Wilhelm Libbert
Wilhelm Libbert (* 2. September 1892 in Osterwieck; † Februar 1945 bei Lippehne) war ein deutscher Pädagoge und Botaniker.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft, Ausbildung und Privatleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Libbert kam 1892 als Sohn eines selbständigen Eisenwarenhändlers[1] in der Stadt Osterwieck zur Welt, die damals etwa 6000 Einwohner hatte und innerhalb des Deutschen Kaiserreiches zum Landkreis Halberstadt der preußischen Provinz Sachsen gehörte. Dort wuchs er mit einer Schwester und einem Bruder – dem späteren Lehrer, Ornithologen und Naturschützer Walter Libbert (1899–1871) – auf und interessierte sich bereits seit früher Jugend für Botanik.
Die Mittelschule schloss er in seinem Heimatort ab und absolvierte anschließend im Jahr 1913 in Halberstadt die Präparandenanstalt[2] und das Lehrerseminar. Während des Ersten Weltkrieges leistete er vier Jahre Militärdienst. Nach Kriegsende heiratete er 1920 und legte 1922 in Magdeburg die Mittelschullehrerprüfung mit der Note 1 ab; den schriftlichen Teil wertete der Prüfer dabei qualitativ als Dissertation.[1]
Berufliche Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Besuch des Lehrerseminars erhielt Libbert 1913 zunächst eine Anstellung als Lehrer im Dorf Rönnebeck in der Altmark. Zum 1. Oktober 1923 wurde er nach Lippehne im Kreis Soldin (Provinz Brandenburg) versetzt. Dort kam er im Februar 1945 in den Wirren der letzten Monate des Zweiten Weltkrieges ums Leben.
Naturforschungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit dem Umzug nach Lippehne nutzte er die Sommerferien[1] regelmäßig für umfangreiche botanische Feldforschungen. Insbesondere widmete er sich der Floristik und der Pflanzensoziologie, wobei er die Vegetationseinheiten nach der Methode von Josias Braun-Blanquet gliederte. Zunächst konzentrierte sich Libbert auf seinen neuen Wohnort und die umgebende Neumark,[2] erweiterte sein Interessensgebiet aber bald beispielsweise auch auf seine Heimat – das nördliche Harzvorland. Er entwickelte sich zum Spezialisten für die Flora des dortigen Fallstein-Gebietes, wo ihm die Erstnachweise unter anderem von Aufrechter Trespe, Kleinblättrigem Stendelwurz und Violettem Stendelwurz gelangen. Warnend wies er auf Verluste und den Rückgang insbesondere mehrerer kontinentaler Pflanzenarten hin und schlug gleichzeitig Schutz- und Pflegemaßnahmen zu ihrer Bestandserhaltung vor. Er war der erste und lange Zeit einzige Botaniker, der im nördlichen Harzvorland eingehendere pflanzensoziologische Untersuchungen durchführte[1] und lieferte die einzigen umfangreichen floristischen Schriften für diese Region in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Im Laufe der Jahre führten ihn Exkursionen, die er oftmals selbst leitete, auch nach Süd- und Südwestdeutschland, ins Riesengebirge, auf den Darß, nach Holstein sowie nach Südfrankreich.[2] Darüber hinaus hielt Libbert Vorträge (unter anderem am Berliner Botanischen Museum), entfaltete eine rege Publikationstätigkeit – beispielsweise in den Verhandlungen des Botanischen Verein der Provinz Brandenburg, im Archiv für Hydrobiologie, in den Brandenburgischen Jahrbüchern, in der Allgemeinen Botanische Zeitschrift sowie in den Beiträgen zur Naturdenkmalpflege – und korrespondierte mit Wissenschaftlern an mehreren Universitäten, etwa in Zürich und Philadelphia.[1] Auf diese Weise entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft mit Reinhold Tüxen.
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fachaufsätze zum Harznordrand
- Libbert: Eine floristische Skizze des Fallsteingebietes. In: Allgemeine Botanische Zeitschrift für Systematik, Floristik, Pflanzengeographie etc. Jahrgang 30/31, 1926, Seiten 31–36 (143–148).
- Libbert: Neue Funde und Beobachtungen im Fallsteingebiet. In: Verhandlungen des Botanischen Verein der Provinz Brandenburg. Band 70, 1928, Seiten 56–62.
- Libbert: Die Vegetation des Fallsteingebietes. In: Mitteilungen der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft in Niedersachsen. Band 2, 1930, Seiten 1–66.
- Libbert: Vegetationsstudien auf den Kreidesandsteinhöhen zwischen Halberstadt und Blankenburg. In: Beiträge zur Naturdenkmalpflege. Band 16, Heft 1, 1936, Seiten 1–37.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e Alfred Bartsch: Wilhelm Libbert zum Gedenken. In: Naturkundliche Jahresberichte des Museum Heineanum. Band 7, 1972, Seiten 131–133.
- ↑ a b c Franz Fukarek: Die Vegetation des Darss und ihre Geschichte. Gustav Fischer Verlag, 1961, Seiten 73–74.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Libbert, Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Pädagoge und Botaniker |
| GEBURTSDATUM | 2. September 1892 |
| GEBURTSORT | Osterwieck |
| STERBEDATUM | Februar 1945 |
| STERBEORT | bei Lippehne |