Wolf-Rüdiger Marunde


Wolf-Rüdiger Marunde (* 26. Februar 1954 in Hamburg) ist ein deutscher Zeichner, Illustrator und Cartoonist. Marunde gilt als Vertreter einer besonders malerischen Cartoon-Gattung.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aufgewachsen in Harksheide (Norderstedt) in Schleswig-Holstein, begann Marunde 1972 an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung ein Studium im Fach Visuelle Kommunikation und machte 1976 den Abschluss als Diplom-Designer. Anschließend zeichnete er für verschiedene Zeitschriften Cartoons und Illustrationen, zunächst für den Stern, dann Brigitte, SZ-Magazin, Hörzu und andere. Seine Zeichnungen erschienen daneben in Bildbänden, Kalendern und auf Postkarten. 1985 vernichtete ein Brand sein Atelier im Norden Schleswig-Holsteins, damit auch praktisch alle der bis dahin entstandenen Arbeiten. Nach provisorischen Wohnsitzen übersiedelte er 1988 in den niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg.
Werk und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während des Studiums besuchte Marunde die Klasse Presseillustration bei der Dozentin Marianne Weingärtner. Sein spezielles Interesse galt französischen Comics und Cartoons, speziell Porträtkarikaturisten wie Ricor oder Mulatier und Comiczeichnern wie Bilal oder Moebius. Seine an diesen Vorbildern geschulten Arbeiten führten noch während des Studiums zu ersten Aufträgen für das Humormagazin MAD und die satirische Zeitschrift pardon.
Nach der Diplomarbeit hatte er jedoch zunächst seinen Zivildienst zu absolvieren. 1980 stellte er sich dann dem Ressortleiter Humor&Satire des Magazins Stern, Erhard Kortmann, vor. Der engagierte ihn zunächst, empfahl ihn nach einem Jahr Zusammenarbeit dann aber der Brigitte-Redaktion, die einen ganzseitigen farbigen Cartoon etablieren wollte und einen dafür geeigneten Zeichner suchte. Dort begann Marunde mit der Arbeit an großformatigen malerischen Cartoons in Aquarelltechnik, zu der damaligen Zeit ein Novum in der deutschen Presselandschaft. Parallel arbeitete er für die Titelbildredaktion des Stern als Porträtkarikaturist und Illustrator politischer Themen. 1986 entwickelte er für Brigitte die Serie „Marundes Landleben“, danach „Neues aus Schweinhausen“. Beiden Serien gemeinsam ist die detaillierte Schilderung der ländlichen Umgebung und bäuerlichen Gerätschaften, der Landschaften und Lichtstimmungen. Daraus entstanden die (mittlerweile vergriffenen) Cartoonbände „Marundes Landleben“ (87–90), „Neues aus Schweinhausen“ (92) und „Schweinhausen privat“ (94).
Zusammen mit Dietmar Wischmeyer war Marunde von 1989 bis 1994 Autor von „Der Kleine Tierfreund“ (91) und „Die Rückkehr“ (92). „Der Kleine Tierfreund“ ist eine von Wischmeyer für den Hörfunk entwickelte und ihm selbst als Sprecher und Schauspieler verkörperte satirische Figur.
Seit 1995 arbeitet er als fester freier Cartoonist bei Hörzu. 2010 übernahm er auch eine Seite in einem neuen Ableger, Hörzu-Wissen. 2011 kam eine Cartoonseite im Magazin „profi“ dazu, einer Fachzeitschrift für Agrartechnik. Ab 2015 konzentriert er sich auf seine Arbeit für Hörzu und als freier Illustrator. 2002 errang er den 1. Platz beim Deutschen Karikaturenpreis und im Jahr 2015 den bronzenen Stift (3. Platz) beim 16. Deutschen Karikaturenpreis.
2003 arbeitete er daneben mit dem Hamburger Filmstudio TRIKK17, das für das NDR Fernsehen Trickfilme in Stop-Motion-Technik nach Motiven von Marunde-Cartoons drehte.
In den letzten 20 Jahren gab es mehr als 40 Marunde-Ausstellungen, der Zeichner geht mit seinen Bildern gern in die Provinz, zu kleinen Kunstvereinen und regionalen Museen. Seine bislang größte Einzelausstellung fand 2004/2005 im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover statt.
Beim 21. Deutschen Karikaturenpreis-Wettbewerb bekam der Cartoonist im November 2020 den Hauptpreis des „Goldenen geflügelten Bleistifts“.[1][2]
Im Jahr 2021 warb er als Botschafter für die deutschen Seenotretter.[3]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das bildkünstlerische Werk Marundes wird in der Kunstkritik als Verbindung aus traditioneller Maltechnik und Karikatur charakterisiert. In Fachdiskursen wird darauf hingewiesen, dass Marundes Arbeiten die klassische Presszeichnung erweitern, da jeder Cartoon als aufwendiges Aquarell oder Ölbild ausgeführt ist. Die stilistische Ausführung wird in der Fachliteratur als Kontrast zwischen opulenter malerischer Gestaltung und banalen oder alltäglichen Inhalten des ländlichen Milieus beschrieben.[3][4] Die Jury-Begründung zum Deutschen Karikaturenpreis 2020 charakterisiert diese Gegenüberstellung als stilistisches Merkmal Marundes Werkes.[2]
Ein wiederkehrendes Thema in der Rezeption ist Marundes Darstellung ländlicher und provinzieller Räume. Ausstellungstexte beschreiben seinen Zugang zum ländlichen Raum durch Darstellung von Atmosphäre und Details. Seine Bildserien wie Marundes Landleben werden als detaillierte Erfassungen des bäuerlichen Milieus dokumentiert.[4] Verschiedene Sammlungen und Galerien präsentieren diese Arbeiten als charakteristische Beispiele der deutschsprachigen Karikaturkunst.[5][6]
Marundes Werk ist in institutionellen Kontexten präsent. Eine Retrospektive mit dem Titel Bilder aus der Heimat wurde 2004/05 im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover gezeigt. Weitere Ausstellungen wie Am Busen der Provinz (2014/15) und Zweite Kasse!!! (2017) fanden in Museen statt. Der „Geflügelte Bleistift“, die Auszeichnung des Deutschen Karikaturenpreises, wurde Marunde 2002 und 2020 in Gold sowie 2015 in Bronze verliehen.[2][7]
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Landleben. Lappan Verlag, 2003, ISBN 3-8303-3075-8.
- Es könnte alles so schön sein…. Lappan Verlag, 1999, ISBN 3-89082-875-2.
- Bilder aus der Heimat. Rasch und Röhring, 1996, ISBN 3-89136-603-5.
- Expeditionen in die Provinz. Lappan Verlag, 2006, ISBN 978-3-8303-3153-7.
- Landgang. Carlsen Verlag, 2011, ISBN 978-3-551-68259-8.
- Am Busen der Provinz. Carlsen Verlag, 2015, ISBN 978-3-551-68163-8.
- Erfreuliche Aussichten. Carlsen Verlag, 2019, ISBN 978-3-8303-3543-6
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2002: 1. Platz beim Deutschen Karikaturenpreis
- 2015: 3. Platz beim Deutschen Karikaturenpreis
- 2020: 1. Platz beim Deutschen Karikaturenpreis
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Wolf-Rüdiger Marunde im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wolf-Rüdiger Marunde bei IMDb
- Homepage von Wolf-Rüdiger Marunde
- M. Hüster: Kontrastreiche Landschaftsbilder. Interview mit Wolf-Rüdiger Marunde. Comic Radio Show. 18. Juni 2007.
- Wolf-Rüdiger Marunde bei Galerie Richter.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Peter Ufer: Der goldene „Geflügelte Bleistift“ für Wolf-Rüdiger Marunde. Weser-Kurier Mediengruppe, Bremer Tageszeitungen, 15. November 2020, abgerufen am 17. November 2020.
- ↑ a b c Weniger ist mehr. Deutschlandradio, 16. November 2020, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ a b Interview mit Botschafter Wolf-Rüdiger Marunde. Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), 9. April 2021, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ a b Matthias Hofmann: Cartoon: Marundes Landgang. Edition Alfons – Verlag für Graphische Literatur, 23. Oktober 2011, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ „Komische Kunst“ im Probstei Museum. Förde Kurier, Ostseesatz und Verlagsservice, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Wolf-Rüdiger Marunde bei Galerie Richter. Abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Birgit Klein: Das pralle Landleben in Öl oder Acryl. Stuttgarter Zeitung, 9. März 2015, abgerufen am 4. Januar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Marunde, Wolf-Rüdiger |
| ALTERNATIVNAMEN | Marunde |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Zeichner und Cartoonist |
| GEBURTSDATUM | 26. Februar 1954 |
| GEBURTSORT | Hamburg |