Antonow An-2
| Antonow An-2 | ||
|---|---|---|
Antonow An-2 der Awialessoochrana | ||
| Typ | STOL-Mehrzweckflugzeug | |
| Entwurfsland | ||
| Hersteller | * Antonow | |
| Erstflug | 31. August 1947 | |
| Produktionszeit | Seit 1947 in Serienproduktion | |
| Stückzahl | ca. 18.000 | |
| Bezeichnung | Merkmale |
|---|---|
| SCh-1 | Ursprüngliche Bezeichnung des Prototyps und des ersten Serienloses mit Schwezow-ASch-21-Motor mit 559 kW (760 PS) und sichelförmiger Luftschraube. Die Bezeichnung steht für Selsko-chosjaistwennij samoljot, Landwirtschaftsflugzeug. Die SCh-1 verfügte über einen 1400-Liter-Tank und eine Sechspunkt-Streuanlage unter den Flügeln. Die Streubreite betrug 60 bis 100 Meter. Die ersten Sprühversuche wurden im Juni 1948 durch G. I. Lysenko durchgeführt.[19] |
| An-2P | Mehrzweckvariante für bis zu zwölf Passagiere (P steht für Passaschirski), acht bis zehn Fallschirmspringer oder 1500 kg Fracht. In der Sanitätsversion kann sie sechs Tragen und zwei Sanitäter befördern. Die Ausführung als Landwirtschaftsflugzeug heißt An-2S. Die polnische Version (An-2T) verfügt über bessere Schalldämpfung und einen besseren Propeller. |
| An-2W (An-4) |
Schwimmerversion von 1949. Die Luftschraube W-514-D8 konnte negativen Schub erzeugen, um den Bremsweg nach der Wasserung zu verkürzen und das Manövrieren auf dem Wasser zu erleichtern. 1954 entstand eine kleine Serie. |
| An-2PP | Feuerlöschversion der An-2W (PP steht für Protiwoposcharnij) mit Tanks für 1240 Liter Wasser. Bei einer Fluggeschwindigkeit von etwa 50 km/h konnten von der Wasseroberfläche in sieben Sekunden 630 Liter aufgenommen werden. |
| An-2Sa An-6 |
Höhenversion für meteorologische Forschungen mit zusätzlicher Kanzel vor dem Leitwerk zur Beobachtung von Eisbildung. |
| An-2M | Agrarflugzeug |
| An-2F (An-2K-NAK, An-2NRK) |
Artilleriebeobachtungs- und Luftbildflugzeug (1948) mit verglastem Rumpfmittelteil, Waffenstand mit 1–2 23-mm-MK und Doppelleitwerk. Zwei Prototypen mit verschiedenen Luftschrauben wurden ab April 1949 erprobt. Kein Serienbau.[20] |
| An-2L | Ausführung zur chemischen Feuerbekämpfung mit Glasbehältern unter Rumpf und Tragflächen. |
| An-2T | Polnische Ausführung der Mehrzweckvariante. Bessere Schalldämpfung und ein besserer Propeller als bei An-2P. |
| An-2TP | Flugzeug zur Personen- und Frachtbeförderung mit zwölf Klappsitzen. |
| An-2TD | Fracht- und Fallschirmabsetzflugzeug für bis zu zwölf Springer. In der NVA kamen hauptsächlich die Ausführungen TP und TD zum Einsatz.[21] |
| An-2S (An-2D6, An-2PLux) |
Salonmodell mit vier Polstersitzen und Tisch. Äußerlich erkennbar an den eckigen Kabinenfenstern. Eine mit drei Tragen ausgestattete Sanitätsversion trägt ebenfalls die Bezeichnung S. |
| An-2M | Polnisches Pendant zur An-2W. |
| An-2R | Spezielle Landwirtschaftsausführung mit hermetisch verschlossenem Cockpit und 1960-Liter-Düngemittelbehälter. |
| Lala-1 | Experimentalausführung mit doppelten Leitwerksträgern für Forschungstests für das geplante TL-Agrarflugzeug PZL M-15 Belphegor. Lala steht für „Fliegendes Laboratorium“ (polnisch: Latające Laboratorium). Erstflug war der 26. April 1972. |
| An-2E | Projekt von E. Grunin eines Ekranoplans aus den 1970er-Jahren auf Basis der An-2W. |
Technische Daten
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| Kenngröße | An-2P (WSK-PZL) | An-2K-NAK[20] |
|---|---|---|
| Verwendung | Mehrzweckflugzeug | Artilleriebeobachtung |
| Besatzung | 1 | 3 |
| Passagiere | max. 12 | – |
| Länge | 12,74 m | 12,73 m |
| Spannweite | oben: 18,18 m / unten: 14,24 m | 18,17 m |
| Flügelfläche (gesamt) | 71,60 m² | 71,31 m² |
| Höhe (im Stand) | 4,13 m | |
| Leermasse | 3450 kg | 3320 kg |
| max. Startmasse | 5500 kg | 5250 kg |
| Reisegeschwindigkeit | 190 km/h | |
| Höchstgeschwindigkeit | 258 km/h (in 1750 m Höhe) | 253 km/h |
| Überziehgeschwindigkeit | ca. 50 km/h (31 mph, 27 kn) | |
| Landegeschwindigkeit | 85 km/h | |
| Dienstgipfelhöhe | 4400 m | 4500 m |
| Reichweite | 1390 km (bei max. Betankung, ohne Reserven) | 4 h Flugzeit |
| Triebwerk | ein Neunzylinder-Sternmotor Schwezow ASch-62IR | |
| Leistung | 1.000 PS (735 kW) | |
| Startrollstrecke | 150 m | |
| Landerollstrecke | 180 m | |
Zwischenfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die folgende Liste von Auszügen aus den Zwischenfällen dieses Typs bezieht sich sowohl auf die Antonow An-2 als auch auf den chinesischen Lizenzbau Yunshuji Y-5.
- Am 10. Dezember 1960 verunglückte eine An-2T der Aeroflot (Luftfahrzeugkennzeichen kyrillisch СССР-33181; transkribiert SSSR-33181), mit der ein Flug von Semipalatinsk nach Abai durchgeführt wurde. Die Maschine war ohne gültigen meteorologischen Bericht gestartet und traf entlang der Flugstrecke auf sehr schwierige Wetterbedingungen. Als 45 Kilometer vom Startflughafen eine Kehrtwende für die Umkehr nach Semipalatinsk geflogen wurde, bewegten sich mehrere Passagiere in den hinteren Rumpfbereich zur Bordtoilette. Hierdurch kam es zu einer Schwerpunktverlagerung, die zu einem Strömungsabriss und schließlich zum Absturz der Maschine führte. Alle 12 Insassen kamen ums Leben (siehe auch Aeroflot-Flug 11).
- Am 26. September 1961 wurde eine Y-5 der chinesischen CAAC (B-18188) bei Qinglongshan (China) in eine Bergflanke geflogen. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 15 Insassen, fünf Besatzungsmitglieder und 10 Passagiere, getötet.[22]
- Am 14. Januar 1966 verunglückte eine An-2 der Aeroflot (СССР-02185) auf dem Flug vom Sowchos Kommunism zum Flughafen Samarqand. Der Flugkapitän war von der vorgeschriebenen Flugroute abgewichen, zumal er in Eile war, da sich seine Frau im Krankenhaus und seine Kinder unbeaufsichtigt zu Hause befanden. Die Flugsicherung wies ihn an, eine Umleitung zu fliegen, für die vom Fluginformationsdienst nur unpräzise und fehlerhafte Wetterangaben vorlagen. Beim Flug entlang eines Gebirgszuges verlor die Maschine durch katabatische Winde an Höhe und kollidierte mit einem Berg, wobei alle 11 Insassen starben.[23]
- Am 15. Februar 1966 wurde eine Y-5 der chinesischen CAAC (B-18152) in der Provinz Gansu (China) bei schlechter Sicht in einen Berghang geflogen. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden die beiden Piloten, die einzigen Insassen, getötet.[24]
- Am 7. September 1966 stieß ein Passagier einer An-2 der Aeroflot (СССР-79816) auf dem Flug von Duschanbe nach Murghob im Flug versehentlich eine Flasche mit Aceton um, welches sich daraufhin entzündete. Die Maschine flog zu diesem Zeitpunkt durch eine Schlucht, in der eine Notlandung praktisch unmöglich war. Der Flugkapitän versuchte dennoch, eine 180-Grad-Kurve für eine Landung zu fliegen. Das Manöver misslang, die Maschine kollidierte mit einem Kamm der Schlucht und stürzte ab, woraufhin alle sechs Insassen starben (siehe auch Flugunfall der Antonow An-2 CCCP-79816 der Aeroflot).[25]
- Am Abend des 11. Juni 2012 startete ein mutmaßlich stark alkoholisierter Kapitän einer An-2T der Awia Zow (RA-40312) mit 12 Passagieren an Bord ohne Startfreigabe von einem Flugplatz bei Serow zu einem nicht genehmigten Flug an einen unbekannten Ort. Zuvor hatten die Männer gemeinsam Alkohol konsumiert. Die Maschine wurde erst am nächsten Morgen von der Fluggesellschaft vermisst gemeldet. Eine monatelange Suche musste schließlich erfolglos abgebrochen werden. Am 5. Mai 2013 wurde das Wrack der Maschine mit den skelettierten Leichen der Insassen in 10 Kilometern Entfernung gefunden, Unfallursache war eine Kollision mit Bäumen nach einem Flug unterhalb der Sicherheitsflughöhe (siehe auch Flugunfall einer Antonow An-2 bei Serow 2012).
- Am 9. Januar 2023 verunglückte eine An-2 in der Nähe des Flughafens Karataika in Russland. Die Unfallursache ist aktuell unbekannt, wahrscheinlich führten eine Vereisung des Flugzeugs sowie schlechte Wetterbedingungen zum Absturz. Von den 12 Insassen haben 10 Insassen mit Verletzungen überlebt. Einer der beiden Piloten sowie ein Passagier starben.[26]
- Am 19. Dezember 2024 kippte eine überladene An-2 in Kamtschatka bei einer Notlandung vorne über. Die Besatzung wurde erst nach vier Tagen gerettet.[27]
- Am 3. Oktober 2025 stürzte eine An-2 in der Region Krasnojarsk, rund 40 Kilometer vom Ort Tansybei, ab. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen RA-70350 war nach dem Abschluss von Agrarflügen unterwegs von Verchnousinskoje nach Schuschenskoje. Beide Piloten verstarben.[28][29]
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Spitznamen der An-2 bei der NVA lauteten „Anna“, „Tante Anna“ oder auch „Kastendrachen“. Die An-2 ist das einzige Flugzeug der DDR-Luftstreitkräfte, das von deren Gründung 1956 bis zu ihrer Auflösung 1990 im Dienst stand und gleichzeitig das mit der geringsten Verlustrate. Lediglich zwei Exemplare gingen durch Abstürze verloren, verursacht durch menschliches Versagen, wobei es keine Todesopfer gab.[30] Der große Motor und seine Robustheit haben ihr den Spitznamen „Traktor der Lüfte“ eingebracht.
In der landwirtschaftlichen Luftfahrt der Sowjetunion trug das Flugzeug zeitweise den Spitznamen „Kukurusnik“ (russisch Кукурузник, von „Кукуруза“ – Mais). Dies spiegelt den massiven Einsatz des Flugzeugs in der Sowjetunion der 1960er-Jahre bei der Umsetzung von Chruschtschows Agrarplänen wider, die den umfassenden Anbau von Mais bei intensivem Einsatz von Agrartechnik vorsahen.
In der Doku-Soap Steel Buddies – Stahlharte Geschäfte (Staffeln 2 und 3) rüstete Michael Manousakis seine An-2 mit Zusatztanks und einer Öl-Nachfüllvorrichtung aus, wodurch er das Flugzeug in 8 Stunden Flugzeit nonstop von Deutschland nach Mallorca fliegen und später – mit Zwischenstopps in Wick (Schottland), Reykjavík (Island), Narsarsuaq (Grönland) und Sept-Îles (Kanada) – in die USA überführen konnte.[31]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernd Kirchhof, Jürgen Willisch: Antonow AN-2 (= Die Flugzeuge der Nationalen Volksarmee). 1. Auflage. Bmvd, Buchholz 2003, ISBN 3-935761-87-2 (128 S., Die Verwendung der An-2 in der NVA mit vielen technischen Details, Fotos und Zeichnungen).
- zu Versionen: Flieger Revue. Militärverlag der DDR, Ausgabe 5/1979 S. 220 und 12/88 S. 381
- Eine Legende der Luftfahrt wird 70: Mehrzweckflugzeug Antonow An-2. In: FliegerRevue Nr. 11/2017, S. 44–49
- Państwowe Zakłady Lotnicze (PZL) Mielec (Hrsg.): Flight Manual for An-2 airplane with ASz-62IR engine. Versions: An-2R Agricultural, An-2T Cargo Transport, An-2TP Passenger Transport, An-2TD Transport Parachute, An-2P Passenger. Mielec 15. November 1970 (335 S., englisch, zuletzt aktualisiert 1992, komplette Betriebsanleitung mit technischen Zeichnungen und Tabellen).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Detlef Billig, Manfred Meyer: Flugzeuge der DDR. Typenbuch Militär- und Zivilluftfahrt. I Band bis 1962. Friedland 2002, ISBN 3-613-02197-8. S. 38–49.
- ↑ In der Zone der verzögerten Katastrophe, Nowaja Gaseta, 9. April 2018
- ↑ Hanseflug
- ↑ LTS Classic Antonov
- ↑ Initial tests of Honeywell TPE-331-powered An-2 completed. Flightglobal.com, 29. August 2012, abgerufen am 31. August 2012 (englisch).
- ↑ «Сталина на них нет. Могу я так сказать?» 17. Juni 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Бипланы на будущее. 29. November 2024, abgerufen am 2. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ СибНИА: образец Ан-2 с новым двигателем планируется получить к лету. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Robert Kluge: Nachfolger für Antonow An-2 gesucht. In: Fliegerrevue Nr. 12/2015, S. 20–23
- ↑ Sebastian Steinke: Antonow An-2 schleppt Rekordfracht. In: flugrevue.de. 11. April 2017, abgerufen am 18. November 2020.
- ↑ Замену Ан-2 разработает УЗГА (Ein Ersatz der An-2 wird von USGA entwickelt), aviation21.ru, 12. September 2019, abgerufen am 5. Mai 2020 (russisch)
- ↑ Владислав Филев: Гражданский авиапром на сегодняшний день глубоко убыточен (Wladislaw Filjew: Die zivile Luftfahrtindustrie ist heute zutiefst unrentabel), Wedomosti, 3. September 2019, abgerufen am 5. Mai 2020 (russisch).
- ↑ Ан-2 ищут новую замену (An-2 auf der Suche nach einem neuen Ersatz), Kommersant, 25. August 2019, abgerufen am 5. Mai 2020 (russisch)
- ↑ Was wird und wann wird der Baikal fliegen, aviation21.ru, 9. September 2019
- ↑ https://www.kommersant.ru/doc/7517346
- ↑ Antonow An-2 ( vom 4. August 2009 im Internet Archive) im Flugzeuglexikon von Airliners.de, abgerufen am 23. November 2010
- ↑ Państwowe Zakłady Lotnicze (PZL) Mielec (Hrsg.): Flight Manual for An-2 airplane with ASz-62IR engine. Mielec 15. November 1970, 4-00, S. 40.
- ↑ Bernd Kirchhof, Jürgen Willisch: Antonow AN-2. 1. Auflage. Bmvd, Buchholz 2003, ISBN 3-935761-87-2, S. 58 f.
- ↑ Antonow An-2 „Colt“. In Aircraft – Die neue Enzyklopädie der Luftfahrt. TOPIC, München 1993, S. 1374.
- 1 2 Antonow An-2K-NAK. In: Fliegerrevue. Nr. 12, 1988, S. 381.
- ↑ Wilfried Kopenhagen: Flugzeuge und Hubschrauber der NVA von 1956 bis 1970. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1990, ISBN 3-327-00547-8, S. 48.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht Y-7/An-2 B-18188 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Dezember 2021.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht AN-2 CCCP-02185 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Februar 2024.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht Y-7/An-2 B-18152 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Dezember 2021.
- ↑ Unfallbericht An-2 СССР-79816, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 28. September 2020.
- ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2023.
- ↑ На Камчатке нашли пропавший Ан-2: экипаж выжил после четырех дней в снегу. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Antonov An-2 in Sibirien abgestürzt - zwei Tote. In: aerotelegraph. 5. Oktober 2025, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ The Moscow Times: Both Pilots Dead After Small Aircraft Crashes in Remote Siberian Region. 3. Oktober 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Kirchhof, Willisch, An-2, S. 79.
- ↑ DMAX zeigt „Steel Buddies“-Special an Neujahr. In: dwdl.de. 9. Dezember 2015, abgerufen am 2. August 2020.










