Der Entwurf der evangelischen Glaubenskirche in der Friedrich-Franz-Straße 9 des Berliner Ortsteils Tempelhof stammt von den Charlottenburger Architekten Ferdinand Köhler und Paul Kranz, die schon den Bau des gegenüberliegenden Realgymnasiums übernommen hatten. Am 29. März 1914 wurde der Grundstein gelegt, am 29. August 1915 wurde die Kirche eingeweiht. Die im Ersten Weltkrieg erbaute dreischiffige Hallenkirche ist der zeitgenössischen Reformarchitektur zuzurechnen, der verputzte Mauerwerksbau kommt in seiner äußeren Erscheinung ohne historisierenden Dekor aus. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche mit einfachsten Mitteln restauriert und am 11. September 1955 erneut eingeweiht. 1959/1960 wurde die unter Denkmalschutz stehende Kirche teilweise umgebaut.

Geschichte
Das Dorf wurde offenbar vom Templerorden zwischen 1184 und 1215 gegründet, der dort eine Kommende unterhielt und ihr den Namen Tempelhof gab. Nach der Zwangsauflösung des Ordens 1312 fiel Tempelhof zunächst an den Johanniterorden, der es 1435 an die Doppelstadt Berlin-Cölln verkaufte. 1693 wird Tempelhof eine Filiale von Britz. Ab 1717 ist das Patronat an den Besitzer des Rittergutes Tempelhof gekoppelt. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Urbanisierung der Feldmark. Vom Jahr der Reichsgründung bis 1900 stieg die Zahl der Einwohner von 1.417 auf 9.991. Bereits am 12. Februar 1892 wurde Tempelhof aus der Kirchengemeinde Britz ausgepfarrt. 1894 regte der Pfarrer von Tempelhof und 1895 auch die Kirchenbehörde den Bau einer zweiten größeren Kirche an, weil die alte Dorfkirche Tempelhof zu klein war. 1901 liegt das Patronat bei der Tempelhofer Terraingesellschaft, die ein Grundstück an der Ecke Kaiserin-Augusta- und Friedrich-Franz-Straße für den Bau von Kirche und Gemeindehaus im Tausch gegen die Ablösung des Patronats zur Verfügung stellt. 1903 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, zwei Jahre später beschloss der Gemeindekirchenrat den Bau einer zweiten Tempelhofer Kirche. Nur wenige Monate nach Baubeginn brach der Erste Weltkrieg aus. Die Fenster sollten ursprünglich zur ewigen Erinnerung an diese große Zeit heroisch gestaltet werden, letztlich wurden friedliche Motive verwendet. Auch die Namensgebung der Kirche war umstritten. Zunächst favorisierte der patriotische Gemeindekirchenrat Siegeskirche oder „Kreuzritterkirche“, es wurde dann aber doch der Name Glaubenskirche gewählt. Die Turmuhr konnte 1915 nur mit Zeigern aus Holz fertiggestellt werden. Das Kupferdach wurde 1918 beschlagnahmt und durch Ziegel ersetzt. Am 30. Januar 1944 wird das Dach der Glaubenskirche durch Brandbomben und Luftminen beschädigt, doch Mauerwerk und Decke hielten stand. Die Betondecke hatte alle Brandbomben harmlos ausbrennen lassen. Die Fenster waren aber durch Luftminen alle zerstört und es regnete in das Kircheninnere hinein. Eine behelfsmäßige Reparatur begann im August 1945. Die Fenster wurden bereits 1951 im Jugendstil neu gestaltet. Die Eindeckung der Dächer erfolgte erst 1952. Die Reparatur von Orgel und Turmuhr folgte 1955.
Gebäude
Der zur Friedrich-Franz-Straße offene, platzartige Vorhof ist U-förmig mit der Kirche, drei Pfarrhäusern und dem Gemeindehaus umbaut. Die Kirche hat einen eingezogenen Chor und eine halbrunde Apsis, ihre Seitenwände sind schlicht verputzt und nur durch rechteckige Fensterbahnen gegliedert. Das Mittelschiff der Hallenkirche erhielt eine tonnengewölbte Kassettendecke aus Stahlbeton, die auf kannelierten Pfeilern ruht. Die schmalen Seitenschiffe sind mit Emporen ausgestattet. Der 50 Meter hohe, querrechteckige Turm mit der offenen Vorhalle aus Kirchheimer Muschelkalk liegt zur Straße. Er ist nur im oberen Teil durch Putzstreifen und ein Gurtgesims gegliedert. Im Erdgeschoss des Turmes befindet sich die Eingangshalle. Ursprünglich war ein Turm mit Spitzdach geplant, er sah dem Gemeindekirchenrat nicht genügend großstädtisch aus, deshalb wurde ein 4 Meter höherer Turm mit zurückgesetztem Glockengeschoss und Rundbogen-Schallarkaden gebaut, den ein steiles Walmdach bedeckt. Die Glocken aus Stahlguss, Bronze war im Krieg der Munitionsfertigung vorbehalten, wurden beim Bochumer Verein für 14.700 Mark bestellt. Hinzu kamen noch 3.430 Mark für den Glockenstuhl. Weil für Stahlguss bei den Behörden kein Interesse bestand, haben die Glocken beide Weltkriege überstanden.
Ausstattung
Die alten Kronleuchter und die Aposteldarstellungen an den Brüstungen der Emporen sind erhalten. Vor der Apsis steht der Altar aus geschliffenem Travertin. Die mit antikisierenden Elementen gebildete Altarretabel, 1915 vom Historien- und Kirchenmaler Ernst Pfannschmidt entworfen, stellt den Hauptmann von Kafarnaum als "Held des Glaubens" in Anspielung auf den als heldenhaft empfundenen Kampf der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg dar. Die vom Holzbildhauer Kähler geschaffene Kanzel enthält ein Relief mit der Darstellung der Tempelritter in Tempelhof. Die Zahl "1247" neben dem Relief bezieht sich auf das Jahr der erstmaligen Erwähnung des Ortes Tempelhof, die Zahl "1540" auf die Einführung der Reformation. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fenster wurden 1951-52 durch Glasfenster mit symbolhaften Zeichen und Bibelzitaten nach einem Entwurf von Egon Stolterfoth ersetzt.
Orgel
Die Orgel mit 3.573 Pfeifen und 55 Stimmen wurde von Wilhelm Sauer gebaut. Ihre technische Besonderheit, ein Fernwerk mit einem Schallkanal zur Apsis, das ein Echo erzeugen sollte, hat sich nicht bewährt. Aufgrund der Bombenschäden drang Wasser durch das Schallaustrittsloch in die Apsis, deshalb wurde es geschlossen. Zuletzt wurde die Orgel 1991 durch die Firma Alexander Schuke Potsdam Orgelbau instand gesetzt.
Literatur
- Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil VI. Sakralbauten. Berlin 1997.
- Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. Berlin 1978.
- Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band Berlin. München/Berlin 2006.
- Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin. Berlin 1990.
Weblinks
Koordinaten: 52° 27′ 38,8″ N, 13° 22′ 44,8″ O