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Jamit

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Jamit
Basisdaten
hebräisch:ימית
Staat: Israel Israel
Gegründet: 1975
Koordinaten: 31° 17′ N, 34° 10′ OKoordinaten: 31° 16′ 32″ N, 34° 10′ 2″ O
 
Einwohner: 1.200 (1982)
Zeitzone: UTC+2
 
Gemeindeart: Stadt
Jamit (Israel)
Jamit (Israel)
Jamit

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Jamit (hebräisch יַמִּית Jammīt) war eine israelische Siedlung mit städtischem Charakter im Nordosten der Sinai-Halbinsel, zwischen Rafah und al-Arisch. Sie wurde 1975 während der israelischen Besetzung des Sinai nach dem Sechstagekrieg gegründet und bis zur Rückgabe des Gebiets an Ägypten infolge des israelisch-ägyptischen Friedensvertrag weiter ausgebaut.

Die Stadt bildete das urbane Zentrum eines größeren Siedlungsgebiets, das als Chevel Jamit bezeichnet wurde und mehrere Ortschaften umfasste. Jamit war ursprünglich als Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern geplant; tatsächlich erreichte die Einwohnerzahl jedoch nur etwa 3.000 Menschen.

Am 21. April 1982 wurde Jamit im Zuge der Umsetzung des Friedensvertrags zwischen Israel und Ägypten geräumt und anschließend zerstört.

1971 ließ der damalige Verteidigungsminister Mosche Dajan einen Plan für den Gazastreifen und die angrenzenden Gebiete ausarbeiten. Mit der Planung wurde der Projektplaner Uzi Gador beauftragt, der dafür ein Team eines israelischen Ingenieurdienstleistungsunternehmens zusammenstellte.

Nach den Vorgaben Dajans sollte der Plan den Gazastreifen sowie die südlich angrenzenden Gebiete einbeziehen und eine klare Trennung zwischen dem Küstenstreifen und Ägypten schaffen. Gadors Idee bestand darin, den Gazastreifen nach Süden hin durch den Bau einer großen Küstenstadt nahe der internationalen Grenze abzuschirmen. Diese Stadt sollte als bedeutendes urbanes Zentrum neben Tel Aviv und Haifa entstehen.

Als Standort wurde die offene Sandlandschaft von Pitchat Rafiach ausgewählt. Vorgesehen waren unter anderem ein Tiefseehafen, ein Flughafen auf Grundlage des Militärflugplatzes Etam sowie eine Bevölkerungsanzahl in der Größe der nordisraelischen Stadt Haifa.

Eingang zur Siedlung in den 1970er Jahren.

Die Planungsgrundsätze sahen die Errichtung einer Großstadt mit etwa 250.000 Einwohnern vor. Jamit sollte zur dritten großen Küstenstadt Israels werden und insbesondere künftige Einwanderungswellen aufnehmen.[1]

Als wichtigste Wirtschaftsbereiche waren Tourismus, Hochtechnologie, Industrie und Handwerk vorgesehen. Auch verkehrstechnisch war Jamit als bedeutender Knotenpunkt geplant: Die Stadt sollte über einen Seehafen, einen Flughafen sowie eine zentrale Anbindung an den Landverkehr verfügen.

Um das Stadtbild nicht durch technische Infrastruktur zu beeinträchtigen, wurde erstmals in Israel vorgesehen, Strom- und Telefonleitungen unterirdisch zu verlegen, statt sie über Dächer von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden zu führen.

Neben den Verkehrsanlagen sollte Jamit auch als logistisches und wirtschaftliches Zentrum für die Sinai-Halbinsel dienen. Geplant waren unter anderem eine Entsalzungsanlage, eine Universität und sogar ein Kernreaktor, der Strom für den Süden Israels liefern sollte. Die israelischen Streitkräfte planten außerdem, rund zehn Millionen Bäume zu pflanzen, um Sandstürme einzudämmen und Wohngebiete sowie Gärten zu schützen.

Eine von Gador geplante Straße sollte Jamit mit Eilat verbinden. Der erste Abschnitt zwischen Jamit und Kadesch Barnea wurde später zur detaillierten Planung freigegeben.[2]

Blick auf das Stadtzentrum Jamits, Februar 1978.

Gador organisierte zunächst im Aufnahmezentrum Atlit eine Gruppe von etwa 70 Einwandererfamilien aus der Sowjetunion. Ihr Wunsch, sich in der geplanten Stadt niederzulassen, veranlasste Ministerpräsidentin Golda Meir, sie vorübergehend in das regionale Zentrum Rafah umzusiedeln und die Stadtplanung voranzutreiben.

Die offizielle Entscheidung zur Gründung der Stadt wurde im Februar 1973 vom Ministeriellen Siedlungskomitee getroffen. Sie ging auf eine Initiative von Minister Jisrael Galili[3] zurück und wurde von Verteidigungsminister Mosche Dajan unterstützt.[4]

Die Zustimmung der Arbeiterpartei zur Gründung Jamits erfolgte am 3. September 1973, als das Parteisekretariat das sogenannte Galili-Dokument billigte. Dieses sah unter anderem die Besiedlung der Rafah-Region, der Golanhöhen, des Jordantals sowie bestimmter Gebirgskämme gemäß dem Allon-Plan vor und wurde Teil des Parteiprogramms für die Wahl zur achten Knesset.

Diese Entscheidung fiel trotz laufender Friedensbemühungen unter Vermittlung des US-Außenministers William Rogers. Im Rahmen des Rogers-Plans war zeitweise sogar vorgeschlagen worden, Israel könne den Grenzübergang Rafah im Rahmen eines Friedensabkommens pachten.[5]

Shoppingcenter im Gemeindezentrum Jamits, 1970er Jahre.

Bereits 1973 begannen die Vorarbeiten für die Stadtgründung. Zwei Jahre später wurde mit dem Bau der Zufahrtsstraße zum Meer begonnen. Die Investitionen beliefen sich auf rund 100 Millionen israelische Pfund. Damit entstanden etwa 250 Wohneinheiten, ein Kulturzentrum, ein Schwimmbad, eine Schule, eine Klinik, eine Synagoge sowie mehrere Sportplätze.

Ein weiteres markantes Bauwerk war das am Stadtrand gelegene Denkmal der Stahldivision, das aus zahlreichen Betonsäulen und einem Aussichtsturm bestand. In Jamit befand sich außerdem eine maritime Jeschiwa unter der Leitung von Rabbiner Jaakov Ariel.

Die Grundsteinlegung fand im Dezember 1975 statt, als sich die ersten vierzig Familien in Jamit niederließen.[6] Der ursprüngliche Siedlungskern bestand aus Einwanderern aus der Sowjetunion, die zuvor im Moschav Sadot beziehungsweise im regionalen Zentrum der Region gelebt hatten. Viele von ihnen waren vor, während oder nach dem Jom-Kippur-Krieg nach Israel gekommen.

Auch nach dem politischen Machtwechsel von 1977, als Likud-Chef Menachem Begin Ministerpräsident wurde, bemühten sich Beamte des Wohnungsbauministeriums weiterhin darum, neue Bewohner für Jamit zu gewinnen. Bis 1980 waren weitere 450 Wohneinheiten geplant, wodurch die Einwohnerzahl um rund 2.600 Menschen steigen sollte. Anfang der 1980er-Jahre lebten mehrere Tausend Menschen in der Stadt. Rabbiner Jisrael Ariel wirkte als Rabbiner des Moschavs; sein Bruder Rabbiner Jaakov Ariel leitete dort die Jeschiwa.

Entscheidung zur Räumung und Widerstand

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Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Ägypten, der die Räumung aller israelischen Siedlungen im Sinai vorsah, lebten in Jamit etwa 625 Familien. Rund 51 von ihnen verließen die Stadt freiwillig, ohne den offiziellen Räumungstermin abzuwarten.

Zwischen der politischen Entscheidung zur Räumung und ihrer tatsächlichen Umsetzung formierte sich jedoch Widerstand. Die Gegner der Räumung organisierten einen breit angelegten und öffentlichkeitswirksamen Protest, der sich mit dem Näherrücken des Räumungstermins zunehmend verschärfte.

1981 wurde die Bewegung gegen den Rückzug aus dem Sinai gegründet. Sie setzte sich aus unterschiedlichen Gruppen zusammen, zwischen denen teilweise erhebliche Spannungen bestanden. Daneben beteiligten sich auch unabhängige Aktivisten und Einzelpersonen am Widerstand.

Anfangs unterstützten viele Bewohner der Region Jamit den Protest. Sie arbeiteten mit Siedlern der Bewegung Gusch Emunim zusammen und bildeten eine gemeinsame Front gegen die Regierung. Diese Einheit zerbrach jedoch weitgehend nach dem Erlass des Entschädigungsgesetzes für die Sinai-Evakuierten im Jahr 1982, das den Betroffenen umfangreiche finanzielle Entschädigungen zusicherte.

Die meisten Bewohner nahmen das Angebot an, gaben ihren Widerstand gegen die Räumung auf, suchten sich neue Wohnorte in Israel und verließen den Sinai in den Monaten vor dem geplanten Räumungstermin nach und nach. Die Gegner des Rückzugs hielten dagegen am Protest fest und riefen zum Widerstand auf.

Zu diesem Zeitpunkt bestand der harte Kern der Bewegung vor allem aus religiös-zionistischen Aktivisten, darunter Mitglieder von Gusch Emunim, die in die Region Jamit gekommen waren. Aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer zahlenmäßigen Stärke übernahmen sie zunehmend die Führung des Protests. Im April 1982 verbarrikadierten sich einige Gegner des Rückzugs auf den Dächern von Häusern in Jamit und bereiteten sich auf die Konfrontation mit den Räumungskräften vor.[7]

Räumung und Zerstörung

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Drei israelische Soldaten halten ein israelisches Kind fest, das sich weigert, Jamit zu verlassen. April 1982.

Am 21. April 1982 wurde Jamit im Rahmen der Umsetzung des Friedensvertrags zwischen Israel und Ägypten geräumt und zerstört. Am darauffolgenden Tag wurde in Israel der Holocaust-Gedenktag begangen; die letzten Vorbereitungen der Armee zur Räumung hatten bereits am Gedenktag selbst begonnen.

Die meisten Einwohner hatten die Stadt bereits vor der Räumung freiwillig verlassen. Nachdem sich jedoch rechtsextreme Aktivisten, insbesondere Mitglieder von Gusch Emunim, in Häusern und auf Dächern verschanzt hatten, kam es zu teils gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Räumungskräften und den verbliebenen Gegnern der Evakuierung. Die Räumung stand unter dem Kommando von Ariel Scharon.

Nach der Evakuierung der verbliebenen Aktivisten wurde die Stadt weitgehend dem Erdboden gleichgemacht. Die meisten Gebäude wurden rasch abgerissen. Die Entscheidung, Jamit zu zerstören, statt die Stadt Ägypten zu übergeben, beruhte unter anderem auf der Befürchtung, Gegner des Rückzugs könnten versuchen, in das Gebiet zurückzukehren. Außerdem wollte Israel eine ägyptische Besiedlung in unmittelbarer Grenznähe verhindern.[7]

Nach der Räumung

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Die Ruinen Jamits befinden sich bis heute am ehemaligen Standort der Stadt. Teile der ehemaligen Gebäude wurden abgebaut und an andere Orte in Israel gebracht, unter anderem in Siedlungen im nördlichen Samaria. Einige dieser Orte wurden später im Zuge des israelischen Rückzugsplans 2005 ebenfalls geräumt.

Der Zugang zum ehemaligen Stadtgebiet ist heute erschwert und hängt von den ägyptischen Behörden ab. Dennoch besuchte der Knesset-Abgeordnete Zachi Ha-Negbi das Gebiet im Jahr 2005. Ha-Negbi hatte sich während der Räumung als Student und einer der Anführer des Protests gegen den Rückzug aus dem Sinai gemeinsam mit anderen Aktivisten im Bereich des Denkmals der Stahldivision verbarrikadiert.[8]

Nach der Räumung wurden Mauern und Böden einiger Häuser vollständig abgetragen und in den Moschav Dekel gebracht, wo sie sich bis heute befinden.

Die aus Jamit evakuierte Hesder-Jeschiwa wurde später in der Siedlung Newe Dekalim im Gusch Katif unter dem Namen Hesder-Jeschiwa Neve Dekalim neu eröffnet. Nach der Räumung von Gusch Katif im Jahr 2005 wurde sie ein zweites Mal evakuiert und anschließend in Aschdod wiedererrichtet.[9] Dort sollen sowohl Jamit als auch Newe Dekalim durch besondere Gedenkzeichen erinnert werden.

Im Moschav Dekel im westlichen Negev, wo sich viele ehemalige Bewohner Jamits niederließen, wurde zudem ein Museum zur Geschichte der Stadt und der Siedlungen der Region Jamit eingerichtet.

Einzelnachweise

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  1. H. Eichler, A. Scheuerbrandt: Yamit - Planung, Aufstieg und Ende einer israelischen „Stadt in der Wüste“ (Nord-Sinai). In: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie. 1983, S. 222–231, abgerufen am 22. Mai 2026.
  2. Fatina Abreek-Zubiedat, Alona Nitzan-Shiftan: The right to an urban history: The Gaza Master Plan, 1975–1982. Abgerufen am 22. Mai 2026 (englisch).
  3. ‏⁨שרף: המרכז בפתוזודרפיח אבן פינה ליישוב עירוני ‭" "‬ בתעדה החלטה אתרת ⁩ — ⁨⁨מעריב⁩ 23 פברואר 1973⁩ — הספרייה הלאומית של ישראל │ עיתונים. Archiviert vom Original am 8. April 2022; abgerufen am 22. Mai 2026 (hebräisch).
  4. ‏⁨דייו בעד הקמת העירימית" ־ אד לא יעלה ההצעה בממשלת " ⁩ — ⁨⁨מעריב⁩ 25 אוקטובר 1972⁩ — הספרייה הלאומית של ישראל │ עיתונים. Archiviert vom Original am 8. April 2022; abgerufen am 22. Mai 2026 (hebräisch).
  5. ‏⁨ישראל מציירת את "מפת השלום" עם מצרים ⁩ — ⁨⁨מעריב⁩ 5 ינואר 1973⁩ — הספרייה הלאומית של ישראל │ עיתונים. Archiviert vom Original am 8. April 2022; abgerufen am 22. Mai 2026 (hebräisch).
  6. ‏⁨ימית: הרשמה, אבן פינה, בים ראשון, חשמל ו"אגד ⁩ — ⁨⁨מעריב⁩ 5 דצמבר 1975⁩ — הספרייה הלאומית של ישראל │ עיתונים. Archiviert vom Original am 2. Oktober 2022; abgerufen am 22. Mai 2026 (hebräisch).
  7. 1 2 מיכאל פייגה: מתנחלי גוש אמונים ופינוי ימית. In: העשור הרביעי: תשל"ח-תשמ"ח. סדרת עידן, כרך 26, 2016, S. 91108.
  8. אריק בנדר: הנגבי: ההתבצרות בימית הייתה תמימות. nrg, 11. April 2012, abgerufen am 22. Mai 2026 (hebräisch).
  9. מגוש קטיף לאשדוד: משכן קבע לישיבת ההסדר נווה דקלים - סרוגים. 7. August 2011, abgerufen am 22. Mai 2026 (hebräisch).