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Weender Bummel

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Postkarte (um 1910): Studenten auf dem Weender Bummel

Der Weender Bummel war ein regionaler studentischer Brauch, der im 19. Jahrhundert in Göttingen entstand und bis in die frühen 1930er Jahre hinein lebte.

Der Spaziergang fand als sogenannter Weender Bummel[1] jeden Sonntag von elf bis gegen ein Uhr mittags, später dann auch während einer "zweiten Bummelstunde" zwischen 17 und 18 Uhr[2] auf der Weender Straße in der Göttinger Innenstadt statt und galt als eine der "großen studentischen Attraktionen"[3] der Stadt. Dabei lief er stets nach einem bestimmten Muster ab: Er begann immer nach Ende der Gottesdienste, setzte "in drangvoller Enge"[4] auf der Ostseite der Weender Straße am Göttinger Nabel ein und ging bis zur Ecke der Roten Straße. Die angrenzenden Straßenabschnitte vor den Kirchen mussten ausgespart bleiben, da dort Sonntagsruhe zu herrschen hatte. Auch die Westseite der Weender Straße war als Groner oder Zehnpfennigseite verpönt und wurde den nicht akademischen Bürgern überlassen.

Auch Otto von Bismarck nahm während seiner Göttinger Studentenzeit (1832–1833) regelmäßig am Weender Bummel teil und erkundigte sich noch Jahrzehnte später als Reichskanzler gegenüber Göttinger Besuchern, ob es den Bummel noch gebe.[2]

In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg waren es vor allem die farbentragenden Verbindungsstudenten, die gemächlich im Gespräch die Weender Straße entlang bummelten und ab und zu für ein mehr oder weniger anspruchsvolles Gespräch stehen blieben; wer sehen und gesehen werden wollte, der ging auf den Weender Bummel. Erich Hückel schreibt dazu: Bei diesem flanierten die Studenten auf der Straße hin und her und begrüßten sich bei der xten Begegnung zum xten Mal.[5] Spaßeshalber wurden die Frauen, die sich auf dem Weender Bummel befanden, wegen ihrer Vorliebe für das Schaufensterbetrachten von den Studenten als Verkehrshindernis bezeichnet.

Der Weender Bummel lebte nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal auf, wurde 1933 "gewaltsam unterbunden" und "passte nicht mehr in die Zeit der Aufmärsche uniformierter Kolonnen".[6] Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es nicht mehr zu einer Neubelebung.[7]

Einzelnachweise

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  1. Günther Heye: Nachzügler. Stuttgart 1919, S. 120.
  2. 1 2 Günther Meinhardt: Bullerjahn. Alt-Göttinger Studenten-Anekdoten. Muster-Schmidt Verlag, Göttingen / Zürich 1974, S. 46.
  3. Günther Meinhardt: Bullerjahn. Alt-Göttinger Studenten-Anekdoten. Muster-Schmidt Verlag, Göttingen / Zürich 1974, S. 44–47, hier S. 44.
  4. Günther Meinhardt: Bullerjahn. Alt-Göttinger Studenten-Anekdoten. Muster-Schmidt Verlag, Göttingen / Zürich 1974, S. 44–47, hier S. 45.
  5. Erich Hückel: Ein Gelehrtenleben. Ernst und Satire. Weinheim 1975, S. 68.
  6. Günther Meinhardt: Bullerjahn. Alt-Göttinger Studenten-Anekdoten. Muster-Schmidt Verlag, Göttingen / Zürich 1974, S. 44–47, hier S. 47.
  7. Günther Meinhardt: Bullerjahn. Alt-Göttinger Studenten-Anekdoten. Muster-Schmidt Verlag, Göttingen / Zürich 1974, S. 44–47, hier S. 47.