Im Mai 2010 wurde Alexander Gerst an der Universität Hamburg mit einer Forschungsarbeit zur Eruptionsdynamik des antarktischen Vulkans Mount Erebuspromoviert.[6] Ebenfalls tritt er in verschiedenen Dokumentationsfilmen zur Raumfahrt auf. Hierbei werden beispielsweise der Umgang und das Training mit g-Kräften behandelt.[7]
Gerst während seines ersten Außenbordeinsatzes (EVA)
Gerst setzte sich beim Auswahlverfahren 2008 der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) als einer der 8.413 Bewerber durch und wurde als einziger Deutscher unter sechs neuen Astronauten am 20.Mai 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt.[8][9] Anfang September 2009 begann er seine Ausbildung im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln[10] und wurde am 22.November 2010 nach Abschluss der Grundausbildung in einer offiziellen Zeremonie im EAC zum Astronauten ernannt.[11]
Nachdem sein Außenbordeinsatz im August 2014 zunächst verschoben worden war,[14] fand dieser gemeinsam mit Reid Wiseman unter der Bezeichnung US-EVA 27 bzw. ISS-Expedition 41 – EVA 1 am 7.Oktober 2014 statt. Während des knapp sechsstündigen Einsatzes wurden unter anderem eine defekte Kühlpumpe umgelagert und ein neues Kabelsystem für den Greifarm installiert.[15]
Am 10. November 2014 landete er nach 165 Tagen im All zusammen mit Surajew und Wiseman um 3:58UTC in Kasachstan. Ein Ärzteteam der ESA untersuchte, wie sich sein Organismus nach seinem schwerelosen Aufenthalt im Weltall an die irdische Schwerkraft anpasste.[16]
Gersts zweite Langzeitmission begann am 6.Juni 2018 mit dem Start des Raumschiffs Sojus MS-09. Als Bezeichnung von Gersts Mission, die im Rahmen der ISS-Expeditionen 56 und 57 stattfand, wurde Horizons gewählt.[17] Am 3.Oktober übernahm er planmäßig für drei Monate als erster Deutscher und zweiter Westeuropäer die Funktion des ISS-Kommandanten.[18] Nach 196 Tagen im All landete die Sojus-MS-09-Crew, bestehend aus Alexander Gerst, dem russischen Kosmonauten Sergei Prokopjew und der NASA-Astronautin Serena Auñón-Chancellor, am 20. Dezember 2018 wohlbehalten in der kasachischen Steppe.[19]
Mit dieser Mission erreichte Gerst eine Gesamtaufenthaltsdauer von 362 Tagen im Weltall und löste damit Thomas Reiter als den deutschen und ESA-Rekordastronauten ab.
Alexander Gerst übernahm bei der ESA ab Dezember 2018 Aufgaben am European Space Research and Technology Centre (ESTEC) der ESA und leitete eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe in den Niederlanden, um für die ESA-Mitgliedsstaaten Strategien zu entwickeln, die eine Beteiligung an Missionen im Erdorbit in der Zeit nach Beendigung der ISS erlauben. Er bringt seine Erfahrungen in verschiedenen Entwicklungsprojekten ein und war 2022 an der Auswahl einer neuen Astronautengruppe der ESA beteiligt.
Seit März 2023 leitet Gerst die Abteilung „Astronaut Operations“ am Europäischen Astronautenzentrum in Köln.[8]
„Als Astronaut der ESA nutzt Gerst in vorbildlicher Weise seine mediale Präsenz in Fernsehen, Print und Online, um insbesondere junge Menschen für Forschung und Technik zu begeistern, was für die Gewinnung von wissenschaftlichem Nachwuchs von unschätzbarer Bedeutung ist.“
Nachdem der Akademische Senat der Universität Hamburg 2017 entschieden hatte, Alexander Gerst die Ehrensenatorenwürde zu verleihen,[25] fand die Ernennung zum Ehrensenator der Universität Hamburg am 10. Mai 2019 im Rahmen eines großen Festakts statt.[26]
Gerst rief wiederholt zu mehr Umweltschutz und Klimaschutz sowie zum Erhalt der Lebensgrundlagen auf. Im Jahr 2015 kritisierte er das fortgesetzte Abholzen des tropischen Regenwaldes, das er aus dem Weltall beobachten konnte.[31] Während der Hitze- und Dürrewelle 2018 teilte er von der Internationalen Raumstation aus aufgenommene Fotos, in denen Mitteleuropa aufgrund vieler vertrockneter Pflanzen von Brauntönen dominiert war, und twitterte dazu: „Schockierender Anblick. Alles vertrocknet und braun, was eigentlich grün sein sollte.“[32]
Im Dezember 2018, einen Tag vor seiner Rückkehr auf die Erde, verbreitete er ein am 25.November 2018 ebenfalls von der ISS aufgenommenes Video, in dem er sich an seine zukünftigen Enkel richtete und sich im Namen seiner Generation bei ihnen entschuldigte. In Hinblick auf die menschengemachte globale Erwärmung, diverse Umweltzerstörungen und Kriege scheine es so, als hinterließe seine Generation den Planeten in keinem guten Zustand. Jeder solle nachdenken, wohin sein persönliches Verhalten führe. Er hoffe, „dass wir noch die Kurve kriegen.“[33] Die Menschen heute wüssten, dass sie mit ihrem Kohlenstoffdioxidausstoß einen gefährlichen Klimawandel verursachten, Wälder zerstörten, die Meere mit Abfall verseuchten und kostbare Ressourcen verschwendeten. Er wünsche sich, „dass wir nicht bei euch als die Generation in Erinnerung bleiben, die eure Lebensgrundlage egoistisch und rücksichtslos zerstört hat.“ Zugleich äußerte er seine Hoffnung, dass zukünftige Generationen besser wüssten, wie klein die Erde tatsächlich sei und wie knapp auch die Ressourcen auf ihr seien.[34]
↑Alexander Gerst:Temporal Changes in Seismic Anisotropy as a New Eruption Forecasting Tool. 1.Januar 2003, doi:10.26686/wgtn.16910776.v1 (wgtn.ac.nz[abgerufen am 15.Mai 2023] Open Access Te Herenga Waka-Victoria University of Wellington).