Akhtenskit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form mikroskopisch kleiner, schuppiger bis plattiger Kristalle gefunden werden, die parallel verwachsene Mineral-Aggregaten bilden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und von hellgrauer bis schwarzer Farbe.
Als synthetisches Produkt war ε-MnO2 bereits lange vor der Entdeckung des natürlichen Vorkommens bekannt. Seine und die Struktur der anderen Modifikationen von Manganoxid wurden 1951 durch Ju. D. Kondraschew und A. I. Saslawski (russischЮ. Д. Кондрашев, А. И. Заславский) entschlüsselt.[7]
Entdeckt wurde Akhtenskit erstmals in Mineralproben aus der Brauneisen-LagerstätteAchtenskoje (russischАхтенское, auch Akhtenskoye oder englischAkhtenskoe) nördlich der Siedlung Magnitka in der russischen Oblast Tscheljabinsk (Südural). Die Analyse und anerkannte Erstbeschreibung wurde von F. W. Tschuchrow, A. I. Gorschkow, A. W. Siwzow, W. W. Beresowskaja, Ju. P. Dikow, G. A. Dubinina und N. N. Barinow (russischФ. В. Чухров, А. И. Горшков, А. В. Сивцов, В. В. Березовская, Ю. П. Диков, Г. А. Дубинина, Н. Н. Баринов) durchgeführt, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1982 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1982-072[1]), die den Akhtenskit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1989 in den Mitteilungen der Akademie der Wissenschaften der UdSSR (russischИзвестия Академии наук СССР) veröffentlicht.
Zuvor war das Mineral allerdings bereits 1982 durch F. W. Tschuchrow, A. I. Gorschkow, A. W. Siwzow und weiteren als natürliches Analogon zu synthetischem ε-MnO2 beschrieben worden, jedoch ohne es zu benennen. Identifiziert wurde es auf einer alten Mineralprobe aus dem 19. Jahrhundert mit der Inventarnummer 307/5 aus der Mineralogischen Sammlung des Bergbau-Museums (englischMining Museum, MM) in Sankt Petersburg. Ursprünglich war die Probe als Psilomelan gekennzeichnet worden, erwies sich jedoch als feinkörniges, dunkelgraues Gemenge aus Kryptomelan, Nsutit und ε-MnO2.[8] Dieses Material gilt auch als Typmaterial für den Akhtenskit.[9][10]
Da der Akhtenskit erst 1982 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Akhtenskit ebenfalls in die Abteilung „Metall:Sauerstoff=1:2 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen; Ketten kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 4.DB.15b bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Akhtenskit die System- und Mineralnummer 04.04.10.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 4+ (AO2)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 04.04.10.
In der (theoretisch) idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Akhtenskit (MnO2) besteht das Mineral aus Mangan (Mn) und Sauerstoff (O) im Stoffmengenverhältnis von 1:2. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichts-%) von 63,19Gew.-%Mn und 36,81Gew.-%O.[12]
Für eine umfangreiche Analyse des Typminerals konnte nicht genügend Material abgetrennt werden. Die Röntgen-Photoelektronenspektroskopie und die energiedispersive Analyse ergaben allerdings, dass nur Mn4+ und O vorhanden waren. Es wurden weder Hydroxidionen (OH) noch molekulares Wasser nachgewiesen.[6]
Die Verbindung MnO2 ist trimorph und kommt in der Natur neben dem hexagonal kristallisierenden Akhtenskit noch als tetragonal kristallisierender Pyrolusit und als orthorhombisch kristallisierender Ramsdellit vor.
An seiner Typlokalität Achtenskoje bei Magnitka (Ural) bildete sich Akhtenskit zusammen mit anderen Manganoxiden in den dortigen Eisenoxidlagerstätten und entstand wahrscheinlich durch bakterielle Umwandlung aus einem früheren Mineral. Er kommt aber auch in Form von Überkrustungen an Ferromanganmineralen in ozeanischem Basalt auf einem Guyot (auch Tiefseekuppe oder Tiefseeberg) wie auf dem heutigen Berg Zarod in der Region Primorje im Fernen Osten Russlands vor. Als Begleitminerale können je nach Fundort unter anderem Goethit, Kryptomelan, Manganit, Nsutit, Pyrolusit, Todorokit und Vernadit sowie weitere Eisen-Mangan-Oxide auftreten.[5]
Außer an den genannten Fundstätten konnte Akhtenskit in Russland nur noch in der Gold-Lagerstätte „Vorontsovsk“ bei Turinsk (Oblast Swerdlowsk, ebenfalls Ural) entdeckt werden.
Weitere bisher bekannte Fundstellen sind der Hügel Vasbánya bei Répáshuta im Norden Ungarns, Sakyō-ku (englischSakyou-ku, Präfektur Kyōto) und die Kaso-Mine bei Kanuma (Präfektur Tochigi) auf Honshū in Japan sowie die Arșița-Mine und die Manganlagerstätte Tolovanu (auch Tolovan) bei Iacobeni (Suceava) in Rumänien.[13]
Ю. Д. Кондрашев, А. И. Заславский:Структура модификаций двуокиси марганца. In: Известия Академии наук СССР. Band1951, Nr.2, 1951, S.179–186 (russisch, englische Übersetzung: Y. D. Kondrashev, A. I. Zaslavskii: The structure of the modifications of manganese oxide. In: Izvestiya Akademii Nauk SSSR.).
Ф. В. Чухров, А. И. Горшков, А. В. Сивцов et al:Природный аналог синтетической ε–MnO2. In: Известия Академии наук СССР. Серия геологическая. Band1, 1982, S.56–65 (russisch).
Ф. В. Чухров, А. И. Горшков, А. В. Сивцов, В. В. Березовская, Ю. П. Диков, Г. А. Дубинина, Н. Н. Баринов:Ахтенскит – Природный аналог ε–MnO2. In: Известия Академии наук СССР. Band9, 1989, S.75–80 (russisch).
F. V. Chukhrov, A. I. Gorshkov, A. V. Sivtsov, V. V. Berezovskaya, Y. P. Dikov, G. A. Dubinina, N. N. Varinov:Akhtenskite – The natural analog of ε–MnO2. In: International Geology Review. Band31, 1989, S.1068–1072 (englisch).
John Leslie Jambor, Edward S. Grew:New mineral names. In: American Mineralogist. Band75, Nr.7–8, 1990, S.931–937 (englisch, minsocam.org[PDF; 862kB; abgerufen am 18.April 2026]).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.208 (englisch).
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Akhtenskite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF]).
12John Leslie Jambor, Edward S. Grew:New mineral names. In: American Mineralogist. Band75, Nr.7–8, 1990, S.931–937 (englisch, minsocam.org[PDF; 862kB; abgerufen am 18.April 2026]).
↑Ю. Д. Кондрашев, А. И. Заславский:Структура модификаций двуокиси марганца. In: Известия Академии наук СССР. Band1951, Nr.2, 1951, S.179–186 (russisch, englische Übersetzung: Y. D. Kondrashev, A. I. Zaslavskii: The structure of the modifications of manganese oxide. In: Izvestiya Akademii Nauk SSSR.).
12Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.21–22.