Antlerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist dicktafelige bis kurzprismatische Kristalle bis etwa zwei Zentimeter Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er kommt aber auch in Form faseriger bis filzartiger oder körniger bis pulverig-erdiger Mineral-Aggregate sowie krustiger Überzüge vor.
Das Mineral ist durchscheinend und von smaragd- bis schwarzgrüner Farbe, kann in feinen Krusten aber auch hellgrün erscheinen. Als idiochromatisches Mineral weist Antlerit auch eine blassgrüne Strichfarbe auf.
Antlerit wurde im Jahr 1889 von William Francis Hillebrand gefunden und nach der Typlokalität, der Antler-Mine in Arizona benannt. Das Mineral war schon 1886 von Weisbach bei Zwickau gefunden und unter dem Namen Arnimit beschrieben worden. Die Übereinstimmung war wegen ungenauen Messmethoden jedoch nicht entdeckt worden. Als auf Grund genauerer Untersuchungen eine Übereinstimmung beider Minerale gefunden wurde, wurde der Name Antlerit beibehalten.[8]
Antlerit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Antlerit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1961 erfolgten Publikation von Mary Emma Mrose (1910–2003)[9] wurde allerdings das bisher für eigenständig gehaltene Mineral Vernadskit als Pseudomorphose von Antlerit nach Dolerophanit identifiziert und 1967 von der Commission on new minerals and mineral names diskreditiert.[10] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Antlerit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1967 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/B.01-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Antlerit zusammen mit Brochantit und Dolerophanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/B.01 bildet.[4]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Antlerit in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.BB.15 bildet.[13]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Antlerit die System- und Mineralnummer 30.01.12.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen und (AB)m(XO4)pZq, mit m:p>2:1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 30.01.12.
Antlerit bildet sich sekundär unter sauren Bedingungen in der Oxidationszone von Kupferlagerstätten. Diese Bedingungen herrschen vor allem bei aridem Klima, unter dem sich bevorzugt Antlerit bildet, aber auch in Schlacken von antiken Kupferhütten vor. Begleitet wird Antlerit von anderen sekundären Kupfermineralen wie Atacamit, Brochantit, Chalkanthit, Kröhnkit, Linarit und Natrochalcit.
Als eher seltene Mineralbildungen kann Antlerit zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher etwas mehr als 300 Vorkommen dokumentiert (Stand 2024).[14]
W. F. Hillebrand:Mineralogical Notes. In: Bulletin of the United States Geological Survey. Band55, 1889, S.48–55, 6. A basic cupric sulphate ab S. 54 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 30. November 2024 im Internet Archive) [PDF; 423kB; abgerufen am 15.Mai 2026]).
Mary E. Mrose:Vernadskite discredited: pseudomorphs of antlerite after dolerophanite. In: American Mineralogist. Band46, 1961, S.146–154 (englisch, minsocam.org[PDF; 495kB; abgerufen am 15.Mai 2026]).
International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band36, März 1967, S.131–136 (englisch, rruff.net[PDF; 210kB; abgerufen am 15.Mai 2026]).
Antlerite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.Mai 2026(englisch).
1234567Antlerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.Mai 2026(englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
1234R. Rama Subba Reddy, S. Lakshmi Reddy, G. Siva Reddy, B. J. Reddy:Spectral Studies of Divalent Copper in Antlerite Mineral. In: Cryst. Res. Technol.Band37, Nr.5, 2002, S.485–490 (englisch).
1234567
Antlerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 15.Mai 2026]).
↑P. Kokkoros:Antlerit aus Lavrion. Eventuelle Identität des Arnimits mit Antlerit. In: Mineralogy and Petrology. Band3, Nr.4, 1953, S.295–297, doi:10.1007/BF01135345.
↑Mroseite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.Mai 2026(englisch).
↑
International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band36, März 1967, S.131–136 (englisch, rruff.net[PDF; 210kB; abgerufen am 15.Mai 2026]).