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August Moritz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

August Moritz (* 11. Februar 1913 in Hannover; † 17. März 2006 in Hamburg[1]) war ein deutscher SS-Obersturmbannführer, Leiter der Abteilung IV (Gestapo) in Lyon. Er wurde am 30. Januar 1954 in Marseille und am 25. November 1954 in Lyon in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Später war er Agent des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS).

Sein Vater war ein Postbeamter. Er absolvierte die Volksschule und ab 1924 die Oberrealschule.[2]

Zweiter Weltkrieg

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Moritz trat zum 1. April 1938 der SS (SS-Nummer 310.163) und zum 1. Juli 1940 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 7.675.630).[3] Bis Sommer 1942 gehörte Moritz zur Abteilung VI (Auslandsnachrichtendienst) des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD. Danach ging er als Stellvertreter des Kommandeurs der Sipo und des SD nach Orléans. Anschließend bekleidete er eine ähnliche Position in Marseille, er war stellvertretender Kommandeur des Sicherheitspolizei-SD-Einsatzkommandos IV B und Leiter der Abteilung IV (Gestapo). Während dieser Zeit war er aktiv an der Deportation von Juden beteiligt, dies geht aus einem Briefwechsel mit Heinz Röthke hervor. Die Transporte gingen in das Lager Drancy.

Anfang Herbst 1943 wurde er nach Lyon versetzt, er war Stellvertreter von Werner Knab und Leiter der Abteilung IV (zuständig für Kollaborateure) beim Einsatzkommando in Lyon. Klaus Barbie war sein Arbeitskollege.

Im Frühjahr 1944 wurde er zum Reichssicherheitshauptamt versetzt in das Amt VI und leitete ab Dezember die Agentenschule in Meersburg.[4][2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

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Im Jahre 1945 geriet Moritz in Kriegsgefangenschaft, konnte aber drei Jahre später flüchten. Unter dem falschen Namen Rolf Müller lebte er in Hamburg[4] und arbeitete unter dem Namen Kornbrenner für das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) der DDR.[5][6] Er war Mitglied der Deutsche Bruderschaft, gegründet und geführt von Helmut Beck-Broichsitter.[2] Zusammen mit Uwe Wehlen, Gustav Hanelt und Arnold de Lannoy wurde er als Ostagent enttarnt und 1953 vom Bundesgerichtshof verurteilt.[7][8][9]

Serge und Beate Klarsfeld machten sich in den 1970er Jahren auf die Suche nach ihm und 1973 gelang es ihnen, Moritz in Hamburg-Sankt Pauli ausfindig zu machen. Sie führten ein Interview mit ihm und seiner Frau, in dem er leugnete, Barbie oder Paul Tourvier zu kennen.[10]

Einzelnachweise

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  1. Sterberegister des Standesamtes Hamburg-Altona Nr 759/2006.
  2. 1 2 3 Helmut Müller-Enbergs, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis, Mogens Rostgaard Nissen: Spionage im Grenzland: Nachrichtendienste in Schleswig-Holstein und Süddänemark. BeBra Wissenschaft Verlag, 2025, ISBN 978-3-95410-346-1, S. 138 f. (oapen.org [PDF; abgerufen am 24. März 2026]).
  3. Bundesarchiv R 9361-III/544101
  4. 1 2 Beate Baldow: Episode oder Gefahr?: Die Naumann-Affäre. 2013, S. 41 ff., doi:10.17169/refubium-13338 (fu-berlin.de [abgerufen am 7. Februar 2024]).
  5. NS-Verbrecher und Staatssicherheit. Abgerufen am 7. Februar 2024.
  6. Helmut Müller-Enbergs: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Teil 2: Anleitungen für die Arbeit mit Agenten, Kundschaftern und Spionen in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: Helmut Müller-Enbergs (= Analysen und Dokumente / Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Nr. 10). 3., durchges. Auflage. Links, Berlin 2011, ISBN 978-3-86153-145-6 (e-bookshelf.de [PDF; abgerufen am 7. Februar 2024]).
  7. Gerhard Sälter: Phantome des Kalten Krieges: die Organisation Gehlen und die Wiederbelebung des Gestapo-Feindbildes "Rote Kapelle". Ch. Links Verlag, 2016, ISBN 978-3-86153-921-6 (google.com [abgerufen am 7. Februar 2024]).
  8. Alamy Limited: Bundesdeutschlands Hochverrat 10.12.53. Der Prozess gegen vier Deutsche, die wegen Hochverrats angeklagt sind, wird vor dem Bundesgericht in Karlsruhe abgehalten. Den Männern wird vorgeworfen, vertrauliche Berichte und geheime Dokumente, darunter eine gefälschte Kopie des Generalvertrages, an die DDR-Regierung weitergegeben zu haben. I.N.P. Foto zeigt die vier Angeklagten in Zivilkleidung, von links nach rechts: Arnold de Lannoy, 41, Hamburger Exporthändler; Uwe Wehlen, 35, Hamburger Journalist; Gustav Hanelt, 39, Verwaltungsangestellter Kiel; August Moritz, 40, Kunsthistoriker Hamburg. 133/PJ/73202 International News Stockfotografie - Alamy. Abgerufen am 23. März 2026.
  9. Östlicher Agentenring wurde gesprengt. In: Südkurier. 30. August 1952, S. 2, abgerufen am 23. März 2026.
  10. WHEREVER THEY MAY BE. The Beate Klarsfeld Foundation, 1972, archiviert vom Original am 17. Juli 2011; abgerufen am 7. Februar 2024 (englisch).