Wulff Aengevelt
Wulff Otto Aengevelt (* 19. November 1947 in Düsseldorf)[1] ist ein deutscher Immobilienunternehmer in dritter Generation und Mäzen.
Herkunft und Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wulff Aengevelt entstammt einer Düsseldorfer Immobilienunternehmerfamilie. Das Familienunternehmen wurde am 1. April 1910 von seinem Großvater gegründet.[2] Sein Vater Willi Aengevelt (1911–2006) trat 1928 im Alter von 16 Jahren in das Unternehmen ein und leitete es ab 1936.[3] Gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder führte Wulff Aengevelt das Unternehmen von 1969[4][3] bis 2006, danach zusammen mit der nach und nach in das Unternehmen eintretenden vierten Gesellschaftergeneration.[5]
Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.[6]
Ausbildung und Studium
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wulff Aengevelt absolvierte seine Oberstufenschulzeit in London, Genf und Frankfurt am Main, wo er auch das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Graz, München und Wien, wo er 1971 zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften promoviert wurde.[6][2]
Berufliches Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1969 trat Wulff Aengevelt als geschäftsführender Kommanditist in das von seinem Großvater gegründete Immobilienmaklerunternehmen ein. Zusammen mit seinem Bruder Lutz, der der Unternehmensleitung seit 1965 angehörte, übernahm er die Geschäftsführung des Unternehmens in dritter Generation.[3] In den 1970er Jahren machte die Deutsche Bank ein Übernahmeangebot, Familie Aengevelt entschied sich allerdings für den Fortbestand der Selbständigkeit.[7]
Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 war Aengevelt maßgeblich an der Expansion des Unternehmens in die neuen Bundesländer beteiligt. Bereits am Tag nach dem Mauerfall kündigte er die Eröffnung eines Berliner Büros an.[8] Das Unternehmen errichtete Niederlassungen in Berlin, Leipzig, Magdeburg und Dresden.[7][3]
1990 erreichte das Unternehmen mit einem Transaktionsvolumen von 2,5 Milliarden D-Mark Platz eins im ersten bundesweiten Makler-Ranking des Fachmagazins Immobilien-Manager.[4]
Wulff Aengevelt entwickelte 1991 in Zusammenarbeit mit der Treuhandanstalt beziehungsweise der Treuhandliegenschaftsgesellschaft das sogenannte Berliner Modell, auch TLG-Modell genannt. Dieses Bewertungs- und Vermarktungsverfahren wurde ab Herbst 1991 als allgemeingültige Methode zur Identifizierung, Analyse, Bewertung sowie zur bundesweiten beziehungsweise internationalen Verkaufsausschreibung von nicht mehr betriebsnotwendigen, ehemals volkseigenen Liegenschaften flächendeckend in Berlin und den fünf neuen Ländern eingesetzt.[4][2][9] Allein von Anfang 1991 bis April 1993 vermittelte das Unternehmen über 300 Treuhand-Kaufverträge in den neuen Bundesländern und Berlin.[4]
1993 eröffnete Aengevelt das erste lizenzierte internationale Maklerbüro in Moskau.[2][4]
Gesellschaftliche Aktivitäten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aengevelt ist seit 1963 Mitglied der CDU[10] und war über zwölf Jahre Mitglied der Bezirksvertretung für die Düsseldorfer Stadtteile Flingern und Düsseltal, wo er auch den Fraktionsvorsitz innehatte. Von 1984 bis 1987 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Bezirksvorstehers.[11]
Seit 2007 gehört Aengevelt der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf an und ist in mehreren Fachausschüssen dieser Kammer aktiv. Er war bis Mitte 2025[12] Mitglied im Beirat des Düsseldorfer Industrie-Clubs.[11]
Aengevelt engagiert sich umfangreich in der Kulturförderung. 2016 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins zur Wiederaufstellung des von den Nationalsozialisten entfernten bronzenen Denkmals des städtischen Musikdirektors Felix Mendelssohn Bartholdy in Düsseldorf.[11][10] Seit der Nachwendezeit ist er Förderer der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.[13] Zudem ist er seit 1993 Förderer des Mendelssohn-Hauses in Leipzig.[11] 2016 gehörte er zu den Gründern des Fördervereins Schumann-Haus e.V. in Düsseldorf; Ziel dieses Vereins ist die Restaurierung und öffentliche Zugänglichmachung des Düsseldorfer Hauses,[14] in dem Robert Schumann und Clara Schumann einst wohnten.[11] Aengevelt zählt überdies seit langem zu den Förderern der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main.[15]
Im Wissenschaftsbereich war Aengevelt Förderer der European Business School mit Sitz im Schloss Reichartshausen, Oestrich-Winkel. Er wirkte dort auch als Dozent[11] und zählte zu den Stiftern des ersten deutschen Lehrstuhls für Immobilienökonomie.[2] 2006 gehörte Aengevelt zu den Gründungsstiftern der Universitätsstiftung für Immobilienwirtschaft IREBS International Real Estate Business School der Universität Regensburg.[16] Zudem betätigte er sich auch dort als Dozent.[17]
In Düsseldorf ist er außerdem Mitinitiator des Projektes Childhood-Haus für Kinder und Jugendliche, die sexuelle Übergriffe erlitten haben.[10] Auch in Leipzig zählte er zu den Förderern des Childhood-Hauses.[18]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2023 erhielt Wulff Aengevelt das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Oberbürgermeister Stephan Keller überreichte ihm die Auszeichnung im Düsseldorfer Rathaus. In der Begründung heißt es, er habe „aufgrund seines vielfältigen bürgerschaftlichen Engagements, vor allem im Bereich der Kulturförderung, auszeichnungswürdige Verdienste erworben“.[19][10] Zuvor war er aufgrund seines langjährigen kommunalpolitischen Engagements bereits mit der Ehrennadel der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet worden.[20][6] 2001 hat ihn die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig für sein kulturelles Engagement zum Ehrensenator ernannt.[13][11]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eintrag AENGEVELT, Wulff O. in Deutsches Biographisches Archiv (2017).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ 70. Geburtstag des GROßE Protektors Wulff Aengevelt. In: grosse1890.de. 19. November 2017, abgerufen am 9. Februar 2026.
- 1 2 3 4 5 Rainer Zitelmann: Einer der Väter des neuen ostdeutschen Immobilien-Marktes. In: Die Welt. 11. September 1999, abgerufen am 9. Februar 2026.
- 1 2 3 4 Uwe Reimann: Ein Jahrhundert Aengevelt. In: Rheinische Post, 01.04.2010.
- 1 2 3 4 5 Unternehmer der Woche: Die Immobilien-Brüder Aengevelt wurden mit Flächenrecycling bekannt. Die marktgerechte Aufbereitung ehemaliger Kombinats-Grundstücke brachte Platz eins. In: Handelsblatt, 16.04.1993.
- ↑ Eintritt der vierten Generation bei Aengevelt Immobilien. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 23. April 2013, abgerufen am 6. Februar 2026.
- 1 2 3 Siegmar Rothstein: Interview mit Dr. Wulff Aengevelt, Geschäftsführender Gesellschafter der Aengevelt Immobilien. In: djournal.de. 12. November 2018, abgerufen am 10. Februar 2026.
- 1 2 Georg Winters, Martin Kessler: Aengevelt: Rheinschiene. In: Rheinische Post, 11.02.2004.
- ↑ „Ich fliege morgen nach Berlin und mache ein Büro auf“. In: Immobilien Zeitung, 17. Dez. 2015.
- ↑ Guido Hartmann: Im Osten viel Neues. In: Die Welt. 4. April 2010, abgerufen am 6. Februar 2026.
- 1 2 3 4 Wulff Aengevelt erhält Verdienstkreuz. In: Rheinische Post, 21.03.2023.
- 1 2 3 4 5 6 7 Thomas Haller: Bundesverdienstkreuz für Dr. Wulff Aengevelt. In: duesseldorf.de. 17. März 2023, abgerufen am 9. Februar 2026 (Nachricht der Stadt Düsseldorf).
- ↑ Beirat. In: industrie-club.de. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2025; abgerufen am 6. Februar 2026.
- 1 2 Gerald Fauth: Langjähriger Freund und Förderer der HMT – Dr. Wulff O. Aengevelt (Düsseldorf). In: MT-Journal, Nr. 28 (2010-01).
- ↑ Landeshauptstadt Düsseldorf: Schumann-Haus Düsseldorf. In: duesseldorf.de. Abgerufen am 5. Februar 2026.
- ↑ Zur Sache. Sponsoren und Helfer. In: Frankfurter Rundschau, 27.03.1998.
- ↑ Wulff Aengevelt: Qualifikation kontra Krise. In: Der Langfristige Kredit, Nummer 3, 1. Feb. 2010.
- ↑ Hohe Ehrung für Dr. Wulff Aengevelt. In: hi-heute.de. 23. März 2023, abgerufen am 6. Februar 2026.
- ↑ Königin Silvia eröffnet Kinderhaus für Opfer von Gewalt und Missbrauch. In: Leipziger Volkszeitung, 28. September 2018, Seite 17.
- ↑ Verdienstkreuz für Wulff Aengevelt. In: Express, 20. März 2023.
- ↑ Menschen der Wirtschaft 2022. In: ihkmagazin.de. 1. Januar 2022, abgerufen am 9. Februar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Aengevelt, Wulff |
| ALTERNATIVNAMEN | Aengevelt, Wulff Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Immobilienunternehmer |
| GEBURTSDATUM | 19. November 1947 |
| GEBURTSORT | Düsseldorf |