Das MineralAqualith ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Eudialytgruppe und hat die chemische Zusammensetzung (H3O)8(Na,K,Sr)5Ca6Zr3[Cl|OH|{Si3O5(OH)4}2|(Si9O27·SiO)2][3]. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Im Jahr 2000 untersuchten I. A. Ekimenkova und Mitarbeiter die Struktur eines Oxonium-Analogs von Eudialyt.[7] Zwei Jahre später reichten Khomyakov, Nechelyustov und Rastsvetaeva ihre Untersuchungsergebnisse an Typmaterial vom Inagli-Massiv im Aldanhochland in Ostsibirien zur Prüfung bei der International Mineralogical Association (IMA) ein (Register-Nr. IMA 2002-066). Sie benannten es mit Bezug auf seine spezifische, chemische Zusammensetzung nach lateinischaqua‚Wasser‘ und altgriechischλίθοςlíthos, deutsch ‚Stein‘, Aqualith. Die Anerkennung als eigenständiges Mineral mit dem Namen Aqualith (englisch: Aqualite) erfolgte am 3. April 2003. Die Publikation zum neu entdeckten Mineral folgte 2007 im Zapiski Rossiiskogo Mineralogicheskogo Obshchestva (Band 2, S. 39–55).[6]
Da der Aqualith erst 2002 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 2001 veralteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) nicht aufgeführt. Einzig das 2008 erschienene „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach der klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, führt das Mineral unter der System-Nr. VIII/E.25-05 auf.[3]
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Aqualith in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die Abteilung der „Ringsilikate: Ringe mit anderen Anionen und insularen Silikatgruppen“ ein. Hier ist er ebenfalls in der „Eudialytgruppe“ mit der System-Nr. 64.01.01 und den weiteren Mitgliedern Eudialyt, Alluaivit, Kentbrooksit, Khomyakovit, Manganokhomyakovit, Oneillit, Ferrokentbrooksit, Ikranit, Feklichevit, Rastsvetaevit, Taseqit, Carbokentbrooksit, Zirsilit-(Ce), Labyrinthit, Dualith, Raslakit, Georgbarsanovit, Johnsenit-(Ce), Golyshevit, Mogovidit und Voronkovit innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Ringe mit anderen Anionen und insularen Silikatgruppen mit gemischten Ringtypen“ zu finden.
Außer an seiner Typlokalität wurde Aqualith bisher (Stand: 2023) nur noch im „Phlogopit-Bergwerk“ bei Kowdor und im hyperagpaitischen Pegmatit in der Grube Apatitovyi Tsirk am Rasvumchorr der Chibinen auf der Halbinsel Kola in Russland gefunden. Ein drittes Vorkommen ist der Kipawa Alkaline Komplex in Témiscamingue in der kanadischen Provinz Québec.[8]
A. P. Khomyakov, G. N. Nechelyustov, R. K. Rastsvetaeva:Aqualite, a new mineral species of the eudialyte group from the Inagli alkaline pluton, Sakha-Yakutia, Russia, and the problem of oxonium in hydrated eudialytes. In: Geology of Ore Deposits. Band49, Nr.8, 2007, S.739–751, doi:10.1134/S1075701507080089 (englisch).
Aqualite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 120kB; abgerufen am 1.März 2026]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Aqualite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 1.März 2026(englisch).
1234567891011121314151617A. P. Khomyakov, G. N. Nechelyustov, R. K. Rastsvetaeva:Aqualite, a new mineral species of the eudialyte group from the Inagli alkaline pluton, Sakha-Yakutia, Russia, and the problem of oxonium in hydrated eudialytes. In: Geology of Ore Deposits. Band49, Nr.8, 2007, S.739–751, doi:10.1134/S1075701507080089 (englisch).
↑I. A. Ekimenkova, R. K. Rastsvetaeva, N. V. Chukanov:Crystal structure of the oxonium-containing analogue of eudialyte; Kristallicheskaya struktura oksonijsoderzhashchego analoga ehvdialita. In: Doklady Akademii Nauk – Rossijskaya Akademiya Nauk. Band371, 2000, S.625–628 (englisch, russisch, osti.gov[abgerufen am 1.März 2026]).
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Fundortliste für Aqualith beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 1. März 2026.