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Wayve

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wayve
Rechtsform Limited Company
Gründung 2017
Sitz London, Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Leitung Alex Kendall (Gründer und CEO)
Mitarbeiterzahl 400 (2024)
Branche Autonome Fahrzeuge
Website www.wayve.ai

Wayve Technologies Ltd ist ein britisches Unternehmen für autonome Fahrtechnologie, das sich auf die Entwicklung von Systemen für selbstfahrende Fahrzeuge durch End-to-End-Deep Learning konzentriert. Wayve wurde 2017 von zwei Studenten der Universität Cambridge gegründet und verzichtet bei seinem Ansatz auf detaillierte 3D-Karten und handcodierte Regeln zugunsten eines selbstlernenden „KI-Fahrers“, der aus Kameradaten und Fahrerfahrungen lernt. Das Start-up mit Sitz in London hat über 1,3 Milliarden US-Dollar von Investoren wie SoftBank, Microsoft, Nvidia eingesammelt.

Wayve wurde 2017 in Cambridge, England, von Amar Shah und Alex Kendall gegründet, zwei Doktoranden im Bereich maschinelles Lernen an der Universität Cambridge. Shah war zunächst CEO, während Kendall CTO wurde. Die beiden machten sich daran, ein unkonventionelles System für selbstfahrende Autos zu entwickeln, das maschinelles Lernen in jeder Phase des Fahrvorgangs einsetzt. Im Mai 2018 trat Wayve mit Unterstützung von Frühphaseninvestoren aus dem Stealth-Modus heraus. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen etwa 10 Mitarbeiter, und zu seinen beratenden Investoren gehörten Wissenschaftler wie Professor Zoubin Ghahramani (Chief Scientist bei Uber), der Wayves Vision einer lernorientierten Fahr-KI teilte.[1]

Im Jahr 2019 erreichte Wayve einen Meilenstein, indem es ein Auto so trainierte, dass es autonom auf öffentlichen Straßen fuhr, die es noch nie zuvor gesehen hatte, und dabei nur Kameras, eine einfache GPS-Karte und eine End-to-End-Deep-Learning-Steuerung verwendete. Das Unternehmen verlegte seinen Sitz nach London und sicherte sich im November 2019 eine Serie-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 20 Millionen US-Dollar. Diese Investition ermöglichte es Wayve, eine Pilotflotte autonomer Elektrofahrzeuge in der Londoner Innenstadt für Tests unter realen Bedingungen auf den Weg zu bringen. Während dieser Tests begannen die Autos von Wayve (wie beispielsweise umgerüstete Jaguar I-Pace SUVs) durch die komplexen, engen Straßen Londons zu navigieren.[2][3]

Im Jahr 2020 verließ Mitbegründer Amar Shah das Unternehmen, und Alex Kendall übernahm die Rolle des CEO.[4]

Das Start-up-Unternehmen trat 2020 dem Programm „Microsoft for Startups: Autonomous Driving“ bei und nutzt die Cloud-Computing-Lösungen von Microsoft Azure, um seine Modelle für maschinelles Lernen in großem Maßstab zu trainieren. Es hat sich außerdem dazu verpflichtet, ausschließlich mit Elektrofahrzeugen zu testen, was sein Ziel widerspiegelt, seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.[5]

Im Jahr 2021 startete Wayve Pilotprogramme mit großen britischen Einzelhändlern. Das Unternehmen startete einen 12-monatigen Testlauf für autonome Lieferungen mit der Supermarktkette Asda und erhielt im Rahmen einer Partnerschaft zur Entwicklung selbstfahrender Lieferwagen für Lebensmittel eine Investition in Höhe von 10 Millionen Pfund (13,6 Millionen Dollar) vom Online-Lebensmittelhändler Ocado Group. Dank der Unterstützung von Ocado erhielt Wayve Zugang zu einer Flotte von Lieferwagen für die Datenerfassung und Tests auf stark befahrenen Londoner Strecken (mit Sicherheitsfahrern), um seine KI im Stadtverkehr zu trainieren.[6]

Im Jahr 2023 gab Wayve eine Zusammenarbeit mit Nissan bekannt: Der japanische Automobilhersteller wird die KI-gesteuerte Software von Wayve ab 2027 in sein Fahrerassistenzsystem der nächsten Generation integrieren.[7][8][9]

Wayve erhielt 2024 auch eine strategische Investition von Uber, um gemeinsam autonome Fahrdienste zu entwickeln. Die beiden Unternehmen planen, einen vollständig fahrerlosen Robotaxi-Dienst in London zu testen, unterstützt durch ein Programm der britischen Regierung zur Beschleunigung kommerzieller Pilotprojekte für autonomes Fahren.[10] Der Beginn des Pilotprojekts zur Einführung autonomer Taxis in London war ursprünglich für 2027 geplant, wurde allerdings von der britischen Regierung auf Anfang 2026 vorgeschoben.[11]

2024 begann das Unternehmen damit, seine autonomen Fahrzeuge in den USA zu testen.[12]

Im März 2025 wurde die Errichtung eines Test- und Entwicklungszentrums in Leonberg in der Nähe von Stuttgart angekündigt, wo seit Februar ein Team von Wayve präsent ist.[12] Im April 2025 eröffnete Wayve sein erstes asiatisches Forschungszentrum in Japan (unterstützt vom Investor SoftBank), um die Generalisierbarkeit seines Modells anhand lokaler Fahrdaten zu verbessern.[13]

Durch eine Finanzierungsrunde im Mai 2024, bei dem Wayve mehr als eine Milliarde US-Dollar an Risikokapital einsammelte, wurde das Start-up zu einem Einhorn. Es zählt damit zu den wertvollsten KI-Start-ups in Europa. Zu den Investoren gehören neben Wagniskapitalgebern aus dem Silicon Valley auch Nvidia, Microsoft, die Virgin Group und Softbank. Auch der französische Informatiker Yann LeCun, der ehemalige Open AI-Forscher Ilya Sutskever, der belgische Professor Pieter Abbeel und Unternehmer Richard Branson haben investiert.[14][15][16]

Im Gegensatz zu anderen autonomen Anbietern wie Waymo kommt Wayve ohne besonderen Sensoren wie Lidar und ohne aufwendige Karte aus. Stattdessen lernt das KI-System von Wayve mit realen Daten aus dem Straßenverkehr sowie virtuellen künstlich erzeugten Daten. Die KI lernt so aus den Daten allein das Fahren, ohne vorher festgeschriebene einzeln eincodierte Regeln, ähnlich dem Ansatz von Teslas Autopilot-System.[17] Die Hardware-Konfiguration des Wayve-Systems ist relativ einfach: Eine Reihe von Videokameras (und grundlegenden Fahrzeugsensoren), die am Fahrzeug angebracht sind, gepaart mit integrierten Bordcomputer. Die Strategie von Wayve besteht darin, seine KI-Fahrtechnologie als Plattform anzubieten. Das Unternehmen plant, seine Technologie an etablierte Automobilhersteller zu lizenzieren oder in deren Fahrzeuge zu integrieren, anstatt eigene Autos zu bauen. Die Technologie von Wayve soll mit verschiedenen Fahrzeugmodellen kompatibel sein.[18]

Wayve ist ein privat geführtes Unternehmen mit Hauptsitz in London, England, dessen Hauptforschungs- und Entwicklungsbüro sich im Londoner Stadtteil Kings Cross befindet. Neben seinem Standort in London hat Wayve international expandiert: Es hatte Mitte 2025 Niederlassungen in den Vereinigten Staaten (mit einem Büro im Silicon Valley), in Kanada (mit einem Forschungszentrum in Vancouver), in Japan (mit einem Standort in Yokohama), in Deutschland (mit einem Standort in Leonberg) und in Israel (mit einem Standort in Herzlia) eröffnet.[19]

Einzelnachweise

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  1. Steve O'Hear: This UK startup thinks it can win the self-driving car race with better machine learning. In: TechCrunch. 22. Mai 2018, abgerufen am 10. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. Balderton: Wayve secures $20M Series A to facilitate self-driving car trials in London | Balderton Capital. 18. November 2019, abgerufen am 10. September 2025 (britisches Englisch).
  3. Wayve will launch self-driving car trials in London with $20 million Series A. In: Tech.eu. 18. November 2019, abgerufen am 10. September 2025 (britisches Englisch).
  4. Wayve’s power players: the leadership team behind the Nvidia-backed autonomous vehicle unicorn. In: Sifted. Abgerufen am 10. September 2025.
  5. Bill Briggs: ‘Leave positive tracks’: Wayve’s self-driving solution seeks to protect people and the planet. In: Microsoft. Abgerufen am 10. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Nick Carey: UK's Ocado invests in Wayve for autonomous grocery deliveries In: Reuters, 6. Oktober 2021. Abgerufen am 10. September 2025 (englisch). 
  7. UK self-driving startup Wayve sets up Japan testing and development centre In: Reuters, 22. April 2025. Abgerufen am 10. September 2025 (englisch). 
  8. Kirsten Korosec: Wayve's self-driving tech is headed to Nissan vehicles. In: TechCrunch. 10. April 2025, abgerufen am 10. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  9. Britisches Start-up Wayve ist Europas Ausnahmeerscheinung. In: Handelsblatt. Abgerufen am 11. September 2025.
  10. Rebecca Bellan: Wayve and Uber plan London robotaxi launch after UK speeds up autonomous vehicle rollout. In: TechCrunch. 10. Juni 2025, abgerufen am 10. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  11. Großbritannien beschleunigt Robotaxi einfuehrung
  12. a b Stuttgarter Nachrichten: Neues Zentrum in Leonberg: KI-Software für Fahrzeuge – Wayve testet und entwickelt in der Region. Abgerufen am 11. September 2025.
  13. UK self-driving startup Wayve sets up Japan testing and development centre In: Reuters, 22. April 2025. Abgerufen am 10. September 2025 (englisch). 
  14. Britisches KI-Start-up erhält mehr als eine Milliarde Dollar. In: Handelsblatt. Abgerufen am 11. September 2025.
  15. Steve O'Hear: This UK startup thinks it can win the self-driving car race with better machine learning. In: TechCrunch. 22. Mai 2018, abgerufen am 11. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  16. Mike Butcher: Wayve raises $200M Series B led by Eclipse for its AI for autonomous delivery vehicles. In: TechCrunch. 18. Januar 2022, abgerufen am 11. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  17. Wayve: Jetzt kommt Europas größte KI-Hoffnung nach Deutschland - WELT. Abgerufen am 11. September 2025.
  18. Mike Butcher: Wayve raises $1B to take its Tesla-like technology for self-driving to many carmakers. In: TechCrunch. 6. Mai 2024, abgerufen am 11. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  19. Company. In: Wayve. Abgerufen am 11. September 2025 (britisches Englisch).