Die Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund ist ein deutscher Übertragungsnetzbetreiber. Das Unternehmen betreibt das mit knapp 11.000km Stromkreislänge[3] zweitgrößte Höchstspannungs-Stromnetz (220kV und 380kV) in Deutschland. Es erstreckt sich über sieben westdeutsche Bundesländer. In Dortmund, am Systemführungsstandort in Brauweiler und an weiteren 36[4] regionalen Betriebsstandorten beschäftigt Amprion etwa 3.400 Mitarbeiter.[5]
Im Juni 2003 wurde das Unternehmen im Rahmen konzerninterner Umstrukturierungen zunächst unter dem Namen RWENet Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung mbH Nr.3[1] als Tochtergesellschaft der RWENetAG gegründet. Die RWENet mit Sitz in Dortmund war im Jahr 2000 als Netzgesellschaft bei der Fusion von RWE mit der Dortmunder VEW AG (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen) entstanden und für das gesamte Stromnetz einschließlich der Verteilnetz-Bereiche (Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetze) des RWE-Konzerns zuständig.
Wenige Monate später, im Oktober 2003, erfolgte die Umfirmierung dieser RWE-Net-Tochtergesellschaft zur RWE Transportnetz Strom GmbH[1] (RWE TSO Strom) mit Sitz in Dortmund, die im Konzern der neuen Zwischenholding RWE Energy AG zugeordnet wurde.[6][7] Als Geschäftsführer der RWE Transportnetz Strom wurden Hans-Jürgen Brick und Klaus Kleinekorte bestellt.[8] Anfangs hatte das Unternehmen etwa 214 Beschäftigte (VZÄ).[7]
Rund fünf Jahre nach Gründung, zum 1. Juli 2009, wurde die RWETransportnetz Strom bei einer Umstrukturierung des RWE-Konzerns aus der RWEEnergy herausgelöst und direkt der RWEAG zugeordnet.[9][10] Damit verbunden war das Ziel der organisatorisch-gesellschaftsrechtlichenEntflechtung von der RWE als Eigentümer.[9] Das Unternehmen wurde schrittweise als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber (englischIndependent Transmission Operator, ITO) entsprechend dem dritten EU-Energiebinnenmarktpaket ausgestaltet.[11][12]
Am 1. September 2009 übernahm die neugegründete Amprion GmbH, eine 100-prozentige Tochter der RWEAG, als Rechtsnachfolger die Aufgaben der RWETransportnetz Strom sowie alle weiteren übertragungsnetzbezogenen Aktivitäten und Funktionen, die zuvor noch an anderen Stellen im RWE-Konzern verblieben waren.[13] Zu Beginn hatte Amprion etwa 850 Mitarbeiter.[10] Sowohl der Unternehmenssitz in Dortmund als auch die Geschäftsführung wurden beibehalten.
Der Unternehmensname, ein Kunstwort, lehnt sich an die Begriffe Ampere (Einheit der Stromstärke) und Vision an.[12] Die Bildmarke „A“ im Firmenlogo stellt einen abstrahierten Lichtbogen dar.[12]
Haupteigentümer der Amprion ist seit 2011 der Infrastrukturfonds der Commerz Real; er firmiert als M31BeteiligungsgesellschaftmbH & Co. Energie KG mit Sitz in Düsseldorf. Komplementär der Fondsgesellschaft ist die M31BeteiligungsgesellschaftmbH; als Kommanditisten sind die Commerz Real und ein Konsortiuminstitutioneller Finanzinvestoren beteiligt.[19] Wesentliche Investoren sind Versicherungen (MEAG für Münchener Rück/ERGO, Swiss Life, Talanx), ärztliche Versorgungswerke (Ärzteversorgung Westfalen-Lippe und Brandenburg), Pensionskassen und kirchliche Versorgungseinrichtungen.[15][19] 2015waren 13Investoren am M31-Fonds beteiligt.[20]
Nach der Mehrheitsveräußerung hielt RWE für wenige Wochen –durch vorübergehende Beteiligung am Käuferkonsortium– zusätzlich zum vereinbarten Minderheitsanteil noch einen indirekten Anteil von durchgerechnet 10,8%[18] (100Mio. Euro[19]). Die Commerz Real als Emissionshaus hielt selbst ebenfalls kurzfristig einen Anteil von durchgerechnet 13Prozent[15] (120Mio. Euro[19]). Beide Anteilspakete wurden bis Januar 2012 von der Commerz Real auf weitere institutionelle Investoren übertragen, so dass die zuvor vereinbarte Anteilseignerstruktur erreicht wurde (74,9% M31-Fonds und 25,1% RWE).[19] Sie ist danach unverändert geblieben (Stand 2018).[21]
Amprion ist als Übertragungsnetzbetreiber ein Dienstleistungsunternehmen mit gesetzlichem Auftrag. Dieser ergibt sich aus den in §11ff. des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) formulierten „Aufgaben der Netzbetreiber“. Im Zentrum stehen dabei der diskriminierungsfreie Betrieb eines sicheren, zuverlässigen und leistungsfähigen Energieversorgungsnetzes sowie dessen Optimierung und Ausbau.
Das zweigeteilte Netzgebiet des Unternehmens liegt schwerpunktmäßig im Westen und Südwesten Deutschlands. Es reicht von Niedersachsen im Norden bis ins Ostallgäu im Süden Bayerns. Einige der von Amprion betriebenen Leitungen verlaufen auch außerhalb der eigenen Regelzone. So speiste auch das nun stillgelegte Kernkraftwerk Emsland ins Amprionnetz ein.
Das Amprion-Netz weist eine Stromkreislänge von etwa 11.000km auf.[3] Als historisches „Rückgrat“ des ausgedehnten RWE-Höchstspannungsnetzes ist die in den 1920er Jahren errichtete Nord-Süd-Leitung bedeutend. Große Teile der ursprünglichen Leitungstrasse werden weiterhin von Amprion genutzt.
Zur Stromübertragung aus dem Höchstspannungsnetz in die regionalen und lokalen Verteilnetze betreibt das Unternehmen rund 10 Schalt- und 160 Umspannanlagen.[22]
In der Systemführung Netze genannten Hauptschaltleitung neben dem Gelände der Umspannanlage Brauweiler (in Pulheim) und in den beiden unterlagerten Gruppenschaltleitungen an den Umspannanlagen Hoheneck (in Ludwigsburg) und Rommerskirchen (in Bergheim-Rheidt) wird das gesamte Amprion-Netz überwacht und ferngesteuert. In der Anlage Rommerskirchen befindet sich seit 2009 außerdem das Security Service Centre (SSC), ein gemeinsam mit Tennet betriebenes Zentrum für das Sicherheitsmanagement der deutschen und niederländischen Höchstspannungsnetze.[23]
In der Nähe des Frankfurter Flughafens betreibt Amprion die in den 2000er Jahren verlagerte und neugebaute Umspannanlage Kelsterbach, zu der die umfangreichste GIL-Anlage in Europa gehört.
Amprion betreibt auch ein eigenes Richtfunknetz, für das auf den Arealen einiger Umspannwerke Richtfunktürme – meist in Stahlfachwerkbauweise, aber auch in Stahlbetonbauweise – errichtet wurden.
Richtfunkturm auf dem Areal des Umspannwerks Hoheneck
Innerhalb Deutschlands existieren im Amprion-Netz Übergabestellen zu den benachbarten Übertragungsnetzbetreibern Tennet und TransnetBW. Kuppelleitungen bestehen auch zu ausländischen Übertragungsnetzbetreibern in Frankreich (RTE), in Luxemburg (Creos), in den Niederlanden (TenneT), in Österreich (APG, VÜN) und in der Schweiz (Swissgrid).
Regelzonenübergreifend, d.h. über die eigenen Gebiete hinaus, ist die Systemführung Netze der Amprion verantwortlich für die Koordination des Verbundbetriebs in Deutschland (→Netzregelverbund, Systembilanzierung usw.). Sie nimmt ähnliche Funktionen auch für weitere Teile des europäischen Verbundnetzes wahr. Dies betrifft die Übertragungsnetze in den Ländern Belgien, Bulgarien, Dänemark, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn.[24]
Amprion ist eines der vier deutschen Mitgliedsunternehmen im ENTSO-E.[25]
Ein Freileitungsmast von Amprion bei Nacht. Der rote Pfeil zeigt auf das hochreflektive MastschildBiotopangepasstes Trassenmanagement der Amprion: 220-kV-Freileitungen in etwa 200m breiter Schneise im Pilotprojekt Heidelandschaft westlich Mörfelden-Walldorf[26]Ein Trafo-Schwertransport für die Firma Amprion, bestimmt für das Umspannwerk Dauersberg, mit einer Diesellokomotive auf der Hellertalbahn zwischen Zeppenfeld und Neunkirchen (November2018)
Mastschilder von Freileitungsmasten von Amprion sind, im Unterschied zu denen anderer Übertragungsnetzbetreiber, mit einer stark reflektiven Beschichtung ausgestattet und bei Dunkelheit schon bei schwacher Beleuchtung gut zu sehen.
Auf dem Gelände der Umspannanlage Osterath existiert mit der Elektrothek ein Technikmuseum. Der Richtfunkturm auf dem Gänsehals ist mit einer für die Öffentlichkeit zugänglichen Aussichtsplattform ausgestattet, von 1977 bis 2010 trug ein Freileitungsmast am Bleibtreusee in Hürth ebenfalls eine solche.
Bei der Trassenunterhaltung insbesondere in Bereichen mit Feldgehölzen und im Wald, wo Schutzstreifenvorgaben zu Schneisen führen, setzt das Unternehmen auf ökologisches Trassenmanagement.[26][27] Das mit häufigen, aber extensiven Pflegeeingriffen verbundene Trassenunterhaltungskonzept wurde bereits in den 1990er Jahren, noch zu RWE-Zeiten, mit Pilotprojekten eingeführt. Anschließend wurde es sukzessive ausgeweitet und kommt bei Amprion mittlerweile standardmäßig zum Einsatz. In einigen ausgewählten Trassenabschnitten gibt es auch spezielle Artenschutzprojekte.[27]
Seit November 2015 ist das Unternehmen indirekt an der europäischen Strombörse EPEX SPOT beteiligt.[23] Amprion erwarb dazu fünf Prozent des Grundkapitals der HGRT (französischHolding des Gestionnaires de Réseau de Transport d’Electricité), einer Holding mehrerer Übertragungsnetzbetreiber, die 49Prozent an der Strombörse hält.