Anfang Oktober: Angesichts der militärischen Übermacht flieht Edward IV. mit seinem Bruder Richard, dem Herzog von Gloucester, nach Flandern. Edwards hochschwangere Frau Elizabeth Woodville flüchtet sich ins Kirchenexil, wo sie am 2. oder 4. November den Sohn Edward zur Welt bringt.
6. Oktober: Richard Neville und George Plantagenet ziehen prunkvoll in London ein.
13. Oktober: Heinrich VI. wird neuerlich als König von England eingesetzt und das Parlament erklärt die Absetzung Edwards. Dieser hat im burgundischen Exil bereits mit der Sammlung von Truppen begonnen.
Illustration zum Twingherrenstreit in Diebold Schillings Berner Chronik, 1485
Mit der Wahl des Metzgermeisters Peter Kistler zum Schultheissen von Bern am 23. April beginnt der Twingherrenstreit zwischen dem Adel und den Notabeln der Stadt. Der Rat verabschiedet in der Absicht, die adeligen Geschlechter aus dem Rat zu drängen und deren Machtbefugnisse und Vorrechte zu Gunsten der Stadt Bern zu beschneiden, eine strenge Kleiderordnung, die beim Adel heftigen Widerstand auslöst. Während einer Messe im Berner Münster erscheinen die Familien von Bubenberg, von Erlach, von Diesbach, Matter, von Ringoltingen und andere demonstrativ in den verbotenen Kleidern. Dies führt zu einer Gerichtsverhandlung, in der die adligen Familien auf ihre äusserliche Abgrenzung gegen das einfache Volk beharren und dies als angeborenes, gottgewolltes Vorrecht verteidigen. Sprecher der Adelspartei und Hauptgegner von Peter Kistler ist der Kürschnermeister Hans Fränkli. Der Prozess endet mit Geldstrafen und alle Beteiligten werden für einen Monat aus der Stadt Bern verbannt. Der bernische Rat sieht sich jedoch nach kurzer Zeit aus wirtschaftlichen Überlegungen gezwungen, die Verbannten wieder in die Stadt zu lassen und die Kleidergesetze zu Gunsten der adligen Familien abzuändern.
Arnold Therhoernen setzt erstmals Kustoden bei gedruckten Büchern ein.
Die Berner Ratsherren Bendicht Tschachtlan und Heinrich Dittlinger fertigen die Tschachtlanchronik an, die älteste erhalten gebliebene Schweizer Bilderchronik. Es handelt sich dabei um eine Papierhandschrift mit 230 farbigen, meist ganzseitigen Abbildungen.
Das Weisse Buch von Sarnen
Das Weisse Buch von Sarnen entsteht, eine vom Obwaldner Landschreiber Hans Schriber verfasste Sammlung eidgenössischer Urkunden und Geschichtsschreibung der Innerschweiz. In dem Buch wurde die Legende von Wilhelm Tell erstmals niedergeschrieben.
Sandro Botticelli eröffnet in Florenz seine eigene Werkstatt. Im selben Jahr erhält er den Auftrag, ein Bild der Tapferkeit (Fortitudo) in der Reihe der sieben Tugenden für das Zunftgericht Tribunale della Mercanzia anzufertigen.
Papst Paul II. legt fest, dass das katholische Jubeljahr unabänderlich alle 25 Jahre stattfinden soll, beginnend mit dem Jahr 1475.
Medinger Osterorationale, Doppelseite mit Illustrationen
Um 1470 entsteht im Zisterzienserinnenkloster Medingen im heutigen Niedersachsen das Medinger Osterorationale, ein spätmittelalterliches klösterliches Andachtsbuch für das Osterfest. Die kleinformatige Handschrift umfasst 335 doppelseitig beschriebene hochformatige Pergamentblätter. Gebunden ist sie in einen Holzdeckeleinband mit braunem Lederbezug. Die Schrift enthält liturgische Texte der Osterliturgie, Gebete und Meditationen, deren Texte meist 17-zeilig in einer regelmäßigen Bastarda geschrieben sind. Sie sind überwiegend in Latein mit längeren niederdeutschen Passagen gehalten. Die Lombarden weisen meist die Farben Rot und Blau auf. Die 38 farbigen Illustrationen sind kunstvoll und aufwendig gestaltet und zeigen erzählende und allegorische biblische Szenen des Alten und Neuen Testaments.