Fundorte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bismutit bildet sich als Sekundärmineral durch Verwitterung (meist Oxidation) aus anderen Bismut-Mineralen oder gediegen Bismut. Er tritt daher entsprechend in Paragenese mit gediegen Bismut, Bismuthinit, Bismutoferrit, Chalkopyrit und Goethit auf.

Als eher seltene Mineralbildung kann Bismutit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 900 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[11] Neben seiner Typlokalität Ullersreuth in Thüringen fand man Bismutit in Deutschland unter anderem noch in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Fichtelgebirge, Spessart), Hessen (Odenwald), Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Sauerland, Siegerland), Rheinland-Pfalz (Siegerland, Westerwald), Sachsen-Anhalt (Harz) und Sachsen (Erzgebirge).

In Österreich trat das Mineral unter anderem am Hüttenberger Erzberg und nahe der Duisburger Hütte in Kärnten, bei Kottaun (Gemeinde Geras) in Niederösterreich, an mehreren Orten im Salzburger Land sowie bei Brunngraben nahe Flatschach und Sankt Oswald in Freiland in der Steiermark auf.

In der Schweiz fand man Bismutit bisher vor allem in den Kantonen Graubünden und Wallis.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Armenien, Äthiopien, Australien, Bolivien, Brasilien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Mexiko, Mongolei, Mosambik, Namibia, Norwegen, Papua-Neuguinea, Peru, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Schweden, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[12]

  • A. Breithaupt: XV. Ueber das natürliche kohlensaure Wismutoxyd. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 23, 1841, S. 627–630 (strahlen.org/tw [PDF; 509 kB; abgerufen am 21. März 2026]).
  • Clifford Frondel: Mineralogy of the oxides and carbonates of bismuth. In: American Mineralogist. Band 28, 1943, S. 521–535 (minsocam.org [PDF; 1,1 MB; abgerufen am 21. März 2026]).
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 715.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 126.
Commons: Bismutite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 21. März 2026]).
  2. 1 2 3 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  3. Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 188, 344.
  4. 1 2 3 4 5 Joel D. Grice: A solution to the crystal structures of bismutite and beyerite. In: The Canadian Mineralogist. Band 40, 2002, S. 693–698 (englisch, rruff.net [PDF; 666 kB; abgerufen am 21. März 2026]).
  5. 1 2 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 300 (englisch).
  6. 1 2 3 David Barthelmy: Bismutite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 21. März 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 6 Bismutite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 52 kB; abgerufen am 21. März 2026]).
  8. 1 2 3 4 Bismutite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. März 2026 (englisch).
  9. 1 2 A. Breithaupt: XV. Ueber das natürliche kohlensaure Wismutoxyd. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 23, 1841, S. 627–630 (strahlen.org/tw [PDF; 509 kB; abgerufen am 21. März 2026]).
  10. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. Localities for Bismutite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. März 2026 (englisch).
  12. Fundortliste für Bismutit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. März 2026.
Bismutit
Hellgelber, nadelig-faseriger Bismutit vom Hohenstein, Reichenbach, Odenwald, Hessen (Sichtfeld 5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Bit[1]

Andere Namen
Chemische Formel
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate und Nitrate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

Vb/B.05
V/C.09-020

5.BE.25
16a.03.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2[6]
Raumgruppe Imm2 (Nr. 44)Vorlage:Raumgruppe/44[4]
Gitterparameter a = 3,865 Å; b = 3,862 Å; c = 13,675 Å[4]
Formeleinheiten Z = 2[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3,5[7]
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,1 bis 7,7; berechnet: 8,25[7]
Spaltbarkeit deutlich bis gut nach {001}[8]
Farbe strohbraun bis braun, bräunlichgelb, hellgelb, hellgrün, grünlichgrau bis grau, dunkelgrau bis schwarz in dichten Pseudomorphosen[7]
Strichfarbe grau[7] bis grauweiß[2]
Transparenz undurchsichtig, durchscheinend nur in dünnen Körnern[7]
Glanz Glasglanz bis Wachsglanz, Perlglanz, matt[7]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 2,120 bis 2,150[8]
nβ = 2,120 bis 2,300[8]
nγ = 2,28[6]
Doppelbrechung δ = 0,120[8] bis 0,160[6]