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Wilhelm Turnwald

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Wilhelm Karl Turnwald (* 30. Oktober 1909 in Lichtenstein bei Pilsen; † 13. März 1984 in München) war ein deutscher Denkmalpfleger, Vertriebenenfunktionär und Diplomat.

Turnwald wuchs als Teil der deutschen Minderheit im Königreich Böhmen in Österreich-Ungarn auf. Er besuchte die Volksschule in Tuschkau Stadt und das Gymnasium in Pilsen. Anschließend studierte er Geschichte, Geographie und Philosophie in Marburg, Berlin und Prag. An der Karls-Universität in Prag wurde er 1931 zum Dr. phil. promoviert. Seine Präsenzdienstpflicht in der Tschechoslowakischen Armee von 1931 bis 1935 beendete er als Unterleutnant. 1936 wurde er zum Leutnant ernannt. Als Gymnasiallehrer unterrichtete er von 1934 bis 1936 in Pilsen und Eger die Fächer Geschichte, Geographie und Kunstgeschichte. 1935 wurde er Konservator im Staatlichen Denkmalamt in Prag und in Reichenberg, stellvertretender Landesdenkmalpfleger für Böhmen und 1942 Landeskonservator. Nach Turnwalds Einberufung zur Wehrmacht wurde Karl Friedrich Kühn Leiter der gesamten Denkmalpflege im Protektorat Böhmen und Mähren.

Daraufhin leistete Turnwald 1942 bis 1945 als Oberleutnant Kriegsdienst bei der Wehrmacht an der Ostfront. Nach Kriegsende Anfang Mai 1945 wurde er bis August 1946 in der Tschechoslowakei interniert. Im Herbst 1946 wurde er auf Grundlage der Beneš-Dekrete aus der Tschechoslowakei vertrieben und kam mit einem Flüchtlingstransport nach München. Dort engagierte er sich in der Ackermann-Gemeinde, war schriftstellerisch tätig und war im Präsidium der „Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen“ vertreten, aus der 1955 der Sudetendeutsche Rat hervorging. 1951 gab er die „Dokumente zur Vertreibung der Sudetendeutschen“, auch „Sudetendeutsches Weißbuch“ genannt, heraus, die international Bekanntheit erlangten. Sie erschienen zuletzt 1992 in fünfter Auflage und auch in tschechischer und englischer Sprache.

1949 gab Turnwald in Zusammenarbeit mit den Bundestagsabgeordneten Hans Schütz (CSU) und Richard Reitzner (SPD) das „Sudetendeutsche Bilderbuch“ heraus. Schütz und Reitzner setzten sich daraufhin für Turnwalds Berufung in den Auswärtigen Dienst ein, die schließlich 1954 erfolgte. Er war zunächst an der Botschaft in Washington und nach seiner Rückkehr 1962 als Ostreferent in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Bonn tätig. Von 1969 bis zu seiner Pensionierung 1971 war er Botschafter in Libyen und Leiter der Botschaft in Tripolis.

1969 wurde Turnwald das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Er verstarb im März 1984 in München und hinterließ keine Angehörigen.