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9K330 Tor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
9K330 Tor
9K331 Tor-M1

9K331 Tor-M1
Allgemeine Angaben
Typ Flugabwehrlenkwaffe
GRAU-Index 9K330 Tor
NATO-Bezeichnung SA-15 Gauntlet
Herkunftsland Sowjetunion 1955 Sowjetunion
Hersteller NPO Antei, Kupol, MKB Fakel
Entwicklung 1975
Indienststellung 1986
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Länge 2,89 m
Durchmesser 239 mm
Gefechtsgewicht 167 kg
Spannweite 650 mm
Antrieb Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit 850 m/s (Mach 2,4)
Reichweite 12 km
Dienstgipfelhöhe 8.000 m
Ausstattung
Lenkung Trägheitsnavigationsplattform
Zielortung Radarzielverfolgung mit Funkkommandolenkung
Gefechtskopf 14,8 kg Continuous Rod
Zünder Näherungs- und Aufschlagzünder
Waffenplattformen Landfahrzeuge
Listen zum Thema

9K330 Tor (russisch Тор, lat. „Torus“) ist ein Kurzstrecken-Flugabwehrraketen-System aus der Sowjetunion. Der NATO-Codename lautet SA-15 Gauntlet.

Am 4. Februar 1975 erteilten das Zentralkomitee der KPdSU und der Ministerrat der UdSSR den Auftrag zur Entwicklung des 9K330 Tor-Flugabwehrsystems. Dieses sollte bei den Landstreitkräften der UdSSR das Flugabwehrsystem 9K33 Osa ersetzen. Unter Verwendung derselben Technologien sollte für die sowjetischen Marine das schiffbasierte 3K95 Kinschal-Flugabwehrsystem entwickelt werden. Die Entwicklung des 9K330 Tor wurde NPO Antei sowie Kupol zugesprochen und die Lenkflugkörper wurden von MKB Fakel entwickelt. Die Entwicklung des neuartigen Feuerleitradars mit der Phased-Array-Antenne sowie die neuen, senkrecht gestarteten Lenkflugkörper bereitete Probleme, so dass es bei der Entwicklung zu erheblichen Verzögerungen kam. Erst ab 1986 wurde eine geringe Anzahl 9K330 Tor an die Landstreitkräfte der UdSSR geliefert. Diese waren nach verschiedenen Nachbesserungen 1991 definitiv operationell.[1][2][3]

9K330 Tor ist ein allwetterfähiges, geländegängiges Kurzstreckenflugabwehrsystem auf einem Kettenfahrzeug. Spätere Ausführungen verwenden auch Radfahrzeuge. Es wird zur Flugabwehr über dem Gefechtsfeld und zum Schutz von motorisierten und mechanisierten Verbänden verwendet. Mit dem Flugabwehrsystem können Kampfhubschrauber, Kampfflugzeuge, unbemannten Luftfahrzeuge, Marschflugkörper, Gleitbomben und Luft-Boden-Lenkflugkörper in niedrigen bis mittleren Höhen bekämpft werden.[1][4][5]

Gemäß Hersteller soll 9K330 Tor in der Lage sein, Flugziele auf eine Distanz von 1,5 bis 12 km sowie in einem Höhenbereich von 10–6.000 m zu bekämpfen. Er soll Ziele bis zu einer Geschwindigkeit von 700 m/s bekämpfen können, dies mit einer Reaktionszeit von 8 bis 15 Sekunden. Weiter können auch radarreflektierende Bodenziele bekämpft werden.[1][4][5]

Die Ursprungsversion 9K330 ist auf einem Kettenfahrgestell vom Typ GM-355 aufgebaut. Dieses Fahrzeug wird 9A330 bezeichnet. Ab dem Modell 9K331 wird das GM-5955-Kettenfahrgestell verwendet. Dieses Fahrzeug wird 9A331 bezeichnet. Die Besatzung des Fahrzeuges besteht aus drei Mann. Das GM-355-Chassis hat eine Masse von rund 34 t, ist 7,5 m lang, 3,3 m breit und mit aufgestellter Radar 5,1 m hoch. Es verfügt über sechs Laufrollenpaare und verwendet ein hydropneumatisches Fahrwerk. Angetrieben wird es von einem V-12-Dieselmotor mit einer Leistung von 618 kW (840 PS). Weiter ist am Fahrzeug ein Hilfstriebwerk mit 75 kW Leistung verbaut, mit dem die Radaranlagen auch mit abgeschaltetem Dieselmotor betrieben werden können. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 km/h und der maximale Fahrbereich liegt bei rund 500 km. 9K330 kann Steigungen von 60 % und vertikale Hindernisse von 1 m überwinden. Die maximal zulässige Querneigung liegt bei 30 % und das Fahrzeug kann ohne Vorbereitung Gewässer mit einer maximalen Tiefe von 0,8 m durchfahren. Das Fahrzeug verfügt über ABC-Schutz und die Panzerung schützt vor Granatsplittern und dem Beschuss von Infanteriewaffen. Auf dem Fahrzeug ist ein in der Horizontalen um 360° drehbarer Turm installiert. In dem Turm ist die Senkrechtstartanlage für acht Lenkflugkörper untergebracht und außen sind die Radarantennen verbaut.[1][5][6]

Radar des Tor-M2

9K330 Tor verwendet einen Radarkomplex, der aus einem Überwachungsradar und einem Feuerleitradar besteht. Der Radarkomplex hat den NATO-Codenamen „Scrum Half“.[1]

Das Überwachungsradar ist oben, am Heck das Waffenturmes verbaut. Die Radarantenne kann während der Fahrt um 90° nach hinten runtergeklappt werden, um die Fahrzeughöhe zu verringern. Das Überwachungsradar arbeitet nach dem Monopulsverfahren. Verwendet wird eine trapezförmige Parabolantenne. Das Radar arbeitet im H-Band im Zentimeterbereich mit einer durchschnittlichen Impulsleistung von 1,5 Kilowatt. Die Installierte Radarreichweite beträgt 30 km. Die Antenne rotiert entweder mit 20 oder 60 Umdrehungen pro Minute um Ziele in einem 360°-Rundkreis detektieren und begleitet zu können. Der vertikale Öffnungswinkel beträgt 64°. Der maximale Fehler bei der Azimutauflösung liegt bei 4° und der maximale Fehler bei der Distanzmessung bei 200 m. Mit dem Überwachungsradar können zeitgleich 48 Ziele detektiert und von 2 bis 11 (je nach Version) die Flugrouten verfolgt werden. Ein Kampfflugzeug von der Größe einer F-15 „Eagle“ soll auf 27 km detektiert und ab 25 km begleitet werden können. Hubschrauber sollen auf Distanzen von 13 bis 20 km erfasst und begleitet werden können.[1][4][5][7]

Vorne am Waffenturm ist das Feuerleitradar verbaut. Es verwendet eine quadratische Phased-Array-Antenne, die in der Vertikalen schwenkbar ist und so einen Bereich von 0 bis +80° abdeckt. Das Radar funktioniert nach dem Prinzip der passiven elektronischen Strahlschwenkung (PESA) und hat einen vertikalen sowie horizontalen Öffnungswinkel von 60°. Das Doppler-Radar arbeitet im K-Band im Zentimeterbereich mit einer durchschnittlichen Impulsleistung von 0,6 Kilowatt. Die Installierte Radarreichweite beträgt 15 bis 25 km (je nach Version). Neben der flachen Radarantenne sind zwei Sendeantennen für das Datenlink zu den Lenkflugkörpern platziert. Weiter ist am Radarkomplex ein System für die Freund-Feind-Erkennung (IFF) sowie ein elektronisch-optisches Zielsystem verbaut. Dieses verwendet eine Videokamera mit Restlichtverstärker und einer Infrarotkamera.[1][4][5][7]

Lenkflugkörper

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Container mit vier 9M330-Lenkflugkörper

Die primären Lenkflugkörper des Tor sind die Typen 9M330 und 9M331 vom MKB Fakel. Die Fahrzeuge sind mit jeweils acht dieser Lenkflugkörper beladen, die sich im Mittelbereich der Waffenturmes in einer Senkrechtstartanlage befinden. Die 9M330/9M331-Lenkflugkörper haben einen schlanken, zylinderförmigen Rumpf und sind in mehrere Sektionen aufgeteilt: Hinter der ogiven Lenkflugkörperspitze befindet sich der Radar-Näherungszünder. Dahinter folgen die Aktuatoren für die Steuerflächen. Anschließend folgen kleine Raketentriebwerk zur Querschubsteuerung. Diese sind senkrecht zur Längsachse und tangential zum Umfang der Rakete angeordnet. Dahinter ist der Bordcomputer mit einem inertialen Navigationssystem, ein Gasgenerator und der Turbogenerator für die Elektrizitätsversorgung untergebracht. Danach folgt der 14,8 kg schwere Continuous-Rod-Gefechtskopf sowie das Feststoffraketentriebwerk mit der Düse im Heck. Am Flugkörperrumpf sind zwei Gruppen von Stabilisierungs- und Steuerflächen angebracht. Im hinteren Bereich sind vier trapezförmige Stabilisierungsflächen mit einer Spannweite von 650 mm und am vorderen Viertel des Flugkörperrumpfs vier trapezförmige Steuerflächen mit 530 mm Spannweite angebracht. Diese Flächen sind, während sich der Lenkflugkörper in dem Startbehälter befindet, an den Lenkflugkörperrumpf angelegt. Sie entfalten sich unmittelbar nach dem Start.[1][2][5][7][8][9]

Ab der Version 9K332 Tor-M2 können optional die 3M338-Lenkflugkörper verwendet werden. Die Tor-M2-Fahrzeuge können mit jeweils 16 dieser Lenkflugkörper beladen werden, die sich im Waffenturm in einer Senkrechtstartanlage befinden. Über den 3M338-Lenkflugkörper ist wenig bekannt. Es kommt dasselbe Lenkverfahren zur Anwendung und es wird eine Schubvektorsteuerung verwendet.[10][11][12]

Übersicht Lenkflugkörpermodelle

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Lenkflugkörper 3M330 3M331 3M338
Länge 2,89 m 2,94 m
Durchmesser 239 mm 200 mm
Flügelspannweite 650 mm unbek.
Gewicht 168 kg 163 kg
Gefechtskopf 14,8 kg Continuous Rod unbek.
Geschwindigkeit 850 m/s 1.000 m/s
Reichweite 12 km 16 km
Höhenbereich 6.000 m 10.000 m

Dies ist die Initialversion aus dem Jahr 1986. Verwendet wird das GM-355-Kettenfahrgestell mit einem Gewicht von 34 t sowie acht Lenkflugkörper vom Typ 9M330. Das Fahrzeug trägt die Bezeichnung 9A330. Die Reaktionszeit liegt zwischen 9 bis 15 Sekunden. Zeitgleich können zwei 9M330-Lenkflugkörper gegen ein Ziel zum Einsatz gebracht werden. Tor hat einen horizontalen Kampfbereich von 1,5 bis 12 km. Der vertikale Einsatzbereich liegt bei 10 bis 6.000 m. Flugziele können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 700 m/s bekämpft werden.[1][2][3]

Iranischer Tor-M1 während einer Parade im Jahr 2015

Dies ist die zweite Serienversion des Tor. Verwendet wird das GM-5955-Kettenfahrgestell mit einem Gewicht von 37 t sowie acht Lenkflugkörper vom Typ 9M331. Das Fahrzeug trägt die Bezeichnung 9A331. Mit dem Tor-M1 entstand ab 1991 eine modernisierte Ausführung des Tor, bei dem die aus den 1970er-Jahren stammende Elektronik durch moderne Komponenten ersetzt wurde. Weiter wird ein verbessertes Überwachungsradar verwendet und die Reaktionszeit konnte auf 7,5 bis 9,7 Sekunden verringert werden. Weiter kann Tor-M1 zeitgleich zwei 9M331-Lenkflugkörper gegen zwei Ziele einsetzen. Tor-M1 hat einen horizontalen Kampfbereich von 1 bis 12 km. Der vertikale Einsatzbereich liegt bei 10 bis 6.000 m. Flugziele können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 700 m/s bekämpft werden. Vom Tor-M1 existieren die folgenden Ausführungen:[1][4][13][14]

  • 9K331 Tor-M1: installiert auf einem GM-5955-Kettenfahrgestell.
  • 9K331T Tor-M1TA: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure ist auf der Sattelzugmaschine und der Waffenturm auf dem Sattelauflieger verbaut.
  • 9K331T Tor-M1TB: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure ist auf der Sattelzugmaschine verbaut und der Waffenturm wird auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt.
  • 9K331T Tor-M1TS: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure wird abgesetzt und der Waffenturm wird auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt.

Diese Ausführung wurde 2004 vorgestellt. Dabei wurden die Elektronik, die Arbeitsplätze sowie die Konsolen der Operateure modernisiert und es wird eine neue Software verwendet. Tor-M1A kann zeitgleich vier 9M331-Lenkflugkörper gegen zwei Ziele einsetzen. Die Einsatzparameter entsprechen dem Tor-M1. Die Ausführung Tor-M1A existiert entweder als Nachrüstprogramm oder als Neuproduktion.[15]

Tor-M2K auf Basis des MZKT-6922

Diese Ausführung entstand ab Ende der 1990er-Jahre und wurde erstmals auf der MAKS 2007 vorgestellt. Tor-M2 verwendet ein neues Überwachungsradar mit einer rechteckigen Phased-Array-Antenne mit Schlitzstrahler. Das Radar arbeitet im UHF-Band und soll zeitgleich 48 Flugziele auf rund 32 km detektieren und begleiten können. Weiter wurde die Elektronik und die Software für die Feuerleitung verbessert. Dadurch konnte die Reaktionszeit verringert und der Bekämpfungsablauf automatisiert werden. Der Lenkflugkörper-Start kann jetzt aus der Fahrt mit maximal 25 km/h erfolgen. Das schnellstmögliche Startintervall beträgt einen Lenkwaffenstart alle 2 Sekunden. Tor-M2 kann zeitgleich vier 9M331-Lenkflugkörper gegen vier Ziele einsetzen. Die Senkrechtstartanlage des Tor-M2 kann wahlweise mit 8 3M331 oder 16 3M338-Lenkflugkörper beladen werden. Werden die 3M331-Lenkflugkörper verwendet, entsprechen die Einsatzparameter dem Tor-M1. Mit den neuen 3M338-Lenkflugkörpern hat Tor-M2 einen horizontalen Kampfbereich von 1 bis 16 km. Der vertikale Einsatzbereich liegt bei 10 bis 10.000 m. Flugziele können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 850 m/s bekämpft werden. Vom Tor-M2 existieren die folgenden Ausführungen:[15][12][16][17][18][19]

  • 9K332 Tor-M2: installiert auf einem GM-5955-Kettenfahrgestell.
  • 9K332 Tor-M2K: Version auf einem MZKT-6922 mit der Antriebsformel 6×6.
  • 9K332 Tor-M2E: Exportversion des Tor-M2K.
  • 9K332 Tor-M2DT: installiert auf dem Mehrzweckfahrzeug DT-30PM.
  • 9K332T Tor-M2TA: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure ist auf der Sattelzugmaschine und der Waffenturm auf dem Sattelauflieger verbaut.
  • 9K332T Tor-M2TB: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure ist auf der Sattelzugmaschine verbaut und der Waffenturm wird auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt.
  • 9K332T Tor-M2TS: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure wird abgesetzt und der Waffenturm wird auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt.

Diese Ausführung wurde 2014 vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Modul mit einer Kabine für die Operateure, den Radaranlagen sowie dem Waffenturm. Das Modul hat ein Gewicht von rund 15 Tonnen. Es kann auf einem Sattelzug oder Lastkraftwagen verbaut werden oder auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt werden. Die Senkrechtstartanlage des Tor-M2 kann wahlweise mit 8 3M331 oder 16 3M338-Lenkflugkörper beladen werden. Die Einsatzparameter entsprechen dem Tor-M2.[15][20][21][22]

Dies ist eine Verbesserte Ausführung des Tor-M2 aus dem Jahr 2015. Mit einer neuen Software und verbesserten Bekämpfungsalgorithmen sollen kleine Flugziele wie Gleitbomben, Marschflugkörper und Drohnen besser bekämpft werden können. Die Senkrechtstartanlage des Tor-M2U kann wahlweise mit 8 3M331 oder 16 3M338-Lenkflugkörper beladen werden. Die Einsatzparameter entsprechen dem Tor-M2. Die Ausführung Tor-M2U existiert entweder als Nachrüstprogramm oder als Neuproduktion.[15][20]

Dies ist ein zeitgleich mit dem 9K330 Tor entwickeltes, seegestütztes Flugabwehrraketen-System für die Verwendung auf Kriegsschiffen.

Gefechtsgliederung & Einsatzkonzept

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9K330 Tor wird beim Russischen Heer zum Schutz der Kampfverbände im begleitenden Einsatz verwendet. Ein Tor-Regiment besteht aus 2 bis 4 Abteilungen. Eine Abteilung gliedert sich in eine Stabsbatterie und 3 bis 4 Lenkwaffenbatterien. Die Tor-Lenkwaffenbatterien haben ein 9S737 Ranzhir-Feuerleitstand sowie 4 Tor-Startfahrzeuge im Bestand. Die Luftraumüberwachung geschieht auf Stufe Brigade mit einem Radar vom Typ 1L119 Nebo (NATO-Codename „Box Spring“) oder auf Stufe Abteilung mit einem Radar vom Typ 9S18M Kupol-M (NATO-Codename „Snow Drift“). Die gewonnenen Daten über die Gesamtluftlage werden an die Feuerleitstände der Tor-Batterien weitergeleitet. Dabei können die Tor-Einheiten im Verbund mit den Flugabwehrsystemen 9K37 Buk, S-300W sowie S-400 eingesetzt werden. Daneben können einzelne Tor-Flugabwehrsysteme auch autonom eingesetzt werden.[23][24][25]

Die Tor-Fahrzeuge können das Überwachungsradar während der Fahrt betreiben. Dabei beträgt die Reaktionszeit bis zum Lenkflugkörperstart rund 10 bis 15 Sekunden. Steht das Fahrzeug still liegt die Reaktionszeit bei rund 7 bis 9 Sekunden. Nachdem mit dem Überwachungsradar ein Ziel erfasst wurde, wird der Waffenturm mit dem Feuerleitradar in die Bedrohungsachse gedreht. Das Ziel wird nun mit dem Feuerleitradar verfolgt. Ab diesem Zeitpunkt kann der Bekämpfungsablauf vollautomatisch oder manuell erfolgen. Dabei analysiert der Feuerleit-Computer die Bedrohung, ermittelt die nötigen Werte für den Lenkflugkörper-Start und führt eine Freund-Feind-Erkennung durch. Kommt das Ziel in den Wirkungsbereich des Tor-Systems erfolgt der Lenkflugkörperstart. Beim Start werden die Lenkflugkörper mit einem gasbetriebenen Katapult senkrecht in die Höhe geschleudert. Dabei richten die Raketentriebwerke der Querschubsteuerung den Lenkflugkörper auf die Flugachse aus. In einer Höhe von 18–20 m zündet das Feststoffraketentriebwerk des Lenkflugkörpers. Das Feuerleitradar verfolgt zeitgleich das Ziel sowie den Lenkflugkörper. Kurskorrekturen werden im Feuerleit-Computer errechnet und mittels UHF-Datenlink an die Lenkflugkörper gesendet. Weiter kann der Lenkflugkörper auch mit dem elektronisch-optischen Zielsystem nach dem SACLOS-Prinzip ins Ziel gesteuert werden. Der 9M330-Lenkflugkörper kann Ziele verfolgen, die mit 12 g manövrieren und dabei selbst Flugmanöver mit einer maximalen Querbelastung von 30 g ausführen. Tieffliegende, überschallschnelle Ziele können auf eine Distanz von 5 km sowie bis in einen Höhe von 3.500 m bekämpft werden. Übrige Flugziele können auf bis 12 km sowie bis in eine Höhe von 6.000 m bekämpft werden. Kommt das Flugziel in den Ansprechradius (7 m) des Näherungszünders, wird der Continuous-Rod-Gefechtskopf gezündet. Bei einem Direkttreffer wird der Gefechtskopf durch den Aufschlagzünder ausgelöst. Verfehlt der Lenkflugkörper das Ziel, so wird er nach einer bestimmten Flugzeit unscharf und stürzt zu Boden.[1][4][5][7]

Kriegseinsätze

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Bergkarabachkonflikt 2020

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Während des Krieges um Bergkarabach 2020 wurden zwei armenische Tor-M2KM-Systeme von Loitering Weapons und Bayraktar TB2-Drohnen zusammen mit mindestens 16 älteren 9K33 Osa-Systemen zerstört. Im Gegenzug gelang es armenischen Tor-M2KM-Systemen, mehrere Bayraktar TB2-Drohnen abzuschießen.[26][27]

Bürgerkrieg in Syrien

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Im Rahmen des russischen Militäreinsatzes in Syrien wurden Tor-Systeme zum Schutz Luftwaffenbasis in Latakia eingesetzt. Russischen Angaben zufolge sollen die Tor-Systeme bis im Sommer 2020 rund 45 Drohnen abgeschossen haben.[28]

Russisch-Ukrainischer Krieg

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Bei dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 verfügen beide Konfliktparteien über Tor-Systeme. Gemäß OSINT-Analysen des Militär-Blogs Oryx wurden bis März 2026 mindestens 44 Tor-Systeme in diversen Versionen der Streitkräfte Russlands zerstört oder durch die Ukrainischen Streitkräfte erbeutet. Hinzu kommen weitere 29 Systeme in diversen Versionen, welche durch Angriffe beschädigt wurden. Über den Einsatzstatus der ukrainischen Tor-Einheiten ist wenig bekannt. Möglicherweise sind die aus der Sowjetzeit stammenden Tor-Systeme infolge ihres Alters nicht mehr einsatzbereit.[29][30][31][32]

Am 8. Januar 2020 wurde ein Passagierflugzeug vom Typ Boeing 737-800, unterwegs von Teheran nach Kiew von einem 9K331M-1 Tor-M1 der Iranischen Luftwaffe abgeschossen. Gemäß dem iranischen Brigadegeneral Amir Hajizadeh wurde das Passagierflugzeug für einen Marschflugkörper gehalten. Unter den 167 Passagieren und 9 Besatzungsmitgliedern gab es keine Überlebenden.[33]

  •  Ägypten – Im Januar 2020 befanden sich 10 9K331M Tor-M1 und 10 9K332 Tor-M2E im Dienst.[34.1]
  •  Armenien – Im Dezember 2019 erhielt Armenien 2 Tor-M2KM, welche auf KamAZ-63501 installiert sind.[35]
  •  Belarus – unbekannte Anzahl Tor-M2 im Dienst[15]
  •  Volksrepublik China – Im Januar 2018 befanden sich 24 9K331M-1 im Dienst. Lokale Bezeichnung HQ-17[36.1]
  •  Griechenland – Im Januar 2018 befinden sich 25 9K331M-1 im Dienst.[36.2]
  •  Iran – Im Januar 2018 befanden sich 29 Tor-M1 im Dienst,[36.3] die im Dezember 2005 für ca. 700 Mio. US-$ bestellt und ab Januar 2007 ausgeliefert wurden, nachdem der Kauf von S-300PMU-1/-2-Langstrecken-Systemen infolge von Protesten der Vereinigten Staaten vorerst nicht zustande kam.[37]
  •  Libyen – unbekannte Anzahl Tor-M2 seit 2025.[38]
  • Russland – Anfang 2026 befanden sich rund 129 Tor-Systeme in verschiedenen Ausführungen im Dienst.[39]
  • Ukraine – Im Januar 2021 befanden sich 6 9K330 im Dienst.[40][41]
  •  Belarus – Im Januar 2018 befinden sich 17 9K332E im Dienst.[36.4]
  •  Zypern –6 9K332 im Dienst.[36.5]
  •  Aserbaidschan – Unbekannte Anzahl 9K330.[42][36.6][43]
  •  Venezuela –12 9K331M.[36.7]
Commons: Flugabwehrraketensystem Tor – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 James C. O’Halloran & Christopher F. Foss: Jane’s Land-based Air-Defence, Edition 2002–2003. 2002, S. 163–165.
  2. 1 2 3 Pvo.guns.ru: ЗРК "Тор"
  3. 1 2 Missilery.info: Зенитный ракетный комплекс 9К330 "Тор"
  4. 1 2 3 4 5 6 Ausairpower.net: Dr. Carlo Kopp: Kupol 9K330/9K331/9K332 Tor M/M1/M2 Self Propelled Air Defence System / SA-15 Gauntlet
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Nikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 9 – Air and Ballistic Missile Defense. 2004, S. 460–466
  6. Rwd-mb3.de: Gefechtsfahrzeug 9A330 / 9A331
  7. 1 2 3 4 Voenmeh.ru: С.Н.Ельцин. Зенитный ракетный комплекс «Тор-М1», СПб, 2015 (Archivlink)
  8. Rwd-mb3.de: Fla-Rakete 9M330 / 9M331
  9. Deagel.com: 9M331
  10. Deagel.com: 9M338
  11. Vpk.name: The Thor air defense system is an adequate response to modern air threats.
  12. 1 2 Defensemirror.com: https://defensemirror.com/news/9409/Russia_Unveils_Advanced_High_Precision_Air_Defense_System
  13. Missilery.info: Зенитный ракетный комплекс 9К331 "Тор-M1"
  14. Bastion-karpenko.ru: Anti-Aircraft Missile Complex “TOR-M1”
  15. 1 2 3 4 5 Deagel.com: Tor-M1
  16. Pvo.guns.ru: ЗРК "Тор-М2Э"
  17. Missilery.info: Зенитный ракетный комплекс "Тор-M2Э"
  18. Bastion-karpenko.ru: Боевую Машину 9а331м Зенитного Ракетного Комплекса «Тор-М2» Показали На Форуме Армия-2024
  19. Redsamovar.com: Le système anti-aérien Tor : actualités et développements futurs
  20. 1 2 Missilery.info: Зенитный ракетный комплекс 9М331МКМ "Тор-M2КМ"
  21. Edrmagazine.eu: The Russian Navy plans to install the Tor-M2KM air defence system on warships
  22. Vpk.name: ABM Tor-M2KM is a ready response to a new threat
  23. Центр АСТ (bpmd): Зенитные ракетные комплексы „Тор-М2“ 538-го зенитного ракетного полка в 726-м учебном центре в Ейске. livejournal.com, 27. März 2017, abgerufen am 8. Juni 2018 (russisch).
  24. Rwd-mb3.de: Fla-Raketen-Komplex 9K330 TOR
  25. Rwd-mb3.de: Führungssystem 9S737 Ranzhir
  26. Oryxspioenkop.com: The Fight For Nagorno-Karabakh: Documenting Losses On The Sides Of Armenia And Azerbaijan (englisch, abgerufen am 29. Dezember 2021)
  27. Csis.org: The Air and Missile War in Nagorno-Karabakh: Lessons for the Future of Strike and Defense
  28. Ednews.net: Russian TOR air defense missile systems shot down 45 militant drones in Syria
  29. Andreas Rüesch: Das Rätsel am Himmel der Ukraine: Russlands Luftwaffe bleibt dem Kampfgeschehen weitgehend fern. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 14. März 2022, abgerufen am 14. März 2022.
  30. Justin Bronk: The Mysterious Case of the Missing Russian Air Force. In: rusi.org. Royal United Services Institute (RUSI), 28. Februar 2022, abgerufen am 14. März 2022 (englisch).
  31. Attack On Europe: Documenting Russian Equipment Losses During The Russian Invasion Of Ukraine. In: oryxspioenkop.com. Oryx Spioenkop, 14. März 2022, abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  32. Attack On Europe: Documenting Ukrainian Equipment Losses During The Russian Invasion Of Ukraine. In: oryxspioenkop.com. Oryx Spioenkop, 14. März 2022, abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  33. Jeremy Binnie: Civil Aviation Organization of Iran confirms Tor-M1s fired at airliner. In: janes.com. IHS Jane‘s, 21. Januar 2020, abgerufen am 27. Januar 2020 (englisch).
  34. The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2020. 1. Auflage. Routledge, London 2020, ISBN 978-1-85743-955-7 (englisch, Stand: Januar 2020).
    1. 347
  35. Dmitry Fediushko: Armenia receives Tor-M2KM SAM systems. In: janes.com. IHS Jane's, 24. Dezember 2019, abgerufen am 6. Januar 2020 (englisch).
  36. The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2018. 1. Auflage. Routledge, London 2018, ISBN 978-1-85743-955-7 (englisch, Stand: Januar 2018).
    1. 251
    2. 112 ff
    3. 336
    4. 186
    5. 92
    6. 183
    7. 426
  37. 'Russland liefert erste Fla-Raketen Tor-M1 nach Iran', de.rian.ru, 16. Januar 2007
  38. Armyrecognition.com: Libya enhances air defense with newly delivered Russian Tor-M2 missile system.
  39. International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2026. Routledge Revivals, Oxford, Vereinigtes Königreich, 2026, ISBN 978-1-003-77897-4. S. 188–203.
  40. Oryxspioenkop.com: Back From The Dead: Ukraine’s Tor SAMs
  41. The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2021. Vereinigtes Königreich, 2021, S. 209, ISBN 978-1-032-01227-8.
  42. Стал известен список военной техники, которая будет продемонстрирована Вооруженными силами Азербайджана на военном параде. Агентство Азери-Пресс (АПА), 12. Juni 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juni 2013; abgerufen am 12. Juni 2013 (russisch).
  43. Archivlink (Memento vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive)