Zum Inhalt springen

Awet Tesfaiesus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Awet Tesfaiesus, 2022

Awet Tesfaiesus (Tigrinya ዓወት ተስፋየሱስ; * 5. Oktober 1974 in Asmara, Äthiopien, heute Eritrea[1]) ist eine deutsche Politikerin und Rechtsanwältin. Seit 2021 ist Tesfaiesus Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen.[2] Tesfaiesus ist Fraktionssprecherin für Kultur und Medien[3] und arbeitet im Bereich der auswärtigen Kulturpolitik, der Rechtspolitik und des Kunst- und Urheberrechts, mit Schwerpunkt im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI).[1][4] Sie ist die erste Schwarze Frau im Deutschen Bundestag.[2]

Tesfaiesus wurde 1974 in der damals äthiopischen Stadt Asmara geboren. Als sie zehn Jahre alt war, flüchtete ihre Familie aufgrund des Eritreischen Unabhängigkeitskrieges nach Deutschland und ließ sich in einem Dorf im Schwarzwald nieder, bevor sie nach einigen Jahren nach Heddesheim in der Nähe von Heidelberg zog.[5][6]

Im Jahr 2001 legte Tesfaiesus ihr Erstes juristisches Staatsexamen an der Universität Heidelberg ab und im Jahr 2006 ihr Zweites juristisches Staatsexamen am OLG Frankfurt am Main. Im selben Jahr erlangte sie die Befähigung zum Richteramt und ihre Anwaltszulassung. Von 2008 bis zum Einzug in den Bundestag 2021 war sie Partnerin einer Anwaltskanzlei in Kassel, ihr Schwerpunkt lag im Bereich Asylrecht.[5] Mit der Übernahme ihres Bundestagsmandats beendete Tesfaiesus ihre Kanzleipartnerschaft und ist seitdem nicht mehr als Anwältin erwerbstätig, hat jedoch ihre Anwaltszulassung unter Befreiung von der Kanzleipflicht (als so genannte „Statusanwältin“, § 29 BRAO) behalten.[4]

Tesfaiesus trat 2009 der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei und begann sich dort zu engagieren. Von 2012 bis 2015 war sie Beisitzerin im Parteivorstand der Grünen Kassel und von 2016 und bis zu ihrem Einzug in den Bundestag war sie Stadtverordnete, Fraktionssprecherin für Integration und Gleichstellung und seit 2019 dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende.[7]

Bei der Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen 2021 errang Tesfaiesus den neunten Listenplatz für die Bundestagswahl 2021.[8] Ebenso kandidierte sie als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Werra-Meißner – Hersfeld-Rotenburg. Als Auslöser für ihre Kandidatur bezeichnete sie den rechtsextremen Anschlag in Hanau 2020 mit dem Ansinnen „für eine bessere Zukunft kämpfen zu wollen“.[2][5] Bei der Wahl unterlag sie zwar dem langjährigen Wahlkreisgewinner Michael Roth (SPD), zog jedoch über die Landesliste in den Bundestag ein. Sie wurde dadurch die erste afrodeutsche Frau in der Geschichte des Deutschen Bundestages.[2]

Tesfaiesus kritisierte mehrfach öffentlich die Sicherheits- und Menschenrechtspolitik der EU und der Ampelregierung. Als eine von sechs Abgeordneten stimmte Tesfaiesus im Oktober 2024 sowohl gegen die Verschärfung der Migrationspolitik als auch gegen die Verschärfung der Sicherheitsgesetze durch die Ampelregierung.[9]

Für die Bundestagswahl 2025 wurde sie als Votenträgerin der BAG Digitales und Medien und der LAG Kultur von der Parteibasis auf Platz 5 der Liste gewählt und setzte sich damit gegen die frühere hessische Staatssekretärin Ayse Asar durch.[10]

Sie hat sich mehrfach für den Erhalt der Mitgliederversammlung als Verbandsorgan im hessischen Landesverband ausgesprochen. Vor ihrem Einzug in den Deutschen Bundestag war sie mehrfach Delegierte zur Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen. Seit ihrem Einzug in den Bundestag lehnt sie die Wahl als Bundesdelegierte „aus grundsätzlichen Erwägungen“[4] ab und nimmt an Bundesparteitagen seither als Gast teil.

Tesfaiesus setzt sich für die Nutzung Freier Software ein und nutzt neben Instagram für die Kommunikation bevorzugt das nicht-kommerzielle und dezentrale soziale Netzwerk Mastodon.[4] Sie gehört zum linken Flügel.

Tesfaiesus spricht fließend Deutsch, Tigrinya und Englisch, darüber hinaus Arabisch und Französisch und verfügt über Grundkenntnisse in Hindi, Italienisch und Hebräisch.[11] Sie stammt aus einem gemischt-religiösen Elternhaus, ist Mitglied der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und lebt in einer multi-religiösen Familie, deren Mitglieder katholisch, protestantisch, orthodox, muslimisch, jüdisch und humanistisch sind.[11]

Tesfaiesus benutzt in der Kommunikation für sich die Schreibung „Schwarz“ (mit großem „s“) als Eigenbezeichnung.[11]

Tesfaiesus ist verheiratet und Mutter und lebt mit ihrer Familie in Nordhessen.[5]

Mitgliedschaften

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Commons: Awet Tesfaiesus – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Awet Tesfaiesus, Bündnis 90/Die Grünen. bundestag.de, abgerufen am 4. Dezember 2025.
  2. 1 2 3 4 hessenschau.de, Frankfurt, Germany: Awet Tesfaiesus ist die erste Schwarze Frau im Bundestag. In: hessenschau.de. 27. September 2021, abgerufen am 27. September 2021.
  3. Awet Tesfaiesus, MdB (@AwetTesfaiesus@mastodon.social). 19. Mai 2026, abgerufen am 20. Mai 2026.
  4. 1 2 3 4 Homepage von Awet Tesfaiesus. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
  5. 1 2 3 4 Awet Tesfaiesus will bewussten Umgang mit Vielfalt und für die Grünen in den Bundestag. 10. September 2021, abgerufen am 28. September 2021.
  6. Klasse Arbeit, Zeit Magazin, 24.09.2022
  7. Kommunalwahl in Kassel: Awet Tesfaiesus tritt für die Grünen an. 5. März 2021, abgerufen am 20. Mai 2026.
  8. Landesliste zur Bundestagswahl 2021 | Landesverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen. 24. Januar 2021, abgerufen am 28. September 2021.
  9. Protokoll der namentlichen Abstimmung der 195. Sitzung des Deutschen Bundestages. 18. Oktober 2024, abgerufen am 28. September 2021.
  10. Aufbruch-Stimmung bei den hessischen GRÜNEN (Landesliste). 14. Dezember 2024, abgerufen am 4. Dezember 2024.
  11. 1 2 3 Über Awet in leichter Sprache. 4. Dezember 2025, abgerufen am 4. Dezember 2025.