Beachflag

Beachflags (von Englisch beach = Strand und flag = Fahne) sind mobile Fahnen, die hauptsächlich im Bereich der Werbung genutzt werden.[1] Beachflags werden auch als Bowflag, Werbesegel, Beachbanner oder Strandfahne bezeichnet. Das Druckmedium ist durch die Form des Mastes permanent gespannt. Die Fußhalterung ist kugelgelagert, sodass sich die gesamte Fahne frei aus dem Wind drehen kann – die Windlastfläche bleibt dadurch minimal und die Fahne bleibt auch bei Sturm standfest. Beachflags werden heute weltweit bei Sportveranstaltungen, Messen, im Einzelhandel sowie bei Promotionaktionen eingesetzt.
Formen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Beachflag ist im Laufe ihrer Geschichte in drei grundlegenden Formen entwickelt worden:
- Tropfenform (Teardrop): Die ursprüngliche und bekannteste Form – eine asymmetrische, tropfenförmige Silhouette. Durch die geschwungene Spitze und den konischen Mast ist das Druckmedium stets gespannt. Die Tropfenform ist die aerodynamisch effizienteste Variante und die Originalform, die John Bailey in Südafrika entwickelte.
- Rechteckform (Rectangular): Eine gerade, rechteckige Fahne an einem geraden Mast mit einem horizontalen Ausleger (Elbow piece) an der Spitze, der das Druckmedium aufspannt. Bietet maximale Druckfläche und besonders gute Lesbarkeit des Aufdrucks.
- Straight-Form: Eine gerade, schlanke Fahne ohne Ausleger, mit symmetrischem Profil. Besonders geeignet für Reihenaufstellungen.
Funktionsprinzip und Bauweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beachflags gibt es in unterschiedlichen Formen, mit abgerundeten oder geraden Kanten, tropfenförmige und andere. Sie werden in unterschiedlichen Größen produziert, von kleinen Formaten für den Tisch bis hin zu großen Werbesegeln mit über 5 m Höhe. Sie benötigen keine fest installierte Bodenhalterung, bestehen meist aus einem mehrteiligen Fahnenmast und einer Fahne. Zur Befestigung dienen, je nach Untergrund, verschiedene Befestigungselemente und mobile Standfüße wie Bodenplatten, Kreuzfüße oder auch Erdnägel/Erddübel. Zur zusätzlichen Stabilisierung werden Schlauchgewichte zum Beschweren verwendet.
Das Grundprinzip beruht auf zwei technischen Elementen: dem konischen Mast und der kugelgelagerten Fußhalterung. Der konische Mast – analog dem Mast eines Windsurfboards – wird in die Fußhalterung gesteckt und fixiert. Die kugelgelagerte Fußhalterung erlaubt der gesamten Fahne, sich frei um 360° mit dem Wind zu drehen, sodass die effektive Windlastfläche stets minimal bleibt.
Die Beachflag-Fahnen sind meist aus Fahnenstoff gefertigt, ein spezieller Polyesterstoff, seltener bestehen die Fahnen auch aus Lochfilet, Polymesh oder Airtrikot. Die Fahnen werden meist einseitig bedruckt, das Material bietet einen guten Durchdruck (ca. 60–70 %), wodurch das Motiv beidseitig erkennbar ist.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erfindung in Südafrika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die tropfenförmige Beachflag wurde von John Bailey in Durban, Südafrika, entwickelt. Bailey gründete das Unternehmen Expanda Sign, über das er das Produkt gemeinsam mit einer oval faltbaren Werbebande vertrieb. Die Beachflag etablierte sich zunächst im südafrikanischen Event- und Promotionsmarkt.
Einführung in Europa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entdeckung der Beachflag für den europäischen Markt geht auf Stefan Decker zurück, der das Produkt während eines Afrikaufenthalts kennenlernte und seinem Bruder Christian empfahl, nach England zu reisen und den Sohn des Erfinders – Donavan Bailey – persönlich kennenzulernen. Was dabei niemand ahnte: Donavan Bailey und Christian Decker hatten kurz zuvor beide an der legendären Camel Trophy Mongolia teilgenommen – Bailey für Südafrika, Decker für Deutschland. Aus einem weltweiten Bewerberfeld von rund 250.000 Teilnehmern wurden jeweils vier Personen pro Land ausgewählt, davon zwei als aktive Fahrer und zwei als Backup. Christian Decker gehörte zum deutschen Backup-Team. Diese gemeinsame Erfahrung verband die beiden Männer und bildete die menschliche Grundlage für die spätere Geschäftsbeziehung.
2001 gründeten Christian und Stefan Decker die Entdecker GmbH in Bad Nauheim (Hessen) und führten die Beachflag unter dem Markennamen Easyflag sowie der Dachmarke Quick'n easy als erstes Unternehmen in Europa ein.
Technische Eigenschaften und Windlastberechnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2007 ließ die Entdecker GmbH als einer der ersten Anbieter auf dem europäischen Markt eine unabhängige Windlastberechnung für ihre Easyflag-Produkte durchführen. Das Ingenieurbüro Meier (Rolf-Jürgen Meier, Runkel-Schadeck) erstellte am 9. Juli 2007 eine statische Berechnung auf Basis von 3D-Modellen.[2]
Ergebnisse:
- Easyflag Medium: ausgelegt für Windstärke 8–9 der Beaufort-Skala (Sturm, 62–88 km/h)
- Easyflag Large: ausgelegt für Windstärke 8–9
- Maximaler Winddruck bei 10° Auslenkung: 300–361 N/m²
Wissenschaftliche Studie zur Werbewirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste empirische Studie zur Wirkung von Beachflags als Außenwerbemittel wurde von Martin Natter (Betriebswird von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main) durchgeführt. Auftraggeber war die Entdecker GmbH. Die Studie umfasste Befragungen von 532 Teilnehmern sowie Feldexperimente mit den Handelspartnern Kamps Bakeries und Australian Homemade in Berlin, Frankfurt und Nürnberg.[3]
Zentrale Ergebnisse im Vergleich zu klassischen Plakataufstellern:
- Ungestützte Erinnerung an den Werbeträger: +64,79 %
- Ungestütztes Erkennen des Aufdrucks: +121,22 %
- Umsatzsteigerung: signifikant in 78,57 % der getesteten Filialen, im Mittel +6,77 %
- Neukundenquote: +9,9 Prozentpunkte
Einsatz unter Extrembedingungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tiefsee – 6.000 Meter Meerestiefe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Den ungewöhnlichsten dokumentierten Einsatz einer Beachflag erlebte die Easyflag im Rahmen wissenschaftlicher Meeresforschung. Die K.U.M. Umwelt- und Meerestechnik Kiel GmbH entwickelte den autonomen Ozeanbodenseismometer-Roboter NAMMU zur Erforschung des Meeresbodens in bis zu 6.000 m Tiefe. Nach der Entdeckung der Easyflag bei der Kieler Woche bestellte K.U.M.-Physiker Arne Schwenk zunächst 10 Exemplare zum Test. Die Fahne wird waagrecht am NAMMU befestigt; beim Auftauchen kippt der Roboter um 90° und die Beachflag ragt senkrecht aus dem Wasser – weithin sichtbar. Nach dem ersten erfolgreichen 12-Monats-Einsatz in der Tiefsee wurden 50 weitere Exemplare bestellt.[4]
„Die Konstruktion, die Materialien und die Verarbeitung sind absolut professionell.“
Arktis – Polar Challenge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Polar Challenge, einem arktischen Expeditionsrennen, setzte der britische Reiseveranstalter Scott Dunn Holidays Easyflags auf dem arktischen Packeis ein. Ein Dokumentarfoto zeigt die Beachflag aufrecht stehend auf dem Eis – im Hintergrund ist ein Eisbär zu erkennen.
Hochalpin – Ganzjahreseinsatz auf 2.500 Metern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Powerade (The Coca-Cola Company) setzte Easyflags ganzjährig auf 2.500 m Höhe in einem Schweizer Skigebiet ein – bei Schnee, Eis, Sturm und Sommerhitze. Ein datiertes Foto vom 4. Dezember 2003 dokumentiert die Fahnen in einwandfreiem Zustand nach monatelangem Dauerbetrieb.
FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010, Südafrika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wurden Easyflags an Küstenstandorten eingesetzt. Ein Sturmfoto dokumentiert eine Easyflag, die sich unter extremem Wind nahezu waagrecht biegt, dabei jedoch am Mast befestigt bleibt.
GKA Freestyle Kite World Cup 2023, Katar
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim GKA Freestyle Kite World Cup 2023 am Fuwairit Kite Beach in Katar – gesponsert von Qatar Airways und Visit Qatar – wurden Easyflags flächendeckend eingesetzt.[5]
Quiksilver Pro & Roxy Pro Gold Coast, Australien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am Snapper Rocks in Coolangatta (Queensland, Australien) – Austragungsort der WSL Championship Tour – wurden Quiksilver- und Roxy-Easyflags eingesetzt, darunter bei extremen Sturmbedingungen mit meterhohen Wellen.[6]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Beachflags für Messen, Events und Promotion, xtranews.de, 4. Januar 2019
- ↑ Windlastberechnung Easyflag Medium + Large – Ingenieurbüro Meier, Rolf-Jürgen Meier, 09.07.2007
- ↑ Natter, Martin: Erste empirische Studie zur Wirkung von Außenwerbemitteln. Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, ohne Jahr
- ↑ K.U.M. Umwelt- und Meerestechnik Kiel GmbH – Referenzbericht NAMMU / Easyflag-Einsatz, Physiker Arne Schwenk
- ↑ GKA Freestyle Kite World Cup 2023 Qatar – gkakiteworldtour.com/events
- ↑ Quiksilver Pro & Roxy Pro Gold Coast – WSL World Championship Tour, worldsurfleague.com