Karl III. gibt Rollo die Hand seiner Tochter Gisela
11. Juli: Nach zahlreichen Angriffen in Nordfrankreich erhält der Normanne Rollo von Karl dem Einfältigen im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte die Seinemündung als Lehen. Dieser Vertrag, der schriftlich nicht erhalten ist, gilt als die „Geburtsakte“ der Normandie. Rollo lässt sich in der Folge taufen, heiratet Gisela, eine uneheliche Tochter Karls, und leistet Karl den Treueid, für den er wiederum sein Land als Lehen empfängt.
5. oder 23. November: Burchard I., Herzog von Schwaben wird gemeinsam mit seinem Bruder Adalbert von Thurgau wegen Hochverrats hingerichtet. Sein Sohn Burchard II. und dessen Frau Regelinda können zu ihrer Verwandtschaft nach Italien fliehen.
Æthelflæd, dargestellt in The Cartulary and Customs of Abingdon Abbey, um 1220
Nach dem Tod von Æthelred übernimmt seine Gattin Æthelflæd die alleinige Herrschaft über das Königreich Mercia, eines der seltenen Beispiele einer Frau als Herrscherin über ein Königreich im europäischen Mittelalter. Dass sie als Herrscherin akzeptiert wird, hängt vermutlich auch damit zusammen, dass Mercia bereits eine Tradition hat, in der Königinnen mehr Teilhabe an der Macht hatten.
26. April: Sunyer I. wird nach dem Tod seines Bruders Wilfried II. Borrell Graf von Barcelona, Girona und Osona aus dem Haus Barcelona. Außenpolitisch gibt er die defensive Haltung seiner Vorgänger auf und greift mit wechselndem Erfolg die Maurenstaaten im Süden an. Sunyer unternimmt große Anstrengungen in seinen Grafschaften und betreibt vor allem Siedlungspolitik in Ausona. Er stärkt die Position der Kirche, gibt ihr Land und damit Einkommen.
Nach dem Tod von Pietro Tribuno bleibt das Amt des Dogen von Venedig mehrere Monate vakant, bis sich das Wahlkollegium auf einen Nachfolger einigen kann.
2. September: Abgesandte des Warägerfürsten Oleg unterzeichnen in Konstantinopel einen Vertrag, der den Handelsaustausch zwischen der Kiewer Rus und dem byzantinischen Reich und die Rechtsstellung der russischen Kaufleute regelt. Die bestehenden Differenzen, die zu kriegerischen Konflikten geführt hatten, werden ausgeräumt.
28. Februar: Abū ʿAbdallāh asch-Schīʿī, der entscheidend zur Gründung des Fatimidenreichs beigetragen hat, aber bei einer Verschwörung von Missionaren (du'at) und Kutāmaführern eine zweifelhafte Rolle gespielt hat, wird auf Geheiß des Kalifen Abdallah al-Mahdi ermordet, der damit seine Macht festigt.
Anastasius III. wird als Nachfolger des am 14. April gestorbenen Sergius III. zum Papst gewählt. Über ihn gibt es so gut wie keine Aufzeichnungen. Sein Pontifikat fällt in die Zeit der Herrschaft römischer Adliger über Rom und der Mätressenherrschaft.