halbfaseriges, zart grünlich-graues Agrellit-Aggregat mit etwas Eudialyt (oben links) aus dem Kipawa Alkalikomplex, Témiscamingue, Québec, Kanada (Größe: 11,0 cm × 9,0 cm × 4,6 cm)
In reiner Form wäre Agrellit farblos und durchsichtig. Meist ist er jedoch durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung durchscheinend weiß oder nimmt durch Fremdbeimengungen eine grauweiße bis grünliche Farbe an.
Erstmals entdeckt wurde Agrellit in Mineralproben aus dem Kipawa-Komplex am Lac Sheffield nahe dem Villedieu Township in der kanadischen Gemeinde Témiscamingue (Québec). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch J. Gittins, M. G. Brown und B. D. Sturman, die das Mineral nach dem englischenMineralogenStuart Olof Agrell (1913–1996) benannten. Gittins, Brown und Sturman sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1973 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1973-032[1]), die den Agrellit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte drei Jahre später im englischsprachigen Fachmagazin The Canadian Mineralogist.[8]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.15-10. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Agrellit zusammen mit Glagolevit, Kryptophyllit (auch Cryptophyllit) und Shlykovit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/H.15 bildet.[4]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Agrellit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ketten bzw. Bänder, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DH.75 bildet.[11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Agrellit die System- und Mineralnummer 70.01.01.04. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikate: Säulen- oder Röhren-Strukturen“, wo das Mineral zusammen mit Fenaksit, Litidionit und Manaksit in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 70.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Säulen- oder Röhren-Strukturen mit säulenartigen Silikateinheiten“ zu finden ist.
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Agrellit (NaCa2Si4O10F) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Natrium (Na), 2 Teilen Calcium(Ca), 4 Teilen Silicium (Si), 10 Teilen Sauerstoff (O) und einem Teil Fluor (F) pro Elementarzelle. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 5,83Gew.-%Na, 20,32Gew.-%Ca, 28,48Gew.-%Si, 40,56Gew.-%O und 4,82Gew.-%F[12] oder in der Oxidform 7,86Gew.-%Natriumoxid Na2O, 28,43Gew.-%Calciumoxid (CaO), 60,93Gew.-%Siliciumdioxid (SiO2) und 2,79Gew.-%F (4,82–2,03Gew.-% → −O=F2).[5]
Aus den Messwerten ergibt sich die errechnete chemische Formel (Na4,06K0,07)(Ca7,30REE0,47)(Mn,Fe,Sr,Ba,Mg,Zr)0,14(Si15,61Al0,03)O39,70(F3,73OH0,71) oder vereinfacht (Na,K)1,03(Ca,REE usw.)1,94Si3,91O9,93(F,OH)1,11, die zur eingangs genannten Formel idealisiert wurde.[8]
Des Weiteren konnte das Mineral bisher nur noch im alkalischen Saima-Komplex (auch Saima-Alkali-Störung) bei Fengcheng in der nordostchinesischen Provinz Liaoning, im Murun-Massiv des Aldanhochlandes (Ostsibirien) und in den Chibinen auf der Halbinsel Kola in Russland sowie am Dara-i-Pioz-Gletscher im Alaigebirge von Tadschikistan entdeckt werden (Stand 2025).[13]
J. Gittins, M. G. Bown, D. Sturman:Agrellite, a new rock-forming mineral in regionally metamorphosed agpaitic alkalic rocks. In: The Canadian Mineralogist. Band14, 1976, S.120–126 (englisch, rruff.info[PDF; 459kB; abgerufen am 17.Januar 2025]).
Agrellite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 17.Januar 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.645 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789
Agrellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 68kB; abgerufen am 17.Januar 2025]).
1234Agrellite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.Januar 2025(englisch).
12J. Gittins, M. G. Bown, D. Sturman:Agrellite, a new rock-forming mineral in regionally metamorphosed agpaitic alkalic rocks. In: The Canadian Mineralogist. Band14, 1976, S.120–126 (englisch, rruff.info[PDF; 459kB; abgerufen am 17.Januar 2025]).