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Xuanxue

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Xuanxue, die Mystische Lehre (chinesisch 玄學 / 玄学, Pinyin Xuánxué, W.-G. Hsüan-hsüeh, Jyutping jyun4hok6 – „Lehre vom Schwerbegreifbaren, Geheimnisvolle Lehre, Mystische Lehre, Lehre vom Tiefsinnigen, Mystische Schule, Metaphysik“)[1][2], die auch Neodaoismus (Neotaoismus) genannt wird, ist eine philosophische Strömung der chinesischen Philosophie aus der Zeit der Wei- und Jin-Dynastien des 3. und 4. Jahrhunderts, die eine Weiterentwicklung des philosophischen Daoismus der Werke Daodejing und Zhuangzi darstellt und in der daoistisches Gedankengut mit konfuzianischem verbunden wird. Auch buddhistische Einflüsse sind enthalten (vgl. Leere, Leerheit), insbesondere lassen sich Einflüsse des Mahayana-Buddhismus erkennen, so die Mādhyamika-Lehren von der rechten Sicht über die Leerheit, allerdings wurden diese Ideen nur bruchstückhaft rezipiert und der buddhistische Kontext ausgeblendet.[3]

Der Begriff xuanxue geht auf das erste Kapitel des Daodejing zurück. Das Hauptwerk dieser Schule ist das mutmaßlich von Wei Boyang verfasste Cantongqi. Es handelt sich um eines der bedeutendsten Werke der Inneren Alchemie, das sich durch eine interessante Vermischung konkreter Bilder mit philosophischen Aphorismen auszeichnet. Die Erzeugung einer „goldenen Blüte“ soll zurück zur ursprünglichen Natur führen. Gelehrt wird die Vereinigung der schöpferischen Kräfte von Himmel und Erde, insbesondere durch Interaktionen von Ähnlichem.[4] Die Adepten werden auch in daoistischen Atemübungen unterwiesen, die vor allem auf die Beobachtung des Atemstromes zentriert sind. Diese Übungen zeigen große Ähnlichkeiten mit der buddhistischen Vipassana-Meditation in dem Sinne, dass die gesamte Achtsamkeit während des Ein- und Ausatmens auf den Atemvorgang selbst und nichts anderes gerichtet wird. So heißt es dort: „Wenn du ausatmest, ohne auf deinen Atem zu achten, dann ist der Atem nicht vollständig; wenn du einatmest, ohne auf deinen Atem zu achten, dann ist der Atem wiederum unvollständig. Geist und Atem müssen einander ununterbrochen folgen […] und eine Einheit bilden.“[5]

Wang Bi, Xiang Xiu, He Yan und Guo Xiang zählen zu den bedeutendsten Vertretern des xuanxue.

Einzelnachweise

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  1. Begriff "Xuenxue - 玄學 / 玄学". In: xh.5156edu.com. Abgerufen am 22. Juni 2019 (chinesisch).
  2. Begriff "Xuenxue - 玄學 / 玄学". In: dict.revised.moe.edu.tw. Abgerufen am 22. Juni 2019 (chinesisch).
  3. Erik Zürcher: Buddhist Influence on Early Taoism. A Survey of Scriptural Evidence. In: T’oung Pao. Band 66, 1980, S. 84–146, hier S. 130.
  4. Hans-Günter Wagner: Der Daoismus. Chinas indigene Religion und Philosophie. Origo, Bern 2025, ISBN 978-3-282-00214-6, S. 180 f.
  5. CantongQi – Das Dao der Unsterblichkeit (1997). Erstmals aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Richard Bertschinger. Im Vergleich mit dem Original aus dem Englischen von Ingrid Fischer-Schreiber. Wolfgang Krüger, Frankfurt/Main:, ISBN 978-3-8105-2341-9, S. 372.