Birte Weiss
Birte Weiss (* 1. Mai 1941 in Frederiksberg, Dänemark; † 14. März 2026) war eine dänische Journalistin und Politikerin, die in verschiedenen Funktionen der dänischen Regierung angehörte.[1][2][3]
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weiss wurde am 1. Mai 1941 in Frederiksberg geboren.[4] Sie machte von 1960 bis 1963 eine Ausbildung zur Journalistin und studierte Literaturwissenschaft an der Universität Kopenhagen. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie in dieser Zeit bei Den Socialdemokratiske Presse, wo sie von 1960 bis 1964 tätig war.[5] Später arbeitete sie unter anderem für Demokraten, Information und Danmarks Radio.[5][6] Zunächst arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich der Politik zuwandte.[1][2][3]
Birte Weiss war von 1971 bis 1973, von 1975 bis 1984 und von 1987 bis 2001 sozialdemokratische Abgeordnete im dänischen Parlament (Folketing). Insgesamt gehörte sie dem Folketing mit Unterbrechungen 25 Jahre lang an.[6] 1971 wurde sie erstmals ins Folketing gewählt.[4] Von 1981 bis 1986 war sie Vorsitzende des dänischen Rundfunkrats. Von 1984 bis 1996 war sie stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokraten; zudem gehörte sie dem Hauptvorstand und dem geschäftsführenden Ausschuss der Partei an.[5][1][3] Zu ihren weiteren öffentlichen Ämtern gehörten ab 1976 ein Sitz im Repräsentantschaftsrat des Statens Kunstfond sowie von 1979 bis 1983 das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats des Königlichen Theaters.[5] Von 1998 bis 1999 war sie stellvertretende Vorsitzende des Parlaments.[1][3] 1998 galt sie als aussichtsreiche Kandidatin für das Amt der Präsidentin des Folketing und wäre beinahe die erste Frau in dieser Funktion geworden; nachdem der färöische Abgeordnete Jóannes Eidesgaard ihr überraschend die Unterstützung entzogen hatte, unterlag sie Ivar Hansen in einem Losentscheid.[6]
1993 wurde sie Innenministerin im Kabinett von Poul Nyrup Rasmussen; das Amt hatte sie bis 1997 inne. Von 1994 bis 1996 war sie auch Kirchenministerin. Von 1996 bis 1998 war sie Gesundheitsministerin. Nach dem Wahlsieg der Regierung bei der Folketingswahl 1998 schied sie aus dem Kabinett aus, weil sie sich berechtigte Chancen auf das Amt der Parlamentspräsidentin ausrechnete.[4] Als Innenministerin befasste sie sich besonders mit der Flüchtlingspolitik, vor allem mit der Aufnahme bosnischer Flüchtlinge in Dänemark.[6] Die Verantwortung für die aus Bosnien nach Dänemark kommenden Flüchtlinge prägte ihr politisches Engagement in diesem Bereich besonders stark.[4] Ein Besuch einer Massengrabstätte in Bosnien im Jahr 1996 verstärkte ihren Wunsch, die Schrecken und Folgen des Krieges publizistisch zu verarbeiten.[6] 1999 holte Poul Nyrup Rasmussen sie erneut in sein Ministerteam und ernannte sie zunächst zur Forschungsministerin.[5] Im Jahr 2000 übernahm sie anschließend das Ressort für IT und Forschung, das sie bis zu ihrem Ausscheiden aus Politik und Folketing bei der Folketingswahl 2001 leitete.[5][4] Zuletzt gehörte sie der Regierung von 1999 bis 2001 zunächst als Forschungsministerin und anschließend als Ministerin für IT und Forschung an.[5][1][2][3][6]
2001 zog sich Weiss aus der Politik zurück, um wieder als Journalistin zu arbeiten. Danach schrieb sie wieder journalistisch und war seit 2002 mit der Weekendavisen verbunden.[5][6] Für ihr publizistisches und gesellschaftliches Engagement erhielt sie 2002 den Drassowsprisen, den Friedenspreis der Dansk Forfatterforening, sowie den Kvindeprisen; 2013 wurde sie außerdem mit dem Hvassprisen ausgezeichnet.[5] 2024 wurde sie in dem auf Christiansborg aufgehängten Gemälde Samtalen 1918–2024 von Mie Mørkeberg als eine von 30 Frauen porträtiert, welche die dänische Demokratie im vergangenen Jahrhundert maßgeblich geprägt haben.[6] Das Bild würdigt sie als eine von 30 Frauen, die für das dänische Parlamentarismusverständnis und die demokratische Entwicklung der vergangenen hundert Jahre von Bedeutung waren.[4] Weiss war seit 1965 mit dem Journalisten Ove Weiss verheiratet und hatte zwei Söhne, Lars und Jakob Weiss.[1][3][6] Ihr Sohn Lars Weiss gehörte viele Jahre der Bürgerrepräsentation von Kopenhagen an und wurde 2020 zum Oberbürgermeister der Stadt Kopenhagen gewählt.[5][6] Ihr Sohn Jakob Weiss wurde redaktioneller Entwicklungschef bei Berlingske.[5] Weiss starb am 14. März 2026 nach längerer Krankheit im Alter von 84 Jahren.[6]
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1999: mit Karsten Fledelius: Witnesses of Madness (dänischer Originaltitel: Vanviddets vidner), ein Buch über den Krieg in Bosnien und die bosnischen Flüchtlinge, die nach Dänemark kamen.[3][6][4]
- 2008: The Heirs of War (dänischer Originaltitel: Krigens arvinger), entstanden während eines Aufenthalts in Sarajevo; das Buch behandelt den Versöhnungsprozess nach dem Bosnienkrieg und wurde später ins Bosnische übersetzt.[3][6][4]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Birte Weiss. Biografie auf kvinfo.dk (dänisch)
- 1 2 3 Birte Weiss im Webarchiv des Folketing (dänisch)
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Birte Weiss auf denstoredanske.lex.dk (dänisch)
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Tidligere minister Birte Weiss er død - 84 år. In: Berlingske, 15. März 2026 (dänisch)
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Tidligere S-minister Birte Weiss er død. In: Altinget, 15. März 2026 (dänisch)
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Birte Weiss er død. In: Politiken, 15. März 2026 (dänisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weiss, Birte |
| KURZBESCHREIBUNG | dänische Journalistin und Politikerin |
| GEBURTSDATUM | 1. Mai 1941 |
| GEBURTSORT | Frederiksberg Kommune, Dänemark |
| STERBEDATUM | 14. März 2026 |