Im Jahr 1942 hatte die japanische Marine erkannt, dass die Nahbereichsflugabwehr ihrer Hauptkampfschiffe nicht ausreichte. Daher wurde nach schnell realisierbaren Lösungen für dieses Problem gesucht. Da man zu diesem Zeitpunkt bereits an drallstabilisierten Raketen arbeitete, wurde die Entscheidung getroffen, einen Mehrfachwerfer mit solchen Geschossen zu entwickeln.
Die typische Munitionsausstattung, hier am Beispiel der Unryū-Klasse mit 6 Werfern, bestand für jeden Werfer aus fünf Sätzen à 28Raketen (140Raketen). Was zu einem Gesamtbestand von 840Raketen führte.[1] Die japanische Marine schätze das Waffensystem als wirksam ein, besonders im Einsatz gegen Sturzkampfbomber.[2]
Der Werfer verwendete eine modifizierte Drillingslafette der Typ 96 2,5-cm-Maschinenkanone, der leichten Standard-Flugabwehrwaffe der Kaiserlich Japanischen Marine und hatte ein Gesamtgewicht von 1.597kg. Die Länge lag bei 2400mm, die Breite bei 1350mm ohne Schutzschilde. Jeder Werfer bestand aus 28Rohren, die im oberen Teil in drei Reihen zu 6 und im unteren Teil in zwei Reihen zu 5Rohren angeordnet waren. Die unterste Reihe war dabei nach hinten hin verkürzt, um beim Abschuss in einem höheren Richtbereich den Werfer nicht zu beschädigen. Der Höhenrichtbereich betrug +5°bis+80° und der Seitenrichtbereich wurde nur durch die Decksaufbauten beschränkt.[3] Das Ausrichten auf ein Ziel und Abfeuern der Raketen erfolgte elektrisch nach Vorgabe eines Zielrechners, welches seine Daten durch die Typ 94 Feuerleitgeräte der leichten Flugabwehr erhielt. Eine manuelle Abfeuerung des Werfers, konnte nach Ausfall des Zielrechners, durch einen neben den Rohren angebrachten Richt- und Abfeuermechanismus durchgeführt werden. Die Raketenstarts erfolgten entweder in zwei Gruppen zu je 14Raketen oder in Zweiergruppen. Dabei wurde in einer festgelegten Reihenfolge geschossen, bei welcher die Beeinflussung der Flugkörper durch den zuvor abgefeuerten so gering wie möglich gehalten wurde. Beim Abschuss von 14 Raketen zugleich kam es immer wieder zu Fällen, in denen sich einzelne Abschussrohre aufgrund der hohen Temperaturen verzogen und unbrauchbar wurden. In der Praxis wurden daher immer zwei Raketen im Abstand von etwa einer Sekunde gezündet.
Auf Grund gemachter Einsatzerfahrungen wurde später der Werfer verbessert. Dabei wurde die Anzahl der Rohre auf 30 erhöht (japanisch十二糎三十連装噴進砲12 senchi 30 renso funshinho, deutsch ‚12 cm 30-rohrige Raketenkanone‘). Des Weiteren wurde mit dem Typ 4 Feuerleitgerät eine auf den Werfer besser zugeschnittene Version entwickelt.
Die Raketen bzw. das Geschoss, offizielle Bezeichnung Typ 4 12-cm-Granate (japanisch四式十二糎焼霰), hatte ein Kaliber von 120mm bei einer Länge von 730mm und einem Gewicht von 22,5kg. Der Gefechtskopf, das obere Drittel der Rakete, war mit 200g Sprengstoff befüllt und einigen darum angeordneten, in Phosphor getränkten, Faserbündeln. Zur besseren Verteilung dieser Brandsätze war eine zusätzliche Sprengladung von 580g unterhalb der Brandsätze platziert. Der Treibsatz nahm die restlich zwei Drittel der Rakete ein und bestand aus in Stangen gepressten Festtreibstoff. Diese Stangen hatten einen Durchmesser von 30mm, einer Länge von 250mm innen bzw. 300mm außen und einem Gewicht von 3,4kg. Nach dem Zünden brannten sie für 1,6Sekunden. Im hinteren Teil waren sechs Düsen eingebaut, die um 25° in der Vertikalen geneigt waren und so zusätzlich zum Vorschub einen stabilisierenden Drall erzeugten. Das Abfeuern erfolgte durch Auslösen eines hammerförmigen Zündkopfs, der auf ein zwischen den Düsen angebrachtes Zündhütchen am Boden der Rakete schlug. Die Reichweite betrug 4800m bei einer Maximalgeschwindigkeit von 240m/s. In der Praxis waren die Raketen mit Zeitzündern ausgestattet, die den Gefechtskopf nach 5 bis 8Sekunden in einer Entfernung von 1000 bis 1500m vor dem Schiff zündeten.[3]
Leland S. Ness:Rikugun: Guide to Japanese Ground Forces 1937–1945 - Volume 2: Weapons of the Imperial Japanese Army & Navy Ground Forces. Helion & Company, Solihull 2015, ISBN 978-1-909982-75-8 (englisch).
Lars Ahlberg & Hans Lengerer:Sōryū, Hiryū, & Unryū-Class Aircraft Carriers – In the Imperial Japanese Navy during World War II. Fischer Military, Atglen 2020, ISBN 978-0-7643-6077-0 (englisch).
Verschiedene (Gakken Geschichtsgruppe):Träger der Shōkaku-Klasse: Die ersten großen Flottenträger der Kaiserlichen Marine "Shōkaku" und "Zuikaku" (=Geschichte der Schlachten im Pazifik Ausgabe 13). 1. Auflage. Gakushu Kenkyusha (Gakken), Tokyo 1997, OCLC170127302 (japanisch: 翔鶴型空母: 帝国海軍初の艦隊型大型航空母艦.).