White flight
White flight (deutsch „weiße Flucht“) ist die englischsprachige Bezeichnung für das Phänomen, dass Weiße Wohngegenden verlassen, die in der Folge überwiegend von Angehörigen anderer Ethnien besiedelt sind.[1][2]
Der Begriff wird sowohl in der Stadtentwicklung in den USA verwendet[3] als auch in Südafrika nach dem Ende der Apartheid.[4][5] Das Phänomen ist eine spezielle Form der residentiellen Segregation[6] und ist auch in europäischen Ländern beobachtet worden.[7]
Der US-amerikanische Politologe Morton Grodzins fand in den 1950er-Jahren einen Kipppunkt für das Verlassen von Wohngegenden durch Weiße.[8] Basierend darauf analysierte der spätere Nobelpreisträger Thomas Schelling in den 1960er/70er-Jahren das als „white flight“ bekannt gewordene Phänomen unter spieltheoretischen Aspekten. Nach dem Modell von Schelling ergeben sich auch dann ethnisch segregierte Wohngebiete, wenn die individuellen Präferenzen der Einwohner durchaus für eine gemischte Besiedelung sprechen.[9] Der Politikwissenschaftler Eric Kaufmann kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass „Weiße“ in den USA und in Großbritannien mit stärker migrationskritischen oder nationalkonservativen Einstellungen eher aus ethnisch vielfältigeren Gebieten wegziehen oder bei Umzügen bewusst weniger diverse Gegenden wählen. Zugleich zeigt die Studie, dass die Umzugsziele liberaler beziehungsweise migrationsfreundlicher „Weißer“ sich davon nur marginal (schwächer) unterscheiden.[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Linda Zou, Sapna Cheryan: Diversifying neighborhoods and schools engender perceptions of foreign cultural threat among White Americans. In: Journal of Experimental Psychology: General, Band 151, Nr. 5 (Mai 2022), S. 1115–1131, doi:10.1037/xge0001115.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sachstand White Flight. Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag, 2022.
- Caleb Smith: White Flight. Eintrag bei Mississippi Encyclopedia, 11. Juli 2017, zuletzt aktualisiert am 15. April 2018.
Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Katja Ridderbusch: Wie ein Deutscher das historische Zentrum von Atlanta wieder aufmöbelt. welt.de, 25. Februar 2023.
- ↑ Julian Hitschler: USA: Der lange Abschied von Suburbia. nd-aktuell.de, 19. Juli 2023.
- ↑ Emily Badger: ‘White flight’ began a lot earlier than we think. In: Washington Post. 17. März 2016, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Markus Schönherr: Südafrikas Städte 20 Jahre nach der Apartheid. In: KAS Auslandsinformationen, 1/2014, S. 43.
- ↑ White flight from South Africa: Between staying and going. In: The Economist, 27. September 2008.
- ↑ Andreas Farwick: Segregation. In: Frank Eckardt (Hrsg.): Handbuch Stadtsoziologie. Springer, Wiesbaden 2012, S. 381–419, S. 381.
- ↑ David Goodhart: London’s ‘white flight’ deserves attention. In: Financial Times. 26. Dezember 2012, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Morton Grodzins: Metropolitan Segregation. In: Scientific American. Band 197, Nr. 4, 1957, S. 33–41 (englisch).
- ↑ Thomas Schelling: Micromotives and macrobehavior. Norton, New York 1978.
- ↑ Eric Kaufmann: White flight from immigration?: Attitudes to diversity and white residential choice. In: Social Science Quarterly. Band 104, Nr. 4, Juli 2023, S. 761–775, doi:10.1111/ssqu.13268 (englisch).