Zum Inhalt springen

Wootz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Austenitkristallisierung. Eine Klinge, die aus Wootz geschmiedet wurde, mit einem hellen Linienmuster aus Zementitpartikeln.

Wootz [vuːts], auch Wootzkuchen oder Wootzbarren genannt, ist der Ausgangsstahl für den orientalisch-arabischen Damaszenerstahl.

Wootz besteht aus gering legiertem Stahl mit einem Anteil von 1,5 % Kohlenstoff und – unter anderem – Spuren von Vanadium oder Molybdän. Diese Spuren sind später für die Ausbildung von Zementitlinien im Damaszenerstahl wichtig. Das Eisenerz für das Wootz wurde in Indien gewonnen. Der Name „Wootz“ stellt wahrscheinlich eine Falschschreibung von wook als englische Version des Begriffs „ukku“ dar, welcher den dravidischen Sprachen Kannada (in Karnataka) und Telugu (in Andhra Pradesh und Telangana) entstammt und einfach „Stahl“ bedeutet. Die Herstellung von Wootz-Tiegelstahl ist auch im Gebiet des heutigen Tamil Nadu in Südindien archäometallurgisch nachgewiesen. Die Archäometallurgin Sharada Srinivasan dokumentierte einen historischen Produktionsstandort bei Mel-Siruvalur im damaligen Distrikt South Arcot. Ihre Untersuchungen belegen, dass in dieser Region kohlenstoffreicher Tiegelstahl hergestellt wurde.[1]

In einer späteren Studie untersuchte Srinivasan die metallurgischen Rückstände aus Mel-Siruvalur und beschrieb einen möglichen Herstellungsmechanismus unter der Bezeichnung „Tamil Nadu Process“. Dabei wird die Aufkohlung von Eisen im geschmolzenen Zustand als wahrscheinlicher Prozess diskutiert.[2] Das genaue ursprüngliche Verfahren des Wootz-Schmelzens ist nicht überliefert, Materialforschern ist es jedoch gelungen, die Wootzkuchen mit Hilfe natürlicher Verfahren herzustellen.

Dazu wurden hochreines Eisen, Sorel-Eisen, Holzkohle, Glasscherben, grüne Blätter und andere Stoffe in einem Schmelztiegel erhitzt. Dabei muss ein genaues Mischungsverhältnis der Ausgangsstoffe Eisen, Sorel-Eisen und Holzkohle vorliegen. Davon hängt später der Kohlenstoffanteil im Wootz ab.

Das Glas schwimmt auf der Schmelze und schließt sie luftdicht ab. Dadurch kann der Kohlenstoff aus der Holzkohle nicht verbrennen und diffundiert in das Eisen ein. Gleichzeitig wird Reoxidation verhindert. Durch die Blätter wird die Aufkohlung beschleunigt. Der Erfolg hängt von der richtigen Temperatur und der richtigen Schmelzdauer ab.

Wootz-Herstellung im heutigen Tamil Nadu

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische Herstellung von Wootz-Stahl ist auch im Gebiet des heutigen südindischen Bundesstaates Tamil Nadu nachgewiesen. Die Archäometallurgin Sharada Srinivasan dokumentierte 1994 einen zuvor nicht erfassten Produktionsstandort bei Mel-Siruvalur im damaligen Distrikt South Arcot. Die Untersuchung der dort gefundenen Tiegelreste lieferte archäometallurgische Belege für die Herstellung von Wootz-Tiegelstahl.[1]

In einer weiteren Studie untersuchte Srinivasan Rückstände von besonders kohlenstoffreichem, übereutektoidem Stahl aus Mel-Siruvalur. Als wahrscheinlichen Herstellungsmechanismus beschrieb sie die Aufkohlung von Eisen im geschmolzenen Zustand. Sie verwendete dafür die Bezeichnung „Tamil Nadu Process“. Die Studie diskutiert außerdem die Möglichkeit, dass dieses Verfahren älter als bestimmte andere bekannte Tiegelstahlverfahren sein könnte.[2]

Historische Berichte über die Tiegelstahlherstellung liegen auch aus dem Distrikt Salem vor. Die archäologischen und historischen Befunde dokumentieren damit eine eigenständige Tradition der Herstellung hochwertigen Tiegelstahls im Gebiet des heutigen Tamil Nadu. Wootz wurde allerdings auch in weiteren Regionen Südindiens hergestellt.[1]

  • Manouchehr Moshtagh Khorasani: Arms and Armor from Iran – The Bronze Age to the End of the Qajar Period. LEGAT-Verlag, 2006, ISBN 3-932942-22-1.
  • Jürgen Hanneder: Der »Schwertgleiche Raum«, Zur Kulturgeschichte des indischen Stahls. Stuttgart: Franz Steiner-Verlag, 2005, ISBN 3-515-08774-5.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Sharada Srinivasan: Wootz Crucible Steel: A Newly Discovered Production Site in South India. In: Papers from the Institute of Archaeology. Band 5, Nr. 1, 1994, S. 49–59, doi:10.5334/pia.60.
  2. 1 2 Sharada Srinivasan: Ultrahigh-carbon “wootz” from crucible carburization of molten iron: Hypereutectoid steel from “Tamil Nadu Process” at Mel-siruvalur. In: Materials and Manufacturing Processes. Band 32, Nr. 7–8, 2017, S. 909–915, doi:10.1080/10426914.2016.1221106.