„Schon mehrmals hat man angegeben, daß in der Natur ein kohlensaures Wismutoxyd vorkomme, aber in keiner Mineralogie ist eine Charakteristik zu finden. Zuletzt noch gab Hr. Gregor an, daß zu St. Agnes in Cornwall kohlensaures Wismut vorgekommen sey. Seine Untersuchung beweist jedoch, daß er einen gemengten Körper zerlegt hat. […] Auf der Eisensteingrube Arme Hülfe zu Ullersreuth bei Hirschberg im Reussischen Voigtlande findet sich unter anderem in einem hornigen dichten Brauneisenerz: gediegen Wismut, Wismutglanz und Hypochlorid, der erstere in eingesprengten oder kleinen Parthieen, der zweite in eingewachsenen nadelförmigen Krystallen und ebenfalls derb. Diese zwei metallischen, von Kupferkies begleitet werdenden, Mineralien sind zuweilen an ihren Rändern und an der Oberfläche, gewöhnlicher aber durch und durch in eine blassgraue oder grüne Substanz umgewandelt, die, wie ich gefunden habe, mehr oder weniger rein aus kohlensaurem Wismutoxyd besteht, und die deshalb, da sie doch jedenfalls ein eigenthümliches Naturproduct ist, den Namen: Bismutit führen möge.“
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bismutit zur Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Beyerit, Kettnerit und Phosgenit in der „Phosgenit-Bismutit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/B.05 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/C.09-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Bismutit zusammen mit Beyerit, Kettnerit und Phosgenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/C.09 bildet.[2]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bismutit in die neu definierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort aber ebenfalls in die Abteilung „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metalle. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb, Bi“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.BE.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Bismutit die System- und Mineralnummer 16a.03.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO)3Zq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16a.03.05.
Bismutit bildet sich als Sekundärmineral durch Verwitterung (meist Oxidation) aus anderen Bismut-Mineralen oder gediegen Bismut. Er tritt daher entsprechend in Paragenese mit gediegen Bismut, Bismuthinit, Bismutoferrit, Chalkopyrit und Goethit auf.
Als eher seltene Mineralbildung kann Bismutit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 900 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[11] Neben seiner Typlokalität Ullersreuth in Thüringen fand man Bismutit in Deutschland unter anderem noch in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Fichtelgebirge, Spessart), Hessen (Odenwald), Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Sauerland, Siegerland), Rheinland-Pfalz (Siegerland, Westerwald), Sachsen-Anhalt (Harz) und Sachsen (Erzgebirge).
In Österreich trat das Mineral unter anderem am Hüttenberger Erzberg und nahe der Duisburger Hütte in Kärnten, bei Kottaun (Gemeinde Geras) in Niederösterreich, an mehreren Orten im Salzburger Land sowie bei Brunngraben nahe Flatschach und Sankt Oswald in Freiland in der Steiermark auf.
In der Schweiz fand man Bismutit bisher vor allem in den Kantonen Graubünden und Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Armenien, Äthiopien, Australien, Bolivien, Brasilien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Mexiko, Mongolei, Mosambik, Namibia, Norwegen, Papua-Neuguinea, Peru, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Schweden, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[12]